Diverse: Vampir-Horror Band 1. Die Geburt des Bösen von Diverse

Buchvorstellungund Rezension

Diverse: Vampir-Horror Band 1. Die Geburt des Bösen von Diverse

Originalausgabe erschienen 2004, 448 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Inhalt:

  • Jo Zybell: Der Orden der Raben
  • Ernst Vlcek: Die Geburt des Bösen
  • Werner K. Giesa: Die Drachenpest
  • Manfred Weinland: Schattenkinder
  • Dan Shocker: Schreckensnacht auf Burg Frankenstein

Das meint Phantastik-Couch.de: „Für Freunde des klassischen Heftchengrusels“50

Horror-Rezension von Elmar Huber

Der Orden der Raben

„Da unten wuchert es, das Gewächs aus Glas und Staub und Asphalt, das Gewimmel aus Fleisch und Blech und Lärm. Da liegt es unter uns, das Geschwür, das du Stadt nennst, das schmutzige, stinkende, stöhnende Gewächs, das wir >Unwald< nennen; und >Unerde< und >Nesternichts<.“

Unerklärlich aggressive Rabenschwärme zeigen sich über London. Als es zu den ersten Todesfällen kommt, beginnt Tom Percival, Reporter der SUN und ehemaliger Priester, zu recherchieren. Zwischen den Toten scheint ein Zusammenhang zu bestehen.

Die Hauptfigur Tom Percival entspricht so gar nicht dem landläufigen Bild eines Helden im Kampf gegen dunkle Mächte. Wenig trainiert und seelisch gebrochen aufgrund seiner bisherigen Enttäuschungen, dennoch mit unerklärlichem Erfolg beim schönen Geschlecht. Tom Percival kommt in „Der Orden der Raben“ eher passiv daher. Es gelingt ihm zwar, die richtigen Zusammenhänge herzustellen, doch nicht mit übernatürlichen Mitteln oder übersinnlicher Hilfe, sondern mit klassicher Polizei-/Reporterarbeit. Unterm Strich ist „Der Orden der Raben“ ein Grusel-Krimi (das trifft es wohl am ehesten), der einer angenehm klassichen Krimihandlung folgt, einige phantastische Einschübe hat und kurzweilig unterhält, aber keinen sonstigen Anspruch erheben kann.

Dem Autor gelingen einige coole Momente, etwa die Beschreibungen von London aus der Rabenperspektive oder das Aufeinandertreffen der verfeindeten Druiden in Londons U-Bahn. Das phantastische Element allerdings kommt teilweise zu klischeehaft und damit am Rande der Lächerlichkeit daher. Mit Verzicht darauf und mit einigen Seiten mehr für die Personencharakterisierung hätte hier ein solider Thriller mit einem sympathischen Ermittler entstehen können.

Die Geburt des Bösen

„In der ersten Novembernacht regieren in Irland die Geister und Dämonen. Die Feen tanzen mit den Trollen, der Lepracaun und der Pooka sind unterwegs. Hexen verbreiten ihren Zauber, und der Kutscher Dulahan fährt mit seiner schwarzen Kutsche aus, die von Pferden ohne Köpfe gezogen wird.“

Eine Seance in einer Halloweennacht auf Schloß Croker fordert ein unvorhergesehenes Opfer. 20 Jahre später findet auf dem Schloss, das inzwischen Pooka Manor heißt, ein Magiertreffen statt. Derek Hammer, Angestellter des Para-Instituts, besucht das Treffen im Auftrag seiner Arbeitgeber. An seiner Seite die übernatürlich begabte Vesta Banshee.

Die Einführung der Figuren gelingt sehr gut und auch die Motivationen werden klar dargestellt. Danach geht es allerdings mehr als platt weiter. Derek Hammer stolpert durch die Handlung wie ein Schuljunge. Mit den Personen wird es irgendwann zuviel des Guten und man verliert den Überblick. Die Handlung ist eine Aneinanderreihung von einzelnen Szenen, ohne dass ein wirklicher Handlungsbogen gespannt wird. Gegen Ende verlässt der Autor sogar Derek Hammer als Identifikationsfigur für den Leser, und erzählt aus Sicht der Kavallerie, die natürlich im letzten Augenblick eingreift (schließlich befinden wir uns hier in einer Serie).
Die Freunde und Gegenspieler Derek Hammers (wer was ist, ist noch nicht klar) warten mit bemüht mystisch klingenden Namen wie z.B. Mega Diabolo oder Mascara Snake auf. Das Ganze wird mit einer Ernsthaftigkeit geschildert, die leider genau das Gegenteil bewirkt. Etwas ironischer Abstand hätte dem Roman gut getan. Der begrenzte Handlungsort des Schlosses, in dem gut eine klaustrophobische Stimmung zu etablieren gewesen wäre, wird total verschenkt. Ein kleiner Höhepunkt gegen Ende ist der Brückenschlag zum Prolog des Romans, der allerdings vorauszusehen ist.

