Liebe Leserinnen und Leser,

Der Februar ist immer ein Monat, in dem ich den Winter einfach leid bin, ich freue mich über längeres Tageslicht und die Hoffnung auf sonnigere Tage. Bis zur Leipziger Buchmesse, die uns frischen phantastischen Lesestoff präsentieren wird, sind es noch ein paar Wochen. Eine Zeit, in der man die Klassiker entdecken kann, wie zum Beispiel „Altmeister“ der Science-Fiction wie die Gebrüder Strugatzki und Philip K. Dick. Vielleicht werfen sie mal einen Blick in unsere Besprechungen von Strugatzkis "Gesammelte Werke I„ oder Dicks Erstling “Hauptgewinn: Die Erde„. Darüber hinaus haben wir natürlich auch viele aktuelle Buchempfehlungen für Sie.

Unser “Buch des Monats„ ist der dritte Teil der Horror-Serie von Rick Yancey um den Nachwuchs-Monstrumologen Will-Henry. In “Der Monstrumologe und die Insel des Blutes„ trifft es den 13-Jährigen hart, dass Dr. Warthrop ihn allein zurück lässt. Ein infektiöses Artefakt bringt den Wissenschaftler auf die Spur des Magnificium, nach dem er mit einem Kollegen zu suchen beginnt. Eine Reise, die Will-Henrys Mentor das Leben kostet – doch der naseweise Teenager traut dieser schlechten Nachricht nicht. “Außergewöhnliche Bücher„, so urteilt unser Rezensent über diese Reihe. Der dritte Band überzeugt insbesondere durch den berührenden und nachvollziehbar geschilderten Verlust der Unschuld, den der jugendliche Held erleiden muss.

Der amerikanische Autor Brent Weeks startete 2008 mit der “Night Angel„ Trilogie durch, nun legt er mit seiner neuen Serie “Black Prism„ wieder einen Fantasy-Knaller vor. Nachdem der Serienauftakt “Schwarzes Prisma„ begeistert gelesen und kritisiert wurde, scheint der oft undankbare zweite Teil “Die blendende Klinge„ nahtlos an diesen Erfolg anzuknüpfen. Der Autor weiß eben, wie er den Spannungsbogen in einer Serie erhält. Er lässt den Kampf Lord Prismas gegen den Farbprinzen ruhen und erzählt eine andere für den Plot wesentliche Geschichte.

Den Autor Michael Schreckenberg haben wir Ihnen in der Dezember-Ausgabe bereits vorgestellt. Unser Rezensent urteilte über sein erstes Werk “Der Finder„ etwas zwiegespalten, bescheinigte dem Nachwuchstalent jedoch reichlich Potential. Dieses scheint er nun in “Der wandernde Krieg-Sergej„ voll genutzt zu haben. Eine faszinierend düstere Story mit geschickten Wechseln und ausgezeichneten Charakteren sichert dem Roman nicht nur einen Platz in der Longlist des Phantastik-Preises “Seraph", sondern auch eine Top-Wertung auf der Phantastik-Couch.

Apropos Nachwuchs. In unserem Autoreninterview stellen wir Ihnen das Autorenehepaar Judith und Christian Vogt vor, das mit dem Steampunk-Roman "Die zerbrochene Puppe" erstmals gemeinsam die literarische Bühne betrat. Sie verraten uns, wie die ungewöhnliche Geschichte mit der sprechenden Puppe entstanden ist und geben Tipps, wie man auch nach jahrelangen Fingerübungen zur Romanveröffentlichung kommen kann.
Des Weiteren möchten wir Ihnen einen kleinen Blick hinter die Kulissen des Literaturbetriebs ermöglichen und stellen Ihnen die Lektorin Hanka Jobke vor. Hanka erzählte Carsten Steenbergen, wie ihr Tagewerk im Dienst für Autoren aussieht und was dabei ihre wichtigen Hilfsmittel sind.

Kommen wir noch einmal auf das Thema SF-Klassiker zurück. Stanislaw Lem war der bedeutendste polnische SF Autor in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er verdrängte ein wenig seine nicht minder begabten Kollegen. Deren Werk möchte nun der Wurdack-Verlag mit der von Peter Dehmel herausgegebenen Anthologie "Die Erde und die Außerirdischen" dem deutschen Publikum schmackhaft machen. Unser Rezensent war fasziniert, von Lösungsansätzen, die einem US-Autor nie eingefallen wären und von der erzählerischen Patina dieser Kurzgeschichten.

Der Autor Tad Williams ist ebenfalls beinahe ein Altmeister der Fantasy. Jedoch einer, der eine Erfolgsspur verlassen und sein Werk neu ausrichten kann. Ich konnte Tad Williams nicht so ganz glauben, als er mir während des Video-Interviews erklärte, dass seine neue Serie, die „Bobby Dollar Books“ anders sein würden, als die bisherigen epischen Erzählungen. Aber er hat nicht zu viel versprochen, "The Dirty Streets of Heaven„ erzählt eine abgeschlossene Geschichte ausschließlich aus der Sicht des Engels und Anwalts der Verstorbenen Bobby Dollar. Es ist eines der schnellsten und actionreichsten Tad Williams Bücher, deutlich kompakter als die der “Osten Ard„ oder “Otherland"-Serie, allerdings nicht weniger unterhaltsam.

Wir wünschen Ihnen fröhliche Karnevalstage, sofern Sie am närrischen Treiben teilnehmen und gemütliche Lesestunden, wenn Sie dem lieber fernbleiben möchten.
Halten Sie durch, der Frühling kommt.

Ihre

Eva Bergschneider