Edgar Allan Poe

Trotz seines geringen Oeuvres ist Edgar Allan Poes Bedeutung für die moderne Literatur nicht hoch genug einzuschätzen. Ihm verdanken wir meisterhafte, frühe Short Stories, mit Auguste Dupin den ersten Detektiv der Weltliteratur, einen Schnupperkurs in Science Fiction und Gedichte, die wegweisend für den Symbolismus waren. Seine Biographie ist überschattet von Schicksalsschlägen, Armut, Depressionen und exzessivem Suchtverhalten. Er scheint das Paradebeispiel des Künstlers zu sein, der an der Welt leiden muss, um Großes zu vollbringen. So will es zumindest der Mythos.

Edgar Poe wird am 19. Januar 1809 als zweiter Sohn der Schauspieler David und Elizabeth Poe in Boston geboren. 1810 verschwindet sein Vater spurlos, Elizabeth Poe stirbt ein Jahr später an Tuberkulose. Poe wächst bei seinen Pflegeltern John und Frances Allan in Richmond, Schottland und England auf. Obwohl er Allans Namen annimmt, wird er nie adoptiert und von diesem akzeptiert. Als Student macht er erste Erfahrungen mit Alkohol und Opium. Beides wird ihn den Rest seines Lebens begleiten und sporadisch zu Abstürzen führen. 1827 erscheint sein erster Gedichtband „Tamerlane and other Poems“, 1832 seine erste Kurzgeschichte „Metzengerstein“ im „Philadelphia Saturday Courier“. Nach dem Tod seiner Stiefmutter 1829 zieht er nach Baltimore zu seiner Tante Maria Clemm, der Schwester seines leiblichen Vaters, und deren Tochter Virginia, die er 1836 heiratet. Poe arbeitet als Redakteur diverser Zeitschriften, schreibt und veröffentlicht Rezensionen, Essays, Geschichten und Gedichte. Er hält Vorträge und ist ein bekannter Rezitator seiner eigenen Werke. Aufgrund seiner scharfzüngigen und sarkastischen Kritiken macht er sich viele Feinde unter populären Künstlern. Seine Arbeit sichert mehr schlecht als Recht das Auskommen der kleinen Familie; allzu oft ist Poe auf zusätzliches Geld, das seine Tante verdient, angewiesen. 1838 wird Poes einziger Roman „The Narrative of Arthur Gordon Pym“ veröffentlicht. Poe lebt und arbeitet in Baltimore, New York, Richmond und Philadelphia. Seine beiden Frauen begleiten ihn anhänglich auf seinem Lebensweg. 1845 erscheint sein wohl populärstes Gedicht „The Raven“. 1847 stirbt Virginia. Vermutlich führt ihr Tod zu einem Rückfall in die Trunksucht. 1848 bekommt Edgar Allan Poe 14 Dollar für sein essayistisches Magnum Opus „Eureka“. Danach erfolgreiche Vortragsreisen mit dem „Poetic Principle“. Als er sein lang geplantes „The Stylus“ Literatur-Zeitschriftenprojekt in New York vorantreiben will, verschlägt es ihn aus unerfindlichen Gründen nach Baltimore. Dort stirbt er am 7. Oktober 1849 unter mysteriösen Umständen.

mehr über Edgar Allan Poe:

Ausgewählte Werke von und über Edgar Allan Poe:

  • Die bislang kompletteste Werkausgabe
    • The Complete Works Of Edgar Allan Poe. Virginia Edition. Herausgeber James A. Harrison. 17 Bände. New York (1902)
  • Ausgewählte Biographien
    • Hans-Dieter Gelfert, Edgar Allan Poe. Am Rande des Malstroms. Biographie. C.H. Beck, München (2008)
    • Wolfgang Martynkewicz, Edgar Allan Poe. Rowohlt (2003)
    • Walter Lennig, Poe. rororo bildmonographien 32, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 15. Auflage (1995)
    • Julian Symons, Edgar Allan Poe. Leben und Werk. Übersetzt von Bernhard Lenz. Heyne Biographie 12/44 (1986)
    • Frank T. Zumbach, Edgar Allan Poe. Eine Biographie. Winkler, München (1986)
    • Frank T. Zumbach, Edgar Allan Poe. DTV, München (1999)
    • Dietrich Kerlen, Edgar Allan Poe. Der schwarze Duft der Schwermut. Biographie. Propyläen, Berlin (1999)
    • In englischer Sprache
      • John H. Ingram, Edgar Allan Poe: His Life, Letters And Opinions V1 Kessinger Publishing, LLC (2007)
      • Hervey Allen, Israfel. The Life and Times of Edgar Allan Poe. George H. Doran (1926)
      • Arthur Hobson Quinn, Edgar Allan Poe: A Critical Biography. Mit einem Vorwort von Shawn Rosenheim. The Johns Hopkins University Press (1997)
      • Kenneth Silverman, Edgar A. Poe: A Biography: Mournful and Never-Ending Remembrance Harper Collins; Reprint (1992)
      • Dwight Thomas, David K. Jackson, The Poe Log: A Documentary Life of Edgar Allen Poe, 1809-1849: A Documentary Life of Edgar Allan Poe, 1809-1849 (American Authors Log Series). G K Hall & Co,US (1987)
      • Jeffrey Meyers, Edgar Allan Poe: His Life and Legacy. Charles Scribner’s Sons (1992)
      • Peter Ackroyd, Poe: A Life Cut Short. Bantam Dell (2009)