Liebe Leserinnen und Leser,

große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und das Großereignis schlechthin für Fantasy Fans im Jahr 2012 dürfte die Premiere des ersten der drei Hobbit-Filme sein. „Der Hobbit-Eine unerwartete Reise“ läuft am 13. Dezember 2012 an. Die Schatten (oder Lichter?) die dieses Ereignis vorauswirft, finden sich in den Verlagsvorschauen, welche (über)reichlich viele Bücher rund um das kleine Volk und seine Nachbarn ankündigen. Was verständlich ist, denn für Verlage und Autoren scheinen Hobbits, Zwerge und Co. ein Garant für hohe Verkaufszahlen zu sein. Als Leser steht man etwas perplex vor diesem immensen Angebot. Man sollte sich genau überlegen, „Was möchte ich über Tolkiens Völker lesen“? Eine humorvolle Neuinterpretation? Die klassisch Variante? Oder beides? Es wird sich zeigen, welche Bücher Tolkiens Völker in neuem Glanz erstrahlen lassen und welche entbehrlich sind.

Keineswegs entbehrlich für Freunde humorvoll präsentierter Gruselgeschichten ist die Serie um den Totenbeschwörer Johannes Cabal von Jonathan L. Howard. Unser Buch des Monats September "Das Institut für Angst und Schrecken„ sollte eigentlich das Finale sein, doch der Erfolg lässt den Autor vielleicht seine Geschichten aus dem Totenreich fortsetzen. Drei Bücher sind bisher erschienen, die jeweils ihre Geschichte zu Ende erzählen, hier im Stil des Cthulhu-Mythos des alten Meisters H. P. Lovecraft. Jedoch kopiert Howard nicht, sondern erzählt auf seine Art, mit außergewöhnlichen Figuren, phantasievollen Ideen und vor allem staubtrockenen Humor.

Apropos phantasievolle Ideen – erinnern Sie sich noch an unser Buch des Monats Juni? In “Bookman„ präsentiert Lavie Tidhar sehr viel mehr als typisch viktorianischen Steampunk, denn sein britisches Königreich wird von Echsen aus dem All regiert. Spaß machen in “Bookman„ auch die zahlreichen literarischen Anspielungen und Cameo-Auftritte bekannter Helden. Und darum ging es Tidhar, wie er uns im Interview verriet, um den Spaß und die Leichtigkeit des Abenteuers. Was den Autor inspiriert und sein Werk prägt, wie es mit der “Bookman" Serie weitergeht und welche verrückten Geschichten sich Tidhar sonst noch ausdenkt, erfahren Sie hier.

"Zu den Anfängen„ heißt der Auftakt der neuen Fantasy-Reihe “Zwölf Wasser„. Es wird – Sie ahnen es bereits – wieder eine Trilogie daraus. Der Autor E. L. Greiff hält sich mit Angaben zur Person bedeckt und wollte in einer Fragerunde auf der dtv-Facebook Seite weder die Initialen entschlüsseln, noch sein Geschlecht verraten. Aber spätestens im November enthüllen wir all das, da ich E. L. Greiff auf der Buchmesse in Frankfurt treffen werde. Solange konzentrieren wir uns auf die Geschichte der “Zwölf Wasser„ und das lohnt sich. Denn Greiff hat eine eigene Welt kreiert, die gängige Fantasy-Motive keineswegs vermissen lässt, sondern mit vielfältiger Kultur und Historie überzeugt, abgerundet mit subtil eingesetzten magischen Elementen. Und es geht um ein Problem, dass nicht nur in Greiffs Welt immer dringlicher wird – zunehmende Wasserknappheit.

The New Dead – Eine Zombieanthologie„ – wandelnde Tote sind derzeit aus der Phantastik nicht wegzudenken. Zumeist fallen sie gefräßig, apathisch und ohne Intelligenz, dafür aber in Massen über die verbliebene Menschheit her. Nicht so in der Storysammlung des Herausgebers Christopher Golden. Viele seiner Autoren betrachten Zombies aus einem ungewohnten Blickwinkel. Zum Beispiel aus einem zynischen: tot ist tot, schlussfolgert Joe Lansdale und bricht radikal mit dem Thema. Als tot aber intelligent beschreibt John Connolly den Lazerus, den Jesus ins Leben zurückgeholt hat. Scheinbar komplett am Thema vorbei stellt Aimee Bender die Frage, inwieweit der medienüberflutete Bürger überhaupt noch geistig lebendig ist. Sie sehen, diese Zombies haben mehr zu bieten als den gängigen mit Ekel behafteten Grusel.

Jennifer Benkaus “Dark Canopy„ hat nichts mit Zombies zu tun – obgleich das Buch auf der LovelyBooks Liste “Zombies„ auf Platz vier geführt wird. Die Autorin kann sich nicht erinnern, irgendetwas über Zombies geschrieben zu haben, wie sie auf ihrer Facebook-Autorenseite äußerte. Dafür aber über Rebellen, die gegen Killermaschinen kämpfen. Guerillakämpferin Joy hasst die Percents, die schonungslos Jagd auf Menschen machen. Doch ihr Weltbild gerät ins Wanken, als sie vom Feind gefangen wird. Unsere Rezensentin rät dazu, die spannende, zum Nachdenken anregende Dystopie, trotz kleiner Unstimmigkeiten, einfach zu genießen – und sich auf einen gemeinen Cliffhänger gefasst zu machen.

Der Cartoonist Rob Rogers wagte sich mit seinem Roman “Devils Cape„ zwar auf neues Terrain – schreibt aber über ein Thema, das er beherrscht. Über Superhelden nach Marvel’scher Bauart, solchen mit menschlichen Schwächen. Diese erzählen ihre Geschichten über die Entdeckung der Superkräfte und formieren sich schließlich zu einer schlagkräftigen Kampftruppe, die gegen die die Stadt beherrschenden Storm Raiders vorgeht. “Devils Cape„ – Ein beachtlicher Beitrag zu einem in Deutschland wenig bekannten Subgenre.

Es passt so schön zum Superheldenroman, dass wir in dieser September-Ausgabe die “Graphic Novel„ vorstellen, gezeichnete Phantastik-Erzählungen, die sich ebenfalls aus den Superhelden-Comicserien entwickelt haben. Horst Illmer erzählt uns, wie die Graphic Novel entstanden ist, wer diese spezielle Literaturart entwickelt hat und was sie auszeichnet. Außerdem stellt Ihnen Horst Illmer Bryan Talbotts “Grandville" vor – unsere erste Graphic Novel Rezension.

Einen goldenen Spätsommer mit inspirierender Lektüre wünscht Ihnen

Eva Bergschneider