Editorial im Oktober 2013

Liebe Leserinnen und Leser,

puh, was ein Monat! Der Oktober bringt nicht nur den Herbst mit voller Wucht und der immensen Farbenpracht, sondern auch traditionell die Frankfurter Buchmesse mit einer ebenso farbenprächtigen Vielfalt an neuen Büchern und Autoren, die alle gelesen werden wollen.

In den kommenden Monaten wirbeln die Verlage die Genregrenzen mal wieder tüchtig durcheinander, versuchen ihre selbst ernannten Sparten neu zu definieren und zu platzieren, reden immer noch von „All Age“ und „Romantasy“ und versuchen das Motiv der Zeitreise der Leserschaft als „reinrassige Thriller“ zu verkaufen. Man mag von derlei Ideen der großen Publikumsverlage halten was man will, führt es allerdings dazu, dass die Fantasy etwas von ihrem Schmuddel-Image verliert, soll es uns allen nur Recht sein.

Unsere aktuelle Ausgabe hat sich – mehr zufällig – auch diesem Motto verschrien. Da schreibt der Scheibenwelt-Schöpfer Terry Pratchett mit Dunkle Halunken eine moderne Oliver Twist Version, der Fantasy-Autor Christoph Marzi mit Die wunderbare Geschichte der Faye Archer eine wunderschöne Liebesgeschichte, Martinez meldet sich mit der skurrilen Horrorkomödie Der Mond ist nicht genug zurück und Max Brooks lässt abseits seiner gewohnten Pfade in Zombieparade Vampire zu Wort kommen.

Und dann gibt es da den Nachwuchs. Junge Autorinnen, die sich in keine rechte Schublade stecken lassen, aber sogar den Ihnen vielleicht von der Krimi-Couch bekannten Dieter Paul Rudolph überzeugen konnten, der phantastisch-literarischen Welt einen zweiten Blick zu gönnen. „Seine“ Fantasygirls stellt er uns in dieser Ausgabe ausführlich vor.

Ach ja, und dann war da ja auch noch das: Neben der großen Publikumsmesse in Frankfurt am Main treffen sich jedes Jahr in Dreieich im Rahmen eines eigenen Happenings die Phantasten der Literatur. Nein, man kann sie nicht verschrecken, wenn man sie als „Nerds“ und „Geeks“ bezeichnet, im Gegenteil sehen sie sich selbst so. Abseits des Mainstream haben sie ihren Platz gefunden, machen liebevolle Witzchen über die Autoren, die mittlerweile Cash Cows der großen Publikumsverlage geworden sind und feiern das Genre Fantasy/Horror/Science Fiction/Mystery trotz bevorzugter schwarzer Kleidung schreiend bunt und laut.

Auch in diesem Jahr haben sie wieder den Deutschen Phantastik-Preis verliehen, und auch in diesem Jahr durfte die Phantastik-Couch den Preis für die beste Internetseite mit nach Hause nehmen. Wir freuen uns sehr, zum dritten Mal in Folge auf dem Siegertreppchen ganz oben gelandet zu sein und werden uns weiterhin bemühen, diesen Titel mit Würde zu tragen und ihm alle Ehre zu machen. Außerdem freuen wir uns, zwei der weiteren Preisträger in unserem Team zu haben. So hat Redakteur Tom Orgel gemeinsam mit seinem Bruder den Preis für das beste Debüt für Orks vs. Zwerge erhalten und eine Kurzgeschichte von Redakteurin Verena Wolf findet sich in der besten Anthologie des Jahres 2013 Wenn das die Grimms wüssten.

Wir wünschen Ihnen auch in diesem Monat viel Spaß beim Lesen, Stöbern und Entdecken von faszinierenden Welten.

Ihre
Silke Wronkowski