Liebe Leserinnen und Leser,

Es ist wieder soweit. Wir haben unsere Leser zur Abstimmung "Phantastische Buch des Jahres 2012„ aufgerufen und nun das Ergebnis vorliegen. And the winner is *Trommelwirbel*:
Asche und Phönix„ von Kai Meyer. Auf den Plätzen zwei und drei folgen “Die Moldau im Schrank„ von Nina Maria Marewski und “Der Übergang„ von Justin Cronin.
Der Siegertitel ist zwar keine so große Überraschung, wie der vom letzten Jahr (“Galdäa„-Karsten Kruschel), aber zweifellos ein würdiger Preisträger, den unser Rezensent enthusiastisch gelobt hat. Mich persönlich freut, das mein Favorit “Die Moldau im Schrank„ von Nina Maria Marewski auch bei Ihnen gut ankommen ist. Und dass Justin Cronins “Der Übergang„ ein besonderes phantastisches Werk ist, hat nicht zuletzt unsere Leserunde zum Nachfolgebuch “Die Zwölf„ gezeigt.
HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH an die Gewinner und vielen Dank an alle, die mitgemacht haben.

Unser “Buch des Monats„ dieser März-Ausgabe ist wieder ein Steampunk-Roman, “Der kuriose Fall des Spring Heeled Jack„ von Mark Hodder. Der Böse 'Sprungewaltige Jack’ ist eine Figur aus der englischen Folklore im viktorianischen Zeitalter – und passt vorzüglich in eine Steampunk-Historie. Sein Gegenspieler Sir Richard Francis Burton ist eine historische Figur, ein Orientalist und Afrikaforscher des späten 19. Jahrhunderts. Im Roman arbeitet er als Agent der Regierung. Nicht der von Queen Viktoria versteht sich, denn wir haben es ja mit einer alternativen Historie zu tun. Einer Ära, die genetisch manipulierte, als Diener eingesetzte Haustiere und Dampf betriebene Fahrzeuge hervorbringt. Burton wird auf der Jagd nach dem springenden Jack einsehen, dass dieses London keineswegs weniger Gefahren birgt, als der schwarze Kontinent – und nicht weniger Mysterien. Ein farbenfroh und düster gezeichnetes Schurkenstück vor einer Steampunk-Kulisse mit mehreren Zeitebenen, auf dessen Fortsetzung man gespannt sein darf.

Schwarze Fluten„ ist bereits Dean Koontz fünfter Roman um den Geister sehenden Grillkoch Odd Thomas. Dieses Mal erwehrt sich der kommentierfreudige Ich-Erzähler verschiedenartiger Spukgestalten auf dem Anwesen Roseland, weil er eingewilligt hat, den Sohn einer ermordeten jungen Frau zu suchen. Die Odd Thomas Serie ist moderner Horror, der weit mehr als Schock- und Gruselelemente bietet, nämlich außerdem Odds spezielle, skurrile Weltanschauung und sarkastischen Humor.

Der Titel “Alle Zeit der Welt„ klingt fast wie ein esoterischer Ratgeber. Es ist allerdings ein Science-Fiction Roman, den die Autorin Pia Biundo geschrieben und bei dem bisher wenig bekannten Verlag “Saphir im Stahl„ veröffentlicht hat. Tatsächlich liest sich der Anfang des Romans wie einer aus der frühen Star-Trek Reihe. Doch die Geschichte entwickelt sich weit darüber hinaus, bis zu philosophisch anmutenden Fragen über das Leben und Menschsein. Ein utopisches Zukunftsmärchen mit exzellent charakterisierten Figuren, variantenreich erzählt.

Winterkind„ von Lilach Mer ist ebenfalls ein Roman, dem man die phantastische Komponente nicht gleich ansieht, erschien es doch in einer Themenreihe, die die Ursprünge der Moderne in der Zeitgeschichte ergründet. Dafür wählte die Autorin eine Fortsetzung des Märchens ´Schneewittchen´ und erzählt einfühlsam vom Schicksal zweier Frauen in der Kaiserzeit. “Winterkind„ besticht durch leise Töne, psychologische Raffinesse und verleiht der Vergangenheit einen phantastischen Hauch.

Zu guter Letzt lege ich Ihnen “Pfad der Winde„ von Brandon Sanderson ans Herz. “Pfad der Winde„ ist Teil zwei der Sturmlichtchroniken, dem Epos, an dem der Autor nach eigener Aussage seit über 10 Jahren schreibt. Entsprechend hatte der erste Teil “Der Weg der Könige„ leichte Startschwierigkeiten, doch nun ist Sanderson ganz in seinem Element und in der Geschichte angekommen. Wieder hat er ein ganz eigenständiges Magiesystem mit beinahe naturwissenschaftlichem Hintergrund erschaffen und nun funktioniert auch der Wechsel zwischen den vielschichtig gezeichneten Hauptpersonen wieder. Weniger Erklärung, mehr Spannung, garniert mit wunderbaren Illustrationen und Karten, machen “Pfad der Winde" zu einer runden Sache und einem fesselnden Lesevergnügen.

In der letzten Ausgabe haben wir einen Blick hinter die Kulissen des Literaturbetriebs geworfen und die Lektorin Hanka Jobke von ihrer Arbeit erzählen lassen. Diesen Blick möchten wir nun auf eine Literaturagentur richten. Im Interview stellen wir Ihnen Julia Abrahams und Natalja Schmidt vor, die die Literaturagentur „Schmidt und Abrahams“ gegründet haben. Liest man sich einmal die Liste ihrer Autoren durch, trifft man auf beliebte Phantastik-Schriftsteller wie Christoph Hardebusch, Bernd Perplies oder Christian von Aster. Welche Voraussetzungen ein Autor mitbringen muss und was Literaturagentinnen für ihre kreative Kundschaft tun, erfahren Sie hier in unserem Interview.

In knapp zwei Wochen geht es wieder zur Leipziger Buchmesse, wo ein prall gefülltes Phantastik-Programm auf mich wartet. Ganz im Gegensatz zum Literaturfest litCologne vor meiner eigenen Haustür, das der Phantastik lediglich im Kinderprogramm ein wenig Platz einräumt. Was ich sehr bedauerlich finde, denn gerade Leipzig zeigt, dass phantastische Literatur generationenübergreifend zu begeistern versteht. Davon mehr in der nächsten Ausgabe.

Ich wünsche Ihnen einen sonnigen Frühlingsanfang und für die kalten Abende herzerwärmende Lektüre. Wir hoffen, Sie werden hier fündig.

Ihre
Eva Bergschneider