„Die Geburt des Bösen“ erschien bereits 1978 als Vampir-Horror-Roman Nr. 265 unter dem Autorenpseudonym Paul Wolf im Pabel Verlag.

Die Drachenpest

„Plötzlich ahnte sie etwas. Sie packte zu und riss die Decke zu Seite. Nackt lag der Körper des Aquanauten vor ihr – aber das war doch kein Mensch mehr!“

Belegt mit einem tödlichen Fluch sucht die Besatzung einer römischen Galeere den Freitod in den Tiefen des Meeres. Das Imperium soll von dieser Pest verschon bleiben, die bereits durch reines Ansehen eines Verfluchten übertragen wird. 200 Jahre später machen sich die Bergungsspezialisten der deutschen König-Werke daran, das verfluchte Wrack in Erwartung eines Schatzes zu heben.

„Die Drachenpest“ entführt den Leser an die sonnige Adria. Die Beschreibungen sind äußerst plastisch und es gelingt sehr gut, in die Stimmung einzutauchen. Dazu handelt es sich bei den Hauptakteuren um ausnehmend schöne und jugendliche Menschen. Leider wird der Drive der ersten Seiten nicht durchgehalten. Die Wiederholungen häufen sich. Die Figurenzeichnung bleibt flach. Die Schreibe ist zwar professionell, aber doch all zu glatt. Dazu wird das Potential der empathisch veranlagten Haupdarstellerin, die zum Finale noch überraschend ein männliches Pendant verpasst bekommt, leider verschenkt. Der Bösewicht der Geschichte wird, trotz kräftigem Kettenrasseln, ebenso schnell abserviert, wie er aufgetaucht ist. Unterm Strich ein Beitrag, den man nicht unbedingt wieder aus der Versenkung hätte ziehen müssen.

„Die Drachenpest“ erschien bereits als Vampir-Horror-Roman Nr. 393 des Pabel-Verlags unter dem Autorenpseudonym Olsh Trenton.

Schattenkinder

„Der neunte Donner in Folge rollte von des Westhängen des Dorritmassivs auf Kezar Falls hinab und ließ das hübsche, zweistöckige Haus im Ortskern bis in seine Grundfesten erbeben.“

Bereits die Nacht, in der die Drillinge geboren werden, scheint verflucht zu sein. Einer der Brüder stirbt sofort und wird ohne Taufe im Heiden-Eck des Friedhofs begraben. Eine spätere Exhumierung fördert ein verbranntes Skelett zu Tage. Jahre später, am Jahrestag des Unglücks, scheint der Fluch auch die überlebenden Brüder einzuholen.

„Schattenkinder“ ist für mich das Highlight dieser Romansammlung. Geschickt wird durch Andeutungen und rätselhafte Ereignisse Spannung erzeugt. Eine verfluchte Nacht, eine geheimnisvolle Amme, die niemand gerufen hat, ein undurchsichtiger Pfarrer. Alles bekannte Gothic-Zutaten, die der geneigte Fan zu goutieren weiß. Noch dazu ist die Handlung nur schwer vorherzusehen. Selbst die jugendliche Liebesgeschichte eines der Brüder und seiner Freundin wird angenehm unaufdringlich erzählt und sorgt für hohes Identifikationspotenzial, bis hin zum überraschenden Ende.

„Schattenkinder“ erschien bereits als Band 141 in Basteis Dämonen-Land-Reihe.

Schreckensnacht auf Burg Frankenstein

„Die breitschultrige, zwei Meter große Gestalt wuchs wie eine Mauer vor ihr auf. Ein Mensch – übergroß und hässlich, mit unbewegter Miene, einem kantigen Schädel mit schwarzem, dicht herabwellenden Haupthaar und krankhaft gelblicher Haut stand vor ihr.“

