Frankenstein - Das Gesicht von Dean Koontz

Buchvorstellungund Rezension

Frankenstein - Das Gesicht von Dean Koontz

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „Frankenstein, Book One: Prodigal Son“,deutsche Ausgabe erstmals 2006, 382 Seiten.ISBN 3-453-56504-5.Übersetzung ins Deutsche von Uschi Gnade.

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In Kürze:

Ein verrückter Serienmörder geht um in New Orleans. Was zunächst nur ein außergewöhnlich harter Fall für Detective Carson O’Connor zu sein scheint, entpuppt sich schon bald als blanker Horror. Ein narbengesichtiger Mann behauptet, sein Schöpfer wäre verantwortlich für die Morde. Der fulminante Beginn der Frankenstein-Trilogie.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Unser Lieblings-Monster kehrt zurück“60

Horror-Rezension von Michael Drewniok

In der US-amerikanischen Südstaatenmetropole New Orleans verursacht ein Serienmörder der Polizei Kopfzerbrechen: Er tötet Frauen und Männer, denen er jeweils Gliedmaßen oder Organe entfernt. Detective Carson O’Connor und Partner Michael Maddison stehen auch nach dem sechsten Fall vor einem Rätsel bzw. mit indizienleeren Händen da.

Auch auf der anderen Seite der Erdkugel werden die Morde mit Besorgnis zur Kenntnis genommen. Ins tibetische Kloster Rombuk und damit in die größtmögliche Einsamkeit hat sich jene Kreatur zurückgezogen, die einst der ebenso geniale wie skrupellose Wissenschaftler Viktor Frankenstein aus Leichenteilen schuf. Das „Monster“, wie es einmal genannt wurde, ist inzwischen beinahe zwei Jahrhunderte alt aber weiterhin gut bei Kräften. Es nennt sich Deucalion, hat hart und erfolgreich an seiner Bildung gearbeitet, sich mit seinem grotesken Äußeren abgefunden und ist mit Körper und Geist im 21. Jahrhundert angekommen.

Dies trifft auch auf Frankenstein zu, der zum ultrareichen Konzernboss Helios mit guten politischen Kontakten geworden ist. Ihn verdächtigt Deucalion der Mordserie im Süden der USA. Um ihn zu stoppen, reist er nach New Orleans. Dort gerät er rasch ins Visier von O’Connor und Maddison, die verständlicherweise wenig geneigt sind, an die Existenz einer alten Gruselmär zu glauben. Doch die Not schafft bekanntlich seltsame Bettgenossen: Als seltsame, anscheinend künstliche Wesen ihr Unwesen zu treiben beginnen, offenbart sich ein diabolischer Plan: Frankenstein will eine neue, ´verbesserte´ Menschenrasse ins Leben rufen, deren Meister natürlich er selbst sein soll. Ihn aufzuhalten ist schwierig, denn Frankenstein ging bereits erfolgreich in die Massenproduktion und schickt seine Geschöpfe aus, um jene zu jagen und zu töten, die sich ihm in den Weg stellen …

Ein Kult auf modernen (Ab-) Wegen

Verrückter Wissenschaftler will die Welt nach seinem Gusto verändern und bedient sich dafür kapital krimineller Methoden, worauf sich ein hoffnungslos unterlegenes Grüppchen aufrechter Gesellen aufmacht, genau dies zu verhindern: Eine Geschichte wird uns hier kredenzt, die wir schon oft gelesen oder als Film umgesetzt gesehen haben. Das geht in Ordnung, wenn sie rasant und ohne Längen erzählt wird, wofür die Namen Koontz & Anderson grundsätzlich garantieren.

Aufmerksamkeit soll in diesem Fall erfolgreich erregt werden, indem besagte Geschichte mit einem Romanklassiker verquickt wird, der über seine literaturgeschichtliche Bedeutung hinaus zu einem festen Bestandteil der Populärkultur geworden ist: ein echter Kult, der nicht gemacht wurde, sondern aus eigener Kraft wuchs. Baron Frankenstein, der sich gegen Gott versündigte, als er dessen Monopol als Schöpfer von Leben missachtete, und seine Kreatur, die an ihrer Herkunft verzweifelte und ohne Erfolg versuchte, als Mensch unter Menschen einen Platz zu finden, bewegen die Fantasie seit zweihundert Jahren. Die Ankündigung ihres neuerlichen Auftritts stellt bereits ein gewisses Grundinteresse sicher: Was werden sie dieses Mal erleben, da sie im 21. Jahrhundert aufeinandertreffen?

