Liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht erinnern Sie sich noch an Neo-Sannyasins, bekannter unter dem Namen ´Bhagwan Sekte´ oder ähnliche Gruppierungen, die in den 70er Jahren nach Erleuchtung strebende Jünger anzogen. Einige von ihnen, bekanntestes Beispiel sind die „Sonnentempler“, ließen ihr Leben in Massensuiziden. Andere töteten vollkommen unbeteiligte Menschen, wie die Charles Manson Family in den späten 60er Jahren oder die Giftgasattentäter der Ōmu Shinrikyō, auch Aum-Sekte genannt, in der Tokioter U-Bahn 1995. Der britische Horror-Autor Adam Nevill thematisiert einen solchen Führerkult und seine tödlichen Folgen in seinem aktuellen Roman und unserem Buch des Monats Mai "Der letzte Tag„. Ein Dokumentarfilmer soll die dramatischen Ereignisse um die Gruppe “Tempel der letzten Tage„ nachzeichnen – und gerät in die Fänge der Geister, die er rief. “Eine lupenreine Geistergeschichte„ befindet unser Rezensent Michael Drewniok “mit Gestalten eines ganz besonders großen Grusel-Kalibers„.

Um den Tod und schicksalhafte Verknüpfungen geht es auch in “Blackbirds„ von Chuck Wending. Miriam, eine rotzfreche Streunerin hat die Gabe den Tod eines Menschen vorherzusehen. Der Trickbetrüger Ashley benutzt diese Gabe, um reiche, bald sterbende Menschen auszunehmen. Was nicht lange gut geht. Als Fantasy beworben lesen wir hier eher einen Mystery-Thriller im Stil eines Road-Movies, brutal, düster und vulgär. Aus einer simplen Grundidee macht der Autor einen wahren Pageturner. “Ein Buch das von der Sprache mit übelsten Ausdrücken und seinem Tempo lebt. Nichts für jeden„ resümiert Peter Kümmel, freut sich aber auf die Fortsetzung “Blackhearts„ die im November 2013 erscheint.

Die “bekloppten kleinen Magierbücher " des Amerikaners Jim Butcher [Zitat aus dem Interview mit J.B.] umfassen mit "Verrat„ schon 11 Bände. Nun sucht ausgerechnet Morgan, der Aufpasser für Recht und Ordnung aus dem Magischen Rat, der Harry Dresdens Treiben mit Argwohn beobachtet, bei ihm Unterschlupf. Morgan wird des Mordes an einem Ratsmitglied verdächtigt, worauf die Todesstrafe steht. Was bleibt Harry Dresden anderes übrig, als die Ermittlungen aufzunehmen und sich wieder selbst in größte Gefahr zu bringen? Man fragt sich, wo das noch enden soll. Harry Dresden muss sich immer scheußlicheren Gefahren stellen, entwickelt immer neue Skills und bleibt doch verschroben sympathisch. “Wieder ein gelungenes Werk für Freunde des sarkastischen, schwarzhumorigen Privatermittlers.„ findet Sanja Döttling.

Und wieder geht es um Mord. “Der Erlöser von Chicago„ befindet sich auf einem Kreuzzug durch die Metropole, er tötet behinderte Menschen, indem er sie sich einverleibt. Francis Haid glaubt dies als eine göttliche Gabe erhalten zu haben, als ihn ein Fremder aus dem brennenden Waisenhaus rettete. Doch die Behinderten Chicagos setzen sich zur Wehr. Der Autor Wayne Allen Sallee ist selbst körperlich behindert und hat mit diesem Roman sicherlich keinen typischen Serienkiller Thriller geschrieben. “Wie ´böse´ ist der ´Erlöser´?„ scheint der Autor zu fragen in einer Geschichte, die fremdartig wirkt, und doch eine Sogwirkung auf den Leser ausübt.

Ist “Calibans Krieg„ die “Renaissance der SF"? Als solche betitelt unser Rezensent seine Besprechung des fast 700 Seiten starken Romans vom Autorenteam Ty Frank + Daniel Abraham = James S. A. Corey, letzterer auch bekannt als Daniel bzw. M.L.N. Hanover. Der zweite Teil des ´Expanse´-Zyklus bringt die Menschheit an den Rand ihrer Existenz, denn ein Protomolekül verwandelt die Menschen in ´etwas anderes´ und ein Krieg zwischen Erde und Mars bricht aus. „Ein moderner Klassiker“ urteilt Carsten Kuhr, „der alles beinhaltet, was man sich von einem SF-Roman wünschen kann“.

Zwei Interviews mit drei Autoren präsentieren wir Ihnen in dieser Mai Ausgabe.
Wir sprachen mit den beiden Nachwuchsautoren Mechthild Gläser und Jan Oldenburg, die sich beide den Debüt-Preis SERAPH der Phantastischen Akademie in diesem Jahr teilen und die eine ganz unterschiedliche Sicht auf ihre Arbeit haben.
Thomas Elbel, der Autor von "Asylon„ und “Elysion" stand uns ebenfalls Rede und Antwort. Der promovierte Rechtswissenschaftler erzählte uns, wie er Job und Schreiben vereint und was ihn zu seinen Dystopien inspiriert.

Genießen Sie die Mai-Feiertage und stöbern mit viel Spaß in der Mai-Ausgabe der Phantastik-Couch.
Ihre
Eva Bergschneider