Du oder ich von Elsie Chapman

Buchvorstellungund Rezension

Du oder ich von Elsie Chapman

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „Dualed“,deutsche Ausgabe erstmals 2013, 336 Seiten.ISBN 3-426-65329-X.Übersetzung ins Deutsche von Alexandra Baisch.

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In Kürze:

In einer Zukunft, in der jeder Mensch einen Doppelgänger hat, darf nur einer von ihnen überleben. Die beiden Betroffenen haben genau einen Monat Zeit, den jeweils anderen zu töten. Weigern sie sich, werden beide von der Regierung eliminiert. West Grayer ist die letzte Überlebende ihrer Familie und arbeitet als staatlich legitimierte Auftragskillerin. Eigentlich sollte es also kein Problem sein, ihre Doppelgängerin zu töten. Doch als sie ihr gegenübersteht, versagt Wests ansonsten so vorbildliche Zielsicherheit. Erst, als ihre Gegnerin ihre große Liebe Chord ins Visier nimmt, stellt West sich dem Duell auf Leben und Tod..

Das meint Phantastik-Couch.de: „Auf den Spuren der “Tribute von Panem„ findet “Du oder ich„ eigene Wege“72

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Es ist schon eine merkwürdige Welt, in der die junge West Graver lebt. Während auf der ganzen Erde bewaffnete Konflikte ausbrachen, zogen sich einige Menschen im Süd-Westen der USA in ein streng von der Außenwelt abgeschottetes Areal zurück. Sie wissen, dass sie ihr Leben mit aller Gewalt verteidigen müssen, so dass das allmächtige Board, ihre Führung, einen Plan umsetzt der ebenso vielversprechend wie verwerflich ist.

Gnadenlos

Mittels raffinierter Klon-Technologie sorgen sie dafür, dass wann immer ein Mensch geboren wird, ein Zwilling von ihm oder ihr ebenfalls zeitgleich zur Welt kommt. Während ihrer Jugend trainieren Beide das Kämpfen, lernen sich anzuschleichen und gnadenlos zu töten. Irgendwann vor ihrem 21. Geburtstag bekommen sie ihre Aktivierung und dann haben sie genau 31 Tage Zeit, ihren Zwilling umzubringen und zu Vollendeten zu werden. Der Bessere soll überleben. Eine gnadenlose Auswahl, die die Evolution kopiert, soll dafür Sorge tragen, dass die eigene Verteidigungsbereitschaft erhöht wird. Schafft man es während der Frist nicht, seinen Zwilling zu ermorden, sterben Beide.

West Graver hat bereits drei Geschwister verloren. Unschuldige Opfer während einer Jagd von Substituten. Zuletzt hat es ihren älteren Bruder erwischt, als dieser seinem Freund Chord bei dessen Jagd zur Seite stehen wollte. Um ihre Chancen zu verbessern und um für ihre Jagd zu trainieren, verpflichtet West sich als Striker, vom Board geduldete Auftragskiller, die dem Schicksal ein wenig nachhelfen. Doch dann erhält West selbst ihre Aktivierung, muss vor ihrem Zwilling fliehen und läuft vor der direkten Auseinandersetzung mit der Frau, die ihr äußerlich gleicht davon. Doch die Uhr tickt …

Emotionale Gegensätze

Was sich in der Zusammenfassung wie ein gnadenloser Action-Knaller in der Nachfolgen von Hunger Games alias Tribute von Panem anbietet, erweist sich bei der Lektüre auch genau als solcher. Allerdings hat es die Autorin geschickt verstanden ihre temporeichen Jagden, ihre Auftragsmorde mit teilweise ergreifenden Nebengeschichten zu hinterfüttern. So berichtet sie uns von der wachsenden Liebe zwischen West und Chord, aber auch von dem Aufeinandertreffen Wests mit einem Jungen, der ebenfalls aktiviert wurde und mit dem sie eine immer enger werdende, fast mütterlich anmutende Freundschaft verbindet.

Die Welt in die Chapman ihre Handlung hineinversetzt erschüttert zunächst durch ihre emotionale Kälte, durch die menschenverachtende Art der Selektion des besseren Kämpfers. Das mysteriöse Board als Leiter des Refugiums, das gleichzeitig aber die Striker toleriert, trägt zu der Gefühlskälte ebenso bei wie die Akzeptanz der Menschen hinsichtlich des gnadenlosen Auswahlverfahrens. Gerade im Kontrast zu der emotionalen Wärme, die West und Chord verbindet wirkt dies umso erschreckender und beeindruckender.

Das Pfund mit dem die Autorin daneben punktet, ist allerdings ihre alles beherrschende Protagonistin.
Mit der zynischen West hat sie die ideale Identifikationsfigur für den Leser gefunden. Innerlich unsicher tritt diese die Flucht nach vorne an, ist geprägt durch den mannigfaltigen Verlust ihrer ganzen Familie, vorsichtig in Hinsicht auf emotionale Bindungen. Demgegenüber erledigt sie ihren Job als Striker, als Mörderin effizient und gnadenlos, ohne sich hier irgendwelche Gedanken über moralische Zulässigkeit, Schuld oder Sühne zu machen. Dieser Widerspruch – hier das verängstigte Mädchen, dort die coole Killerin – trägt viel zur Faszination des Buches bei und dokumentiert die Art und Weise, wie im Refugium gedacht und gehandelt wird.

Fazit: Sicherlich zielen Verlag und Autorin auf den Mega-Erfolg der Hunger Games ab, gehen dabei aber eigene, interessante Wege und unterhalten rasant und ansprechend.

Carsten Kuhr (Mai 2013)

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