Roter Sektor von Diane Carey

Buchvorstellung

Roter Sektor von Diane Carey

Originalausgabe erschienen 1999unter dem Titel „Red Sector“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 341 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Stephanie Pannen.

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In Kürze:

Ein künstliches Virus hat die gesamte romulanische Herrscherfamilie infiziert. Botschafter Spock muss seine Vereinigungsbemühungen beiseite schieben und seinen alten Freund Dr. Leonard McCoy zu sich rufen. Dieser entdeckt die einzige Hoffnung auf ein Heilmittel in einem lange verschollen geglaubten romulanischen Erben, dessen Blut und Gewebe noch nicht vom Virus verseucht wurden. Aber kann dieser Erbe gefunden werden, bevor der Untergang einer Herrscherdynastie das gesamte Imperium ins Chaos stürzt?

Ihre Meinung zu »Diane Carey: Roter Sektor«

Hagane Kotetsu zu »Diane Carey: Roter Sektor«10.03.2014
Der Buchrücken hört sich ganz gut an:
Ein künstliches Virus befällt die Mitglieder der romulanischen Herrscherfamilie. Botschafter Spock unterbricht seine diplomatische Arbeit auf Romulus und beauftragt den greisen Dr. Leonard McCoy damit, ein Heilmittel zu finden. Dieser findet heraus, dass die einzige Hoffnung das unverseuchte Blut eines verschollenen Mitglieds der Herrscherfamilie ist. Die Suche nach diesem Mitglied ist dann auch Gegenstand der Handlung.

Klingt spannend, oder? Ist es aber leider nicht, den Diane Carey schreib eine völlig andere Geschichte. Stattdessen wird eine völlig neue Figur als Hauptperson eingeführt: Eric Stiles. Soweit nicht schlecht, sondern tolle Idee, mal was anderes. Er ist ein Spross der Stiles Familie, die auf eine lange Tradition in der Sternenflotte zurückblickt. Einer dieser illustren Vorfahren bezichtigte Spock des Verrats in der TOS-Episode „Spock unter Verdacht“. Mitte 2354 trifft Stiles auf dem Planeten PojjanPiraKot auf Botschafter Spock, als wegen eines Aufstandes die Botschaft evakuiert wird. Stiles sieht Spock offenbar als jemanden an, dem gegenüber er sich beweisen muss. Er versucht deshalb Eindruck zu schinden. Dabei macht er sich jedoch völlig lächerlich. Der Einsatz entwickelt sich beinahe zum Desaster, die Schutzobjekte (darunter Botschafter Spock) können nur durch einen wagemutigen Einsatz Stiles flüchten. Für Stiles bedeutet das jedoch eine lange Gefangenschaft auf dem Planeten, der von der Föderation zum Roten Sektor (Sperrgebiet, an das sich aber scheinbar eh nur wieder mal die Föderation hält) erklärt wurde. Das bedeutet, dass sich die Föderation quasi selbst verbietet, dort aktiv zu werden. Somit gibt es wenige Möglichkeiten, Stiles zu befreien. Obwohl der Start in das Buch hinreißend ist, wann erlebte ich jemals das ein Föderationsoffizier einen ganzen Planeten vor seiner Bevölkerung beleidigt, doch dieses hohe Niveau wird auf den nächsten Seiten nicht gehalten.
Allerdings muss erwähnt werden, dass Stiles Naivität einen sehr schnell nervt. Er kommt nicht einmal auf den Gedanken, dass sein Verhalten durchaus heldenhaft war. Nur durch seinen Einsatz konnte Spock gerettet werden. Eigentlich müsste ein angehender Offizier der Sternenflotte diese Schlussfolgerung ziehen können. Warum Eric Stiles überhaupt die Sternenflottenakademie meistern konnte, bleibt mir ein sehr großes Rätsel. Mit dem labilen Charakter benötigt er viele Stunden bei einem Counselor als Offizier zu sein. Zwar gab es mit Reginald "Reg" Barclay schon mal einen psyschisch angeschlagenen Lieutenant in der Sternenflotte, aber seine Schwäche konnte mit seiner Ingenieursbrillianz ausgeglichen und erklärt werden.
Dann allerdings schlägt der Roman die erste Wende und man ist in der Jetztzeit angekommen, sprich etwa 2368/2369 (was der sechsten TNG-Staffel entspricht). Interessanterweise nimmt Carey bei der Einordnung der Geschichte ähnlich wie die Vorgänger keinen Bezug auf TNG-Folgen, sondern scheinbar auf eine ihrer eigenen Geschichten von einem romulanischen Überläufer. Aber gut, sei es drum, Spock und McCoy stehen hier natürlich, wie auch schon das Titelbild eindrucksvoll illustriert, im Mittelpunkt. Doch Diane Carey scheint sich nicht die Mühe gemacht zu haben, mal die Figur Spock genauer anzuschauen. Im ganzen Buch wird Spock nämlich als Vulkanier bezeichnet, dabei ist er aber halb Vulkanier und halb Mensch. Picard und Co. kann man getrost vergessen, denn dessen Auftritt reicht kaum über ein Kapitel hinaus - ja, es bekommen noch nicht mal alle TNG-Helden einen Auftritt (Troi, Worf, Geordi etwa fehlen ganz). Immerhin, McCoy hat seine Augen 2366 (siehe "Feuertaufe: McCoy") doch nicht "zum letzten Mal" geschlossen, wie es das besagte Buch im letzten Satz andeutet, sondern ist hier noch quicklebendig (im Shatnerverse, das ja ca. 2373-2379 spielt, ist er es ja auch noch, aber das ist eine andere Geschichte).
Der größte Spannungsfaktor der eigentlichen Handlung ist die Auswahl des Infektionsobjekts. Die romulanische Führungsschicht wurde infiziert, was natürlich zu Chaos im romulanischen Imperium (auf Seite 81 wird die Größe des Romulanischen Imperiums auf 90 Planeten mit einer Bevölkerung von 200 Milliarden benannt) führt. Die Führungskaste entstammt einer einzigen Familie. Obwohl man als Zuschauer der Fernsehserie weiß, dass sich das Imperium nicht in Chaos auflösen wird, besteht hier erstmalig eine ernsthafte Gefahr für die politische Situation im Quadranten. Schließlich wäre zuvor "lediglich" ein Volk auf einem Planeten beziehungsweise die Bevölkerung einer Raumstation ausgelöscht worden. Das wären zwar Katastrophen gewesen. Direkte Auswirkungen auf das Machtgleichgewicht im Alpha- und Beta-Quadranten, hätte das aber nicht gehabt.
Es steht also durchaus etwas auf dem Spiel im dritten Band der Reihe. Die Romulaner wenden sich an die Föderation um Hilfe, weil sie selbst nicht mehr weiterkommen. Das verwundert, schließlich dürfte das romulanische Gesundheitswesen mindestens so weit oder gar weiter entwickelt sein wie das der Föderation. Zumindest fehlt eine Begründung, warum dies nicht der Fall sein könnte. Andererseits hat die romulanische Führungsfamilie vielleicht erkannt, dass sie in ihrer Situation keine Wahl haben als alle Optionen auszunutzen. Und eine Außenperspektive kann gelegentlich ja Wunder wirken. Schnell stellt sich heraus, dass die Herstellung des Gegenmittels relativ leicht sein könnte, wenn man ein nicht infiziertes Mitglied der Führungsriege auftreiben könnte. Hier schließt sich der Kreis, ist doch der im Roten Sektor noch immer gefangengehaltene Zevon ein Mitglied dieser Familie. Er hegt jedoch einen Groll gegen seine Verwandten.
Letztlich löst sich die Situation selbstverständlich in Wohlgefallen auf. Stiles kommt wieder ins Spiel, ein Gegenspieler tritt beinahe ins Rampenlicht und nach einem intensiven Raumkampf kann das Gegenmittel hergestellt werden. Das alles bietet wenig Neues, ist aber gut und vor allem spannend erzählt.
Sowieso ist das hohe Erzähltempo und der Erzählstil die größte Stärke des Romans, wie beispielweise diese Zitate belegen:

