ELF FANTASY FAIR

So viele bunte und fantasievolle Kostüme wie nirgendwo sonst – und noch vieles mehr

Am 15. September war es mal wieder so weit: das Königreich Elfia öffnete für zwei Tage seine Tore, um auch den Normalsterblichen die Möglichkeit zu geben, den Regenten von Elfia zu huldigen. Bevor nun jemand verzweifelt Elfia in seinem Navi sucht: auf dieser Seite des Portals ist das Ereignis als Elf Fantasy Fair bekannt und findet seit 2009 jedes Jahr im September in Arcen, einem kleinen Ort an der deutsch-niederländischen Grenze, statt. Arcen liegt ganz in der Nähe von Venlo und ist vom Ruhrgebiet aus in etwa einer Autostunde zu erreichen. Ein Navi ist übrigens keine schlechte Idee, vor allem, wenn man das erste Mal die Elf Fantasy Fair besucht. Die Beschilderung ist doch recht dezent ausgefallen. Inzwischen komme ich zum dritten Mal, und Arcen ist auch nicht so groß, dass man sich wüst verfahren könnte, aber zumindest beim ersten Besuch hätte ich mich über ein gelegentliches Hinweisschild gefreut, sozusagen als Bestätigung, dass ich noch auf dem rechten Weg bin.

Wenn man dann allerdings erst mal auf der Zufahrtsstraße zum Schloss Arcen ist, geht alles ganz problemlos. Zahlreiche Helfer und eine gut geplante Verkehrsführung sorgen dafür, dass man ohne Wartezeiten seinen Besen, PKW, Kleintransporter, oder was auch immer man für die Anreise benutzt hat, abstellen kann. Am Parkplatz wird man dann auch schon Zeuge erstaunlicher Verwandlungen. Sehr viele Besucher kommen 'gewandet', und viele steigen schon komplett kostümiert aus den Autos. Aber offenbar wurden die Bedürfnisse von Reifrock-Trägerinnen bei der Konstruktion heutiger Klein- und Mittelklasse-Autos nicht ausreichend berücksichtigt. Da ist dann noch einige Bastelei angesagt. Und auch so mancher Faun mit Halbmeter langen Hörnern scheint wohl Probleme mit der Innenraumhöhe seines Autos zu haben.

Natürlich war ich mal wieder einen halbe Stunde zu früh angekommen. Das hat den praktischen Vorteil, dass man noch einen Parkplatz ganz nah am Schlosseingang bekommt. Vor allem hatte ich aber auch noch ein wenig Zeit, mir das wunderschöne Schloss von außen anzusehen. Das Wasserschloss stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist sehr gut erhalten. Der äußere Wassergraben mit dem alten Gemäuer, dem wilden Uferbewuchs und den Wasserpflanzen strahlt eine wunderschöne dunkel-romantische Stimmung aus. Wenn es Dryaden und Nymphen gäbe, würden sie ganz sicher gerne in einer solchen Umgebung leben wollen.

Dermaßen eingestimmt ging es dann um Punkt zehn Uhr zum Eingang in die Schlossgärten. Nach der Kartenkontrolle ist man zwar schon im Schlosshof, bevor man aber ins eigentliche Freigelände kommt muss man noch durch einen etwas lästigen Engpass. Offenbar sollen alle Besucher durch eine Art Andenkenladen mit Met-Probeausschank geschleust werden. Das war dann aber auch das letzte Mal an diesem Tag, dass es eng wurde. Danach ist man dann im eigentlichen Freigelände.

Und was nun? Soll man sich jetzt erst mal die vielen Heerlager ansehen? Bei den einen wird schon fleißig das Mittagessen vorbereitet, bei anderen kann man Schmieden, Näherinnen oder Spinnerinnen zusehen, alles natürlich absolut stilecht mit historisch korrekten Werkzeugen. Na ja, und bei manchen Heerlagern sieht man erst einmal Recken mit leicht verpooften Gesichter müde aus den Zelten krabbeln. Ob die historisch nicht ganz so korrekten und schamhaft hinter Zeltplanen versteckten leeren Bierflaschen was mit den verschlafenen Blicken zu tun haben?

