Metro 2035 von Dmitry Glukhovsky

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „METPO 2035“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 784 Seiten.ISBN 3-453-31555-3.Übersetzung ins Deutsche von M. David Drevs.

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In Kürze:

Der Held einer ganzen Generation ist zurück – in METRO 2035 macht sich Artjom erneut auf die gefährliche Reise durch das Dunkel der Moskauer Metro

Seit ein verheerender Atomkrieg zwanzig Jahre zuvor die Erde verwüstet hat, haben die Menschen in den Tiefen der Metro-Netze eine neue Zivilisation errichtet. Doch die vermeintliche Sicherheit der U-Bahn-Schächte trügt: Zwei Jahre, nachdem Artjom die Bewohner der Moskauer Metro gerettet hat, gefährden Seuchen die Nahrungsmittelversorgung, und ideologische Konflikte drohen zu eskalieren. Die einzige Rettung scheint in einer Rückkehr an die Oberfläche zu liegen. Aber ist das überhaupt noch möglich? Wider alle Vernunft begibt sich Artjom auf eine lebensbedrohliche Reise durch eine Welt, deren mysteriöses Schweigen ein furchtbares Geheimnis birgt …

Das meint Phantastik-Couch.de: „SF mit Anspruch – höchst aktuell und erschreckend realistisch“73

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

„Ein Regime kann man umbringen, Imperien werden alt und gehen zugrunde, aber Ideologien sind wie Pestbazillen. Sie trocknen ein in den Leichen, die sie auf dem Gewissen haben, und überdauern so locker 5 Jahrhunderte. Dann gräbt irgendwer irgendwo einen Tunnel, stößt auf einen Pesthof und es spielt keine Rolle mehr, welche Sprache er spricht und woran er glaubt“ (S.177).

Zum nunmehr dritten Mal folgen wir unserem sympathischen Protagonisten Artjom nach dem alles vernichtenden Atomkrieg in die Katakomben des Moskauer U-Bahn.

Nur hier, so die feste Überzeugung der dort überlebenden Menschen, ist ein Leben noch möglich, nur in den Stollen und den aus einer besseren Zeit übrig gebliebenen Bahnsteigen hat die Spezies Mensch überlebt.

Doch Artjom will den Glauben daran, dass auch außerhalb Moskaus Menschen überlebt haben nicht aufgeben. Immer noch ist er überzeugt über Funk die Stimme eines anderen Überlebenden gehört zu haben. Jeden Tag macht er sich auf den Weg an die verstrahlte Oberfläche, um seine Antenne auszuwerfen, und nach einem Zeichen anderer Menschen zu hören – bislang vergebens.

Als er eines Tages das Gerücht vernimmt, dass ein Funker in einem Schacht Kontakt zu Leben außerhalb Moskaus hatte, muss er los. Auch wenn die Reise beschwerlich, ja angesichts der Stalinisten und Nazis, deren Gebiet er durchqueren muss, und die noch ein Hühnchen mit unserem Helden zu rupfen haben lebensgefährlich ist, macht er sich, begleitet von dem Chronisten Homer, auf den Weg quer durchs unterirdische Moskau.

Entlang der alten Tunnel begegnen ihm Not und Leid, Krankheiten und Mutationen – nichts aber ist so schlimm, wie die verbohrten Ideologen der unterschiedlichsten Couleur. Die Nazis haben in ihrem vierten Reich ein nur auf den ersten Blick wunderbaren Ort der Geborgenheit, des Wohlstand und der Ruhe geschaffen, hinter den Mauern, die ihre Welt umschließen warten die Unterdrückten, die Aussortierten darauf hingerichtet zu werden. Bei den Bolschewiken herrscht Not und Armut, allein das despotische Regime der Herrschenden mit ihren selbstgefälligen Sadisten gleicht dem Regime der Nazis frappierend.

So gleicht Artjoms Reise einem Besuch in den Kreisen der Hölle. Er wird gejagt, gefangen genommen, erpresst und missbraucht – nur eines hält ihn aufrecht – die Hoffnung, da draußen freie Menschen zu finden. Bis er erkennen muss, dass es außerhalb der Metro ganz anders ist, als bislang vermutet …

SF mit Anspruch – höchst aktuell und erschreckend realistisch

Dystopien sind in aller Regel nicht so mein Fall. Doch neben den Jugendroman-Bestsellerepen a la Hunger Games gibt es auch Romane, die uns von einer beklemmenden Zukunft berichten und diese Bühne für etwas Anderes nutzen, als uns nur von junger Liebe zu berichten.

Dmitry Glukhovsky nutzt die Welt der unterirdischen Schächte, Tunnel und Gleissysteme nicht nur dafür uns spannend zu unterhalten, sondern auch dafür, mit scharfem Blick auf aktuelle Missstände, transformiert in seine zukünftige Welt, hinzuweisen.

Neben der durchweg packenden Handlung bei der Odyssee Artjoms durch die Metro packt der Autor dabei aber auch jede Menge heißer Eisen an. So prangert er mit und über seinen Stalker die Sucht der Menschen an, die Augen vor Unangenehmen zu verschließen, sich Demagogen auszuliefern und diesen willentlich zu folgen. Es geht ihm um Freiheit und den tagtäglichen Kampf, diese zu erhalten, um den alten, lang überholt geglaubten Klassenkampf der vielen Armen gegen die wenigen Begüterten, um Gerechtigkeit und die Macht zu Träumen.

Von Freiheit, von Frieden und von Gleichheit fabuliert er, scheint dabei ebenso kämpferisch wie nüchtern pessimistisch und nutzt den Roman um sich mit der aktuellen politischen Situation seiner Heimat die immer durchschimmert auseinanderzusetzen.

So verbinden sich im Text aktuelle Kritik mit Anspruch und temporeicher Action zu einem Leseerlebnis der Glukhovskyschen Art.

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