Liebe Leserinnen und Leser,

wieder liegt ein neues Jahr vor uns. Da inzwischen einige der Frühjahrskataloge der Verlage eingetroffen sind, liegt es nah einmal zu schauen, was das kommende Jahr an Phantastik bringen wird. Ein eindeutiger Thementrend lässt sich nicht feststellen – was gut ist, denn die Phantastik lebt von der Vielfalt. In der Fantasy scheinen Tolkiens Völker eine Pause einzulegen, dafür bekämpfen sich Königreiche in phantastischen Welten. Wer gern Fantasy à la George R. R. Martin liest, wird auf seine Kosten kommen. Gute Nachrichten auch für SF-Fans. In den letzten Jahren schon fast totgesagt, findet man nun wieder mehr Space-Operas und Weltraumschlachten. Auch der Dystopie-Trend setzt sich fort. Die Menschheit sucht ihr Heil unter der Erde und einzelne Helden wagen sich auf die Oberfläche.
Ich glaube, wir können uns auf einige schöne Phantastik-Bücher freuen.

Unser erstes „Buch des Monats“ 2013 ist – ein Hard-SF Roman. David Brin erzählt in "Existenz„ über die Bestimmung der Menschheit im Universum. Wie viele besondere Romane ist “Existenz„ nicht ganz einfach zu lesen. Der Autor gliedert knapp 900 Seiten in 99 Kapitel und unzählige Perspektivenwechsel, in denen sich die Handlung zum Teil überschneidet. Brin zeichnet eine Welt, die vielerlei Zukunftsszenarien zu vereinen scheint: Überwachungsstaat, Müll-Gesellschaft, virtuelle Realität (eAugen, eOhren) und Erstkontakt mit Außerirdischen. Letzteres scheint das Hauptthema zu sein, jedoch nutzt David Brin die Geschichte, um seine Sicht der Dinge auf viele gegenwartsbezogene Fragen zu erläutern. Ein beeindruckendes Werk.

Stephen King kann einfach nicht vom “Dunklen Turm„ lassen. Er selbst bezeichnet “Wind„ als “Dunkler Turm 4.5„ (da zeitlich zwischen Band 4 und 5 einzuordnen) und wir finden darin drei ineinander verschachtelte Geschichten. Der altgediente Leser der Serie darf sich freuen, bekannte Weggefährten wiederzutreffen, der Fan der Grapfic Novels (siehe “Der dunkle Turm-Graphic Novel„) kennt bereits einen Protagonisten der zweiten Handlungsebene. Doch auch viele neue Figuren und Charaktere werden in typisch King’scher Manier eingeführt. “Wind„ ist eine schöne Ergänzung der Serie “Der dunkle Turm„, aber auch für Einsteiger lesbar und vielleicht nicht die letzte Reise nach Mittwelt.

Nach “Das Herz von Veridon„ (in der Auswahlliste “Phantastisches Buch des Jahres 2012„) setzt Tim Akers seine Dark-Fantasy Reihe vor einer Steampunk Kulisse in “Die Untoten von Veridon„ fort. Tim Akers Welt Veridon ist keineswegs eine Alternativversion unserer Welt. Der Autor schafft die perfekte Verbindung von dem was der “Steampunk„ ursprünglich war, nämlich SF, und der Genrerichtung, der heute zumeist das gleiche Label angeheftet wird, aber eher der Fantasy zuzuordnen ist. Dem mischt er eine gute Portion Horror hinzu und so wandeln auf Veridon Maschinenmenschen, Magier, Cyborg-Engel und Zombies. Mitten hinein platziert Akers ein komplexes Spiel um Macht mit einem Helden, der nicht zum Retter werden will. Ein genreuntypisches Lesevergnügen.

Darauf haben viele Leser gewartet und endlich ist sie da, die Fortsetzung der “Wächter„-Romane von Sergej Lukianenko. In Band 5 “Wächter des Morgen„ kehrt Anton Gorodetzki zurück, nun einer der hohen Magier der Nachtwache Moskaus. Sein Leben ändert sich, als er einen kleinen dicken Jungen, einen Propheten trifft, der von einem Zwielichtwesen gejagt wird. Was Anton zunächst nicht weiß, die Prophezeiung des Jungen betrifft die Zukunft der Magie – und ihn. Wieder erzählt der russische Erfolgsautor eine kurzweilig spannende Geschichte um die Mächte des Lichts, der Dunkelheit und des Zwielichts. Schon immer waren seine Erzählungen Spiegelbilder der russischen Seele, doch in “Wächter des Morgen„ legt Lukianenko den Finger noch etwas tiefer in die Wunden seiner Heimat. Glücklicherweise gewohnt melancholisch und humorvoll zugleich.

In Anlehnung an den Filmtitel “Hiroshima, mon amour„ betitelt unser Rezensent seine Besprechung des SF-Romans “Trinity„ von Kevin J. Anderson und Doug Beason “Fukushima, mon amour„. Es geht um die Entwicklung der Atombombe, beziehungsweise um die Verhinderung derselben. Nach einer unfreiwilligen Zündung der Bombe findet sich eine Aktivistin im Jahr 1943 wieder, und ergreift die vermeintlich historische Chance den Bau der Atombombe aufzuhalten. Dem Roman positiv anzumerken ist, dass die Autoren selbst als Atomwissenschaftler gearbeitet haben. Als Resultat legten sie mit “Trinity" nicht nur einen spannenden Alternativwelt-Thriller vor, sondern auch eine kritische Mahnung vor der Atomtechnik. Gut, dass dieser bereits 1991 entstandene Roman nun in deutscher Übersetzung veröffentlicht wurde.

Im Interview stellen wir Ihnen den Autor Andreas Saumweber vor, der in seiner „Druiden-Chronik“ ("Schattenkrieg„, “Schattensturm„, “Schattenfluch„) beeindruckende moderne und keltische Welten erschuf und ein blutiges und magisches Abenteuer beschrieb.

Und wir möchten in dieser Januar-Ausgabe wieder zur Wahl “Phantastisches Buch des Jahres„ aufrufen. Stimmen Sie unter unseren zwölf “Buch des Monats" Titeln des Jahres 2012 und acht weiteren Titeln ab, die unseren Redakteuren am besten gefallen haben. Wir sind schon jetzt sehr auf das Ergebnis gespannt, denn wir konnten keinen wirklichen Favoriten ausmachen.


Das Phantastik-Couch Team wünscht Ihnen ein wundervolles Jahr 2013 voller phantastischer Entdeckungen.

Ihre

Eva Bergschneider