Limit von

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2009, 1328 Seiten.ISBN 3-462-03704-8.

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In Kürze:

Mai 2025: Die Energieversorgung der Erde scheint gesichert, seit die USA auf dem Mond das Element Helium-3 fördern. Bahnbrechende Technologien des Konzerngiganten Orley Enterprises haben die Raumfahrt revolutioniert, in einem erbitterten Kopf-an-Kopf-Rennen versuchen Amerikaner und Chinesen, auf dem Trabanten ihre Claims abzustecken.
Während der exzentrische Konzernchef Julian Orley mit einer Schar prominenter Gäste zu einer Vergnügungstour ins All aufbricht, soll Detektiv Owen Jericho, den eine unglückliche Liebe nach Shanghai verschlagen hat, die untergetauchte Dissidentin Yoyo ausfindig machen. Was nach Routine klingt, ist tatsächlich der Auftakt zu einer alptraumhaften Jagd von China über Äquatorialguinea und Berlin bis nach London und Venedig. Denn auch andere interessieren sich für Yoyo, die offenbar im Besitz streng gehüteter Geheimnisse und ihres Lebens nicht mehr sicher ist.
Jericho muss sich mit der bildschönen, aber ziemlich anstrengenden Chinesin zusammentun, um den phantomgleichen Gegnern auf die Spur zu kommen. In einer Zeit, in der multinationale Konzerne der Politik zunehmend das Zepter aus der Hand nehmen, führen beide einen verzweifelten Kampf ums Überleben, gehetzt von einer Übermacht hochgerüsteter Killer. Die Suche nach den Drahtziehern führt mitten hinein in die Wirren afrikanischer Söldnerkriege, Machtkämpfe um Öl und alternative Energien, Vorherrschaftsträume im Weltraum – und zum Mond, auf dem sich Orleys Reisegruppe unvermittelt einer tödlichen Bedrohung gegenüber sieht.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Gigantomanie“80

Science-Fiction-Rezension von Peter Kümmel

Als „Multi-Talent“ wird Frank Schätzing überall hochgelobt. Aus der Werbebranche ist er über die Musik 1995 zum Bücherschreiben gekommen. Vom historischen Roman über Krimis zum phantastischen Roman „Der Schwarm“ im Jahr 2004. Seitdem er diesen umfangreichen Thriller abgeliefert hat, ist er in aller Munde. Erst recht nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien, die so starke Ähnlichkeiten mit den Geschehnissen in Schätzings Roman aufwies. Nun setzt der Autor mit „Limit“ noch einen drauf.

Geld regiert die Welt

Aus den Tiefen des Meeres („Der Schwarm“) entkommen sprengt Frank Schäzting nun – nicht nur seitenmäßig – alle Grenzen und breitet sich in den Weltraum aus. Wie schon im „Schwarm“ bleibt er dem Thema „Neue Energiequellen“ treu. Der Mond soll das Ziel und die Lösung der Energieprobleme für die Menschheit sein.

Längst haben die großen Konzerne den Regierungen der Länder den Rang abgelaufen und die Herrschaft über den Planeten übernommen. „Geld regiert die Welt“, heißt es nicht umsonst. „Orley Enterprises“ heißt die Firma, die an der Spitze steht. Firmeninhaber Julian Orley ist es gelungen, etwas aufzubauen, was den Planeten Erde grundlegend verändert. Helium-3 soll die fossilen Brennstoff zur Bedeutungslosigkeit degradieren und die Erde für Jahrzehnte mit Energie versorgen. Dieses Helium-3 gibt es tonnenweise auf dem Mond. Und der Transport zur Erde ist kein Problem mehr seit der Erfindung des Weltraumfahrstuhls. Aus einer Idee des russischen Raumfahrtpioniers Konstantin Ziolkowski hat Schätzing seine Erfindung virtuell entwickelt. Ein neuartiges Material macht es möglich, ein Band zwischen der Erde und einer geostationären Raumstation zu spannen, so dass Shuttles bequem und kostengünstig den Weg zwischen Erde und Weltraum zurücklegen können.

