Liebe Leserinnen und Leser,

die Fußball EM ist nun endgültig vorbei und man hat wieder Zeit, sich anderen Freizeitbeschäftigungen zuzuwenden. Und da uns der Sommer bisher nicht gerade mit Sonnenschein verwöhnt hat, bleibt nur eins – inspirierende Bücher zu lesen. Das geht ja bekanntlich immer und besonders gut in den Ferien. Meine Urlaubslektüre trug den passenden Titel „Traveler“. Es war dieser schwergewichtige Sammelband der Mystery-Trilogie von John Twelve Hawks, der mich trotz seiner 1500 Seiten auch zum Strand begleitet hat. Wie gut, dass ich mir im Urlaub vorgenommen hatte, das Internet zu meiden, denn dieses Buch lässt einen die digitalen Fußstapfen, die wir tagtäglich hinterlassen, mit anderen Augen sehen. Warum das so ist und was "Traveler – Im Auge des Bösen„ noch zu bieten hat, lesen Sie in meiner Rezension.

Unser Buch des Monats “Der Übergang„ von Justin Cronin ist schwer zu beschreiben, oder gar zu klassifizieren, am ehesten dann doch als Dystopie. Ein Schwergewicht ist auch dieses Werk, nicht nur aufgrund der gut 1000 Seiten. “Der Übergang„ liest sich nicht einfach so nebenher, denn Cronin verwöhnt seine Leser nicht mit einer stringent aufgebauten Story oder einer Queste. Dafür aber mit sorgfältig skizzierten Lebensgeschichten und einer detailreich beschriebenen Gesellschaft im Zombiezeitalter – nach einem Zeitsprung. Und einem geheimnisvollen Mädchen namens Amy. Lassen Sie sich auf “Der Übergang„ ein, wenn es etwas mehr sein darf, als knalliger Zombie-Horror.

Apropos Dystopie – welche Werke würden Sie als die klassischen dieses Genres ansehen? Zu nennen sind hier sicherlich Huxleys “Schöne neue Welt„, Orwells “1984„ und natürlich “Fahrenheit 451" von Ray Bradbury. Der amerikanische Schriftsteller verstarb am 5. Juni 2012. Anlässlich seines Todestages möchten wir ehrfürchtig auf einen Altmeister und Visionär der Phantastik und seine Werke zurückschauen. Lesen Sie hier Verena Wolfs Hommage an Ray Bradbury.

Michael K. Iwoleit erscheint seinen Lesern vielleicht auch als ein Visionär. Denn viele Zeitgenossen können sich des Gefühls nicht erwehren, dass die Welt wie wir sie kennen, langsam ihrem Ende entgegen geht. Und auch das Weltbild derjenigen, die trotz Klimawandel und krisengeschüttelter Wirtschaft an einen strahlendes Morgen glauben, könnte Iwoleit erschüttern. Wie das? In den sechs Geschichten seiner Anthologie "Die letzten Tage der Ewigkeit„ zeigt der Autor keine Untergangsszenarien auf. Sondern Entwicklungen, die sich schon heute deutlich abzeichnen, denkt sie ein wenig weiter und fragt was geschehen könnte, wenn die physikalischen Grundvoraussetzungen nicht ganz so beschaffen wären, wie Einstein und Co sie beschrieben haben.

Keine Dystopie, sondern schlichte gute Horrorliteratur in der Tradition der Ghost-Stories präsentiert uns Adam Nevill in “Apartment 16„. Nevill beschwört eine Atmosphäre der Angst auf, die ohne übermäßigen Blutfluss und Gemetzel auskommt. Dafür entfesselt der Autor einen ruhelosen und rachsüchtigen Geist, der die Vorhölle Vortex als ein verzerrtes Spiegelbild der Realität erschafft und zwar in einem Apartmenthaus.

Sollte Ihnen unser Angebot bisher zu düster geraten sein, dann ist die neue Steamfantasy-Serie “Books & Brown„ vielleicht etwas für Sie. Im ersten Band “Das Zeichen des Phönix„ hilft die Neuseeländerin Eliza Brown dem Archivar Wellington Thornhill Books aus der Patsche – und wird zu dessen Verdruss vom Ministerium für eigenartige Vorfälle auch noch in Books Reich versetzt; einem Keller mit allerlei merkwürdigen Relikten und magischen Dingen (“Warehouse 13„ lässt grüßen). Ein ungelöster Fall lässt die Agentin aufhorchen und fördert ihre besten Seiten zutage: die perfide Skrupellosigkeit einer Frau und wortwörtlich explosive Unterwäsche.

Nichts gegen Fantasy„ – so lautet die Überschrift eines Artikels von Denis Scheck, der kürzlich in der Stuttgarter Zeitung erschien, des Journalisten Kommentar zu wenig freundlichen Äußerungen jener Kritikerkollegen, die nicht über ihren intellektuellen Tellerrand hinaus schauen können.
Warum ist der Stellenwert der Fantasy eigentlich immer wieder so ein kontrovers diskutiertes Thema? Und was ist wirklich von den Vorwürfen des Eskapismus und von der literarischen Herabwürdigung, weil “Fantasy ja nicht real ist„ zu halten? Lesen Sie hier Laura Flöters Artikel: “Bedeutung der Phantastik in der jungen Kultur unserer Gesellschaft". Nicht nur Fantasy-Fans erhalten Antworten und schwer zu widerlegende Argumente für den tatsächlichen kulturellen Wert der Phantastik und des Phantastik-Rollenspiels.

Und nun wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Stöbern in der sommerlich frischen Phantastik-Couch Juli-Ausgabe .

Eva Bergschneider