Liebe Leserinnen und Leser,

zum zweiten Mal wurde auf der Leipziger Buchmesse der Phantastik-Literaturpreis Seraph verliehen. Der Gewinner in der Kategorie ´Bestes Buch´ dürfte Sie kaum überraschen, denn es ist derselbe, der auch unsere Wahl ´Phantastisches Buch des Jahres 2012´ gewonnen hat: "Asche und Phönix„ von Kai Meyer. In der Kategorie ´Bestes Debut´ fiel die gleiche Stimmenanzahl der Juroren auf zwei Bücher, nämlich “Stadt aus Trug und Schatten„ von Mechthild Gläser und “Fantastik AG„ von Jan Oldenburg. Wir gratulieren allen Gewinnern herzlich und werden Ihnen die beiden Debut-Autoren in eine der nächsten Phantastik-Couch Ausgaben näher vorstellen. Rezensionen zu den prämierten Werken finden Sie auf der Jugendbuch- und der Phantastik-Couch.

Unser Buch des Monats April, “Silo„ von Hugh Howey, ist eines von denen, die über eine Selbstveröffentlichung durch den Autor zu den etablierten Verlagen kam. Einfach weil es vom Publikum begeistert gekauft und gelesen wurde, ganz ohne Werbegetrommel. Und nun hat sich 20th Century Fox bereits die Rechte an dem apokalyptischen Stoff gesichert – wenn das nicht eine moderne Variante der Tellerwäscher-Story ist. Die deutsche Ausgabe dieses Serienstarts erschien beim Piper-Verlag und wir wollten natürlich unbedingt wissen, was dran ist an ´Silo“. Unser Rezensent Carsten Steenbergen urteilt: „Eine düstere, mitreißende Dystopie, die die Idee einer untergegangenen Welt von einer neuen Seite aus beleuchtet.“

Von den Fans wurde lange der Abschluss der „Vilm“ Serie von Karsten Kruschel erwartet, im Januar erschien nun "Das Dickicht„ beim Wurdack-Verlag. Diejenigen die die ersten Bände “Der Regenplanet„ und “Die Eingeborenen„ genossen haben, werden sich sofort wieder heimisch fühlen im Nest des Regendrachen, wie die Vilmer ihre Welt nennen. Der Autor erzählt keines der typischen Weltraumabenteuer, sondern entführt den Leser in ein hochkomplexes Biotop, an das sich die Bewohner perfekt angepasst haben. Ein Öko-Paradies, nach dem gierige Instanzen wie der Nuntius der Päpste ihre Hände ausstrecken, doch Einwohner und Natur wissen sich zu wehren. “Intelligente Science-Fiction mit originellen Ideen, fernab von hochgerüstetem Weltraumgeballer, mit einem scharfen Blick für menschliche Schwächen.„ urteilt unsere Rezensentin Anja Helmers.

Techno-Thriller nennt man Bücher, die aktuelle wissenschaftliche und technische Entwicklungen in politischen Thrillern verarbeiten – in der Regel gereichen diese nicht dem Allgemeinwohl, sondern einem politischen oder finanziellen Nutzen. Mit Unbehagen beobachten wir in “Kill Decision„ von Daniel Suarez, was die Kriegstechnik, gedanklich nur wenig weiter entwickelt, bereits anzurichten vermag und warum sie jeglicher Kontrolle entgleitet. “Kill Decision„ erzählt von dem mysteriösen Spiel, das mit einer Wissenschaftlerin, die Schwarmintelligenz an Ameisen erforscht, getrieben wird. Doch was hat ihre Arbeit mit Angriffen von Killer-Drohen zu tun? “Ein Techno-Thriller, der zugleich den Puls hochtreibt und zum Nachdenken anregt.„ resümiert Almut Oetjen.

Begeisterung für die Zukunft – in Zeiten der Zukunftsangst ein mutiges Motiv – ist, was Kim Stanley Robinson zu seinen SF-Büchern inspiriert. Das erfährt der Leser seines neuen Romans “2312„ von der ersten Seite an. Die Menschheit hat unser Sonnensystem besiedelt und erstaunliche Lebensräume auf den verschiedenen Planeten erschaffen. In diesem Universum stellt die Enkelin einer populären Politikerin Nachforschungen über den Tod ihrer Großmutter an, als gesteuerte Meteoriten die Hauptstadt des Merkurs beinahe dem Planetenboden gleich machen. Unser Rezensent ist von “2312„ begeistert:“ Ein wahres Ideenfeuerwerk„ findet Horst Illmer.

Das Stichwort “Ideenfeuerwerk„ beschreibt auch die Werke des Schriftstellers Ralf Isau sehr treffend. Dass er vor Ideen sprüht, hat er in seiner Trilogie um die “Zerbrochene Welt„ eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der Finalband “Weltendämmerung„ hat es auf die Longlist des Seraph Preis geschafft und auch mich mit seiner immensen Vielfalt an phantastischen Kulturen begeistert. Ralf Isau stellte auf der Buchmesse in Leipzig seinen neuen Roman “Die Masken des Morpheus" vor. Zu dem geplanten Gespräch vis à vis kam es leider nicht, aber per e-mail verriet uns der Autor, interessante Details über seine Bücher.

Außerdem wurden wir selbst um ein Interview gebeten, von dem Fantasy-Portal Librimania. Christoph Aufmhoff hatte einige interessante Fragen und ich nutze die Gelegenheit, Phantastik-Couch ein wenig vorzustellen.

Zombies sind ´in´, das zeigt schon die Popularität der Comic-Verfilmung „The Walking Dead“. Lesenswert sind vor allem solche Zombie-Romane, die gehaltvollere Stories aufs Papier bringen, als lediglich die über geistlos umherschlurfende Kannibalen. "Return Man„ von V.M. Zito ist ein solcher Roman. Hier geht es vor allem um den Zombie-Jäger Henry Marco, der sich auf ein Höllenfahrtskommando mitten ins Verseuchungsgebiet begibt, um ein heilsbringendes Serum zu finden. Dabei kommt er verschiedenen Interessengruppen ins Gehege, die ihm schließlich gefährlicher werden, als die Untoten. “Ein erfreulich frischer Ansatz" befindet Michael Drewniok.

Solange der Frühling noch auf sich warten lässt, machen Sie sich doch warme Gedanken über erfrischende phantastische Lektüre.
Viel Spaß mit der neuen Phantastik-Couch und einen schönen April wünscht Ihnen

Eva Bergschneider