Tentakelschatten von Dirk van den Boom

Buchvorstellungund Rezension

Tentakelschatten von Dirk van den Boom

Originalausgabe erschienen 2007, 212 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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In Kürze:

In den Jahrhunderten interstellarer Expansion ist die Menschheit nie auf außerirdische Intelligenz gestoßen. Mit sich selbst beschäftigt, verliert man sich in Bürgerkriegen und Misswirtschaft. Und dann, in einer Phase größter Demoralisierung, am Rande des Zusammenbruches nach einem blutigen Kolonialkrieg, wirft der erste Kontakt mit Aliens seinen langen Schatten auf die Welten der Menschen …

Ein Flottenoffizier auf dem Abstellgleis, eine Marinesoldatin im Ruhestand und ein Genie, das alle für verrückt halten, sind die Ersten, die mit den Besuchern zu tun haben. Schnell merken sie, dass dieser Kontakt nur eines bedeutet: Den Beginn eines aussichtslosen Kampfes …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Flora zum fürchten“85

Science-Fiction-Rezension von Frank A. Dudley

Für die meisten außenstehenden Betrachter dürfte Military Science Fiction einen Großteil der Science Fiction insgesamt ausmachen. Space Operas sind immer technisch-militärisch, da es per se um Raumschiffe geht, deren Mannschaften festen Kommandostrukturen unterliegen und die sich auf Erkundungs-, Verteidigungs- oder Angriffsflügen befinden.

Doch streng genommen ist Military Science Fiction nur dann solche, wenn die Kampfhandlungen und Kriegswaffen im Mittelpunkt stehen. Der Austragungsort kann der Weltraum, aber auch die Oberfläche eines Planeten sein. Jüngste Vertreter dieses Subgenres sind John Scalzi und Neal Asher, den meisten bekannt sein dürfte Robert Heinlein, dessen „Starship Troopers“ vor einigen Jahren erfolgreich verfilmt wurde. Der deutsche Autor Dirk van den Boom, in eingeweihten Fankreisen für seine Serie „Rettungskreuzer Ikarus“ bekannt, hat jetzt einen Military-SF-Roman vorgelegt, der vor allem eins will: Richtig gut unterhalten.

In van den Booms Universum franst die auf Dutzende Sonnensysteme ausgebreitete menschliche Zivilisation zum Rand hin aus. Während nach einem Kolonialkrieg auf der Zentralwelt Terra ein dekadenter Machtkampf zwischen hochrangigen Vertretern von Militär, Politik und Wirtschaft vor sich hin kocht, müht man sich auf dem Planeten Abedian ab, Rohstoffe zu gewinnen. Die Raumflotte dort ist überaltert, die Besatzungsmitglieder der beinahe schrottreifen Patrouillenboote sind strafversetzte Soldaten. Auf einem Routineflug scannt man im tiefen Raum ein bislang noch nie geortetes Signal und schnell wird klar, dass es sich hier um einen Erstkontakt mit Außerirdischen handelt. Doch das Alienschiff fackelt nicht lange und macht durch die Vernichtung einer Erkundungssonde gleich klar, dass es nicht in friedlicher Mission unterwegs ist.

Hastig macht man Meldung bis ganz nach oben, doch die Admiralität winkt belustigt ab. Erst als der unbekannte Raumjäger ein Kriegsschiff der menschlichen Flotte abschießt, einen Raumhafen dem Planetenboden gleichmacht und auch in anderen Systemen immer mehr unbekannte Schiffe auftauchen, erkennt man, dass hier eine Invasion ihre Schatten voraus wirft. Und kurz danach lernen die Menschen auf Abedian, dass es sich um die Schatten tentakelbewehrter Aliens pflanzlichen Ursprungs handelt. Noch beunruhigender ist die Tatsache, dass die absolut emotionslosen Kriecher menschliche Köpfe gerne als Blumentöpfe zur Zucht von Tentakelsetzlingen verwenden. Und während Terras korrupte Oligarchen noch um die Finanzierung einer Generalmobilmachung streiten, kämpfen die Bewohner von Abedian auf verlorenem Posten gegen eine erdrückende Übermacht aus fürchterlicher Flora.

Geradlinig und schnörkellos

Hier geht’s direkt zur Sache: Ohne sich lange mit Erklärungen oder weitschweifigen Infodumps aufzuhalten, treibt Dirk van den Boom die Handlung von „Tentakelschatten“ schon nach wenigen Seiten flott auf den Konflikt zu. In knappen Sätzen umreißt er die Hintergründe von Personen, Ereignissen und Schauplätzen, den epischen Ballast wortreicher Weltenkonstrukteure hat er nicht mit an Bord seiner schnörkellosen Geschichte genommen. Und das ist gut so, denn mal abgesehen von dem Platz, den die dicken Wälzer im Buchregal beanspruchen, macht das mit 212 Seiten eher schmale Bändchen vor, was geradlinige, szenische Erzählung ist. Mehr Raum braucht eine gute Geschichte nicht.

Es gibt nur zwei Kritikpunkte: Zum einen die Tatsache, dass der Moment des tatsächlichen Erstkontaktes mit dem Alienraumschiff zu flüchtig beschrieben ist. Er markiert immerhin den Wendepunkt der Handlung, nach dem sich die Ereignisse regelrecht überstürzen. Zum anderen sind es die etwas zu andeutungsschwer geratenen Schlusssätze der ersten Kapitel, die von unnötigem Pathos durchdrungen sind. Zum Glück bleibt das in der zweiten Hälfte aus.

Das Buch ist also schnell gelesen, und wenn man es auf dem Arbeitsweg in der Bahn verschlingt und nicht aufpasst, steigt man schon mal ein paar Stationen später aus. Da kommt jede sonst ärgerliche Stellwerkstörung des öffentlichen Personennahverkehrs zum Weiterlesen gerade recht.

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