Eigentlich nichts Neues, muss man feststellen. Frankenstein und sein Geschöpf führen ihre Auseinandersetzung fort, die vor vielen Jahren für beide beinahe tödlich geendet hätte. Weiterhin weigert sich Frankenstein einzusehen, dass er intelligente Wesen nicht im Labor ´bauen´ darf, um ihnen, ist dieses ´Experiment´ gelungen, seinen Willen aufzuzwingen. Das „Monster“, das dieses Schicksal am eigenen Leib erfahren musste, bemühte sich bisher vergeblich, Frankenstein dies klarzumachen. Jetzt geht es ihm darum, seinen ´Meister´ zu stoppen.

Action statt Anspruch: Horror im Höchsttempo

Der Konflikt beschränkt sich nicht mehr auf Frankenstein und seine Kreatur. Koontz (sein Name wird im folgenden Text allein genannt, da er die treibende Kraft hinter diesem neuen „Frankenstein“-Projekt war) erweitert die Bühne. Die ganze Welt ist nunmehr Spielplatz des globalisierten Barons geworden, was seine Verfolger zwingt, sehr reiselustig zu werden. „Das Gesicht“ fügt sich der Dramaturgie eines „Hit & Run“-Games. Immer geschieht etwas, kaum gibt es jemals einen Moment der Ruhe. Aus Jäger werden Gejagte, wobei die Rollen rasch getauscht werden können. Koontz beherrscht dieses Konzept gut genug, dass kaum jemals der Gedanke beim Leser aufkommt, ob es denn wirklich notwendig ist, dieses Hin und Her auf mehrere Bände auszuwalzen.

Tiefgang dürfen wir folgerichtig nicht erwarten, auch wenn ihn uns Koontz manchmal vorgaukeln möchte, wenn es Frankensteins Monster hier und da über sein Schicksal und seinen Status in dieser grausamen, kalten Welt sinnieren lässt. Es sind trivialisierte Echos jener philosophischen Grundsatzdiskussionen, die Mary W. Shelley, die Autorin des ursprünglichen Romans, Frankenstein und sein ´Kind´ vor drei Jahrhunderten führen ließ. „Das Gesicht“ ist dagegen ein moderner Horror-Thriller mit Copkrimi-Einsprengseln, der sich auf die bekannten und bewährten Elemente beider Genres verlässt.

Unsterblicher Vater-Sohn-Konflikt

Wie würde ein Frankenstein-Monster – wäre es real – in der modernen Welt leben? Die neue „Frankenstein“-Trilogie basiert zu einem guten Teil auf dieser Frage bzw. den möglichen Antworten. Natürlich gilt es zuvor zu unterscheiden zwischen der zwar hässlichen aber hochintelligenten Kreatur, die Mary Wollstonecraft Shelley 1819 schuf, und dem relativ tumben, schnaubenden Hollywood-Monster, das vor allem in den 1930er Jahren von Boris Karloff gemimt wurde.

Koontzes Deucalion ist Shelleys Kreatur, was bereits die selbstironische Namenwahl belegt: „Deucalion“ war in der griechischen Mythologie ein Sohn des Prometheus, der wiederum als Schöpfer der Menschen und Tiere verehrt wurde. Als „modernen Prometheus“ bezeichnete Shelley Victor Frankenstein, den sein Geschöpf lange Zeit als „Vater“ betrachtete.

Das ist Vergangenheit, „Vater“ und „Sohn“ sind sich schon lange spinnefeind. Deucalion hasst Frankenstein – nicht zwangsläufig, weil der ihn wider die Naturgesetze bzw. Gott in eine Welt gebracht hat, die ihm nur Furcht und Hass entgegenbrachte, sondern weil er sich zum einen feige weigerte, Verantwortung für seine unglückliche Schöpfung zu übernehmen, während er zum anderen seine unheilvollen Experimente fortsetzte. Das eigentliche Monster ist folgerichtig Frankenstein.

Deucalion hat zu sich selbst und seine Nische in dieser Welt gefunden. Vorbei sind die Zeiten, in denen ihn ängstliches, ungebildetes Volk mit Fackeln und Mistgabeln jagte oder er sich als kurioses Scheusal auf Jahrmärkten prostituieren musste. Die Welt ist politisch korrekter geworden. Deucalion zieht noch immer die Blicke auf sich, aber er muss sich nicht mehr verstecken, sondern kann, wenn es nötig ist, ganz modern von Tibet in die USA reisen.

