Der Verrat von Dirk van den Boom

Buchvorstellungund Rezension

Der Verrat von Dirk van den Boom

Originalausgabe erschienen 2011, 220 Seiten.ISBN 394125829X.

»Der Verrat« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Trunken von ihrem Triumph vor Adrianopel setzen die Goten zur Eroberung Ostroms an und bedrohen Thessaloniki. Während die Männer des Kleinen Kreuzers Saarbrücken noch versuchen, ihre Nützlichkeit für das Römische Reich unter Beweis zu stellen, formiert sich der Widerstand gegen die „Zeitenwanderer“. Mächtige Kirchenfürsten intrigieren gegen den wachsenden Einfluss der Deutschen, auf der Saarbrücken selbst wird der Keim des Verrats gepflanzt …und nicht nur dort …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Mit Maschinengewehren gegen die das Römische Reich bedrohenden Goten“70

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Wir kennen die Geschichte aus den Überlieferungen und dem Schul-Unterricht. Der Zusammenbruch des Römischen Reiches durch die Invasion der Goten und Hunnen, die Spaltung und der anschließende Niedergang der größten Zivilisation, die die Welt bis dahin gesehen hat.

Was aber wäre, wenn der Niedergang aufgehalten werden könnte? Wenn es eine Reihe von Menschen gelingen würde, verhängnisvolle Entwicklungen und fatale Entscheidungen zu verhindern und die überlieferten Geschehnisse in eine andere, neue Richtung zu lenken?

Nachdem der kaiserlich wilhelminische Kreuzer Saarbrücken durch die Zeit geschleudert im Mittelmeer angekommen ist und sich seine Besatzung mit der Tatsache abgefunden hat, dass sie sich nicht mehr in ihrer bekannten Welt und Zeit befindet, haben die mutigen Männer Verbindung zu den Herrschenden aufgenommen. Erste Kontakte wurden geknüpft, Allianzen und Bündnisse eingegangen. Nun gilt es Gratian, dem Imperator des Reiches, die Nützlichkeit der Besucher aus der Zukunft deutlich zu machen. Die Niederlage der Legionen im Osten des Reiches bietet dazu Gelegenheit. Um die angreifenden Goten, und die mit diesen verbündeten Hunnen aufzuhalten, macht sich ein Teil der Besatzung mit ihren modernen Waffen auf, eine neue Schlacht vor Thessaloniki zu schlagen – eine Schlacht, bei der die Geschichte in eine neue Richtung gelenkt werden soll.

Während der Kapitän der Saarbrücken und die Infanteristen sich in Hellas noch um die Zukunft der Mannschaft verdient machen, nutzt ein Verräter die Gunst der Stunde. Verbohrt und von den mächtigen Kirchenfürsten des Reiches verlockt, führt er die Meuterei gegen seinen Vorgesetzten und dessen Befehle an …

Die Action übernimmt das Zepter

Im zweiten Teil, des aufgrund drucktechnischer Überlegungen gesplitteten Romans – insgesamt soll die Reihe um die Kaiserkrieger drei Romane in sechs Büchern umfassen – setzt der Autor seine Handlung nahtlos fort. Auf eine Zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse wurde verzichtet, so dass die Kenntnis des ersten Teils unabdingbar zum Verständnis der Handlung ist.

Wurden im ersten Buch die Grundlagen gelegt, die Herkunft des Schiffs und seiner Besatzung beschrieben, die Personen eingeführt und ein erster Kontakt zu den offiziellen Mandatsträgern und Mächtigen des Reiches hergestellt, so nimmt der Plot vorliegend deutlich Fahrt auf. Nicht länger steht das intelligente Spiel der Frage – was wäre wenn – im Mittelpunkt, sondern es wird intrigiert, verraten, gekämpft und gestorben.

Es geht, ganz der damaligen Realität folgend, martialisch zu auf den Schlachtfeldern, auf die es unsere kaiserlichen Soldaten zieht. Dass Hunderte von Goten im Kugelhagel niedergemacht werden stört dabei ebenso wenig, wie die Tatsache, dass nach der Schlacht die Schwerverletzten, egal ob Legionär oder Feind, mit einem Stich ins Herz von ihren Leiden erlöst werden. Das liest sich zunächst brutal, spiegelt aber nur die Verhältnisse zur damaligen Zeit wieder.

Auch stilistisch hat sich das Bild ein wenig gewandelt. Mit der Kampfbeschreibung, den Schlachtengemälden und der Meuterei werden die Sätze kürzer, die Charakterschreibungen nehmen ab, statt dessen rückt die Action mehr ins Zentrum.

Um den Roman wirklich bewerten zu können, muss man den ersten Teil mit berücksichtigen. Gerade dort überzeugte der Autor mit fundiertem historischen Wissen, mit packenden Charakteren und legte die Grundlage für die Fortführung der Reihe. Im vorliegenden zweiten Buch legt van den Boom seinen Schwerpunkt dann mehr auf die packende Darstellung der Kämpfe, das Spiel mit historischen Fakten, Entwicklungen und Möglichkeiten tritt in die zweite Reihe zurück.

(Carsten Kuhr, September 2011)

Ihre Meinung zu »Dirk van den Boom: Der Verrat«

M.Reinsch zu »Dirk van den Boom: Der Verrat«27.11.2012
Nachdem der Kreuzer Saarbrücken unter seinem Kapitän Rheinsberg die ersten vorsichtigen Schritte in Richtung Ihrer neuen Heimat gemacht haben, stellen sich auch schon Probleme ein. Wie soll man sich in die herrschende Klasse integrieren, wie sieht es mit der Versorgung des Schiffes und der Männer aus?
Durch sein Geschichtswissen will ­Rheinsberg, dem jungen Imperator Gratianus gegen seine erste große Prüfung ­beistehen: Die Goten.
So ziehen die "Marine" ­Infantristen der Saarbrücken nach Thessaloniki um mit modernen Waffen ­der gotische Völkerwanderung entgegen zu treten.
Gleichzeitig kommt es während der Abwesenheit des Kapitäns zur Meuterei auf der Saarbrücken, denn der Erste Offizier hat sich mit der langsam stark werdenden Macht der Kirche verbunden ...
Geschickt zieht Hr.van den Boom wieder alle Register seiner Geschichtskenntnisse. Gerade in den Kapiteln um den Deserteur Thomas Volkert, der in die Legion gepresst wird, ist das Leben in der damaligen Zeit sehr gut wiedergegeben. Endlich bekommen auch (wenigstens einige) Charaktere Tiefe, und ein gewisses Verständnis für Ihre Handlungen kommt auf. Sehr angenehm ist auch die Möglichkeit, einen Teil der Geschichte aus der Sicht der Goten zu erleben, die nicht als tumbe Barbaren daherkommen, sondern sich sehr wohl Ihrer Stellung und Macht bewusst sind. Auch versteht es der Autor die wirklichen (eher menschlichen) Probleme der Zeitreisenden mit Ihrer neuen Umgebung und den dort ansässigen Menschen aufzuzeigen. Schnell werden Sie enttarnt, eben keine "Götter" zu sein, sondern eben als Menschen, einer anderen Zeit, die sich aber grundlegend nicht sehr von den damaligen Römern (auch Deutschland hatte einen Kaiser) unterscheiden.
Fazit: Sehr angenehm zu lesende "Histofiktion", die nicht zu Übertreibungen neigt und dadurch einen "Wäre doch Möglich-Effekt" schafft.
Ihr Kommentar zu Der Verrat

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.