Liebe Leserinnen und Leser,

wir alle lieben die Phantastik dafür, dass sie zu den vielseitigsten Genres überhaupt gehört. Gerade deswegen ist es immer wieder spannend zu verfolgen, wie sich die Phantastik stetig weiter entwickelt. Betrachten wir dabei die Fantasy, so stößt man immer wieder auf neue Trends. Doch gerade wenn man glaubt, die klassische Fantasy würde höchstens noch treue Tolkien-Jünger begeistern, erscheinen neue High-Fantasy Werke, die den leicht angestaubten Völkern ein modernes Antlitz verleihen – sogar den altgedienten Drachen.

Unser Buch des Monats ist dieses mal "Elidar – Magierin der Drachen„ von Susanne Gerdom und ein gelungenes Beispiel dafür, wie man ein klassisches Fantasyvolk neu erfinden kann. Denn die Autorin hat hier ganz unterschiedliche Drachen: Drachenmenschen, Drachennutztiere und die klassischen Drachen zum Leben erweckt. Vor allem aber hat sie eine unerschrockenen Heldin geschaffen, die sich mit Mut, Raffinesse und unheimlichen Gaben in einer Männerwelt durchsetzt. Es steckt noch viel mehr Faszination in “Elidar„, straff und intelligent erzählt. Lassen Sie sich überraschen!

Apropos Vielseitigkeit – der Autor Markus Heitz gehörte einst zu den Pionieren der klassischen Völker-Fantasy, hat jedoch in den letzten Jahren die Dark-Fantasy, den Horror und zuletzt auch die Science-Fiction mit spannenden Büchern bereichert.
Nun kehrt er zu den Dunkelelfen, den Albae zurück und lässt sie in “Vernichtender Hass„ die Konsequenzen eines schweren Fehlers tragen. Wieder nur blutrünstiges Gemetzel? Keineswegs, denn sogar die Albae sind vielseitig, nicht nur unerbittliche Krieger, sondern auch sorgende Familienväter und Künstler.

Achtung – thematische Kehrtwende, denn was könnte von den mystischen Welten der High-Fantasy weiter entfernt sein, als die Weltuntergangsszenarien in Dystopien.

Düster und packend sollten sie sein, diejenigen Romane, die sich mit der Welt nach ihrem Ende beschäftigen. Und genau das ist “Asylon„, der Debütroman des deutschen Autors Thomas Elbel.
Die Klimakatastrophe hat die Erde verwüstet, übrig ist nur die letzte Stadt Asylon. Ein Menschenleben zählt hier wenig und die Leveller sorgen für ein Mindestmaß an Ordnung, auch durch Mord. Torn gehört zu ihnen und erkennt, das etwas ganz und gar nicht stimmt. Nicht gut oder böse sind Elbels Figuren, sondern menschlich oder unmenschlich. Nicht nur das macht “Asylon„ zu einem spannenden Highlight unter den zur Zeit boomenden Endzeitromanen.

Ein weiteres Glanzstück unter den Dystopien ist “Weit im Norden„ von Marcel Theroux. Wieder eine postapokalyptische Szenerie, dieses mal in Sibirien. Die letzte Überlebende ihrer Familie macht sich auf den Weg, eine neue Zivilisation zu finden. Und gerät an Sklavenhändler, die sie hoch in den Norden auf ein Himmelfahrtskommando verschleppen. Kein Pioniergeist, kein Aufbruch in ein neues Abenteuer, sondern die unendliche Melancholie einer Heldin in einer Welt ohne Menschlichkeit. Das ist es, was diesen Zukunftsroman prägt und besonders macht.

Der unangefochtene Meister des Horror-Fachs, Stephen King ist nicht nur für übersinnlichen phantastischen, sondern auch für psychologischen Horror gut. Sein Markenzeichen für diese Art von Geschichten, das Monster im ganz normalen Menschen, findet sich in den vier Novellen in “Zwischen Nacht und Dunkel" wieder. Und es kriecht dem Leser unter die Haut, das Grauen, weil King es für alle Sinne wahrnehmbar beschwört.

Die Faszination sich mit etwas Wildem zu verbinden, mache den Reiz der paranormalen Romantik aus, erklärte uns Jennifer Benkau im Interview. Die Autorin schrieb mit "Nybbas Nächte" unser Buch des Monats August und stellt sich Ihnen in dieser Ausgabe vor.

Genießen Sie die Septembersonne solange es geht, denn der Herbst steht vor der Tür. Doch das Phantastik-Angebot im Bücherherbst 2011 lässt Sie bestimmt nicht im Regen stehen – und wir halten Sie auf dem Laufenden.

Viel Spaß mit der spätsommerlichen Phantastik-Couch wünscht Ihnen

Eva Bergschneider