Janus. Im Zeichen des Sturms von

Buchvorstellungund Rezension

Janus. Im Zeichen des Sturms von

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „La señal“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 496 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Alice Jakubeit.

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In Kürze:

Etwas Schreckliches wird passieren, so viel ist sicher. Eine Forschungsabteilung des FBI, spezialisiert auf die Vorhersage von Katastrophen, hat ein alarmierendes Computersignal erhalten. An der Grenze zu Kanada wird es geschehen, und 26 Stunden bleiben, um es zu verhindern. Doch was? FBI-Agentin Kens und der IT-Spezialist Moone, der sein eigenes Geheimnis hütet, liefern sich im Schneesturm des Jahrhunderts einen mörderischen Wettlauf mit der Zeit.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Schicksal und Vorhersehung“50

Mystery-Rezension von Michael Sterzik

Wissenschaft und paranormale Ereignisse müssen sich nicht unbedingt ausschließen, jedoch geben sie den Anstoß zu Forschungen und heftigen Diskussionen in der akademischen Welt. Schon im letzten Jahrhundert haben Staaten damit begonnen, unerklärbare Ereignisse und „wunderliche“ Fähigkeiten mit Hilfe moderner Technik und Wissenschaft zu erforschen und für sich nutzbar zu machen, u.a. natürlich auch für und mit dem Militär. Inwieweit diese von den Regierungen reglementiert oder einfach akzeptiert wurden, bleibt jetzt mal dahingestellt.

Die beiden spanischen Ingenieure und Physiker David Zurdo und Ángel Gutiérrez, die heute hauptberuflich als Journalisten tätig sind, haben sich viel mit den Themen Grenzwissenschaften und übersinnliche Phänomene beschäftigt. Im Verlag Knaur ist jetzt der zweite Roman des Autorenduos „Janus – Im Zeichen des Sturms“ erschienen.

Der Informatik-Professor aus Harvard, Ian Moone, ist ein genialer wie auch ehrgeiziger Wissenschaftler, der sein Projekt „JANUS“ an die amerikanische Regierung verkauft hat. Ian Moone ist nicht glücklich mit seiner „Schöpfung“. Als er „JANUS“ entwickelte, war ihm nicht bewusst, dass das Militär plant, dieses Programm als Waffe einzusetzen. Mit „JANUS“ ist es möglich, die Kontrolle über sämtliche Computersysteme auf diesem Planten zu übernehmen, ganz heimlich, still und leise, ohne Spuren zu hinterlassen.

In den Händen der Militärs und Geheimdienste wäre JANUS die ultimative Waffe, mit deren Hilfe man jegliche Waffensysteme, Kernkraftwerke und Verkehrswege, die gesamte Infrastruktur und Wirtschaft eines Landes kollabieren lassen könnte. Ian Moone kommen kurz vor Vollendung seiner Schöpfung Skrupel und so ist er nicht mehr gewillt, „JANUS“ dem Militär zu übergeben. Doch seine Auftraggeber setzten Moone unter erheblichen Druck. Seine Frau und sein ungeborenes Kind werden bei einem Unfall getötet, den der Geheimdienst inszeniert hat. Ian Moone, geschockt und von Rache getrieben, gelingt gerade noch die Flucht. Doch auf dem Weg nach Kanada strandet der Professor in dem entlegenen, kleinen Städtchen Brownton, Vermont.

Wie der Zufall es will

Genau dort in Brownton, so prophezeit eine Sonderabteilung des FBI, soll sich bald eine Katastrophe ereignen. Seit den größeren Terroranschlägen entwickelte die Behörde ein revolutionäres Computernetzwerk, das Katastrophen vorhersagen kann. Als die Alarmsignale immer stärker werden, wird „Zyklop“, dem Leiter der Abteilung, das Ausmaß der Warnung bewusst. Er weiß nicht, was der Menschheit bevorsteht und was die Ursache sein könnte. Einzig der Ort, wo sich die Katastrophe offenbaren wird – Brownton, Vermont – und der genau Zeitpunkt sind bekannt.

Zyklop schickt seine Tochter Kens in das zukünftige Katastrophengebiet, um sich ein Bild zu machen und möglichst viele Menschenleben zu retten. In Brownton findet Kens eine verlassene Militäranlage vor, die Rätsel aufgibt. Dort wurden scheinbar geheime Versuche mit Menschen unternommen. Moone, der sich zeitgleich mit Kens an diesem Ort aufhält, ist noch immer voll finsterer Rachepläne und als Schöpfer von „JANUS“ hat er nichts mehr zu verlieren. Kens und Moone treffen aufeinander. Beide wissen nichts von den Plänen des anderen, eine Konfrontation scheint unausweichlich.