Nun ist es soweit, dass die Helium-3-Förderung steht und man rationell wirtschaften kann. Die Mondreise kann gesellschaftsfähig werden. Dazu hat Orley Enterprises unter der Leitung von Julians Tochter Lynn das luxuriöse Mondhotel „Gaia“ errichtet. Dieses soll nun eingeweiht werden mit einer Reise, für die Orley die reichsten der Reichen eingeladen hat. Nicht ohne Hintergedanken – versteht sich. Denn Orley braucht Geldgeber für die Zukunft der Energieversorgung vom Mond.

Ein zweiter Handlungsstrang führt uns nach Shanghai, wo der Engländer Owen Jericho als Internet-Detektiv arbeitet. Von seinem Freund Tu Tian, Leiter der Firma Tu Technologies, erhält dieser den Auftrag, nach Yoyo zu suchen. Die junge Frau ist Tus persönliches Protegé und sie ist als Dissidentin bekannt. Jericho zögert, doch ist er es seinem Freund schuldig, den Auftrag anzunehmen. Doch er ahnt nicht, worauf er sich da eingelassen hat. Schon bald ist er im Fadenkreuz eines Auftragsmörders, denn Yoyo hat etwas entdeckt, was nicht gut für sie ist.

Theaterstück – Sachbuch – Politthriller

Es ist ein wahrhaft gigantisches Konstrukt, das Schätzing für seinen neuen Roman komplex und diffizil entworfen hat. Das muss einem als Leser apriori klar sein. Man muss sich auf die Erzählweise einlassen, sonst hat man schnell verloren. „Limit“ hat den 5-fachen Umfang eines durchschnittlichen Romans. Wenn man einem solchen 50 Seiten für eine Einleitung zugesteht, so sollte einem klar sein, dass hier 250 Seiten dafür benötigt werden. Dass es wesentlich mehr werden als diese 250 Seiten, dass es eher doppelt so viele werden, bis es richtig losgeht, das ist der Hauptkritikpunkt an „Limit“, der dem Roman viele Leser kosten wird, die die letzte Seite nicht erreichen.

Man fühlt sich in einem Theaterstück, bis die Reisegesellschaft endlich den Mond erreicht hat. Die Bühne ist ein Raumschiff, ein abgeschlossener Raum, in dem sich viele – zunächst nichtssagende – Personen endlose Dialoge liefern. Aufgelockert wird die langweilige Reise durch Einschübe wie den Gastauftritt eines alternden David Bowie, der als Ziggy Stardust als Inspirator für einen Julian Orley und wohl auch für einen Frank Schätzing diente.

Aufgelockert wird das Geschehen aber auch durch ausführliche technische Erklärungen und historische Beschreibungen, die „Limit“ fast zu einem Sachbuch werden lassen. Wo der Autor sein komplexes Wissen erworben hat, das er dem Leser weitervermittelt, lässt sich auf den Danksagungsseiten am Ende des Buches erkennen. Die renommierten Adressen dort sollten genug Zeugnis dafür sein, „Limit“ Glaubwürdigkeit in den grundlegenden Theorien zu verleihen.

Eine logische Weiterentwicklung dieser Science in die Fiction-Richtung ist die Aufgabe des Autors, um einen guten SF-Thriller auf die Beine zu stellen. Und das ist Frank Schätzing gelungen. Er orientiert sich zunächst am machbaren und entwickelt eine mögliche realistische Zukunft auf Grundlage der heutigen Gegebenheiten. Dass er dabei ein wenig spinnt, ist seine Aufgabe als SF-Autor. Seine Gigantomanie an allen Fronten führt dazu, dass die Fiction an einigen Stellen glaubhaufter wirkt als an anderen. Schätzing begnügt sich nicht damit, auf dem Mond eine Forschungsstation zu errichten – nein, es muss gleich ein riesiges Hotel in Form eines Frauenkörpers sein mit Swimming-Pool, Tennisplatz und Golfplatz.

„Ich glaube, Kopplungsmanöver gehören zu den anspruchsvollsten Manövern im Weltall“ (S. 209)

Als begnadeter Erzähler erweist sich der Autor, wenn er auch an die Nebensächlichkeiten denkt, die schon mal zu kleinen Highlights werden können wie die detaillierte Beschreibung der Vollziehung des Geschlechtsakts in der Schwerelosigkeit. Auch die Aufarbeitung von zwischenmenschlichen Beziehungen ist es, die sich – im Kleinen wie im Großen – durch die Handlung zieht.

