Phantom - Unheil über der Stadt von Dean Koontz

Buchvorstellung und Rezension

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  • Science-Fiction
  • Horror
  • Mystery

Originalausgabe erschienen 1983 unter dem Titel Phantoms, deutsche Ausgabe erstmals 1986 , 363 Seiten. ISBN 3-453-13965-8. Übersetzung ins Deutsche von Wolfgang Crass.

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In Kürze:

Bei der Rückkehr nach Hause, ins idyllische Snowfield, macht die Ärztin Jenny Paige eine entsetzliche Entdeckung: Alle Einwohner des Bergdorfes sind entweder tot oder spurlos verschwunden. War es ein Unfall mit biologischen oder chemischen Waffen? Doch die Wahrheit ist viel schlimmer – ein grausamer Dämon hält Snowfield mit unglaublicher Macht in seinem Bann. Ach Mitglieder der Rettungsmannschaft fallen ihm zum Opfer. Ist es überhaupt möglich, das unheimliche Phantom zu vernichten?

Das meint phantastik-couch.de: „Von keiner Gestalt aber mörderisch präsent“ 85

Horror-Rezension von Michael Drewniok

Die Straßen von Snowfield, einem Städtchen hoch in den Bergen des US-Staates Kalifornien, wirken wie ausgestorben, als Jennifer Paige, die Ärztin des Ortes, nach kurzer Reise in Begleitung ihrer 14-jährigen Schwester Lisa heimkehrt. In Jennifers Haus entdeckt Lisa in der Küche die Leiche der Haushälterin, die dort unter sichtlich unerfreulichen Umständen ihr Leben verloren hat. Der Sheriff muss her, aber außerhalb der Saison hält nur Deputy Paul Henderson in Snowfield die Stellung. Die Paige-Schwestern finden ihn tot in der Polizeistation. Stichprobenartige Exkursionen in die Häuser der Stadt führen entweder in verlassene Räume oder zu weiteren Leichen, die zum Teil grausam verstümmelt wurden. Außerdem hegen Jennifer und Lisa den Verdacht, aus den Schatten beobachtet zu werden.

Hilfe von außen wird gerufen. Aus Santa Mira, dem nicht weit entfernten Sitz der County-Verwaltung, macht sich Sheriff Bryce Hammond mit fünf erfahrenen Deputies auf den Weg nach Snowfield. Als sie dort ankommen, lässt der unsichtbare Gegner die Deckung fallen und beginnt die Neuankömmlinge brutal zu verfolgen. Während sich die Reihen lichten, igelt man sich ein und hofft auf Rettung und Aufklärung durch General Galen Copperfield und die örtliche Zivilschutzeinheit. Eine mysteriöse Nachricht wird entdeckt: „;Timothy Flyte. Der Alte Feind“. Dieser Flyte hat vor Jahren seine akademische Karriere und seinen Ruf mit der Theorie verspielt, die Menschheit teile sich ihren Planeten mit einer Art Riesenamöbe ausgesprochen fremd- und bösartigen Charakters. In regelmäßigen Zyklen falle dieser unsterbliche und hochintelligente „;Alte Feind“ über die Menschen her und mäste sich an ihren.

Die US-Regierung lässt Flyte nach Snowfield einfliegen. In dem inzwischen abgeriegelten Ort beginnt ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel. Der Alte Feind wird mächtiger und verliert bald alle Scheu, und er liebt es, wenn Todesangst seine menschliche Beute würzt …

Auch ein blinder Koontz findet mal ein Korn …

Würde man mich, der seit 1976 phantastische Literatur liest und sammelt, um eine Liste derjenigen Autoren bitten, die mir in dieser Zeit den meisten Verdruss bereitet haben, so käme Dean Raymond Koontz wohl (wenn auch lange nach John Saul, James Herbert oder Wolfgang Hohlbein) zuverlässig auf einen der vorderen Plätze.