Man kann sich natürlich auch schon einmal bei den vielen Dutzend Ständen umsehen, an denen man alles Mögliche an Mittelalter-, Gothic- oder Fantasy-Artikeln kaufen kann. Ob LARP- oder Metall-Waffen, Schmuck, Gothic-Korsagen, viktorianische Kleidung, Elfenfiguren, Fantasy-Literatur, Zier- und Funktionsbögen, sicher findet man selten eine solche Auswahl an Fantasy-bezogenen Produkten auf so dichtem Raum wie hier. Offenbar legt der Veranstalter aber auch großen Wert auf das passende Ambiente, denn man sieht kein Verkaufspersonal, das nicht zum Stand passende Kleidung trägt.

Das eigentliche Freigelände mit seinen verschiedenen Rasenflächen, Gärten und Parks ist so groß, dass man selbst bei 15.000 Besuchern nie das Gefühl hat, dass es 'voll’ ist. Und sollte einem zwischendurch der Sinn nach etwas Ruhe stehen, findet man sogar viele ruhige Eckchen in den Gärten, wo man ausruhen kann und nur Vögel und das Plätschern von kleinen (künstlichen) Wildbächen oder Springbrunnen hört.

So gegen 11 Uhr geht es dann langsam los mit dem Programm. Direkt am Eingang hatte ich ein Programmheftchen in die Hand gedrückt bekommen. Auf einer Seite ist ein Plan der Schlossgärten, auf dem insgesamt 19 Punkte mit spannenden Namen wie 'Magic Grounds', 'Rosarium', 'Steampunk Park', 'Oriental Spheres’ oder einfach 'Walhalla’ markiert sind. Zu jedem dieser Punkte gehört dann eine kleine Übersichtstabelle mit Uhrzeiten, der man dann entnehmen kann, was wann an diesen Orten stattfindet. Und wenn jetzt jemand denkt, dass man das doch gar nicht alles schaffen kann …stimmt. So schwer es auch fällt, jetzt ist erst mal Auswahl treffen angesagt. Der Fairness halber muss man sagen, dass man das Programmheftchen schon einige Tage vor Beginn der EFF im Internet herunterladen und so in aller Ruhe zu Hause schon mal seinen Besuch planen kann.

Ein Schwerpunkt der EFF ist sicher das musikalische Angebot. Den ganzen Tag über spielen kleinere und größere Gruppen und Bands, häufig auch zeitgleich. Aber keine Sorge, es klingt trotzdem nicht wie die CD-Abteilung von Saturn zu Weihnachten. Dazu sind die Gruppen zu weit auseinander. Rock, Pagan, Folk, Celtic und Medieval sind nur einige der vertretenen Stilrichtungen. Aber auch ein an Baratmosphäre erinnerndes Duo mit Pianomusik und Gesang war in diesem Jahr zu hören. Und erstmals 'wagte’ der Veranstalter das Experiment, professionelle Opernsänger auf der EFF auftreten zu lassen. Die trugen, natürlich in aufwendigen Opernkostümen, eine Szene aus Aida vor.

Die musikalischen Darbietungen finden meist auf verschieden großen Bühnen statt, aber es gab auch Gruppen, die sich als Walking Acts plötzlich quasi mitten in der Menge zu einer Vorstellung formierten. Ein Beispiel war die schottische Mittelaltergruppe Sassenachs mit ihren sechs Tänzerinnen. Wenn die mit ihren 'Drums and Warpipes’ den Boden erzittern ließen, bildeten sich auch mal größere Zuschaueransammlungen.