Ein Stilelement, das Schätzing oft verwendet, empfand ich allerdings als störend: Das Unterbrechen eines Satzes – Absatz – und Weiterführen des gleichen Satzes aus einer anderen Perspektive. Beim ersten Mal wirkte es auf mich wie ein Druckfehler, doch auch später vermittelte es auf mich eher das Gegenteil von dem, was es bewirken soll – eher ein Bruch in der Handlung als gekonnte Überleitung.

Nach gut 500 Seiten beginnen sich endlich erste Zusammenhänge herauszukristallisieren und man erkennt so langsam, wohin der Hase läuft. Die Handlung nimmt Fahrt auf und wird zunehmend zum Thriller. Die letzten 300 Seiten bilden einen absoluten Gegensatz zur langatmigen Einleitung, denn das ist Kopfkino pur.

Damit wendet sich Schätzing nun einem Publikum zu, das bis zur Seite 1000 schon längst die Flinte ins Korn geworfen hat. Das ist amerikanisches Action-Kino mit allen Klischees. Ich brauche diese Szenen in einem Roman nicht, in denen der feststeckende Fahrstuhl plötzlich um einen Meter absackt, welches durch einen kollektiven Aufschrei der Insassen begleitet wird. Dass Nebendarsteller ohne Aufhebens abgeknallt werden, mit Protagonisten dagegen vor der Exekution erst lange diskutiert werden muss, ist ein Stilelement, das lange überholt ist und mich so manchen Film vorzeitig abbrechen lässt.

Alles kann manchmal zuviel sein

„Limit“ ist ein Polit-Thriller mit SF-Rahmenhandlung, ein Buch, mit dem Frank Schätzing alles erreichen will, doch dabei wie seine Protagonisten etwas übers Ziel hinausschießt. „Limit“ ist ein Buch, das weiterhin im Gespräch bleibt. Ein guter Thriller, ein guter Science-Fiction-Roman, ein gutes Sachbuch, doch mit zuviel Beiwerk für den Liebhaber nur eines dieser Genre. Schätzing will es jedem Recht machen, doch das geht nicht. Seine Gigantomanie stösst hier an ihre Grenzen. Sein Ziel darf es nicht sein, eine weitere Steigerung zu bringen, sondern sich mit seinem technischen Handwerkszeug aufs Wesentliche zu konzentrieren und zumindest einem Teil seiner Leserschaft einen wirklichen Knüller zu bieten. Dazu ist er allemal in der Lage.

Ihre Meinung zu »Frank Schätzing: Limit«

Peter Rauner zu »Frank Schätzing: Limit«16.10.2016
Die Geschichte des Buches ist eigentlich eine sehr spannende, verliert aber durch die zu weitschweifige und langatmige Erzählweise viel von ihrer Spannung. Genauso wirkt die Dicke des Buches (sprich: Seiten-zahl) etwas abschreckend. Meine Erwartungen an Frank Schätzing wurden dahingehend nicht voll erfüllt, aber vielleicht berücksichtigt er bei weiteren Werken die (oft geäußerten) Hinweise und gestaltet diese etwas gestraffter. Nichtdestotrotz für einen SF-Fan mit einem entsprechenden Zeitpolster lesenswert. Und ich habe das Gefühl, daß die Grundidee vom Lift ins All irgendwann von der Realität eingeholt wird...
GabiMayer zu »Frank Schätzing: Limit«17.11.2010
Guten Tag

Obwohl mir die Rahmenhandlung gut gefallen hätte, kahm beim Lesen dieses Romans bei mir nie auch nur der kleinste Funke an Freude auf. Die in meinen Augen geradezu absurd langen Ausschweifungen im ersten Drittel bildeten nur den Auftakt zu einer langen Reihe von Enttäuschungen in diesem Buch.
Die bis ins kleinste Detail erfolgten Schilderungen von Orten, Personenhintergründen und oder z.B. Verfolgungsjagten hatten im späteren Verlauf des Romans, wenn überhaupt dann nur nebensächliche Bedeutung. Von den Dialogen der zwar ausführlich beschriebenen, aber dennoch blass bleibenden Persönlichkeiten will ich eigentlich gar nicht anfangen.

