Der Rabenmann von Dean Koontz

Buchvorstellungund Rezension

Der Rabenmann von Dean Koontz

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „What the Night Knows“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 460 Seiten.ISBN 3-453-26735-4.Übersetzung ins Deutsche von Bernhard Kleinschmidt.

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In Kürze:

John Calvino ist erst 14, als seine gesamte Familie vom Rabenmann ermordet wird. Es gelingt ihm, den Täter zu erschießen. Doch zwei Jahrzehnte später kommt es erneut zu einem Mordfall, der eindeutig die Handschrift des Rabenmanns erkennen lässt. Und John, der mittlerweile selbst Familienvater ist, spürt, dass seine Liebsten als nächste Opfer auserkoren sind ...
Zwei Jahrzehnte ist es her, dass Alton Turner Blackwood, der Rabenmann, vier Familien brutal ermordete. Seine blutige Serie endete erst, als der vierzehnjährige Sohn der letzten Familie ihn erschoss: John Calvino. Doch nun taucht plötzlich ein Mörder auf, der die Untaten von einst exakt kopiert. John, der damals die eigene Familie nicht mehr retten konnte und seitdem schwer gezeichnet ist, ermittelt als Polizist in dem Fall. Voller Entsetzen entdeckt er, dass der Täter offensichtlich feststeht: Es war wohl der vierzehnjährige Sohn der Familie, der seine engsten Angehörigen grausam tötete. Als Detective hält sich John sonst nur an klare Fakten. Aber könnte dieser Junge – bislang ein braver Musterschüler – tatsächlich vom Bösen besessen sein? Und wenn ja: Wie sollten John, seine Frau, die Töchter und der bald vierzehnjährige Sohn Zach der Rache des Rabenmanns entrinnen?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die Dunkelheit unter der Sonne“84

Horror-Rezension von Almut Oetjen

Der vierzehnjährige Billy Lucas hat seine Eltern, seine Großmutter und seine Schwester ermordet. Er befindet sich in einer psychiatrischen Anstalt, weil er für ein normales Gefängnis zu jung und für eine Jugendstrafanstalt zu gefährlich ist. Der Fall ist mit Billys Geständnis offiziell abgeschlossen. Aber Detective John Calvino entdeckt einige beunruhigende Übereinstimmungen mit einem zwanzig Jahre zurückliegenden Fall: Der Rabenmann Alton Turner Blackwood hatte vier Familien abgeschlachtet, darunter die Eltern und Geschwister des vierzehnjährigen John Calvino, bevor dieser ihn erschoss. Das Vorgehen von Blackwood und Lucas stimmt überein.

Ist Billy Lucas besessen von dem Geist des Mörders, der sich nach zwanzig Jahren an Calvino und seiner heutigen Familie rächen will?

Geister, Dämonen und ein Rabe als Totem

Gegenüber seinen Anfangsjahren hat sich der Schriftsteller Dean Koontz verändert, schreibt heute andere Romane als früher. Die sein Werk durchziehenden Themen und Motive finden sich aber auch in seinen jüngeren Büchern: der Optimismus intelligenter Akteure im Angesicht des Grauens; das Konfliktpotenzial zwischen Vernunft und Gefühl; Dialoge, die bisweilen an Schusswechsel erinnern – in den Originalfassungen häufiger als in den deutschen Übersetzungen; die Vermittlung von Hoffnung in einer dunklen Welt, die gerade in Koontz’ letzten Werken dem Verfall anheim gegeben und dennoch gerettet werden zu können scheint. Koontz verbindet darüber hinaus in seinen neueren Büchern in unterschiedlicher Qualität und Intensität Ideen der Quantenphysik mit religiösen Jenseitsvorstellungen.
Das Übernatürliche hat nach wie vor seinen Platz in Koontz’ Werk. „Der Rabenmann“ erzählt eine sehr düstere Geschichte. Die heutigen Morde sind als exakte Nachstellungen der zwanzig Jahre zurückliegenden Taten inszeniert. Koontz spielt in dieser Nachbildung vergangener Momente auch mit der Idee, es gebe eine andere Seite und dort eine andere Welt. In diesem Zusammenhang haben Spiegel eine große Bedeutung, nicht nur symbolisch. Der seit zwei Jahren tote Familienhund Willard nimmt Kontakt zu Minnie auf, eine Kindermörderin zu Naomi. Ein Dämon (dt. Name: Verderbnis; engl. Name: Ruin) ergreift Besitz von mehreren Menschen. Alton Turner Blackwood, in dessen Namen Algernon Blackwood mitklingt, hat den Raben als sein Totem und hält sich für die Personifizierung des Todes.

