Liebe Leserinnen und Leser,

Ein aufregender Oktober mit der Buchmesse in Frankfurt, dem Buchmesse Convent und der Verleihung des Deutschen Phantastik Preises liegt hinter uns. Der Preis für die beste Internetseite wurde wieder an uns, die Phantastik-Couch verliehen, was uns mit dankbarer Freude erfüllt. Wie spannend dieses Wochenende war und wer noch auf die Bühne klettern durfte, können Sie in meinem Artikel "Buchmesse Frankfurt und Buchmesse Convent 2012 – Maori-Tänzer und Elfenmusik„ nachlesen.

Unser Buch des Monats passt zur dunklen Jahreszeit, denn es ist der Gruselroman “Das Geisterspiel„ von Andrew Taylor. Die Geister die hier umgehen, entstehen aus Angst und Schuldkomplexen, sie suchen alle Protagonisten heim, unabhängig von Stand und Ansehen. “Das Geisterspiel„ erzählt allerdings auch eine Zeitgeschichte, die man “Enlightement„ nennt, die aber vor allem eine Zeit der Barbarei und des Aberglaubens war. Was in “Das Geisterspiel„ beinahe noch erschreckender herüber kommt, als die Geister.

Die Urban Fantasy kommt zunehmend wieder ohne ´Lovestories´ phantastischer Gestalten aus. Stattdessen finden wir auch in Robert Jackson Bennetts “Silenus„ ein wenig Historie, nämlich die des Kleinkunst- und Varieté-Theaters vor dem ersten Weltkrieg. Die hier durch die Lande ziehende “Troupe„ dient allerdings nicht nur der Unterhaltung der kleinen Leute. Sie kämpft gegen die Finsternis, die das Universum zu verschlingen droht und sucht nach den Teilen eines Liedes, das die Welt zu beschützen vermag.
Bennett gelingt es, Elemente der realen und irrealen Welt so zu verknüpfen, dass er seine eigene Bühne erschafft und diese mit neu interpretierten phantastischen Figuren bestückt.

Es kommt häufiger vor, dass sich ein Verlag die Rechte für eine Buchserie älteren Datums sichert und diese erfolgreich seinem Lesepublikum präsentiert, so geschehen beim Wurdack Verlag mit Guy Boothbys Mystery-Serie aus dem späten 19. Jahrhundert “Doctor Nikola„. Doch dass dieser Verlag auch noch Autoren findet, die diese Serie weiterführen, ist neu. Der nach Unsterblichkeit strebende Doctor wurde 111 Jahre nach seinem Abgang zurückgeholt. Mit reichlich Historie hat der Übersetzer der ´alten“ Bände Michael Böhnhardt´ seine Version der ´Nikola´-Reihe "Das Luftschiff des Doctor Nikola„ ausgestattet und die Figuren Vorbildern dieser Zeit nachempfunden. Was dabei herausgekommen ist, wirkt allerdings alles andere als antiquiert, sondern modern und rasant.

Die Qualität von Romanübersetzungen sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. Allerdings wird selten so kontrovers diskutiert, wie über die deutschen Übersetzungen der Terry Pratchett-Bücher. Was nicht verwunderlich ist, da der Pratchett’sche Wortwitz nur schwer ins Deutsche zu übertragen sein dürfte. Nun hat der deutsche Verlag Manhatten einen neuen Übersetzer, Gerald Jung, engagiert und so der stilistischen Weiterentwicklung der “Scheibenwelt„-Romane Rechnung getragen. Und wieder wird heiß debattiert, ähnlich intensiv, wie zuletzt über die Neuübersetzung der “Herr der Ringe„ Trilogie durch Wolfgang Krege. Unser Pratchett Rezensent bespricht in der Regel die Originalbände, so auch den letzten Roman “Snuff„. Und nun hat er sich den deutschen Band “Steife Prise„ einmal vorgenommen und erläutert Ihnen, ergänzend zur bereits bestehenden Rezension, was tatsächlich von dieser Übersetzung zu halten ist.

“So muss Science-Fiction„ betitelt unser Rezensent seine Besprechung des einzigartigen Science-Fiktion Kurzgeschichtenbandes “Die Stille nach dem Ton„, herausgegeben von SF Urgestein Wolfgang Jeschke und Ralf Boldt. Zusammengestellt wurden alle Kurzgeschichten, die seit 1985 entweder mit dem SFCD-Literaturpreis (Science Fiction Club Deutschland) oder dem Nachfolgepreis, dem Deutschen Science-Fiction Preis ausgezeichnet wurden. Ein “must have" für SF-Fans und somit ein origineller Weihnachtgeschenk – Tipp.

Als ´Ausbeute´ vom Buchmesse/Buchmesse-Convent Wochenende präsentieren wir Ihnen in der dieser Ausgabe zwei live geführte (und dadurch etwas ausführlichere) Interviews: mit Jenny-Mai Nuyen, die mit ihrem Buch "Noir" etwas völlig Neues gewagt hat und mit Tom und Stephan Orgel, deren Debütroman "Orks vs. Zwerge" als Spitzentitel beworben wird.

Viel Spaß beim Stöbern in der prall gefüllten November Ausgabe der Phantastik-Couch wünscht Ihnen

Eva Bergschneider