Neuer Ärger mit den Tribbles von Diane Carey

Buchvorstellungund Rezension

Neuer Ärger mit den Tribbles von Diane Carey

Originalausgabe erschienen 1996unter dem Titel „Trials and Tribble-Ations“,deutsche Ausgabe erstmals 1999, 185 Seiten.ISBN 3-453-15658-7.Übersetzung ins Deutsche von Uwe Anton.

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In Kürze:

Im 23. Jahrhundert mussten sich Captain James T. Kirk und die Crew der ersten Enterprise mit den Tribbles herumschlagen – jenen schnurrenden pelzigen Wesen mit einem unersättlichen Appetit und einer unheimlichen Fortpflanzungsrate. Nun, über hundert Jahre später, sinnt der damals als klingonischer Spion entlarvte Arne Darvin auf Rache. Es gelingt ihm, mit der Defiant und deren Besatzung an Bord einen Zeitsprung ins 23. Jahrhundert durchzuführen, um die Geschichte zu verändern. Captain Sisko und seine Crew wissen, dass jeder Eingriff in die Zeitlinie verheerende Folgen für die Föderation haben würde. Doch ihre Chancen, den geplanten Anschlag auf Captain Kirk zu verhindern, stehen denkbar schlecht…

Das meint phantastik-couch.de: „Sisko rettet Kirk, aber der darf es nicht wissen“85

Science-Fiction-Rezension von Michael Drewniok

105 Jahre ist es her, dass der klingonische Spion Arne Darvin von Captain Kirk entlarvt wurde. Von seiner düpierten Regierung fallen gelassen, fristet der Ex-Agent sein Dasein als erfolgloser Kaufmann; Kirk hat er blutige Rache geschworen. Nun bietet sich ihm unverhofft eine Möglichkeit, diese zu vollziehen. Darvin erfährt, dass die „Doppelkugel der Zeit“, das Artefakt einer unbekannten Zivilisation, mit dessen Hilfe Zeitreisen möglich sind, auf den Planeten Bajor gebracht werden soll. Der Auftrag, die Doppelkugel von Cardassia Prime abzuholen, geht an die „Defiant“ unter Captain Sisko von der Raumstation „Deep Space Nine“.

Unbemerkt kann sich Darvin Zugang zur Doppelkugel verschaffen. Er aktiviert sie und lässt sich ein Jahrhundert zurück in die Vergangenheit versetzen. Kurz bevor es auf der Raumstation „K-Sieben“ zu dem für sein jüngeres Ich so verhängnisvollen Zusammentreffen mit Captain Kirk kommen wird, gedenkt er seinem Feind eine Falle zu stellen.

Inzwischen stellt Sisko fest, was geschehen ist. Um das von Darvin geplante Zeitparadoxon zu verhindern, folgt er ihm mit seiner Crew auf die Raumstation. Dort gilt es, sich unter den Menschen des 23. Jahrhunderts möglichst unauffällig zu benehmen. Dies erweist sich als höchst problematisch; die Tücke des Objekts lässt Sisko und seine Leute immer wieder in brenzlige Situationen geraten. Die Lage spitzt sich zu, als die „Enterprise“ die Raumstation erreicht. Die Suche nach Darvin entwickelt sich zu einem Wettlauf mit der Zeit. Kirk muss geschützt werden, darf dies freilich nicht bemerken. Sisko hat Glück, denn der misstrauische Kirk ist abgelenkt: Eine Klingonen-Mannschaft auf Landurlaub sorgt für Unruhe auf „K-Sieben“ – und dann sind da noch die Tribbles, jene kleinen, anschmiegsamen Pelztiere, deren phänomenale Vermehrungsrate für Aufregung sorgt …

Ein gelungener Spaß zum Jubiläum

Im Jahre 1967 schrieb der hoffnungsvolle Nachwuchs-Schriftsteller David Gerrold, der gerade seinen College-Abschluss machte, ein Drehbuch für eine beliebte, aber nicht besonders erfolgreiche Fernseh-Serie. Dass „Star Trek“ – die 'klassische’ Serie – heute kultisch verehrt wird, sich zu einem modernen Mythos entwickelte und den Grundstock für ein milliardenträchtiges Franchise legte, ist zu einem guten Teil auch Gerrolds Verdienst. Originalität und Witz gingen in seiner Geschichte, die in der zweiten Saison als Folge 45 unter dem Titel „The Trouble with Tribbles“ („Kennen Sie Tribbles?“) ausgestrahlt wurde, eine glückliche Verbindung ein und sorgten dafür, dass diese Episode bei allen Befragungen immer weit oben auf der Liste der beliebtesten Folgen rangierte.

So bot sich dieser moderne Klassiker geradezu an, als es drei Jahrzehnte später darum ging, das 30ste „Star Trek“-Jubiläum auf eine ganz besondere Weise zu feiern: Die Crew von „Deep Space Nine“, der aktuellen Inkarnation der Serie, sollte auf den legendären Captain Kirk und seine nicht minder berühmten Gefährten treffen – freilich nicht auf die gealterten Veteranen des 24. Jahrhunderts, sondern auf die jungen Helden zum Zeitpunkt der ersten Fünf-Jahres-Mission.

Dramaturgisch, besonders aber technisch stellte diese Jubiläumsfolge (die als „DS9“-Episode 104 mit dem Titel „Trials and Tribble-ations“/„Immer die Last mit den Tribbles“ auf Sendung ging) alle Beteiligten vor enorme Herausforderungen. Zwar war es inzwischen durchaus möglich, 'alte’ und 'neue’ Film-Szenen miteinander zu kombinieren, aber es war noch niemals in diesem Umfang und vor allen nicht im Rahmen einer Fernseh-Serie mit begrenztem Budget und engem Dreh-Plan gemacht worden.

