Das Höllenwrack von F. Paul Wilson

Buchvorstellungund Rezension

Das Höllenwrack von F. Paul Wilson

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „Infernal“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 512 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Michael Kubiak.

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In Kürze:

Nach vielen Jahren der Funkstille hört Handyman Jack zum ersten Mal wieder von seinem Bruder Tom, einem zwielichtigen Richter aus Philadelphia. Die beiden standen einander nie sehr nahe, doch nun möchte Tom, dass Jack ihm bei einer Schatzsuche hilft. Doch statt Gold und Juwelen entdecken die beiden Brüder vor den Bermudas ein merkwürdiges, scheinbar von Haut überzogenes Objekt: die legendäre Lilitonga von Gefreda. Und das ist nur der Auftakt zu einem lebensgefährlichen Abenteuer. Denn die Sage will es, dass kein Mensch die kalte Berührung der Lilitonga überlebt …

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Erinnerungen an 9/11 – oder der persönliche Kreuzzug des Handyman Jack“;70

Horror-Rezension von Carsten Kuhr

Als Handyman Jack seinen Vater vom Flughafen abholen will, passiert das Undenkbare. Zwei Männer, offensichtlich arabische Terroristen, eröffnen an der Gepäckausgabe mit vergifteten Patronen das Feuer auf die Passagiere aus Miami. Es gibt keine Überlebenden. Unter den Opfern auch Jacks Vater.

Nachdem es Handyman Jack offiziell seit Jahrzehnten nicht mehr gibt, kann er die Leiche weder amtlich identifizieren noch überführen lassen. Zum Glück gibt es ja noch seinen respektablen Bruder Tom. Als ehemaliger Anwalt hat dieser sich die Karriereleiter heraufgearbeitet und fungiert nun als honoriger Richter. Dass sich die beiden nie so richtig verstanden haben, spielt angesichts des familiären Dramas keine Rolle mehr. Doch kaum im Big Apple angekommen, entpuppt sich der respektable Richter als ein mit allen Wassern gewaschener Ganove. Zwei Höllenschlampen und drei Kinder hat er bereits auszahlen müssen, zur Zeit treibt seine dritte Frau die Kreditkartenrechnung mit ihren Schuhkäufen in ungeahnte Höhen. Da muss man auch als öffentlich bestallter Richter schauen, wo man bleibt. Dumm nur, dass einer der feinen Herren, die ihn geschmiert hatten, im Gefängnis sitzt, und um seinen Kopf zu retten, Toms Namen ausgeplaudert hat. Das FBI setzt sich auf Toms Spur, er muss untertauchen.

Und was braucht man so, wenn man verschwinden will? Eine Menge Bares und Beziehungen. Letzteres findet er in seinem zunächst ob der Offenbarungen geschockten Bruder, der nur dem Gedenken an ihren Vater zuliebe einwilligt, Tom zu helfen. Und Bares hat Tom auf den Bermudas gebunkert. Zwar hat das FBI seinen Pass eingezogen, doch Tom weiß, wie man auch ohne Papiere das Land verlässt. Zusammen mit Jack segelt er auf einer Jacht in Richtung Karibik.

Als Tom seine halbe Million aus dem Schließfach holen will, erlebt er eine herbe Enttäuschung. Seine Konten sind eingefroren, der Zugang zum Safe wird ihm verwehrt. Als letzte Chance, doch noch zu dem nötigen Zaster zu kommen, geht Tom auf Schatzsuche. Vor gut drei Jahrhunderten versank eine spanische Gallone vor Bermuda, an Bord ein überaus wertvolles Relikt. Trotz aller Vorbehalte und trotz seines Instinkts, der ihn warnt, hilft Jack seinem Bruder, die Lilitonga von Gefreda zu heben. Erstaunlich nur, dass in unmittelbarer Nähe des Wracks und seiner Ladung nichts gedeiht. Die Korallen sind abgestorben, die Fische halten sich fern.

In der Schatzkiste befindet sich ein eiförmiges Gebilde aus unbekanntem Material. Wieder nach New York zurückgekehrt öffnet sich die Büchse der Pandora. Vicky, die kleine Tochter von Jacks Frau, aktiviert das Ei. Ein schwarzer Fleck bildet sich auf ihrem Rücken, während die Lilitonga unverrückbar und unzerstörbar in ihrer Nähe schwebt. Voller Panik macht sich Jack auf die Suche, was er und sein Bruder da nur ans Tageslicht geholt haben. Ein uraltes Buch gibt Auskunft. Ein magisches Fluchtmittel, das denjenigen, der es aktiviert, für immer in die Anderswelt entführt …

Kritik am Rechts-Un-System

Im Laufe der Geschichte unseres Anti-Helden Repairman Jack haben wir nach und nach seine Familie kennengelernt (seine Mutter trat in „Die Gruft“ auf, seine Schwester übernahm in „Todesfrequenz“ die Hauptrolle, sein Vater dominierte in dem bislang wohl besten Handyman Jack-Roman „Der Todessumpf“).