Frankenstein: ein Erfolgsmodell

Frankenstein hat inzwischen nur als Wissenschaftler und Machtmensch dazugelernt. Er kann es in Sachen Langlebigkeit mit seiner Kreatur aufnehmen, sodass auch er auf das Wissen von und die Erfahrungen aus Jahrhunderten zurückzugreifen vermag. In der globalisierten Gegenwart, für die er geboren zu sein scheint, hat ihm seine rücksichtlose Gleichgültigkeit den Aufbau eines milliardenschweren Konzerns ermöglicht. Sein grundsätzliches Interesse ist jedoch geblieben: Frankenstein baut weiterhin künstliche Menschen. Ständige Experimente haben ihn gelehrt, welche ´Konstruktionsfehler´ er vermeiden sollte. Seine aktuellen Geschöpfe haben nichts mehr mit dem plumpen, klobigen Deucalion gemeinsam. Sie verschwinden in der Menschenmenge, und genau das sollen sie auch, denn Frankenstein, bei Shelley noch eine durchaus tragische Gestalt, ist unter Koontzes Feder endgültig zum intelligenten „mad scientist“ mutiert, der die Welt erobern bzw. mit seinen neuen, vollkommenen Menschen bevölkern will.

Cops zwischen Mythos und ´Realität´

Überlebensgroße Gestalten benötigen normalmenschliche Begleiter, in die sich der Leser/die Leserin projizieren kann. Diese Rollen übernehmen die Polizisten O’Connor und Maddison, harte US-Cops, die in Wort und Tat praktisch alle aktuellen sowie die meisten zeitlosen Klischees verkörpern, die Film, Fernsehen & Unterhaltungsliteratur jemals erschaffen haben. Detective O’Connor ist ein eisenhartes Frauenzimmer, das ständig beim Chef aneckt, kleine Ganoven gern gleich auf offener Straße vertrimmt und selten im Büro beim Papierkram anzutreffen ist. Natürlich ist sie hübsch, damit es hier und da ein wenig prüdamerikanisch knistern kann. Maddison ist in diesem Roman das Yang zum O’Connorschen Yin; originell soll vermutlich wirken, dass er in diesem Duo den zurückhaltenden Part übernimmt.

Plumpwitz kommt zum Einsatz, wenn Koontz zwei unsympathische Polizistenkollegen „Jonathan Harker“ und „Dwight Frye“ nennt: Der eine ist Graf Draculas erstes Opfer in Bram Stokers berühmtem Roman, der andere heißt nach dem Schauspieler, der in dem klassischen „Frankenstein“-Filmen von 1931 Frankensteins buckligen Laborgehilfen mimte. Solche ´Einfälle´ passen gut zu „Dean Koontz’s Frankenstein“, der nichts Neues, Originelles schafft, sondern stets nur imitiert.

Exkurs: Frankensteins schwere Wiedergeburt

Ihre neue Frankenstein-Geschichte hatten sich Koontz und Anderson ursprünglich für das USA Cable Network einfallen lassen, dem sie als Grundlage für den Pilotfilm zu einer ganzen „Frankenstein“-TV-Serie dienen sollte. Koontz wurde als Ausführender Produzent angeheuert. Ihm zur Seite stand niemand Geringerer als Meisterregisseur Martin Scorsese. Allerdings überwarf sich Koontz bald mit seinem Auftraggeber und verließ das Projekt. „Frankenstein“ wurde 2004 unter der Regie von Marcus Nispel („The Texas Chainsaw Massacre“, „Freitag der 13te“ – das Remake) mit Vincent Perez als Monster und Thomas Kretschmann als Meister verfilmt. Das Ergebnis ist keine Sternstunde des phantastischen Films, bietet aber solide gestaltetes und visuell überdurchschnittliches Handwerk.

Dieser Film erschien in Deutschland als DVD unter dem Titel „Frankenstein – Auf der Jagd nach seinem Schöpfer“. Eine Serie folgte aufgrund der Streitigkeiten, die sich auch nach Koontzes Abgang fortsetzten, nicht mehr. Der sparsame Koontz hat seine Ideen deshalb recycelt und zu einer Romanserie umgearbeitet.