Gut möglich das ich mir von Frank Schätzings Roman zu viel versprach bzw. mit zu hohen Erwartungen überhaupt zu lesen bagann. Wenn jedoch beim Beenden des Buches als einzige positive Empfindung Freude über das erreichte Ende bleibt, ist das für mich ein Armutszeugnis.

Abschliessend hätte ich gerne einige gute Eigenschaften des Buches genannt, aber leider fallen mir keine ein.
Sorry für diese nur negative Meinung aber ich bin wirklich sehr enttäuscht von diesem Roman und das lasse ich auch hier einfließen.

Auf Wiedersehn und Tschüss
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Marcel zu »Frank Schätzing: Limit«16.06.2010
Der Roman hat mir inhaltlich gut gefallen. Die verschiedenen Handlungsstränge, die sich über beinahe die ganze Welt und den Mond erstrecken, laufen sauber durch. Der detailverspielte und weit umschreibende Stil Frank Schätzings hat wieder einmal zugeschlagen.
Und dort liegt auch die grosse Schwäche des Buches. Viel zu viele Wörter, viel zu viel blabla und dadurch teilweise nervtötend! Was mit zwei Sätzen klar auf den Punkt zu bringen ist, dafür verwendet Frank Schätzing teilweise vier Seiten. Wo andere für das Sterben eines Protagonisten wenige Worte brauchen, zieht Schätzing die Handlung teilweise über das erträgliche Mass in die Länge. Mehrmals habe ich bei solchen Szenen das Buch aus der Hand gelegt und im Stillen gedacht: "Verdammt, Schätzing, komm auf den Punkt!" Mit Spannung haben solche Passagen nichts mehr zu tun, wohl eher mit Überstrapazierung des Lesewillens.
Diesbezüglich ist "Limit" eine konsequente Weiterführung des Schwarms, der an den gleichen Symptomen krankt.
Ein gutes Buch, bei dem weniger wahrlich mehr wäre!
Mirat zu »Frank Schätzing: Limit«23.02.2010
Prinizipiell ist die Idee der externen Energie gut, diese fällt in der Gesamtenergiebilanz der Erde nicht ins Gewicht - egal wo sie herkommt. Wie Mustermann (:-)) schon treffend bemerkt hat kann eine kleine Fläche der Sahara mit Solarkraftanlagen das aktuelle Energieproblem der Menschheit negieren. Und dies hat nicht einmal 1% der sonnenzugewandten Fläche der Erde.
Der Roman ist Fiktion, meiner Ansicht nach ist die Zeitschiene noch zu knapp bemessen um die notwendigen Technologien zu realisieren. Besonders die Mondaktivitäten (Käferernter, Spinnentransporter, GAIA) scheinen mir in dem Zeitrahmen nicht realistisch.
Dennoch sind die Ideen (und deren schiere Anzahl) Klasse und ich finde die Dicke des Buchs auch nicht problematisch. Die Einsichten in die chinesische Welt sind großartig, die möglichen Entwicklungen privater Sicherheitsfirmen (die eigentlich einen anderen Namen verdienen würden) sind beängstigend und ein Ende der Erdöl Giganten ist für mich auch ein Wunschdenken, daß sich hoffentlich irgendwann erfüllt.
Und die Gigantomanie des reichsten Mannes der Erde fand ich auch nicht problematisch, wenn man die Irrungen deutlich kleinerer Fische in der Gegenwart mal betrachtet (Dubai, verschuldete ehemals Superreiche etc.).
Insgesamt empfand ich das Buch und die enthaltene Vision als sehr positiv. Helium-3 ersetzt fossile Brennstoffe für die nächsten 70 Jahre, in der Zeit kann die optimierte Solarzelle (Locatelli, RIP) ihren Siegeszug fortsetzen, die weltweite Wasserversorgung wird immer verbessert, Lebensmittel sind günstig und hochverfügbar. Das dies alles nicht genau so passieren wird ist klar, aber hoffentlich das eine oder andere...
Kantasiak zu »Frank Schätzing: Limit«21.02.2010
Wie bereits in "Der Schwarm" greift der Autor ganz verschiedene aktuelle Themen auf und läßt sie Teil der Handlung werden. Im Zentrum (oder einem der Zentren, das Buch ist eher ein Geflecht mit mehreren Hauptthemen) steht z.B. die eigentlich alte Idee des Raumlifts, die in den letzten Jahren mit der Entwicklung der Kohlenstoff-Nanoröhren zum ersten Mal in den Bereich des Möglichen gerückt ist.
Und hier liegt auch eine der Stärken des Buches: Es macht den Raumlift und alles andere mit Raumfahrt verbundene, wie Mondshuttles, eine grosse Orbitalstation, ein Hotel auf dem Mond und die geringe Schwerkraft dort wunderbar detailliert erlebbar. Als würde es bereits existieren, so realistisch sind die Beschreibungen. Also wer noch nie auf dem Mond war - nach dem Buch glaubt man dort gewesen zu sein...;)

