Liebe Leserinnen und Leser,

Der Oktober begrüßt uns mit Aprilwetter, abwechselnd Sonne, Sturm und Regen, aber er wird uns auch wieder mit jeder Menge Bücher beglücken. Sie ahnen es, es ist vom 10. – 14. Oktober wieder Zeit für die Frankfurter Buchmesse. Dieses Mal hoffe ich mit vier Interviews zurückzukommen und freue mich schon auf die Gespräche mit interessanten neuen und bereits etablierten Fantasy-Autoren. Doch davon später mehr, lassen Sie sich überraschen.

Für die Oktober-Ausgabe der Phantastik-Couch hat unser Team wieder viele interessante, weil ungewöhnliche Bücher gelesen und sie genossen, nicht immer erreichen uns so viele Top-Titel würdig bewertete Rezensionen.

Da wäre zum einen mein erstes Herbst Highlight von der noch jungen, aber bereits zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Fantasy Literatur gehörenden Autorin Jenny-Mai Nuyen zu nennen. Die bisher mit klassischer High Fantasy auf sich aufmerksam machte und sich nun an das Thema „Leben nach dem Tod“ heranwagte.
Ihr aktueller Titel "Noir„ ist eine ausgefallene Mischung aus Liebes- und Geistergeschichte, wie aus dem realen Großstadtdschungel Berlins heraus gegriffen und doch surreal verstörend und poetisch zugleich. Eine perfekte phantastische Lektüre für lange dunkle Abende am Kamin.

Oder wie wäre es mit unserem Buch des Monats Oktober, einem ungewöhnlichen Science-Fiction Roman, der sich ebenfalls mit den Seelen der Menschen beschäftigt. In “Krieg der Seelen„ von Ian M. Banks kämpfen Anti- und Pro-Höllisten gegeneinander, da die etablierten Aufbewahrungsorte für Seelen, die Jenseits-Sphären, für Straffällige eine ewige posthume Buße vorsehen. In Banks Kosmos ist die Zukunft ein kontrolliertes Chaos geblieben, ist also ein Gegenentwurf zu Roddenberrys Star Trek Utopia. Und kommt vielleicht deshalb den Lesern in unserer komplizierten, globalisierten Welt entgegen.

Das Thema “Leben nach dem Tod„ zieht sich als roter Faden durch unsere Top-Titel, denn auch der inzwischen sechste Band der SF-Krimi Reihe um den Archäologen Alex Benedict und seiner Pilotin Chase Kolpath “Firebird„ von Jack McDevitt streift dieses Thema. Der Autor kombiniert die spannende Suche nach einem Mysterium aus der Vergangenheit mit der Frage, ob Künstliche Intelligenz eine ´Seele´ entwickeln kann. Philosophisch anmutende Gedanken hat der Autor so geschickt in eine aufregende Story verpackt, dass sie sich dem Leser nicht aufdrängen. Jeder kann selbst entscheiden, inwieweit er sich mit Gott und dem Jenseits beschäftigen, oder einfach diesem ungewöhnlichen Ermittlerpaar auf ihrer gefährlichen Queste folgen möchte.

Es geht sogar noch exzentrischer, die Phantastische Literatur erlaubt Ausflüge in Gedankenexperimente jeder Art. In “Flammenalphabet„ von Ben Marcus wird die Sprache zur Viruskrankheit. Eltern verlassen ihre Kinder, weil ihre Sprache sie quält und krank macht. Dabei geht es hier nicht etwa um Jugendsprache, die Erwachsene jenseits der 40 nicht mehr verstehen, sondern vielmehr um eine Frage aus der Linguistik, nämlich inwieweit die Sprache unser Denken formt und auch manipuliert.

Ein ebenfalls ungewöhnliches Experiment wagte die Autorin Olga A. Krouk in ihrem neuen Buch “Der Tag, an dem meine Schwester zur Dämonin wurde". Nein, nicht der Titel ist gemeint, den hat sich der Verlag ausgedacht, sondern die Erzählperspektive. Oder haben Sie schon einmal von einer 'schwebenden’ Perspektive gehört? Hier teilen sich zwei Protagonisten die Erzählperspektive und ermöglichen dem Leser so, in die Gedanken und Gefühle beider Figuren unmittelbar einzutauchen. Eine interessante Variante. Aber das Buch hat noch einiges mehr zu bieten, nämlich schräge Szenen und Figuren in einem spannenden postapokalyptischen Setting.


Schauen wir noch einmal kurz auf den Sommer 2012 zurück, der den Phantastik-Fans eine Vielzahl von Veranstaltungen geboten hat, angefangen mit der Role Play Convention, über die NordCon und die Dragon Days, bis hin zur Elf Fantasy Fair am 15. und 16. September. Welches einzigartig bunte Spektakel sich dort im Park des Wasserschlosses in Arcen/NL abgespielt hat, können Sie in unserem Artikel zur Elf Fantasy Fair nachlesen. Harald Chocholacs, langjähriger Besucher und Fan der Elf Fantasy Fair, berichtet von allen Highlights und gibt zahlreiche Tipps, wie man einen Besuch dieses Events zu einem unvergesslichen Erlebnis machen kann.

Einen goldenen Oktober mit herzerwärmender Lektüre wünscht Ihnen

Eva Bergschneider