Liebe Leserinnen und Leser,

fällt Ihnen an der Auswahl der Bücher für die Phantastik-Couch Februar-Ausgabe etwas auf? Wir bemühen uns ja in jeder Ausgabe alle phantastischen Genre gleichermaßen zu berücksichtigen. Das gelingt allerdings in den seltensten Fällen, denn immer wieder hat doch die Fantasy die meisten Titel auf ihrer Seite. In dieser Ausgabe ist die Fantasy mit 10 Titeln zwar immer noch vorn, jedoch dicht gefolgt von Horror und Science-Fiction mit jeweils acht Titeln. Ein Zufall oder eine Trendwende? Besonders die Science-Fiction war bei uns oft nur mit wenigen Büchern vertreten, wie in vielen Verlagsprogrammen. Einige Verlagshäuser setzten ihren Phantastik Schwerpunkt klar auf Fantasy, andere hielten hartnäckig an Science-Fiction Titeln fest (auch wenn diese manchmal zum „Thriller“ mutierten). Wir meinen die Vielfalt macht es, denn die Science-Fiction vermag mit Menschheitsträumen zu spielen, die Horror-Literatur mit ihren Albträumen. Letztere befindet sich ebenfalls im Aufwind, ob nur bei uns oder auf dem gesamten Buchmarkt wird sich zeigen.

Apropos phantastische Vielfalt: Zum ersten Mal wird auf der Phantastik-Couch das Phantastische Buch des Jahres gewählt. Stimmen Sie ab für einen unserer „Buch des Monats“ Titel aus dem Jahr 2011, oder für eines der acht weiteren von der Redaktion ausgewählten Bücher. Wir sind schon sehr gespannt, wer das Rennen für sich entscheiden wird.

Unser Buch des Monats Februar gehört zur Gattung Horror, wenn es auch alles andere als ein typischer Vertreter ist. Mit "Wolfskinder„ hat der Schwede John Ajvide Lindqvist einen Gruselroman vorgelegt, der, wenn auch beabsichtigte Parallelen ausgeschlossen sind, an die Bluttat des Anders Behring Breivik auf der norwegischen Ferieninsel Utøya erinnert. In der Schnittmenge der unseren und einer anderen Welt begegnen sich Theres und Teresa, zwei einzigartige Wesen, die sich nicht hätten finden dürfen. Aus der Katastrophe des Bösen gibt es keine Erlösung.

Die Jahre des schwarzen Todes„ von Connie Willis – was klingt wie ein Historienroman, ist auch einer und dennoch Science- Fiction. Zuerst erschien dieser Zeitreiseroman in Deutschland 1993. Nun präsentiert der Heyne Verlag den Roman, der alle wichtigen amerikanischen SF-Preise gewonnen hat, in einer überarbeiteten Neuauflage. Ein düsteres Abenteuer zwischen Zukunft und dem Pestzeitalter, erschreckend atmosphärisch geschrieben, angereichert mit einem tiefgreifenden ethischen Diskurs

Der Monstrumologe„ erzählt in “Der Fluch des Wendigo„ sein zweites Abenteuer. Auf der Suche nach dem ehemals besten Freund, jagen Will und Dr. Warthrop den Wendigo durch die einsamen Wälder Kanadas. Zurück in New York verwandelt sich der Befreite in ein blutdürstendes Monster. Ganz sicher keine Lektüre für junge Leser hat Rick Yancey hier vorgelegt, sondern einen Horror, der einen robusten Magen abverlangt. Besonders reizvoll ist auch die leicht antiquierte Sprache des Autors und seine Schauplatzbeschreibungen. Der Leser taucht hier ganz in Not und Elend des New Yorks des späten 19. Jahrhunderts ein.

Wir kommen wieder zur Science-Fiction, zu “Gestrandet„ von Colin Harvey. Die Besatzung eines Raumschiffs muss auf dem Eisplaneten Isheimur notlanden. Es erwartet sie große und hungrige Monster und unfreundliche Bewohner, Nachfahren eines gescheiterten und vergessenen Kolonialisierungsprojekts. Als “Space-Fiction„ betitelt der Verlag “Gestrandet„ auf dem Cover. Der Begriff soll den Fokus auf die Geschichten im All lenken und weg von der futuristischen Technik. Und tatsächlich geht es hier um einen menschlichen Konflikt, zwischen den “Terraformern„, die die fremde Welt der Erde angleichen, und den “Pantropisten„, die genetisch an die fremdartige Welt angepasst wurden. Harvey lässt in “Gestrandet„ offene Enden zurück, die er vielleicht in Folgebänden verknüpfen wollte. Doch dazu wird es nicht kommen, leider verstarb der Autor im August des letzten Jahres.

Ein Fantasy-Titel hat es doch noch in die Top 5 geschafft, Cassandra Clares “Clockwork Prince„. Die “Schattenjäger Chronik" geht in die zweite Runde. Und begeistert wieder durch einen atmosphärisch dichten Mix aus viktorianischem Flair mit dunkler Mystik, umrahmt von einer glaubwürdigen und mitreißenden Dreiecksgeschichte.

Zwei Interviews runden diese Februar-Ausgabe ab, mit Gesprächspartnern, die auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind. Wir sprachen mit dem Kleinverleger Torsten Low, der uns verrät, was er unter fair verlegen versteht. Und der Bestsellerautor, u.a. von unserem Buch des Monats Januar 2012 ("Herr aller Dinge"), Andreas Eschbach erzählte uns, wie sich seine Geschichten entwickeln.

Allen Karneval und Fasching Begeisterten wünschen wir fröhliche und unfallfreie närrische Tage, jenen die vor dem Trubel graust, einen inspirierenden und ruhigen Lesemonat Februar.

Ihre

Eva Bergschneider