Verbunden mit dem Raumlift ist eine Entwicklung, die durch das Ende des Kalten Krieges erst möglich geworden ist, im Buch in Gestalt von Julian Orley und seiner Firma: Private Firmen, die die Raumfahrtentwicklung vorantreiben. Einige Rezensenten meinten in Julian Orley den britischen Unternehmer Richard Branson wiederzuerkennen, der mit SpaceshipTwo momentan im Begriff ist, Raumfahrtgeschichte zu schreiben. Abgesehen von einer ähnlichen Vorreiterrolle gibt es aber wesentliche Unterschiede: Richard Branson würde nie einen Unternehmens-Elefanten wie Orley Enterprises gründen, der im Roman dabei ist, den gesamten Rohstoffmarkt des Planeten umzukrempeln. Branson beschreibt in "Business stripped bare" eingehend seine Unternehmensphilosophie. Danach ist Virgin eine Venture-Kapital Firma aus vielen kleinen Unternehmen, die für sich viel flexibler sind als es ein Unternehmen wie Orley wäre, das ganz am Weltraum-Fahrstuhl und der Helium-3 Produktion auf dem Mond hängt. Hier ist mir Limit auch zu eindimensional gedacht: Ein einziger neuer Rohstoff als Komplettlösung der Energieprobleme der Erde? Unwahrscheinlich erscheint mir auch der Zeitraum: Innerhalb von 5 Jahren werden durch Helium-3 reihenweise grosse Ölfirmen an den Rand der Pleite gebracht. Und der Raumlift als Flaschenhals der Weltwirtschaft - naja.

Den Spannungsbogen über das gesamte Buch fand ich zwar gut, aber es gab grenzwertige Stellen. Nach etwa der Hälfte des Buches hatte ich den Tiefpunkt beim Lesen: Die Erklärungen waren immer wieder sehr langatmig, so dass ich mich gefragt habe, ob ich überhaupt weiterlesen will. Hier meine ich auch: Weniger wäre mehr gewesen. Aber ich habe durchgehalten und es hat sich gelohnt: Im letzten Drittel nimmt die Handlung deutlich Fahrt auf und und nimmt viele unerwartete Wendungen - Kategorie Actionthriller. Wendungen kündigen sich immer schon ein paar Seiten vorher in Form kleiner Hinweise an, so dass sie für den Leser Sinn ergeben, auch das ist eine Reminiszenz an Kino-Krimis.
Ausserdem gibt es u.a. interessante Einblicke in die Welt privater Sicherheitsfirmen, die in den letzten 20 Jahren (Realzeit) einen Boom durchgemacht haben und zur Sammelstelle für Privatkrieger und ehemalige Agenten geworden sind. Auch wenn das Phänomen "Söldner" nicht neu ist, diese organisierte Form ist es wohl.