Wechselnde Perspektiven

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, vor allem aus Sicht der fünfköpfigen Familie Calvino. Der Rückblick auf die Ereignisse, die Calvino und Blackwood verbinden, ist funktionell hervorragend in die Erzählung integriert, ebenso die Tagebuchaufzeichnungen Blackwoods. Diese Aufzeichnungen verleihen der dämonischen Komponente des Romans Tiefe, in ihnen erfahren wir den Zusammenhang zwischen dem Dämon und Blackwood, was der Dämon Blackwood beibringt und was es mit dem Rabenmann auf sich hat.

Calvino hat drei Kinder, knapp vierzehn (Zach; der Übergang von dreizehn zu vierzehn Jahren ist wichtig für die Handlung), zwölf (Naomi) und acht Jahre alt (Minnie). Sie sind nicht hochbegabt, wie in „Blindwütig“, gleichwohl intelligent und intuitiv. Wenn sie sich unterhalten, mag man glauben, sie seien Erwachsene. Aber dies trifft nicht zu. Sie sind weitgehend normale Kinder und unterhalten sich, hier kommt wieder ein satirisches Element in die Erzählung, zwar manchmal wie Erwachsene, tatsächlich aber ist dies nur ein gedanklicher Kniff, um zu zeigen, dass Erwachsene sich oft über Banalitäten wie Kinder unterhalten. Mitunter entlädt sich Koontz’ Humor in direkten Salven auf popkulturelle Artefakte. Naomi findet Vampirbücher blöd:

„Die ganzen Mädchen, die diese Vampirtypen toll finden, wollen doch bloß unterwürfig sein und gesagt bekommen, was sie tun sollen, damit sie nicht selber nachdenken müssen.“

Die Geschichte wird erzählt in der dritten Person Singular, von einem unbeteiligten Erzähler, der sich im Wechsel verschiedenen Personen zuwendet, sich jeweils im Kopf eines Charakters zu befinden scheint. Die Sprachbilder, die Koontz in einer Szene verwendet, korrespondieren mit dem jeweiligen Charakter und der Stimmung in dieser Szene. Sehr gut gelingen Koontz auch die Charakterisierungen in Abhängigkeit von der Wahrnehmung einer Person. Wir können uns beispielsweise ein Bild von der zwölfjährigen Naomi machen, das sich aus den Beschreibungen Johns und Zachs zusammensetzt, die zugleich die unterschiedliche Wahrnehmung des Mädchens durch Vater und Bruder zeigen. Das hat der Autor einfach großartig gemacht.

Bezüge zur Kunst

Als Calvino zu Beginn des Romans einen Tatort anschaut, gibt es einen interessanten Verweis auf Goyas „Saturn verschlingt eines seiner Kinder“. Dem Pfleger in der Psychiatrie, Hanes, erzählt Calvino etwas über Caravaggios Leben als Künstler und Mörder sowie Caravaggios Gemälde „Die Kreuzigung des Petrus“. Intensiv ist auch die Szene, in der Calvino im Flur bei den Lucas’ ein Gemälde von John Singer Sargent („Nelke, Lilie, Lilie, Rose“) sieht, das ihm seltsame Visionen beschert. Man sollte sich eine der im Internet zugänglichen Reproduktionen der Gemälde anschauen und dazu die entsprechende Passage im Roman lesen, weil die Gemälde kommentierend wirken oder ein tieferes Verständnis erzeugen. Koontz gestaltet diese Verweise jedoch nicht als zwingend, dem Roman kann man gut folgen, ohne sich auf die Bilder einzulassen.

