Liebe Leserinnen und Leser,

bevor wir uns den Phantastik-Couch Top-Titeln des Monats April widmen, schauen wir kurz auf die Buchmesse in Leipzig zurück. „Man kümmert sich hier um den Leser“ sagte mir einer der zahlreichen Literaturschaffenden dort und dieser Satz hätte durchaus als Motto herhalten können. Denn, noch publikumsorientierter als vor zwei Jahren, war vor lauter Lese-Buden und -Treffs, sowie Sofas diverser Couleur die Fantasy-Leseinsel in Halle 2 anfangs gar nicht so leicht zu finden. Und doch spielten sich dort einige der „Highlights“ für den Phantastik-Fan ab. Welche lesen Sie hier in meiner Nachbetrachtung der Leipziger Buchmesse 2012.

Diese April-Ausgabe setzt auf Phantastik-Bücher, die vielleicht kein Massenpublikum ansprechen werden. Unsere Top 5 Titel erzählen von Zombies, Mutanten und Werwölfen. Alten Bekannten also, die von ihren Autoren jedoch auf ungewöhnliche Art und Weise in Szene gesetzt werden. Riskieren Sie eine Entdeckungsreise in eine phantastische Welt jenseits des Mainstreams.

„Steampunk“ ist kein ganz neuer, aber zur Zeit allgegenwärtiger retro-futuristischer Trend der Phantastik. Solange es nur dampft, ist in der Steampunk Literatur- und Kunstform vieles erlaubt. Vor allem die alternative Geschichtsschreibung. So hat sich Cherie Priest in unserem „Buch des Monats“ "Boneshaker„ nicht allein auf den Siegeszug der Dampfmaschinen beschränkt, sondern gleich die Geschichte der nordamerikanischen Stadt Seattle nach dem Bürgerkrieg umgeschrieben. Und das Ganze mit Zombies und Maschinenmenschen ausgeschmückt. Das Ergebnis unterhält bestens, mit zahlreichen wunderlichen Figuren an grotesken Schauplätzen in einem temporeichen Abenteuer.

Über Bankräuber und Geiselnehmer, die sich das falsche Versteck aussuchen, erzählt Nate Southards “Red Sky„. In dieser streng geheimen Anlage werden aus Fabrikarbeitern Mutanten, die den ahnungslosen Flüchtigen auflauern. Was als Krimi beginnt, endet in reinem Horror, in dem die Grenzen zwischen vermeintlich “guten„ Regierungsvertretern, den Verbrechern und den Monstern verwischen.

Mit “Tote Mädchen„ sind eine besondere Abart von Zombies gemeint, junge Mädchen, die ein Nanovirus in hemmungslose und Blut saugende Puppen verwandelt hat. Richard Calder entwarf für das späte 21. Jahrhundert eine Welt, in der leblose, aber sexuell voll funktionsfähige Kopien von jungen Frauen beliebte technische Accessoires darstellen. Bis billige Kopien eine Seuche biblischen Ausmaßes übertragen. Der in den 90er Jahren entstandene Roman ist dem Cyberpunk zuzurechnen. Der Autor entwirft eine düster exotische und dennoch eingängige Zukunft, die allerdings nicht zum literarischen Fast Food Produkt taugt.

Auch Glen Duncans “Der letzte Werwolf„ rückt die haarigen Gestaltwandler in ein anderes Licht. Jack ist der letzte seiner Art, nachdem die Weltorganisation zur Kontrolle okkulter Phänomene den vorletzten Werwolf getötet hat. Er will aufgeben, doch die Jagdgesellschaft will sich nicht um ihre Trophäe bringen lassen. Glen Duncans Roman bietet mehr als nur eine Hetzjagd voller Überraschungen, nämlich das Psychogramm einer einsamen und verzweifelten Bestie.

Zum Schluss sei Ihnen eine Science-Fiction Kurzgeschichtensammlung empfohlen, die sich ebenfalls jeglicher Klischees widersetzt. George Saunders stellt in “I can speak!„ seine spezielle Version einer schönen neuen Welt in unterschiedlichen surrealen Facetten vor. Auch ohne spektakuläre Schocks persifliert der Autor unsere konsumorientierte Welt, indem er Babies Übersetzungsmasken überstülpt, oder Kandidaten in Reality Shows nahe Verwandte vertilgen lässt. Absurder Humor der Extraklasse und bis zur Schmerzgrenze.

Ebenfalls in einer “Steampunk„ Welt spielt Cassandra Clares neue Serie “Chroniken der Schattenjäger„ (Orig “The Infernal Devices„). Was die Autorin zum Schauplatzwechsel von New York nach London bewogen hat und warum die neue Serie kein Aufguss der “Chroniken der Unterwelt" darstellt, erzählte sie uns nach ihrer Lesung und langen Signierstunden auf der litCologne in Köln.

Ob massentauglich oder außergewöhnlich (oder beides), vielleicht haben auch Sie bereits Geschichten oder einen Roman verfasst, den Sie an den Leser bringen wollen. Es fehlt Ihnen nur noch eine „Guideline“ die Ihnen erklärt, was man in welcher Form einem Verlag zuschicken kann. Mara Laue, professionelle Schriftstellerin und Schreibkurs-Trainerin, gibt Ihnen 9 wertvolle Tipps für Nachwuchsautoren, die Ihnen vielleicht weiter helfen.

Genießen Sie den Frühling und die Ostertage mit inspirierender Lektüre. Viel Spaß dabei wünscht

Ihre
Eva Bergschneider