So, für das folgende einen Spoiler, denn es enthält Teile der Handlung:

Ich weiss nicht so recht, was ich von der Schilderung von Geisteskrankheit (soll wohl manisch-depressiv sein) bei Lynn Orley halten soll. Zu Beginn fand ich es sehr einfühlsam und realistisch, aber als die Situation im Mondhotel eskaliert, zunehmend klischeehaft und wie mir scheint, ohne wirklichen Einblick. Besonders Lynns Verhalten, während sie angeblich den "Verstand verloren" hat, kommt mir wie Effekthascherei vor.
An anderen Stellen spielt der Autor mit Klischees: Die Entwicklung beim Ehepaar Rogaschow gegen Ende des Buches hat mir gefallen.
Ansonsten sind mir im Buch immer wieder Versatzstücke aus Filmen aufgefallen, Bilder, die man schon mehrmals gesehen hat. Zum Beispiel der Kampf in der Raumstation, bei dem die Aussenschleuse geöffnet wird und die Luft entweicht, woraufhin sich einer am anderen festhält.








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Wie bereits in "Der Schwarm" greift der Autor ganz verschiedene aktuelle Themen auf und läßt sie Teil der Handlung werden. Im Zentrum (oder einem der Zentren, das Buch ist eher ein Geflecht mit mehreren Hauptthemen) steht z.B. die eigentlich alte Idee eines Weltraum-Fahrstuhls, die aber in den letzten Jahren mit der Entwicklung der Kohlenstoff-Nanoröhren zum ersten Mal in den Bereich des Möglichen gerückt ist.
Und hier liegt auch eine der Stärken des Buches: Es macht den Raumlift und alles andere mit Raumfahrt verbundene, wie Mondshuttles, eine grosse Orbitalstation, ein Hotel auf dem Mond und die geringe Schwerkraft dort wunderbar detailliert erlebbar. Als würde es bereits existieren, so realistisch sind die Beschreibungen. Also wer noch nie auf dem Mond war - nach dem Buch glaubt man dort gewesen zu sein...;)

Verbunden mit dem Raumlift ist eine Entwicklung, die durch das Ende des Kalten Krieges erst möglich geworden ist, im Buch in Gestalt von Julian Orley und seiner Firma: Private Firmen, die die Raumfahrtentwicklung vorantreiben. Einige Rezensenten meinten in Julian Orley den britischen Unternehmer Richard Branson wiederzuerkennen, der mit SpaceshipTwo momentan im Begriff ist, Raumfahrtgeschichte zu schreiben. Abgesehen von einer ähnlichen Vorreiterrolle gibt es aber wesentliche Unterschiede: Richard Branson würde nie einen Unternehmens-Elefanten wie Orley Enterprises gründen, der im Roman dabei ist, den gesamten Rohstoffmarkt des Planeten umzukrempeln. Branson beschreibt in "Business stripped bare" eingehend seine Unternehmensphilosophie. Danach ist Virgin eine Venture-Kapital Firma aus vielen kleinen Unternehmen, die für sich viel flexibler sind als es ein Unternehmen wie Orley wäre, das ganz am Weltraum-Fahrstuhl und der Helium-3 Produktion auf dem Mond hängt. Hier ist mir "Limit" auch zu eindimensional gedacht: Ein einziger neuer Rohstoff als Komplettlösung der Energieprobleme der Erde? Unwahrscheinlich erscheint mir auch der Zeitraum: Innerhalb von 5 Jahren werden durch Helium-3 reihenweise grosse Ölfirmen an den Rand der Pleite gebracht. Und der Raumlift als Flaschenhals der Weltwirtschaft - naja.

Den Spannungsbogen über das gesamte Buch fand ich zwar gut, aber es gab grenzwertige Stellen. Nach etwa der Hälfte des Buches hatte ich den Tiefpunkt beim Lesen: Die Erklärungen waren immer wieder sehr langatmig, so dass ich mich gefragt habe, ob ich überhaupt weiterlesen will. Hier meine ich auch: Weniger wäre mehr gewesen. Grob 500 Seiten hätte der Roman ruhig kürzer sein dürfen. Aber ich habe durchgehalten und es hat sich gelohnt: Im letzten Drittel nimmt die Handlung deutlich Fahrt auf und nimmt viele unerwartete Wendungen - Kategorie Actionthriller. Wendungen kündigen sich immer schon ein paar Seiten vorher in Form kleiner Hinweise an, so dass sie für den Leser Sinn ergeben, auch das ist eine Reminiszenz an Kino-Krimis.
Ausserdem gibt es u.a. interessante Einblicke in die Welt privater Sicherheitsfirmen, die in den letzten 20 Jahren einen Boom durchgemacht haben und zur Sammelstelle für Privatkrieger und ehemalige Agenten geworden sind.

