Geschichten eines Krieges von Die Drachenkinder

Buchvorstellungund Rezension

Geschichten eines Krieges von Die Drachenkinder

Originalausgabe erschienen 2008, 384 Seiten.ISBN 3937544089.

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In Kürze:

Dies sind die Geschichten eines Krieges: Chronisten schreiben über stolze Kämpfer, die für Land, Glaube oder König in den Krieg ziehen. Doch die wahrhaft großen Dinge ereignen sich unbemerkt und in aller Bescheidenheit. Hier geht es um die Helden, die nicht in vorderster Reihe stehen. Die Wesen, die durch den Krieg gezwungen werden oft sehr unkonventionelle Wege zu beschreiten und die mit viel List um ihr Leben und um das ihrer Angehörigen kämpfen. Egal ob Mensch, Elf oder Monster, all diese Kreaturen haben ein gemeinsames Ziel: Überleben!

Über die Autoren:

Die Autorengruppe »Die Drachenkinder« entstand Anfang des Jahres 2007 aus den Autoren Christiane Gref, Helmut Marischka, Carsten Steenbergen und John Poulsen. Da jeder der Autoren sein eigenes Fachgebiet hat, reicht das Portfolio der Gruppe von Horror, über Fantasy bis hin zum historischen Roman, vom Heftroman bis zum Hörspielbereich. Die erste Anthologie der Drachenkinder »Hauch der Finsternis« wurde für den Deutschen Phantastik Preis 2008 nominiert. Nun legt die Gruppe mit »Geschichten eines Krieges« ein Werk nach, das in seiner Qualität der ersten Geschichtensammlung in nichts nachsteht.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die Chroniken vergessener Helden“90

Fantasy-Rezension von Tom Orgel

Fantasygeschichten erzählen für gewöhnlich von Helden und heroischen Taten, von glorreichen Siegen und unverzagten, gelegentlich sogar minderjährigen Weltrettern. Besonders, wenn epische Schlachten darin vorkommen. Es gibt also in der Fantasy eine gewisse Erwartungshaltung an ein Buch mit dem Titel „Geschichten eines Krieges“. Welche in dieser Anthologie ganz und gar nicht erfüllt werden. Und das ist hervorragend so.

Auf diese Weise hat die Autorengruppe der Drachenkinder, die als Herausgeber dieses Buches fungieren (deren Mitglieder jedoch keine einzige der enthaltenen Geschichten beigesteuert haben), ein umso interessanteres Kaleidoskop an Alternativ-Fantasy zusammenstellen können.

Die hässlichen Gesichter des Krieges

In 26 kurzen und meist knackigen Geschichten begegnet man hier alternden Soldaten, die Fahnenflucht begehen, weil sie als Kriegshelden gefeiert werden, Truppen, die unter der eigenen Bevölkerung marodieren, während sich die feindlichen Orks als menschlicher erweisen als die eigenen Leute. Man trifft auf Feen, deren Heimat vernichtet wird, weil sich menschliche Truppen auf ihrer Wiese schlagen, Kinder, die der Krieg zu Monstern gemacht hat, und Monster, die im Krieg Herz beweisen. Immer wieder trifft man auf die vielen äußerst hässlichen Gesichter des Krieges. Was man hingegen selten trifft, sind Happy Ends. Was traurig ist, aber richtig so, denn im Gegensatz zum üblichen Fantasy-Klischee sind Happy Ends im Krieg nun mal eher Mangelware. Auch wenn doch gelegentlich Hoffnung und Zuversicht ihren Platz finden.

Es ist schwer, eine umfassende Beschreibung dieser Anthologie zu geben. Vor allem, weil es hieße, besondere Höhepunkte unter den Geschichten heraus zu picken. Was allerdings nicht wirklich möglich ist. Nicht leider, sondern erstaunlicherweise.

Diese Sammlung hebt sich nämlich unter anderem auch dadurch von der üblichen Kost in diesem Sektor ab, dass es den Herausgebern tatsächlich gelungen ist, hier 26 Geschichten auf nahezu gleich bleibend hohem Niveau zusammen zu stellen.

Natürlich unterscheiden sich die Erzähl-Stile der einzelnen Autoren zum Teil erheblich. Das allerdings sind keine Unterschiede in der Qualität und somit kann man lediglich subjektiv nach „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“ differenzieren, kaum aber objektiv nach der erzählerischen Qualität. Welche vor allem dadurch besticht, dass fast durchgehend neue oder zumindest neu aufbereitete Blickwinkel dieses Kernthemas der Fantasy geschildert wurden. Mal drastisch hart, mal poetisch wehmütig, mal wieder sachlich nüchtern.

Spannend, deprimierend – und wenig zu lachen

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass der Titel der Anthologie nicht ganz zutrifft. Denn es sind nicht die Geschichten eines bestimmten Krieges. Hier findet sich keine Rahmenhandlung, wie sie aus Sammlungen in feststehenden und bekannten Fantasywelten wie z.B. dem deutschen DSA-Universum oder den „Vergessenen Reichen“ des D&D bekannt ist. Es gibt offensichtlich keinen einzelnen, vorgegebenen Krieg, der einen klaren, wiederkehrenden Hintergrund bildet. Vielmehr bleiben die Welt der Handlungen, in den meisten Fällen auch die nähere Umgebung und oft sogar die Konflikt-Parteien namenlos. Es entsteht dadurch mit der Zeit das Bild einer trostlosen, in ewigem Krieg versunkenen Welt in Flammen. Was das schnelle Hintereinander-Lesen mehrerer der Geschichten zu einer vielleicht etwas deprimierenden Sache macht. Nicht schlechter – aber trotz der gelegentlichen Hoffnungsschimmer im Kleinen in der einen oder anderen Geschichte doch auf Dauer recht deprimierend.

Was tatsächlich nahezu komplett fehlt – und das ist bei Geschichten von 26 verschiedenen Autoren doch bemerkenswert – ist Humor. Selbst wenn es, themengemäß, schwarzer, zynischer oder Galgenhumor sein sollte, so wäre doch zu erwarten gewesen, dass wenigstens die eine oder andere absurde und damit lächerliche Seite des Krieges beleuchtet werden würde. Tatsächlich scheint das allerdings nicht an der Auswahl der Herausgeber zu liegen, sondern daran, dass schlicht nichts Entsprechendes eingereicht wurde. Insofern auch das kein Kritikpunkt, der der Anthologie selbst anzurechnen ist.

Geschichten mit Wirkung und Autoren zum Merken

Insgesamt haben die „Drachenkinder“ und ihre 26 Autoren hier eine wirklich beeindruckende Arbeit vorgelegt, deren einzelne Geschichten in ihrer Wirkung oft noch lange im Kopf bleiben. Die „Geschichten eines Krieges“ sind auf jeden Fall wert, beachtet und gelesen zu werden – und sicherlich ist der eine oder andere Name dabei, den man sich auch für die Zukunft merken kann.

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