Tatsächlich handelt es sich bei der Burg Frankenstein – nahe Darmstadt – um die Stätte, an der Victor Frankenstein seine legendäre Kreatur erschaffen hat. Doch längst ist der Schrecken verblasst und Burg Frankenstein ist ein Touristenmagnet. Was als grusliger Scherz einiger Jugendlicher gedacht war, wird zu tödlichem Ernst. Frankensteins legendäres Monster wird befreit und begibt sich auf einen Feldzug des Grauens. Noch dazu naht die Halloweennacht, an der ein gigantisches Fest auf Burg Frankenstein stattfinden soll.
Diesem Beitrag ist auf jeder Seite anzumerken, dass hier mit Dan Shocker ein „Meister“ seines Fachs am Werk war. Die Figuren sind zwar aus dem Baukasten und die Bedrohung ist eine altbekannte, die lediglich durch das neuzeitliche Ambiente modernisiert wurde, doch die Geschichte ist so rasant und kurzweilig erzählt, dass keine Langeweile aufkommt. Außerdem befinden wir uns hier im ersten Teil von Dan Shockers „Burg Frankenstein“-Reihe, die den Weg ebnen muss für weitere Erzählungen, die das Thema weiter ausbauen und sich weiter von der klassichen Frankenstein-Geschichte entfernen. Entsprechend werden hier auch einige Handlungsfäden begonnen, die noch zu keinem Abschluss gelangen.

Einige Dinge sind durchaus als positiv und interessant zu bewerten. Es wird nahegelegt, dass der Roman „Frankenstein“ nicht vollständig Mary Shelleys Fantasie entsprungen ist, sondern diese sich, bevor sie ihr Meisterwerk verfasste, in der Nähe von Darmstadt aufgehalten haben soll. Sie soll sogar in Begleitung Victor Frankensteins gesehen worden sein. Ist ihr Klassiker „Frankenstein“ also von tatsächlichen Ereignissen inspiriert? Ärgerlich hingegen ist die ständige Belegung des Monsters mit dem Namen Frankenstein, handelt es sich bei Frankenstein doch um dessen Schöpfer Victor Frankenstein und bei der Kreatur um eben Frankensteins Monster. Der Autor sollte seine Klientel für so voll nehmen, dass diese das wissen und sich über den ständigen „Namensmissbrauch“ ärgern.

„Schreckensnacht auf Burg Frankenstein“ erschien zuerst als Nummer 62 der Romanreihe Silber-Grusel-Krimi-Taschenbuch (1970er-Jahre) und gekürzt als Dämonen-Land Nr. 40 bei Bastei.

Gleich drei Serienstartnummern

Die Vampir-Horror-Hardcover-Ausgaben des Zaubermond-Verlags sammeln jeweils 4-5 Romane überwiegend des klassischen Romanheftchenformats. Dabei sind hier Wiederauflagen/Neubearbeitungen alter Romane sowie speziell für die Hardcoverausgabe verfasste neue Romane enthalten. Über die Aufmachung gibt es nichts zu meckern. Ein schönes Hardcover, dass ganz und gar zu den anderen Zaubermond-Veröffentlichungen passt. Stimmiges Layout, reißerisch und leicht trashig passt sich die Hülle dem Inhalt an.

Für Band 1 wurden gleich drei Serienstartnummern ausgesucht. „Der Orden der Raben“ schickt Jo Zybells untypischen Ermittler Tom Percival ins Rennen, mit der titelgebenden Story „Die Geburt des Bösen“ ist die erste Nummer der Hexenhammer-Serie enthalten und „Schreckensnacht auf Burg Frankenstein“ ist Band 1 von Dan Shockers „Burg Frankenstein“-Miniserie. Der „Professor Zamorra“-Stammautor Werner K. Giesa infiziert den Leser noch mit der „Drachenpest“ und Manfred Weinland macht uns mit den „Schattenkindern“ bekannt (beides Einzelromane). Lediglich „Der Orden der Raben“ ist eine Erstveröffentlichung. Die anderen vier Beiträge sind Nachdrucke alter Vampir-Horror-Romane bzw. Silber-Grusel-Krimis.

Der Zaubermond-Verlag hat mit der Vampir-Horror-Hardcover-Reihe eine schöne Ergänzung zu seinem sonstigen Programm gestartet, das aus Hardcover-Ausgaben einschlägig bekannter Romanreihen besteht. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass man hier für rund 20 Euro zwar 4-5 Einzelromane bekommt, diese jedoch teils schon mehrfach erschienen sind, z.B. in der Vampir-Horror-Serie des Pabel-Verlags und in der Dämonen-Land-Reihe des Bastei-Verlags (wiederum Nachdrucke der Vampir-Horror-Romane und anderen Serien). Diese sind antiquarisch oder privat meist noch für lau zu haben.

Große Literatur ist hier nicht zu erwarten, aber für Freunde des klassischen Heftchengrusels gibt es hier sicherlich die eine oder andere Perle zu entdecken. Ansonsten sind die Vampir-Horror-Hardcovers ein eher an Sammler gerichtetes Angebot.

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