Unheimliche Geschichten von Edgar Allan Poe

Buchvorstellungund Rezension

deutsche Ausgabe erstmals 2017, 424 Seiten.ISBN 3423281189.Übersetzung ins Deutsche von Andreas Nohl.

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In Kürze:

Poes Werk war von Anfang an eine Provokation, das Modische, Unoriginäre war ihm verhasst. Das puritanische Amerika strafte ihn dafür mit übler Nachrede und Vergessen. Erst in Frankreich fand er posthum geistiges Exil, als niemand geringeres als Baudelaire ihn in den Rang setzte, der ihm gebührt, seine Werke in fünf Bänden übersetzte und kommentierte. Mit ebendieser Poe-Ausgabe von Charles Baudelaire beginnt die literarische Moderne. Andreas Nohl überträgt sie ins Deutsche und zeigt Poe, den großen Pionier, im Zeitalter von Copy & Paste und Epigonen auf der Höhe seiner Kunst.

Der vorliegende erste Band trägt den Titel Unheimliche Geschichten: Poes unvergleichliche Erzählungen – von den Detektivgeschichten wie »Doppelmord in der Rue Morgue« über »Der Gold-Skarabäus« bis hin zu den Grotesken und den visionären Traumbildnissen wie »Ein Sturz in den Malstrøm« – bezeichnen bis heute die Höhepunkte ihrer Gattung, wenn sie sie nicht überhaupt erst begründet haben. Poe steht keineswegs in der Tradition der gothic tales, die von der Romantisierung der Angst leben – denn er hat das Gegenteil getan: Er hat der Angst alles Schauerlich- Beschauliche genommen und ihre zuckenden Herzmuskeln bloßgelegt. „Wenn jeder, der seine Einfälle Poe verdankt“, so Arthur Conan Doyle, „den zehnten Teil seiner Einnahmen opfern müsste, könnte diesem ein Denkmal errichtet werden, das größer ist als die Pyramiden...“

Enthalten sind: ›Der Doppelmord in der Rue Morgue‹, ›Der entwendete Brief‹, ›Der Gold-Skarabäus‹, ›Ente einer Ballonfahrt‹, ›Das beispiellose Abenteuer eines gewissen Hans Pfaall‹, ›»Manuskript in Flasche gefunden«‹, ›Ein Sturz in den Malstrøm‹, ›Die Fakten im Fall von M. Valdemar‹, ›Mesmerische Offenbarung‹, ›Eine Geschichte aus den Ragged Mountains‹, ›Morella‹, ›Ligeia‹ und ›Metzengerstein‹.

Texte von Charles Baudelaire über Edgar Allan Poe und seine Erzählungen vervollständigen den Band.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Klassiker in Neuauflage“66

Horror-Rezension von Carsten Kuhr

Eigentlich hätte man den ersten Teil einer für dtv vom renommierten Übersetzer Andreas Nohl neu ins Deutsche übersetzten Geschichten Poes auch unter dem Titel „Ungewöhnliche Geschichten“ veröffentlichen können und auf diese Weise die ungewollte Verwechslung mit einer früheren Edition in einem anderen Verlag vermeiden können.

Die bislang vorliegenden Übersetzungen, die in aller Regel von Wollschläger / Arno Schmidt gefertigt wurden, waren so schlecht meines Erachtens nicht. So stellte sich mir naturgemäß die Frage, warum dtv sich dazu entschloss, eine sicherlich nicht billige Neuübersetzung in Auftrag zu geben.

Neuübertragung in fünf Bänden, die der französischen Ausgabe nachfolgen

Edgar Allan Poes Oeuvre neu übertragen und in genau der Reihenfolge und Auswahl, wie sie 1856 in der französischen Ausgabe das Licht der Buchhandlungen erblickte in fünf Bänden herauszugeben, hat seinen Charme. Obwohl Poes Werk bereits vor der von Baudelaire zusammengestellten französischen Edition in einer 1853 erschienen drei-bändigen deutschsprachigen Übersetzung herauskam, sorgte erst die Begeisterung und der Einsatz Baudelaires dafür, dass Poe als Verfasser in Europa wahrgenommen und gewürdigt wurde. Man mag munkeln und unken, dass ohne Baudelaires unermüdliches Werben und Wirken Poe als Autor nie die Bedeutung erlangt hätte, die er heute als Klassiker hat. dtv hat dem Band dann auch die Fußnoten Baudelaires beigegeben, diese selbst aber leider nicht in einen geschichtlich-literarischen Kontext gesetzt.

Die neue Übersetzung der letztlich bekannten Geschichten liest sich – nun, ich wage es zu sagen – etwas kühl. Ich hatte eigentlich, insbesondere unter Berücksichtigung des doch hohen Preises für den Band, eine literatur-wissenschaftliche Einordnung der Geschichten und ihrer Historie erwartet, doch blieb es bei den Fußnoten Baudelaires und einem kurzen Nachwort des Übersetzers.

Das ist, angesichts der doch mannigfaltigen und preislich wesentlich günstigeren Alternativen, ein verlegerisches Wagnis, dessen Erfolgschance ich eher etwas skeptisch sehe.

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