Dieses Mal also erwartet uns sein großer Bruder. Der so honorige Stützer von Recht und Gesetz entpuppt sich hierbei als Überraschung. Der ach so ehrenwerte Richter ist käuflich und schreckt vor keinem noch so krummen Geschäft zurück, wenn nur das Bare stimmt. Geldwäsche, Drogenkonsum, Prostitution – kein Laster, kein Verbrechen, das ihm fremd ist, muss er doch seinen teuren Lebenswandel sichern. Dabei hemmt ihn keinerlei Unrechtsbewusstsein: er betrügt arme Schlucker, spielt mit der Gefahr, entdeckt zu werden, holt sich jeden Kick, den er bekommen kann. Kein Wunder, dass sein kleiner Bruder, der sich seit Jahrzehnten aus der Gesellschaft ausgeklinkt hat, Mühe hat, die vermeintliche Lichtgestalt wiederzuerkennen.

Wilson nutzt die beiden so ungleichen Brüder geschickt, um die Frage „Was ist Recht?“ zu thematisieren. Wer ist der Schlimmere? Der, der sich aus der wohlgeordneten Gesellschaft verabschiedet hat, der dafür sorgt, dass Verbrechen geahndet werden, oder der geachtete Repräsentant der Staatsmacht, der, wie so viele seiner Standeskollegen nur die persönliche Bereicherung im Sinn hat. Wilson legt Tom die Aussage in den Mund, dass es mittlerweile nur mehr um die Buchstaben des Gesetztes geht, nicht um dessen Sinn. Sobald sich eine Lücke im Text einer Vorschrift auftut, ist es ein Volkssport geworden, diese auszunutzen, um eigentlich schuldige Klienten aus ihrer Verantwortung zu pauken. Das sind durchaus nachdenkenswerte Überlegungen, zumal auch unser Deutsches Recht zunehmend in diese Richtung tendiert. Wenn Verbrecher aufgrund Verfahrensfehler lachend und frei den Gerichtssaal verlassen, dann ist irgendetwas an dem entsprechenden Rechtssystem dringend reparaturbedürftig.

Das Höllenwrack bietet uns, wie wir das von Handyman Jack-Romanen gewohnt sind, atmosphärisch dichte, actionreiche Unterhaltung. Durch die Pseudohistorie, die der Autor über die bislang in Übersetzung vorliegenden neun Bände aufgebaut hat, werden die Gestalten immer plastischer. Eine spannende, diesmal sehr ins Übernatürliche neigende Handlung sorgt für atemberaubende Spannung. Insoweit ein Roman, der sich nahtlos in die Reihe guter, teilweise herausragender Bücher um einen der ungewöhnlichsten Anti-Helden der phantastischen Literatur einfügt.

Ihre Meinung zu »F. Paul Wilson: Das Höllenwrack«

Tral zu »F. Paul Wilson: Das Höllenwrack«19.11.2014
Ich kann die Meinung zu dem Buch von "mase" gut verstehen. Er / Sie schreibt selbst, dass es der erste Kontakt mit Handyman Jack ist. Deshalb "verzeihe" ich ihm / ihr auch, dass er / sie den Schwenk zur Mystik nicht recht nachvollziehen kann und bedauert, dass man nichts darüber erfährt, wie Jack zu dem wurde, was er ist.
Bitte "mase", lies, was im Rezensionstext dieser Seite steht: "Das Höllenwrack" ist Teil einer inzwischen recht umfangreichen Reihe von mystischen Thrillern rund um Jack. Es gibt acht Bücher, die die meisten Fragen beantworten. Und dann passt "Das Höllenwrack" passgenau rein. Dann versteht man die Wendungen und Anspielungen. Diese Reihe um Handyman-Jack (mich graust es jedes Mal bei dem deutschen Namen!!!) muss chronologisch gelesen werden.
mase zu »F. Paul Wilson: Das Höllenwrack«29.02.2008
Das Buch lässt sich vom ersten Satz an hervorragend lesen. Grosses Lob an den Übersetzer.
Zu Beginn war es mir schleierhaft, wie Wilson die Handlungskurve vom Gelesenen zur Buchbeschreibung auf dem Einband fahren will. Als er das dann ca. bei Seite 150 versucht, kam es mir doch etwas zu sehr konstruiert vor.

Dieses war das mein erstes Treffen mit dem Handyman. Schade fand ich, dass auf seine Vergangenheit und auf seinen „Werdegang“ nicht eingegangen wurde. Es hätte mich schon interessiert, wie er zu seinem „Berufsbild gefunden hat.

Was mir etwas aufgestossen ist, ist die deutliche negative Meinung des Autors über die islamistische Welt. Nicht dass ich diese gutheisse, sondern diese Meinung ist in meinen Augen einfach fehl platziert in einem Roman, mehr noch wenn es dem Plot nicht dienlich ist.

Sehr gut hat mir jedoch gefallen, wie Wilson vom seichten Thrillergeplätscher, welches jedoch nie langweilig war, in der Hälfte der Story ins Phantasische schwenkt. Obwohl es nicht wirklich eine Handlung gibt, denn das Buch lebt eigentlich bis dahin ausschliesslich vom Zank der Brüder, war es doch unterhaltsam. Dennoch war diese Wendung vom Thriller zur Mystik schwer für mich zu akzeptieren. Diese komplette Kehrtwendung war sehr krass und ich frage mich nach dem Grund dafür. Ich bin der Meinung Wilsons hätte sich entscheiden sollen. Entweder Thriller oder Mystik. Es war weder Fleisch noch Fisch.

Alles in allem war es angenehm zu lesen, wird aber vorraussichtlich schnell wieder vergessen sein. Mittelmass mit guten Ansätzen, die leider nicht konsequent ausgeführt worden sind.
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