Thief with no Shadow von Emily Gee

Buchvorstellungund Rezension

Thief with no Shadow von Emily Gee

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „Thief with no Shadow“,, 464 Seiten.ISBN 1844164691.

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Das meint Phantastik-Couch.de: „Trotz schön-schauriger Ideen, zu lange zu ereignislos“45

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

Die umtriebige Neuseeländerin Emily Gee, die schon fast alle Kontinente bereist und in unterschiedlichsten Jobs gearbeitet hat, fand schließlich doch zum Autorenberuf ihres Vaters und brachte nun ihr erstes Buch heraus. „Thief with no shadow“ ist ein Dark-Fantasy-Roman, in den auch Romantik-Elemente einfließen.

Verzweifelte Jäger und Gejagte

Der Geist Melke ist auf der Flucht vor dem Mann, den sie gerade bestohlen hat. Er jagt sie mit seinem Hund und bleibt ihr erstaunlich hartnäckig auf der Fährte, obwohl sie sich unsichtbar gemacht hat. Melke muss es unbedingt bis zu der Höhle der Salamander schaffen, die Kreaturen des Feuers, denen kein Mensch jemals freiwillig nahe kommen würde. Auch Melke nicht, doch die Salamander halten ihren Bruder Hantje gefangen und Melke hat nun das Schmuckstück, das ihn auslösen wird.

Bastian und sein Hund Endal sind verzweifelt genug, um den Dieb bis in die Hölle zu verfolgen, aber sie kommen etwas zu spät. Ein fast toter, männlicher Geist liegt vor der Salamander Höhle in den Armen der Diebin, die gequält weint und um sein Leben bettelt. Aber die Halskette der Psaaron hat sie nicht mehr.

Ein prekärer Handel

Und so ist die Chance vergeben, den Sal Vere Familien-Fluch zu brechen, Bastian oder seine Schwester werden ihm als nächstes zum Opfer fallen. Es widert Bastian an, diese verabscheuungswürdigen Diebe, die Geister mit auf sein sterbendes Gut zu nehmen. Doch der einzige Ausweg besteht in einer Abmachung: Melke versucht, die Halskette zurück zu stehlen, wenn es Bastians Schwester der Heilerin Liana, gelingt, Hantjes Leben zu retten.

Geister, Menschen und Elemente-Monster

Die zeitgeschichtliche Einordnung ist nicht ganz eindeutig, die meisten Handlungsorte wirken fantastisch oder mehr oder weniger zeitlos, jedoch spricht Einiges für eine spätmittelalterliche Welt. Schicksalhaften Einfluss auf die Akteure, haben Wesen die unmittelbar mit den Elementen Erde-Wasser-Feuer und Luft verbunden sind. Diese ganz unterschiedlichen Gestalten haben eine Gemeinsamkeit; sie gehen auf hinterlistige oder grausame Weise sexuelle Kontakte mit Menschen ein.

Wesentlich mehr erfährt der Leser leider nicht über sie, auch die Welt wird relativ oberflächlich vorgestellt. Dagegen hat die Autorin die beiden Hauptprotagonisten Bastian und Melke umso ausführlicher charakterisiert und entwickelt.

Während die Heilerin Liana und der Geist Melke um Hantjes Leben ringen und auf die endgültige Erfüllung des Fluchs der Psaaron warten, macht Bastian, der Patriarch des einst hoch angesehenen Guts Sal Vere, eine beeindruckende Wandlung durch.

Fesselnder Auftakt gefolgt von endlos langen Werte-Konflikten

Nach einem überaus atemberaubenden Auftakt, werden Tempo und Spannungspotential der Erzählung beträchtlich reduziert. Viel zu lange wird die Frage nach Schuld und Sühne, Würde und Vergebung intensiv beleuchtet, denn schon bald wird klar, dass auch die als geringwertig angesehenen Geister existenzielle Gründe für ihre Handlungen hatten. Ebenso diktiert Bastians innerer Kampf um Toleranz gegenüber dem so verhasstem Geist Melke über viele Kapitel das Geschehen.

Die Autorin hätte diese beiden interessanten, aber gänzlich unspektakulären Aspekte nicht so lange in den Mittelpunkt der Erzählung stellen dürfen. Die anfangs so überzeugend aufgebaute, prickelnd-bedrohliche Atmosphäre, geht in Langeweile unter.

In dem Moment, als die unausweichliche  Konsequenz des Fluchs endlich eintritt, verändert sich die lethargische Stimmung und wird einstweilig von Abscheu und Entsetzten geprägt.

Die sprachliche Variabilität überzeugt

Emily Gee erzählt „Thief with no shadow“ atmosphärisch dicht und in außergewöhnlich schöner, klarer englischer Sprache. Sie beschreibt brutalste Gewalt in harten, direkten Worten, die jedoch an keiner Stelle überzogen wirken. Andererseits sind viele der Dialoge so emotional und eingängig gesprochen, dass man sich unmittelbar berührt fühlt. Genau so stimmungsvoll setzt die Autorin auch die Gedanken ihrer Charaktere ein.

Die Perspektive wechselt häufig zwischen der Bastians und Melkes, was dem Leser von Anfang an einen wertungsfreien Blick auf das Geschehen ermöglicht. Insgesamt ist „Thief with no shadow“ zwar stilvoll geschriebene und mit guten Ideen ausgestattete Fantasy, die aber zu viele wirklich unnötige Längen aufweist, um gut unterhalten zu können. Als Leser hätte man gern etwas mehr über die Länder und ihre Struktur erfahren und gut auf die allzu ausschweifende Betrachtung der Schuldfrage und der Beziehung zwischen Melke und Bastian verzichten können.

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