Geheimnisvolle Geschichten (2) - Steampunk von Erik Schreiber (Hg.)

Buchvorstellungund Rezension

Geheimnisvolle Geschichten (2) - Steampunk von Erik Schreiber (Hg.)

deutsche Ausgabe erstmals 2011, 208 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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In Kürze:

Nach dem Erfolg der Geheimnisvollen Geschichten 1, mit dem an Akte X angelegten Thema, blieb es nicht aus, auch eine zweite Kurzgeschichtensammlung herauszugeben. Die Kritiken zur ersten Ausgabe bestärkten den Herausgeber Erik Schreiber in seinem Konzept, wieder bekannte und unbekannte Autorinnen und Autoren gezielt anzusprechen. Vertreten sind Ju Honisch, James Lovegrove, Anke Brandt, Hermann Ritter und weitere Autoren. Das
Thema dieser Sammlung ist Steampunk, dass in der letzten Zeit beim Leser gut ankommt. In der vorgestellten Anthologie wurde aber darauf verzichtet, die Geschichten wie üblich im viktorianischen England anzusiedeln. Die Welt ist gross genug, um andere Orte mit einzubeziehen. So spielen alle Geschichten, bis auf James Lovegroves Erzählung, im kontinentalen Europa.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Steampunk in deutschen Landen“65

Science-Fiction-Rezension von Sanja Döttling

Die Anthologie vereint 14 Steampunk-Kurzgeschichten, die überwiegend in Prag und Deutschland spielen.

Innovationen: Ju Honisch
Der grummelige Zwerg Karroman betreibt die Maschinen des Luftschiffs Myxolydia. Dann wagt sich eine hübsche Frau in sein Dampfmaschinenreich.

Steampunch: James Lovegrove
Der alteingesessene Starkey berät einen Neuankömmling in der Strafkolonie. Er erzählt, dass er der Mechaniker war, der den berüchtigten Mechano-Boxer Steampunch erfand.

Vazlav Míhalik korrumpiert und bestochen: Georg Plettenberg
Míhalik führt eine hübsche Dame in ein teures Lokal und wundert sich, warum der ehemalige Chef seines Vaters die Rechnung übernimmt.

Die Gelegenheit seines Lebens: Michael Buttler
Waisenjunge Hansi beobachtet nachts einen Mord auf dem Jahrmarkt und kommt in Besitz einer geheimnisvollen Schriftrolle, die sein Leben schlagartig ändert.

Volldampf: Andreas Zwengel
Oberst Salinger beschützt den preußischen Reichskanzler Bismarck auf der Zugfahrt nach Prag vor Terroristen.

Zeitlos: Petra Joerns
Eleanor stirbt bei einem Unfall. Ihr Geliebter Leopold will das nicht hinnehmen und beginnt eine Zeitmaschine zu bauen.

Die Dampfkanone: Jörg Olbrich
Physiker Richard will eine bessere Dampfmaschine bauen. Nur so kann er die Gunst Bismarcks gewinnen und um die Hand der Tochter bitten.

Fortschritt: Holger Kuhn
Nicolaus Otto arbeitet schon lange an seinem Motor. Als ein reicher Gentleman ihn einlädt, hofft er, endlich den edlen Sponsor gefunden zu haben, den er so dringend braucht.

Tullas Traum: Maximilian Weigl
Das Dorf Linkenheim sträubt sich gegen die Umsiedlung, die nötig ist, um den Rhein vollständig zu begradigen. Claus Ecke wird in den Ort geschickt, um die Gemeinschaft zu überzeugen.

Ärger mit Mimi: Max Pechmann
Der Roboter Mimi arbeitet als Prostituierte im fliegenden Bordell. Hat die mechanische Lady den Oberfeldmarschall getötet?

Im Schatten des Pulverturms: Hermann Ritter
Zwei Männer treffen sich in Prag. Ihr Ziel: Das Deutsche Reich von der Expansion abhalten.

Salbeiduft: Anke Brandt
Die Tier- und Völkerschau ist beim Publikum äußerst beliebt. Sogar Bismarck hat sich für einen Besuch angekündigt, und unter den Mitarbeitern herrscht Aufregung.

Im neuen Jahr wird alles anders: Barbara Nitribitt
Rudolf hat einen Mord begangen. Dabei hat seine Ehe mit Wilhelmine vor ein paar Monaten so gut begonnen …

Mit einem Lächeln: Erik Schreiber
Marik mietet sich in Prag in seinem sicheren Haus für Agenten ein. Dort trifft er auch seine Bekannte, Agentin Milana. Zusammen verfolgen sie die Spur eines Mörders.

Deutscher Steampunk?

Wer an Steampunk denkt, der denkt zuerst einmal an London, an englische Gentleman und viktorianischen Charme, verknüpft mit mächtigen Maschinen. Doch die Stories der Anthologie „Geheimnisvolle Geschichten – Steampunk“, herausgegeben von Erik Schreiber, spielen nicht in England. Die Handlungen der meisten Kurzgeschichten sind in Österreich-Ungarn oder im deutschen Reich am Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt. So ist es mehrmals Reichskanzler Bismarck, der in die Geschichte eingreift. In „Volldampf“ ist er das Opfer von Terroristen, präsentiert sich aber zugleich als drahtiger und wehrhafter Anführer. In anderen Geschichten, als Beispiel sei „Vazlav Míhalik korrumpiert und bestochen“ genannt, lebt das alte Prag wieder auf. In „Fortschritt“ ist es Nicolaus Otto, der deutsche Entwickler des Viertaktmotors, der von einem Adeligen in Bedrängnis gebracht wird.