Wie ein Blatt im Wind

„Janus – Im Zeichen des Sturms“ ist ein wissenschaftlicher Thriller mit mehr als einer Thematik. Die beiden spanischen Autoren Zurdo & Gutièrrez haben in ihrem zweiten Roman sowohl wissenschaftliche wie auch paranormale Experimente in die Handlung eingewoben. Einiges wird dem Leser nicht nur interessant erscheinen, sondern sogar motivieren nachzuschlagen, ob es solche Experimente und Forschungsansätze in der Realität wirklich gibt. Zum einen ist da natürlich die Idee eines Computerprogramms, das sich wie ein Trojaner oder Virus in fremden Rechnern entfaltet und Informationen abruft bzw. manipuliert. Dass es so was schon gibt, ist kein großes Geheimnis mehr. Viel interessanter sind dagegen die Denkanstöße des Autorenduos. Schon längst ist unsere Zivilisation abhängig von Computern, die unser Leben steuern und regeln. Doch was würde passieren, wenn die IT-Infrastruktur eines Staates oder einer Stadt zusammenbrechen würde? Der Begriff „Ausnahmezustand“ bekäme dann eine ganz andere Bedeutung.

Nehmen wir uns die relativ neue paranormale Wissenschaft vor, so gehen Fakten und Fiktion Hand in Hand. Dass Geheimdienste sich seit Jahrzehnten mit geistigen „Kräften“ wie Telepathie und Telekinese beschäftigen, ist auch kein Geheimnis. Nur bleiben die Ergebnisse im Dunklen und der Öffentlichkeit verborgen. Um es mit abschließenden Worten zu sagen: Die Autoren haben es mit diesen Themen etwas übertrieben. Sie stehen derartig im Vordergrund, dass das eigentliche Potential der Story sang- und klanglos untergeht.

Durch die vielen perspektivischen Wechsel, z.B. aus der Sicht von Prof. Moone, dann aus Kens’ und aus der verschiedener Geheimdienstverantwortlicher, wird die Struktur des Romans für den Leser nicht wirklich transparent. Dazu kommt noch ein zeitlicher Wechsel, der im Gesamtbild deplatziert wirkt. Zwar sind alle diese einzelnen Erzählstränge interessant und spannend, doch überlagern sie den Hauptplot und bremsen diesen aus. Ebenso verfahren die Autoren mit ihren Protagonisten. Die sind zwar in der Anzahl überschaubar, aber arg überzeichnet und laufen den Handlungen atemlos hinterher. Und trotzdem gelingt es den Autoren, die Geschichte spannend zu verfassen, auch wenn sich die Höhen und leider auch einige Tiefen in hohem Tempo abwechseln.

Zurdo & Gutièrrez haben sich ein wenig übernommen. Es gibt zwei Projekte: Einmal „JANUS“ und auf der anderen Seite der Medaille offenbart sich das Frühwarnsystem, das Katastrophen vorhersagen soll. Aktion bedeutet also in jedem Fall Reaktion, und als Moone und Kens zusammen agieren müssen, ist die Verwirrung groß und manches Mal mit einigen Logiklöchern gespickt. Weder Moone noch Kens sind sauber konzipiert. Zu viele Fragen, zu wenig Antworten und am Ende von „JANUS“ wird der Leser wahrscheinlich enttäuscht sein und sich fragen, ob er ein oder mehrere Kapitel übersprungen hat.

„JANUS“ ist bedingt zu empfehlen. Als Wissenschaftsthriller zieht er deutlich am Ziel vorbei, da einige Handlungsstränge ins Nirwana verschwinden. Wenn wir die Spannung zur Sprache bringen, wird die Erwartungshaltung kapitelweise erfüllt. Es gibt zu viele Szenenwechsel, zu viel Perspektiven und Protagonisten, die sich wirklich verloren vorkommen müssen. Die Beziehung der beiden offensichtlichen Kontrahenten Moone und Kens kommt überhaupt nicht zum Tragen und wirkt wenig durchdacht, so dass diese zum Ende hin fast schon lächerlich wirkt. Als positives Statement gilt es zu erwähnen, dass die einzelnen wissenschaftlichen Themen den Leser motivieren werden zu recherchieren, vielleicht ergibt sich daraus eine Art Unterhaltung. Ich hoffe, dass sich die Autoren das nächste Mal auf ein Thema konzentrieren, so wie sie das in ihrem ersten Werk getan haben.

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