Die Lieder der Erde von Elspeth Cooper

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Songs of the Earth“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 500 Seiten.ISBN 3-453-26713-3.Übersetzung ins Deutsche von Michael Siefener.

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In Kürze:

Das heilige Buch von Eador lässt keine Zweifel aufkommen: Wer die Lieder der Erde hören kann, soll brennen! Bereits seit tausend Jahren befolgen die Ritter der Kirche dieses Gebot und verfolgen jeden, den sie der Magie verdächtigen. Dabei machen sie auch vor ihren eigenen Reihen nicht halt: Als der Novize Gair zum ersten Mal die ebenso schöne wie schreckliche Melodie vernimmt, ist ihm klar, dass dies sein Ende bedeutet, sollte sein Geheimnis gelüftet werden. In einem unbeobachteten Moment gelingt Gair die Flucht, doch die Kirche ist ihm auf den Fersen, und in sich spürt er die Kraft der Erde heranwachsen, so mächtig, dass sie ihn zu zerstören droht. Einzig die Hüter des Schleiers können Gair jetzt noch helfen …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Nichts Neues am Fantasyhimmel?“85

Fantasy-Rezension von Michael Scheck

„Einer der größten Fantasy-Romane unserer Zeit“ verkündet der Buchrückentext zu Elspeth Coopers „Lieder der Erde“. Welchen Zeitraum der Verlag genau in „unsere Zeit“ mit einschließt, ist zwar absolut unklar, trotzdem weckt ein solch vollmundiger Lobgesang höchste Erwartungen. Ist es sinnvoll, ein Buch in derartige Höhen zu heben? Wenn die geweckten Erwartungen nicht eingehalten werden, ist der Fall, respektive die Enttäuschung umso tiefer.

Werbegetöse

Elspeth Cooper ist eine Newcomerin aus England, eine von vielen im Fantasy-Business, „Die Lieder der Erde“ ist ihre erste Veröffentlichung. Über zehn Jahre arbeitete sie mit Unterbrechungen an diesem Werk. Im Juni 2011 erschien es bei Gollancz in London, im November lag es bereits in deutscher Übersetzung vor, in Frankreich, Spanien, Holland und Polen ist es ebenfalls bereits erschienen. Ein Geheimtipp? Einer der größten Fantasy-Romane unserer Zeit?

Letzteres ist sehr schwierig zu beurteilen. Da „Die Lieder der Erde“ (oder „Songs of the Earth – The Wild Hunt“, wie das Werk im Original heißt) Teil eines voraussichtlich dreibändigen Zyklus ist, mit dem ersten Band quasi erst die Exposition vorliegt und die übrigen Teile noch gar nicht fertig verfasst sind, erscheint die eingangs erwähnte Lobeshymne auf dem Buchrücken als ziemlich unseriös. Werbegetöse halt.

Ein gebrochener Held

Wer seinen Geist von solch marktschreierischer Verkaufsprosa frei machen kann und unvoreingenommen drauflos liest, stellt schnell fest, dass „Die Lieder der Erde“ (Teil 1) tatsächlich ein hervorragendes Debüt ist!

Das Buch ist nicht nur flüssig geschrieben, es steckt voll liebevoller Details und hervorragend herausgearbeiteter Charaktere. Die Handlung, die sich ohne reißerische Elemente in gemächlichem Tempo vorwärts bewegt, wird dank der plastischen Figurenzeichnung und des psychologischen Feingefühls der Autorin nie langweilig. Überhaupt sind die Figuren das große Plus des Romans: Wenn nichts oder wenig „passiert“, nimmt sich die Autorin Zeit, ihre Charaktere zu vertiefen und auszugestalten. Sie erreicht es somit auf subtile Weise, das Interesse der Leserschaft an ihnen zu wecken. Ihr Held ist eine gebrochene Figur, die immer wieder von ihrer furchtbaren Vergangenheit heimgesucht wird.

„Die Lieder der Erde“ spielt in einem unbestimmten Zeitalter, in welchem die Kirche beinahe alle Magie vom Erdboden getilgt hat, damit die Logik und die Glaubwürdigkeit ihrer Lehre nicht gestört wird. Gair, ein der Zauberei bezichtigter Waisenjunge, bekommt die Macht des Klerus am eigenen Leib zu spüren. Ihm wird der Prozess wegen Hexerei gemacht, er soll auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Überraschend wird er vom greisen Präzeptor Ansel, welcher der Verurteilung als Richter vorsitzt, freigesprochen, unter der Voraussetzung, dass er das Land verlässt.

Ein sympathischer Fremder nimmt sich Gairs an und bringt ihn in Sicherheit. Alderan, so heißt der Retter in der Not, klärt Gair im Verlauf ihrer gemeinsamen Reise über dessen Fähigkeiten und über den Stellenwert der Zauberei auf der Erde auf.

Der Riss im Schleier

In der Folge werden die Geschichten Gairs, Ansels, des „Schleierhüters“ Masen und des teuflischen, abtrünnigen Adepten Savins aufgerollt, die alle durch die Magie miteinander verbunden sind. Im Verlauf der Handlung wird klar, dass „der Schleier“ einen Riss gekriegt hat und durchlässig geworden ist. Dieser Schleier trennt das Diesseits von der „anderen Welt“, in welcher sowohl Engel, als auch grässliche Dämonen hausen. Durch den Riss droht die Erde nun, von namenlosen Schrecknissen heimgesucht zu werden. Schuld an dieser Misere scheint der böse Magier Savin zu sein, der am Ende des Buches einen furchtbaren Angriff auf die versteckte Insel der Magier startet.

Coopers Buch liest sich stellenweise wie Harry Potter für Erwachsene: Hier wie dort gibt es eine Akademie, in welcher die Schüler in der Handhabung der Magie ausgebildet werden, die hier als „Sang“ beschrieben wird, als feinstoffliches, die äußere Welt durchdringendes Gewebe aus Musik und Farben, das nur von einigen wenigen Begabten wahrgenommen und als Werkzeug benutzt werden kann.
Wie Harry Potter muss Gair seine Fähigkeiten kultivieren und wie jener wird er dabei von verschiedenen Lehrern und Lehrerinnen angeleitet.

Nichts Neues am Fantasyhimmel also? Das mag stimmen; aber wenn die bekannten Versatzstücke mit soviel Liebe und Können serviert werden, sieht man gerne darüber hinweg. Zudem wird eine abschließende Beurteilung erst möglich sein, wenn der Zyklus vollständig vorliegt.

„Die Lieder der Erde“ stellt die Figuren vor; deren Potential wird noch nicht ausgeschöpft – aber man spürt, dass dies noch kommen wird. Die Introduktion ist derart vielversprechend, dass man auf die Dinge, die da kommen werden, echt gespannt sein darf!

(Michael Scheck, Januar 2012)

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