Das liest sich am Anfang doch etwas fremd, aber die neue regionale Verortung des Steampunk-Genres überwindet viele Klischees und gibt den Geschichten einen neuen Twist. Dabei wird die Geschichte Mittel- und Osteuropas zur letzten Jahrhundertwende weniger glorifiziert als das viktorianische Zeitalter in England, in dem sich Steampunk sonst vorwiegend abspielen. Vielleicht ergibt sich auch daraus eine gewisse Bodenständigkeit, die die Geschichten stark in historischen Gegebenheiten verankert und nicht ganz so frei agieren lässt. Doch es ist eben die alternative Geschichtsschreibung, die einen wesentlichen Bestandteil des ursprünglichen Steampunk ausmacht.

Große Welten ganz klein

Die Geschichten sind jeweils zehn bis zwanzig Seiten lang. In dieser Kürze fällt es der einen oder anderen Geschichte schwer, richtig in Schwung zu kommen; auch, weil die Welt des Steampunk jedes Mal neue Erklärungen, ein neues Worldbuilding braucht. So bleiben einige Geschichten, wie „Innovationen“ oder „Die Dampfkanone“ auf der Handlungsebene recht oberflächlich. Andere Stories wie „Tullas Traum“ und „Die Gelegenheit seines Lebens“ stechen als liebevoll gestaltete Erzählung hervor.
Aus der Not der Kürze macht die Kurzgeschichte „Zeitlos“ eine Tugend und erfindet eine neue Art des nicht chronologischen Erzählens. Das bietet sich bei einer Geschichte über das Zeitreisen zwar an, mutet aber fast zu Science-Fiction lastig an, um als eine Steampunk-Geschichte zu gelten.
Außerhalb der Geschichten mag in dem Buch vor allem die Schrift verwundern. Sie wirkt wie dauerhaft kursiv gedruckt, was auf Dauer störend sein kann.

Die Anthologie Geheimnisvolle Geschichten (2) – Steampunk aus dem Verlag Saphir im Stahl ist ein schönes kleines Werk, das mit dem Fokus auf Prag und Deutschland eine ungewöhnliche Art des Steampunk etabliert. Trotzdem sind einige der Kurzgeschichten, vor allem auf der Handlungsebene, noch nicht ganz ausgereift.

Ihre Meinung zu »Erik Schreiber (Hg.): Geheimnisvolle Geschichten (2) - Steampunk«

M.Reinsch zu »Erik Schreiber (Hg.): Geheimnisvolle Geschichten (2) - Steampunk«25.04.2017
Mit „Steampunk“ hatte ich bisher nur einen Kontakt, und das in Form einer Buchdruckfahne des Autors Michael H. Schenk. Doch durch diesen Roman wurde mein Interesse geweckt und da ich auf der 3.Berliner Buchmesse über diesen Band gestolpert bin, griff ich zu!
„Steampunk“ ist eine Mischung aus Science Fiction und (fiktivem) Geschichtsroman. Hier sind viele moderne Erungenschaften vorhanden, nur dass Sie auf der Basis von (manchmal winzigen) Dampfmaschinen funktionieren = Steam…). Diese beiden Elemente bilden die Grundlage für alle anderen Spielarten der Belletristik, die gerade in dieser Kurzgeschichtensammlung sehr breit gefächert sind. So hat der Herausgeber (Erik Schreiber) eine gewisse Rahmenhandlung für seien viktorianische Welt des Steampunks geschaffen und dann den ausgewählten Autoren freie Hand gelassen, Diese mit Leben zu füllen. So findet man neben Agenten-, Liebes-, Krimi-, Wissenschafts- auch eine „Fantasy“-Geschichte, die es mir sehr angetan hat! Den Ju Honisch versetzt die alte, abgrundtiefe Feindschaft zwischen Zwergen und Elfen, einfach in die von Eric Schreiber vorgegebene Steampunktwelt! Wie in einem realhistorischen Roman findet man viele bekannte Namen, wie Bismarck, Hagenbeck und Andere, die zwar den bekannten Figuren entsprechen, aber doch ganz anderes handeln, als bekannt/erwartet. Es werden aber auch Anlehnungen an bekannte Filme eingebaut, wie „Real Steel“, nur das sich hier dampfbetriebene Kolosse in der Arena Kämpfe liefern. Aber Eines haben fast alle Geschichten gemein: Ein unerwartetes Ende! Wie bei allen Kurzgeschichtssammlungen, gibt es Geschichten, die einem besser gefallen, als andere, aber ich muss gestehen, ich für meinen Teil fühlte mich sehr gut unterhalten und werde das Thema „Steampunk“ auf meiner Lese-Interessenliste einen festen Platz einräumen! Zugleich habe ich einige neue Autoren/innen kennen gelernt, deren andere Werke ich nun auch lesen möchte…
Fazit: Ob für Neulinge, oder alte Hasen – hier sollte für Jeden ein wenig „Steampunk“ anfallen, der Ihm gefällt!
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