auf Seite 83 Eric Stiles zu Zevon: "Meine Mutter kannst du ruhig beleidigen, aber behaupte nicht, ich sei kein Anführer?"

auf Seite 122 McCoy zu Eric Stiles: "Die Oberste Direktive wurde während meiner Lebenszeit so oft uminterpretiert, dass man denken könnte sie sei aus Gummi. In einer sich verändernden Galaxis braucht man das wohl."

auf Seite 124: Eric Stiles: "Ich dachte, ich wüsste alles."
McCoy: "Zeigen Sie mir einen Einundzwanzigjährigen, der das nicht tut."

"Roter Sektor" ist in Ordnung, mehr aber auch nicht. Es fehlten mir sowohl der Bezug zu den bisherigen Romanen der Reihe, als auch die Crossover-Aspekte, die angesichts der Tatsache, dass hier die Geschicke einer uns bislang völlig unbekannten Figur im Vordergrund stehen, viel zu sehr ins Hintertreffen gerät. Spock und McCoy sind zwar halbwegs prominent vertreten, von der TNG-Crew bekommt man aber bis auf Dr. Crusher (Die sich jedoch meines Erachtens teilweise sehr untypisch verhielt, wenn man ihr nicht diesen Namen gegeben hätte, hätte ich sie nicht wiedererkannt. Sie verhält sich und spricht ganz anders, als ich das aus der Serie kenne. Sehr ungewohnt und irritierend.) und Data in kleineren Nebenrollen kaum jemanden zu Gesicht. Fast könnte man meinen, Carey hätte entweder in letzter Sekunde einen bereits bestehenden Roman auf die Doppelhelix-Reihe umgeschrieben, oder aber einen zuvor abgelehnten Entwurf aus dem Papierkorb geholt und entstaubt, und in "Roter Sektor" nun die Möglichkeit gesehen, den Verantwortlichen diesen doch noch unterzujubeln. Wie auch immer… als eigenständiger Roman mag "Roter Sektor" noch halbwegs ok sein, aber als dritter Teil einer groß angelegten Crossover-Reihe ist er doch eine kleine Enttäuschung.
Gesamtwertung: 70 Grad!
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