Ihre Meinung zu »Dean Koontz: Frankenstein - Das Gesicht«

benfi zu »Dean Koontz: Frankenstein - Das Gesicht«21.12.2011
Frankenstein - ein Kultroman im Gruselsektor ... Dean Koontz, der amerikanische Bestsellerautor im Horrorgenre hat sich nun diesem Klassiker gewidmet und die Handlung weitergesponnen.
Viktor Frankenstein lebt auch im 21. Jahrhundert noch und hat mittlerweile seine Vision von der Schaffung des perfekten Menschens verfeinert. Aus seinem Feldzug gegen die Menschheit baut der Autor einen spannenden und teils rasanten Psycho-Thriller, in dem das sympathische Detective-Duo O'Connor und Maddison zuerst einen Serienmörder sucht, welcher allerdings auch einen Trittbrettfahrer hat. Die charismatische Figur Deucalion, Frankensteins erster Versuch des künstlichen Menschen; das selbstzweifelnde Lustobjekt Erika IV; Frankensteins Projekte Randal Sechs und Karloff sowie natürlich der gottgleiche Vikor Frankenstein selbst ; sie alle bilden interessante und lebendig beschriebene Handlungsstränge, die sich mit zunehmender Seitenzahl mehr und mehr verknüpfen, um ein aufreibendes Finale einzuläuten - doch falsch gedacht.: es geht noch weiter! Das Projekt, welches eigentlich für eine TV-Produktion angedacht war, ist auf drei Romane ausgelegt worden, was später gar noch um zwei Bücher erweitert wurde.
Natürlich ist die Grundidee nicht gerade etwas gänzlich Neues, aber die flotte und manchmal sarkastisch angehauchte Schreibe bietem dem Leser einen hochprozentiger Auftakt der Frankenstein-Reihe.
Jörg zu »Dean Koontz: Frankenstein - Das Gesicht«26.11.2011
Das Original Frankenstein ist vor 300 Jahren erschienen? Rechnen ist auf jeden Fall nicht Ihre Stärke ;-) Sagen wir mal vor fast 200 Jahren.

Das Buch von Koontz und Co. ist genial, auch die Fortsetzung. Nur wie weit treibt er "das Spiel" noch? In U.S.A. ist ja schon der fünfte (!) Teil erschienen. Auch sind die Abstände, in denen die Fortsetzungen erscheinen eine Zumutung. Aber von der Story und Spannung her typisch Koontz und als Oberflächlich würde ich die auch nicht bezeichnen.

Was wirklich auffällt ist die schlampige Übersetzung sowie die vielen Rechtschreibfehler (Satzfehler). Das ist aber nicht nur in diesem Buch so, sondern fällt überhaupt bei vielen Büchern in den letzten Jahren negativ auf. Es wird eben überall immer mehr eingespart.

Trotzdem auf jeden Fall lesenswert!
Jörg zu »Dean Koontz: Frankenstein - Das Gesicht«26.11.2011
Das Original Frankenstein ist vor 300 Jahren erschienen? Rechnen ist auf jeden Fall nicht Ihre Stärke ;-) Sagen wir mal vor fast 200 Jahren.

Das Buch von Koontz und Co. ist genial, auch die Fortsetzung. Nur wie weit treibt er "das Spiel" noch? In U.S.A. ist ja schon der fünfte (!) Teil erschienen. Auch sind die Abstände, in denen die Fortsetzungen erscheinen eine Zumutung. Aber von der Story und Spannung her typisch Koontz und als Oberflächlich würde ich die auch nicht bezeichnen.

Was wirklich auffällt ist die schlampige Übersetzung sowie die vielen Rechtschreibfehler (Satzfehler). Das ist aber nicht nur in diesem Buch so, sondern fällt überhaupt bei vielen Büchern in den letzten Jahren negativ auf. Es wird eben überall immer mehr eingespart.

Trotzdem auf jeden Fall lesenswert!
Bio-Fan zu »Dean Koontz: Frankenstein - Das Gesicht«14.03.2009
Ich mache es nur ungern, etwas über ein Buch zu schreiben, das ich nicht ausgelesen habe und auch nicht auslesen werde.
Ich frage mich, ist das überhaupt Dean Koontz, der das geschrieben haben soll? Es ist nicht der alte Koontz, den ich immer geschätzt habe und nicht der neue Koontz, der mich z.B. in "Kalt" wieder überzeugen konnte. Liegt es vielleicht am Ko-Autor? Meine Vermutung geht stark in die Richtung: Übersetzung. Es sind nicht einzelne Formulierungen oder das Nichtauflösen von englischen Satzkonstruktionen, die mir da aufgestossen sind. Nein, manche Sätze verschließen mir ganz einfach ihren Sinn. Stellt euch vor: Ihr lest einen Satz fünfmal/sechsmal und dann erst kommt ihr dahinter, was gemeint sein könnte (Konjunktiv). Das macht kein Vergnügen, das macht nur wütend.
Schade! Das Thema: Frankenstein hat mich gereizt.. Und bei einem über drei Bände angelegten Opus eines so renommierten Autors kann man doch eine adäquate Übersetzung verlangen.

Ohne Wertung
alexandra zu »Dean Koontz: Frankenstein - Das Gesicht«02.02.2007
Lesen lohnt sich auf alle Fälle, nur schade das der letzte Teil noch nicht auf dem Markt ist ansonsten hätte ich mir das Vergnügen für später aufgehoben. Eine ganz neue Sichtweise auf Frankenstein und eine gute noch dazu!
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