Liebe Leserinnen und Leser,

mit dieser Juni-Ausgabe der Phantastik-Couch verabschiede ich mich von Ihnen, es ist die letzte für die ich als Chefredakteurin verantwortlich bin. Über vier Jahre durfte ich mit einem großartigen Team die Phantastik-Couch gestalten und Sie über empfehlenswerte und weniger gute phantastische Literatur aller Spielarten informieren. Ich DANKE Ihnen für Ihr Interesse, für Kritik und gute Worte, für Informationen und Diskussionen im Forum und für Ihre Stimmen, die uns zwei Mal den Deutschen Phantastik-Preis beschert haben. Es war eine wunderbare, erfüllende Zeit, die für mich nun leider zu Ende geht.

Unser Buch des Monats ist ein phantastischer Roman, der zeigt, wie bedeutsam Phantastik-Literatur sein kann. Horst Illmer nennt "Osama„ von Lavie Tidhar ein Erinnerungsbuch, das den Terroropfern Stimme und Substanz verleiht. Ein Gedenken, dass der israelische Autor in eine bizarre, humorvoll erzählte Parallelwelt-Story über den Autor der “Osama bin Laden„ Schundhefte verpackt. Sicherlich ein Pulp-Roman mit Kult-Charakter.

Ein Whispern unter Baker Street„ von Ben Aaronovitch ist bereits der dritte Roman um den Police Constable und angehenden Zauberer Peter Grant im realen und doch etwas anderen London. Eine explosive Mischung aus Krimi und Phantastik mixt der “Dr Who„ Autor Aaronovitch in dieser Urban-Fantasy Serie und sorgt für phantastische Unterhaltung auf höchstem Niveau.

Apropos hohes Niveau – wer sagt, dass Unterhaltungsliteratur und anspruchsvolle Sprache selten zueinander finden, dem sei “Land des Todes„ von der australischen Autorin Alison Croggon ans Herz gelegt. Als Fürsprache für Sprache bezeichnet unsere Rezensentin die düstere Mär um Lina und Damek, die nichts mit den populären Dark-Romance Serien gemein hat. Lassen Sie sich durch die uninspirierte Titelwahl nicht vom Lesen dieses schön geschriebenen Schauerromans abhalten.

Als Meister der poetischen Sprache wird ebenfalls der Autor Oliver Plaschka bezeichnet, absolut zu Recht. Sein neuer Roman “Das Licht hinter den Wolken„ ist ebenfalls ein Beispiel dafür, dass wir gerade in der Phantastischen Literatur außergewöhnlich feine Sprachstile finden. Dazu eine düstere High-Fantasy Story um Freundschaft, Verrat und Bedrohung aus dem Kosmos des Übernatürlichen, abseits der gängigen Stereotypen.

Freunde gepflegter Military-Science-Fiction dürfen sich freuen, eine vielversprechende Serie erobert endlich den deutschen Buchmarkt. Bereits 2004 erschien der Auftaktroman der “Kris Longknife„ Serie “Mutineer„ des Amerikaners und ehemaligen Navy-Soldaten Mike Shepherd, nun auch in Deutschland unter dem Titel “Die Rebellin". Unser Rezensent findet in der Story um die Space-Marine Offizierin Kris Longknife die richtige Mischung aus Action und Charakterentwicklung – und freut sich schon auf die weiteren Bände.

Im April ging der Autor der John Cleaver Trilogie Dan Wells mit seiner neuen Serie „Partials“ auf Lesereise und kam glücklicherweise auch in die Bahnhofsbuchhandlung Ludwig in Köln. Dort erlebte ich wie spannend und unterhaltsam der Amerikaner vorzutragen und zu erzählen versteht und traf ihn nach der Lesung zum Interview. Dan Wells erzählte, inwiefern die Recherche zu „Partials“ nicht nur umfangreich, sondern äußerst faszinierend war und wie ihm sein neuer Wohnort in der Nähe von Stuttgart gefällt.

Allen Lesern, die derzeit vom Hochwasser betroffen sind, wünsche ich Glück im Unglück und schnelle, umfangreiche Hilfe.
Ihnen allen wünsche ich natürlich viel Spaß und Inspiration mit der Juni-Ausgabe der Phantastik-Couch und einen schönen Sommer. Bleiben Sie uns gewogen.

Ihre

Eva Bergschneider