Fazit

„Der Rabenmann“ ist ein gut erzählter Genreroman, eine gruselige Geschichte mit einer eigenen Sprachmelodie. In für ihn nicht unüblicher Manier nimmt Koontz unschuldige Personen, bringt sie in belastende, gerne auch grauenhafte Situationen und schaut, wie sie sich darin verhalten. Manchmal schickt er sie auch durch die Hölle. Und auch wenn sie heil aus allem herauskommen, ist es doch ein – sadistischer? – Spaß, seine Figuren auf ihren Wegen zu begleiten. Zumal in seinen Romanen aus jüngerer Zeit immer ein satirisches Moment mitschwingt.

(Almut Oetjen, Februar 2012)

Ihre Meinung zu »Dean Koontz: Der Rabenmann«

geronimox zu »Dean Koontz: Der Rabenmann«05.07.2014
Der Rabenmann ist für mich der langweiligste und klischeehafteste Roman, den ich bisher vom Autor gelesen habe.

Koontz erzählt eine Wiedergänger- und Spukhaus-Geschichte ganz ohne Pep und unerwartete Wendungen, wie ich sie in der Art schon zu Dutzenden gelesen habe. Von einem Koontz erwarte ich jedoch mehr.

Da Art und Auslöser der übernatürlichen Bedrohung schon fast von Anfang an feststehen, habe ich den gesamten Roman nur in der einseitigen Erwartung: »Und wie werden sie am Schluss den Dämon nun wieder los?« gelesen.

Zu Ende gebracht habe ich die Geschichte nur in der Hoffnung, dass Koontz irgendwann im Roman vielleicht noch mal eine interessante Verschiebung der Sichtweisen vornimmt. War aber nix.

Mein Fazit: Für Horrorthriller-Fans eine altbackene Geschichte ohne Überraschungen. Als solche im Sinne der Couch-Kriterien als »Lauwarm« zu bewerten.

5/10
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Alexi1000 zu »Dean Koontz: Der Rabenmann«09.02.2012
DER RABENMANN ist mal wieder ein "übernatürlicher" Thriller von Dean Koontz.

John Calvino musste als heranwachsender mitansehen, wie seine Familie vom "Rabenmann" auf brutalste Weise umgebracht wurde...

Zwei Jahrzehnte später ist er Cop, und wird auf einen Fall angesetzt, der seltsame parallelen zu den damaligen Taten aufweist.

Anfangs baut Koontz immens Stimmung auf, die ersten Kapitel in einer "Anstalt" erreichen fast die Dichte von "Shutter Island" und wecken sogar Assoziationen in die Richtung!
Das ganze hat mich dann so rasant vorwärtsgezogen, das ich in kürzester Zeit das erste Drittel des Buches durch hatte...dann aber begeht Koontz den Fehler sich einen zu langatmigen Mittelteil zu gönnen, ich würde jetzt gern noch etwas mehr dazu schreiben, die Spoilergefahr wäre aber zu hoch...

Das letzte Viertel ist dann als ein ellenlanges Kapitel aufgebaut, in dem sich die Ereignisse nochmal förmlich überstürzen und in einem sehr Actionreichen Finale enden...leider hat es dann für mich aber nicht den besagten Durchhänger aufgewogen.

Mit 70° Wertung immer noch weit überdurchschnittlich, verbleibt nach einigen starken neueren Veröffentlichungen von Koontz leider mal wieder das etwas fade Gefühl, das weit mehr "drin" gewesen wäre!

es soll sogar schon ein e-Book geben, welches noch tiefere Einblicke in das Seelenleben des Rabenmannes gibt, ein gar nicht mal so schlecht ausgedachter "Bösewicht - Charakter"...evtl. bringt das ja noch eine interessante Nebenkomponente mit ein...so bleibe ich halt bei 70°, und hoffe, die Geschichte bleibt in sich abgeschlossen..eine "Serie" um den Rabenmann wäre meiner Meinung nach vertane Müh!
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