Liebe Leserinnen und Leser,

die Vorweihnachtszeit – ist für viele von uns alles andere als besinnlich.
Auf der Arbeitsstelle müssen diverse Dinge unbedingt erledigt, Geschenke gekauft und das Fest vorbereitet werden. Was eigentlich Spaß machen soll kann schnell in Stress ausarten. Es gilt also bis Weihnachten durchzuhalten, denn über oder nach den Weihnachtstagen kehrt vielleicht ein wenig Ruhe und Zeit zum Lesen ein. Schön, wenn man dann von Familie und Freunden mit tollen Büchern beschenkt wurde. Und jetzt dürfen sie ruhig auch mal ein wenig dicker sein.

Unser „Buch des Monats“ ist mit 1020 Seiten ohne Zweifel dick, trotz beinahe Bibel-dünnen Papiers: "1Q84„ vom japanischen Autor Haruki Murakami. Immerhin wurden in der Veröffentlichung des Dumont-Verlags zwei Bände eines Mehrteilers zusammen gefasst, im Herbst 2011 soll die Fortsetzung erscheinen. Nun könnte man sich fragen, ob ein potentieller Literaturnobelpreisträger wie Haruki Murakami eigentlich auf ein Portal gehört, das sich mehrheitlich der Unterhaltungsliteratur verschreibt. Tut er, denn Murakami unterhält und das auch noch phantastisch! Trauen Sie sich, an einen schmucken silbernen Wälzer und an den “Magischen Realismus„ des Japaners.

Ein weiteres Highlight ist das neue Terry Pratchett-Werk “I shall wear midnight„, wir stellen Ihnen also die englische Originalausgabe vor. Wer lieber die deutsche Übersetzung lesen möchte kann die Vorfreude bis zum April genießen, denn dann erscheint “Das Mitternachtskleid„. Auch wenn der deutsche Titel mal wieder unpassend gewählt erscheint, ist der Roman einer der besten Pratchetts überhaupt und mit ernsten Themen ein Beweis dafür, dass selbst humoristische Fantasy echte Literatur sein kann.

Neil Gaiman, bekannt durch Kultwerke wie “Niemalsland„ oder “American Gods„, legt mit “Zerbrechliche Dinge„ einen Kurzgeschichtenband vor, der wahre Kleinode phantastischer Literatur in sich birgt. Geschichten zwischen Traum und Phantasie, verblüffend, humorvoll und intelligent. Schade ist nur, dass die deutsche Übersetzung mit neun Geschichten weniger auskommen muss als die britische Version.

An süßem Naschwerk fehlt es im Advent bekanntlich nicht, mancher macht einen Bogen um die Personenwaage. Vielleicht bekommt Ihnen ein kalorienfreies, zuckersüßes Horrormärchen von Carlton Mellick III “Die Kannibalen von Candyland„. Frankies Geschichte ist ein schräge Erwachsenenversion von Alice im Wunderland – für Leser, die das Absurde an der Schlaraffenlandlegende mögen.

Wer den Horror klassischer Schule vorzieht, in dem gewöhnliche Alltagsmenschen mit Grauen konfrontiert werden, dem sie nicht gewachsen sind, den mag Stephen M. Irwins “Der Sog„ begeistern. Hier kommen klassische Gruselelemente in Form der “bösen Hexe„ wieder zu Ehren, statt dem Mainstream-Kino entliehene Klischeefiguren. Solider Grusel in einer gute Story – was will man mehr?

Gleich zwei Interviews stecken in der Dezember-Ausgabe der Phantastik-Couch, eines zum Lesen und eines zum Hören.

Viele kennen Maxime Chattam als einen der vielleicht bekanntesten französischen Krimi-Autoren. Doch in der “Alterra„-Serie präsentiert er seine phantastische Seite – und das mit durchschlagendem Erfolg. In unserem Interview erzählt der Autor, wie viele Bände der “Alterra„-Zyklus umfassen wird (was selbst den Verlag überraschte), warum er nun in das Fantasy-Fach wechselte und welche feinen Anspielungen der Autor in seinem Werk versteckt hat.

In unserem zweiten Podcast steckt dieses mal mehr. Wie gewohnt nehmen einige unserer Rezensenten zu ihren Besprechungen Stellung. Doch zusätzlich, und nur im Podcast, sprechen wir mit Petra Hartmann, der Autorin unseres “Buch des Monats„ November “Der Fels der schwarzen Götter„. Sie erläutert ihre Sicht auf die Fantasy und viele Details aus der “Movenna-Welt": Warum plattdeutsch gesprochen wird, warum Ethnologie ein zentrales Thema ist und wie ein bayrischer Verleger auf ihr Werk aufmerksam wurde.

Einen schönen Advent und mit ein wenig Besinnlichkeit wünscht Ihnen

Eva Bergschneider