Nicht so recht weiss ich, was ich von der Schilderung von Geisteskrankheit (soll wohl manisch-depressiv sein) bei Lynn Orley halten soll. Zu Beginn fand ich es sehr einfühlsam und realistisch, aber als die Situation im Mondhotel eskaliert, zunehmend klischeehaft und wie mir scheint, ohne wirklichen Einblick. Besonders Lynns Verhalten, während sie angeblich den "Verstand verloren" hat, kommt mir wie Effekthascherei vor.
An anderen Stellen dagegen spielt der Autor mit Klischees: Die Entwicklung beim Ehepaar Rogaschow gegen Ende des Buches hat mir gefallen.
Ansonsten sind mir im Buch immer wieder Versatzstücke aus Filmen aufgefallen, Bilder, die man schon mehrmals gesehen hat. Zum Beispiel der Kampf in der Raumstation, bei dem die Aussenschleuse geöffnet wird und die Luft entweicht, woraufhin sich einer am anderen festhält.
Michael Tillmann zu »Frank Schätzing: Limit«28.01.2010
Das mit dem Treibhauseffekt ist schon klar. Aber ich bin noch nicht wirklich überzeugt von den theoretischen und nicht näher definierten kleinen Quadraten in der Wüste. Ist hier die Rede von der eingestrahlten Energie oder von der im System Erde verbleibenden Energie? Und immerhin wären es ja auch 70 und mehr Quadrate.

Man kann zum Beispiel unsere Städte vom Weltraum aus leuchten sehen. Und solche Energieumsätze sollen über Jahrzehnte gesehen vernachlässigbar sein, wenn sie durch externe Energiequellen gespeist werden würden? Kann ich mir ehrlich gesagt nicht wirklich vorstellen.

Natürlich kann man immer sagen, dass ist alles im Verhältnis zu den natürlichen Vorgängen klein. Aber ganz genau dieses Argument hat man ja früher immer auch beim CO2-Ausstoß gebracht. Soooo wenig CO2 kann doch den Naturhaushalt nicht durcheinander bringen…
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Hans Mustermann zu »Frank Schätzing: Limit«03.01.2010
Weil die vom Menschen produzierte Wärme in keinem Verhältnis zur Sonneneinstrahlung steht. Allein die Sonneneinstrahlung auf einem kleinen Quadrat der Sahara würde, vollständig nutzbar gemacht, den Weltenergiebedarf decken.
Und nein, die Klimaerwärmung stammt nicht aus der Wärme, die der Mensch produziert, sondern daher, dass die Sonneneinstrahlung (Treibhauseffekt sei dank) nicht mehr in gleichem Anteil zurück ins All entweichen kann.

(Dass in kleineren Betrachtungsräumen die durch Menschen verursachte Abwärme durchaus Folgen haben kann, bezweifele ich nicht)
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Michael Tillmann zu »Frank Schätzing: Limit«13.12.2009
Hallo!

Ja, Herr Schätzing hat eine lange Liste von Beratern aufgefahren. Aber warum ist eigentlich weder den Beratern noch den Kritikern aufgefallen, dass dieser Roman einen großen Denkfehler in der Logik oder besser gesagt einen Auslassungsfehler hat? Schätzing schreibt, dass man mit Helium-3 70 oder mehr Jahre die Energieversorgung der Erde bestreiten kann. Er schreibt sehr genau, was das für die Gesellschaft und die Technikentwicklung bedeutet. Aber die alles entscheidende Frage fehlt gänzlich: Was bedeutet es für ein Ökosystem, wenn es neben der Sonneneinstrahlung über 70 Jahre lang zusätzlich externe Energie erhält. Letztlich wird doch jede Energieform in Wärmeenergie umgewandelt!!!
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