Liebe Leserinnen und Leser,

Das wird ein phantastischer Dezember. Die Vorweihnachtszeit verwöhnt uns mit Glühwein und Plätzchenduft und für Phantastik-Cineasten ist es der Kino-Monat schlechthin. Zurzeit läuft „Cloud Atlas“ in den Kinos, und ab dem 13. der Film, auf den die Fans der "Der Herr der Ringe„ Filme lange gewartet haben – “Der Hobbit – Eine unerwartete Reise„.
Die Dezember-Ausgabe der Phantastik-Couch wird auf beide Filmereignisse eingehen. Mit einer Top-Titel Rezension von Almut Oetjen zu David Mitchells “Wolkenatlas„ und einem aufschlussreichen Artikel zur “Hobbit" Verfilmung. Marcel Aubron-Bülles, Phantastik-Couch Redakteur und Vorsitzender der Deutschen Tolkien-Gesellschaft, erläutert in ,Ein Hobbit, sie zu knechten„ welche Stolpersteine für das Projekt zu überwinden waren und was er von Jacksons Umsetzung des Tolkien Kinderbuch-Klassikers erwartet – und was nicht.

Die Kritiken zu “Cloud Atlas„ fallen nicht alle positiv aus, das ambitionierte Projekt der Regisseure Tykwer & Wachowski spaltet die Kinofans. Das dem Film zugrunde liegende Buch “Wolkenatlas„ von David Mitchell hingegen hat unsere Rezensentin vollständig überzeugt. Denn Mitchell hat es geschafft, sechs unabhängige Geschichten mit stilistischer Eleganz zu einem Uhrwerk der Menschheitsgeschichte zu verknüpfen.

Dass Kai Meyer zu den einfallsreichsten Phantastik-Autoren gehört, beweist er einmal mehr mit seinem aktuellen Roman “Asche und Phönix„, unserem ´Buch des Monats´. Hier nimmt er sich des Themas Ruhm und Einsamkeit an und schickt einen Filmstar und eine Diebin auf eine gefährliche Flucht. Wieder ist es dem Autor gelungen, ein zeitgenössisches Thema in ein phantastisches Gewand zu kleiden. Und dabei sowohl mit Horror pur, als auch mit einer anrührenden Lovestory zu begeistern. “Asche und Phönix„ ist schon jetzt ein All-Age Klassiker, findet unser Rezensent Carsten Kuhr.

Hexen passen perfekt in die Urban Fantasy, wie man in TV-Serien wie “Charmed„ oder dem Film-Klassiker “Die Hexen von Eastwick" sieht. Etliche Autoren/innen dieses Genres, z.B. Kelley Armstrong, kreieren taffe Frauen mit magischen Fähigkeiten, die sich den Problemen unserer und der Anderswelt stellen. Tanya Huff erschafft in "Der Hexenladen„ einen ganzen Clan von Hexen und lässt diese auf das Magier-Unterreich der kanadischen Metropole Calgary los. Ein pures Lesevergnügen, dass mehr als Spannung und Exzentrik bietet, nämlich eine gehörige Portion Ironie und bissigen Humor.

Skurrile Welten, Figuren und außergewöhnliche Ideen kennzeichnen China Miévilles phantastische Literatur und sein neues Werk “Stadt der Fremden„ macht da keine Ausnahme. In diesem SF-Roman, der wenig mit den üblichen Strömungen des Genres gemein hat, hat der Autor aus der Unfähigkeit zur Lüge die Geschichte zweier unvereinbarer Kulturen entwickelt. Miéville verlangt dem Leser einiges ab, denn es braucht seine Zeit, bis dieses komplexe Universum und die Sprache der Ariekei erklärt sind und die Handlung an Fahrt aufnimmt. Doch wer durchhält wird belohnt, mit einem spannenden Finale und einer Story die berührt und hängenbleibt.

Steampunk hat sich als Phantastik-Subgenre zwischen SF und Fantasy fest etabliert und man wird immer wieder von seiner Originalität überrascht. Judith und Christian Vogt entwerfen in “Die zerbrochene Puppe„ einen Steampunk-Krimi, der mit faszinierenden Ideen, skurrilen Figuren und sprachlicher Raffinesse begeistert. Erfindergeist und Atmosphäre durchdringt Zeile um Zeile und macht dieses Werk lesen- und liebenswert.

Apropos Steam – bei Steam-Fantasy aus Deutschland fällt einem spontan Bernd Perplies “Magierdämmerung„ ein, eine Trilogie die den Trend mit einläutete. Nun wechselte der Autor das Genrefach und legte mit “Flammen über Arcadion" den Auftakt einer Dystopie vor. Im Interview erklärte Bernd Perplies uns, wie es zu diesem erneuten Richtungswechsel kam und warum ihm jedes Detail im Aufbau der Arcadion-Welt wichtig ist.
Mit der Autorin E.L. Greiff trafen wir uns auf der Buchmesse in Frankfurt zu einem angenehmen Gespräch. Sie erzählte uns, wie sie auf die Idee kam, dem Wasser in ihrem "Zwölf Wasser" Epos, noch phantastischere Eigenschaften zuzuschreiben, als es bereits hat und warum die High-Fantasy der richtige Rahmen für diese Geschichte ist.

Im Namen des Phantastik-Couch Teams wünsche ich Ihnen einen schönen Advent, friedliche Feiertage ohne Hektik und alles Gute für das Jahr 2013 – sofern wir alle den 21. Dezember 2012 unbeschadet überstehen und in ein neues Zeitalter eintreten.

Ihre
Eva Bergschneider