Das liegt nicht daran, dass dieser Autor nicht zu schreiben vermag – das kann er im Gegensatz zu den weiter oben erwähnten Federhaltern -, sondern eher an der Wut darüber, dass er so wenig aus seinem Talent macht. Der typische Koontz-Bestseller ist eine vielhundertseitige Verfolgungsjagd, hinter der eine notdürftig gezimmerte Allerweltsstory und grob geschnitztes Schablonen-Personal zum Vorschein kommen, sobald die Handlung einmal zur Ruhe kommt. Rau und unfertig wirken diese Romane, als habe sie ihr Verfasser noch im Entwurfsstadium auf den Buchmarkt geworfen: Wieso sich unnötige Arbeit mit einer Überarbeitung machen, wo doch die Verkaufszahlen stimmen, mag sich Koontz sagen, während er sich dem nächsten Werk zuwendet. Möglicherweise spielt auch die Ungeduld des Workaholics, der in schlampiger Hast mindestens einen voluminösen Titel pro Jahr produziert, wie man es wohl nennen muss, eine gewichtige Rolle.

Der Ärger wird umso größer, wenn man weiß, dass Koontz viel mehr zu Stande bringt. „;Watchers“ (1987, dt. „;Brandzeichen“) war so ein Titel, und auch „;Phantom“ gehört dazu. Der Plot stimmt, die Geschichte ist sauber konstruiert, wird spannend und trügerisch einfach erzählt und besticht durch eine kunstvoll geschürte, lange am Leben erhaltene Atmosphäre stetiger Bedrohung. Hier treibt Koontz das Konzept des Monsters, das am intensivsten dort wirkt, wo es sich der Leser im Hinterkopf selbst zusammenbauen muss, fast schon auf die Spitze, und er kommt durch damit.

1983 war H. P. Lovecrafts Cthulhu-Saga dem Mainstream-Publikum weithin unbekannt, und Stephen Kings Brachial-Epos „;It“ (1986; dt. „;Es“) lag noch in der Zukunft. So betrat Koontz mit dem „;Alten Feind“ praktisch Neuland und bereicherte die Galerie der literarischen Ungeheuer (Frankenstein-Monster, Vampir, Werwolf, Mumie etc.) mit ihrem vielleicht letzten Archetypus: dem urzeitlichen Gestaltwandler – ein Zwischending aus Außerirdischem und Mutanten, wie es schon wenig später die Gen-Labore des Z-Films (u. a. daran zu erkennen, dass Lance Henrikson oder Juan Fernández mitspielen) zu Hunderten ausspieen. Diese Chance hat er genutzt.

Zwischen „;Angst über der Stadt“ und „;Phantom“

Rätselhaft bleibt die Klärung der Neuausgabe von „;Phantom“. Dean Koontz hat die Aktualisierung seiner alten Romane (die sich auf diese Weise flugs ein weiteres Mal gut vermarkten lassen) fast zu einem Markenzeichen erhoben. Mit dieser Praxis bewegt er sich im Einklang mit dem Zeitgeist, für den die Grenzen zwischen Original, Urversion, Neufassung oder Remake eines Werkes sich immer rascher auflösen. Was noch irgendwie verständlich ist, wenn z. B. zwischen „;Prison of Ice“ von 1976 und dem Relaunch „;Icebound“ von 1995 (dt. „;Eisberg“) die bösen Sowjet-Kommunisten als von der Geschichte aus dem Rennen geworfene Bösewichter weichen mussten, bleibt hier unklar.

Stichproben machen deutlich, dass es zwischen „;Unheil über der Stadt“ von 1983 und „;Phantom“ von 1998 so gut wie keine Unterschiede gibt. Was hat Koontz hier also ‚bearbeitet‘? Hier und da hat er die Geldausgaben seiner Protagonisten der Inflation angepasst, die Rechenleistung der eingesetzten Computer-Software oder den Gentechno-Bubble auf den neuesten Stand gebracht. Aber einschneidende Veränderungen sind unterblieben, was sein Werk weiterhin recht anachronistisch wirken lässt – was ist von einer Geschichte zu halten, die jetzt angeblich auf der Schwelle zum 21. Jahrhundert spielt, in der aber an keiner Stelle ein Handy auftaucht? Kein Wunder, denn in diesem Fall müsste die Phantomjagd ganz anders aussehen!