Der 'Bruderschaft von Elfia’ gehören zwar auch Autoren wie Markus Heitz, Michael Peinkofer, Bernhard Hennen oder Wolfgang Hohlbein an, trotzdem ist die Elf Fantasy Fair sicher keine Literatur-Veranstaltung. Andererseits wäre ein so großes Fantasy-Festival komplett ohne Literatur aber auch irgendwie unvollständig. So fand man unter den Ausstellern zahlreiche Buchhandlungen, die Bücher, DVDs oder Spiele aus ihrem Fantasy-Programm präsentierten. Auch Autoren wie Adrian Stone ('Rune2.','The first God') oder Jack Lance ('Höllenfeuer') waren anwesend zum Diskutieren und/oder Signieren, und wer wollte, konnte auch an Lesungen in Deutsch, Holländisch oder Englisch teilnehmen. In deutsch las Myk Jung aus einer neuen Kurzgeschichte, und Torsten Low las aus Anthologien und Romanen aus seinem Verlagsprogramm..

Es gab akrobatische Fechtshows, wo Profi-Stuntmen ihr Können zeigten. Inzwischen schon Tradition auf der EFF ist, dass man Bodypaintern bei ihrer Arbeit zuschauen konnte. Ich finde es einfach faszinierend, wie die über acht und mehr Stunden absolut präzise und detailverliebt feinste Strukturen auf ihre anscheinend unendlich geduldigen Models aufsprühen. Auch wenn die Ganzkörper-Kunstwerke den mitgebrachten Models vorbehalten waren, hatten auch Besucher die Gelegenheit, sich für relativ wenig Geld das Gesicht ganz oder halb bemalen zu lassen. Insbesondere bei Elfen und Feen konnte eine solche Bemalung so manches ohnehin schon beeindruckende Kostüm noch einmal aufwerten, aber auch der ein oder andere Krieger sah mit einer solchen Bemalung noch furchterregender aus als vorher.

Wer selbst aktiv werden wollte, hatte dazu ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten. Wilde LARP-Schlachten waren wohl eher etwas für die jüngeren Besucher. Aber auch viele der angebotenen Workshops boten die Möglichkeit, selbst aktiv teilzunehmen. Ob Bogenschießen, mittelalterliche Tänze oder japanische Stock- und Schwertkampfübungen: wer sich traute, konnte mitmachen. Und für die ganz Mutigen wurde sogar ein Lehrgang im Feuerspucken mit praktischen Übungen (!) durchgeführt.

Schon die wunderschöne Umgebung der Schlossgärten von Arcen und das vielseitige Programm sind für mich ein Grund, inzwischen regelmäßig die Elf Fantasy Fair zu besuchen. Was diese Veranstaltung für mich aber einmalig macht und aus anderen von mir besuchten Events hervorhebt, sind die Kostüme der Zuschauer. Noch nirgendwo sonst habe ich so viele, so bunte (auch schwarz kann übrigens bunt sein), so fantasievolle Kostüme auf einer Veranstaltung gesehen. Orks, Elfen, Ritter, Vampire, Gothic-Lolitas, Feen, imperiale Sturmtruppen, Nymphen, Zombies, Riesen, Zwerge, Tempelritter, Spinnen, Drachen, Dryaden. …es gibt wohl kaum eine Gattung aus der Fantasy, die hier nicht sichtbar vertreten ist. Andererseits sollte sich aber niemand von einem Besuch abhalten lassen, nur weil er kein Kostüm hat. Etwa ein Drittel der Besucher kommen 'ungewandet'. Und wer sich in ganz normaler Straßenkleidung vielleicht 'nackt’ unter all den Kostümen fühlt, für den tut es auch das Outfit vom letzten Metal-Konzert.

Falls sich jemand etwas näher über kommende Events der Elf Fantasy Fair informieren: möchte: im Internet sind bereits die Termine für die nächsten Jahre auf der Homepage der EFF zu finden. Vielleicht treffen wir uns dort ja mal. In meinem Kalender haben die Termine der Elf Fantasy Fair jedenfalls einen festen Platz ;-)

(Harald Chocholacs, September 2012)

Fotos:Harald Chocholacs