Der Versuch gelang; die aus diversen Episoden 'herausgestanzte’ Crew der Original-„Enterprise“ agierte harmonisch und scheinbar gleichzeitig mit der buchstäblich aus der Zukunft stammenden „DS9“-Mannschaft; sogar ein Zwiegespräch zwischen Kirk und Sisko konnte realisiert werden.

Spaß muss sein, aber Geschäft ist Geschäft

Da es schon lange im „Star Trek“-Franchise üblich ist, diejenigen TV-Episoden, die den besonderen Beifall der Zuschauer finden, in Form von 'Büchern zum Film’ zu recyceln, war klar, dass auch „Trials and Tribble-ations“ diesen Weg gehen würde. Als Autorin wurde Diane Carey beauftragt, eine Veteranin im Franchise, die zahlreiche Romane für alle Serien geschrieben hat. Sie kennt sich aus und schafft es, jenes Feeling zu kreieren, das „Star Trek“ zum modernen Mythos und Kult werden ließ.

Ein Roman zum Film („tie-in“ genannt) lehnt sich naturgemäß eng an seine Drehbuch-Vorlage an. Das merkt man dem Endprodukt, das zudem nicht selten unter Zeitdruck entsteht, leider oft an. Nun ist Diane Carey sicherlich keine begnadete Schriftstellerin. Glücklicherweise stützt sie sich hier auf die vorzügliche Vorlage und liefert eine ihrer besseren Arbeiten ab.

„Neuer Ärger mit den Tribbles“ beschränkt sich dabei nicht auf die Nacherzählung der gleichnamigen TV-Episode, was wegen der Kürze des Drehbuchs ohnehin nicht möglich gewesen wäre. Statt dessen verquickt Carey auf gekonnte Weise die alte Tribble-Story von David Gerrold (die übrigens ihrerseits – von James Blish – in eine Kurzgeschichte verwandelt wurde) mit dem neuen Drehbuch von Ronald D. Moore und René Echvarria, die sie sparsam, aber geschickt mit eigenen Ergänzungen abrundete. In der Fernseh-Folge konnte es verständlicherweise kaum echte Interaktion zwischen den Figuren geben. Im Roman steigert Carey die komödiantische Verwirrung an Bord der „Enterprise“ und von „K-Sieben“, indem sie Kirk, Spock, Scotty & Co. ahnen lässt, dass abseits von Klingonen- und Tribble-Ärger irgend etwas Seltsames vorgeht, bevor die Turbulenz der Ereignisse die Gefahr einer Entdeckung von der „Defiant“-Crew wieder abwendet.

Auch der Kontrast zwischen Kirk, der Legende des 24., und Kirk, dem Menschen des 23. Jahrhunderts, nimmt Carey mehrfach zum Anlass für humorvolle Exkurse zum Thema Heldenverehrung. Die Autorin steigert die Wirkung sogar, indem sie Kirks oft allzu menschliche Reaktionen auf einige peinliche Zwischenfälle quasi durch die Augen seiner 'Verehrer’ aus der Zukunft betrachtet, die staunend zur Kenntnis nehmen, dass auch einer Legende längst nicht alles gelingt.

Die ironischen Brüche zwischen den „Star-Trek“-Welten der 1960er und der 90er Jahre hat Carey in ihren Roman retten können. Schon klassisch ist die Konfrontation der 'neuen’ mit den 'alten’ Klingonen, deren „Maske“ sich in den Pappkulissen der „Classic“-Serie auf eine wilde Haar- und Barttracht und einen kuriosen Brustharnisch beschränkte. Zwar wird der Widerspruch nicht aufgelöst, aber er wird mit einem Mut, der im „ST“-Franchise selten ist, angesprochen und als Grundlage für einen gelungenen Gag genutzt. Ebenso verblüffend ist der Anblick von Miles O`Brien und Dr. Bashir inmitten einer Reihe originaler „Enterprise“-Raumfahrer, die von einem wütenden Captain Kirk zusammengestaucht werden. Auch die Rahmenhandlung mit den „Scully“- und „Mulder“-Anagrammen Lucsly und Dulmur von der „Abteilung für Temporale Ermittlung“ hat Carey übernommen.

Ein kleiner Klassiker in der „Star-Trek“-Romanflut

So kann sich Diane Carey zugute halten, eine gut funktionierende und runde Geschichte aus der hervorragenden Vorlage destilliert zu haben. Ihre Leistung ist um so höher einzuschätzen, als sie auf einen entscheidenden Bonus verzichten musste: Auch die Rückkehr in jene knallbunte, politisch herrlich unkorrekte (man beachte nur die Kostüme der weiblichen Raumfahrer!) Zeit, als „Star Trek“ noch nicht zur Geldmaschine (mit tribblesker Rendite-Rate) mutiert war, kann ihre volle Wirkung nur auf dem Bildschirm entfalten.

Eingeleitet wird „Neuer Ärger mit den Tribbles“ durch einen amüsant zu lesenden, längeren Bericht des Tribble-Vaters David Gerrold, der sich an seine Besuche am Set der originalen TV-Episode von 1967 erinnert und (mit typisch amerikanischem Überschwang) von seiner Rückkehr in die Paramount-Studios dreißig Jahre später berichtet; in „Trials and Tribble-ations“ konnte er endlich nachholen, was man ihm einst verwehrt hatte: den Auftritt als Statist in 'seiner’ Serie!

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