Genauso seltsam ist das Mysterium der doppelten Übersetzung. Während 1986 Wolfgang Crass „;Phantoms“ ins Deutsche übertrug (und dabei gute Arbeit leistete), löste ihn nun Ulrike Laszlo ab. Angeblich stützte sie sich auf Koontzes Neufassung, doch auch hier stellt sich bei der Nachprüfung heraus, dass die neue Übersetzung der alten praktisch Wort für Wort folgt. Auch Kürzungen oder Auslassungen lassen sich im alten Text nicht feststellen.

„;Phantoms“ – der Film

„;Phantoms“, der Film von 1998, prunkt mit einem Drehbuch von Koontz persönlich und einer ebenso hochkarätigen wie interessanten Besetzung, die aktuelle Jungstars (Ben Affleck, Rose McGowan) und Hollywood-Altstars ohne abgesicherten Rentenanspruch (Peter O=Toole) vor der Kamera vereint. Die Regie von Horror-Routinier Joe Chappelle („;Halloween“ 5 u. 6) ist handwerklich sauber, die Effekte sind sorgfältig in Szene gesetzt (und zum Teil überraschend deftig), aber der Gruselspaß bleibt trotzdem aus, weil der Zuschauer jedes Bild, jede Figur, jeden Dialog schon aus tausend anderen mittelmäßigen Phantastik-Streifen zur Genüge kennt. Fatal ist zudem die formale Nähe zu den TV-Miniserien, die um die Romane des angeblichen Koontz-Konkurrenten Stephen King gesponnen werden. Statt eigene Wege zu gehen, folgte man dem bewährten, aber wenig aufregenden Muster.

Koontz ist da nicht von Schuld frei zu sprechen, denn gar zu offensichtlich treten im Film die Sünden zu Tage, die zumindest im Bereich der Figurenzeichnung auch das Buch kennzeichnen. Die Figuren werden weniger eingeführt und entwickelt, sondern in ihre literarische Welt geworfen, wo sie primär vor dem Phantom fliehen und sich verstecken müssen. Sobald sie zur Ruhe kommen, wird es heikel, denn wirklich echt wirken sie nicht. Gänzlich misslungen ist Koontz zum Beispiel die Figur der jungen Lisa Paige. Sie verhält sich wenig kindgerecht ihrer mehr als doppelt so alten Schwester absolut ebenbürtig, redet auch so und hält sich im übrigen wie ihre Mitstreiter strikt an das Klischeemuster, das für die Bewohner von Monstern belagerter amerikanischer Kleinstädte obligatorisch zu sein scheint und sie zuverlässig dorthin neugierig ihre Nase stecken lässt, wo es dunkel ist und garantiert das Böse lauert. Letztlich kann Koontz wohl doch nicht aus seiner Haut …

Ihre Meinung zu »Dean Koontz: Phantom - Unheil über der Stadt«

Frank zu »Dean Koontz: Phantom - Unheil über der Stadt« 23.05.2009
Gehört zu Koontz besten Romanen. Gut konstruierte, spannende Geschichte um eine uralte "Macht", der gegenüber die Menschheit hilflos ist.
Da diese "Macht" lange diffus bleibt, ist der Leser aufgefordert sich selbst ein Bild zu machen, ein Umstand der der Geschichte äusserst zugute kommt. Hier wird nicht bis ins kleinste Detail erklärt und beschrieben, hier entsteht die unheimliche Atmosphäre eher durch die Andeutung des Möglichen.
Natürlich tappt Koontz in die ein oder andere Klischeéfalle, aber dem Lesevergnügen schadet es kaum. Ein netter Horrorroman den man prima zwischen (zB) einem Barker und D. Clegg schieben kann ;-).
80%.
Kerstin zu »Dean Koontz: Phantom - Unheil über der Stadt« 25.03.2008
Welch eine groteske und böse Macht läßt eine ganze Stadt verschwinden – besser noch – ermordet sie auf grausamste Art und Weise? Dies versucht eine Gruppe von Menschen herauszufinden, doch nicht für alle nimmt es ein glückliches Ende, denn die Wahrheit ist noch viel ungeheuerlicher!
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