Sturz in die Dunkelheit von Garth Nix

Buchvorstellungund Rezension

Sturz in die Dunkelheit von Garth Nix

Originalausgabe erschienen 2000unter dem Titel „The Fall“,deutsche Ausgabe erstmals 2001, 267 Seiten.ISBN 3897484021.Übersetzung ins Deutsche von Dominik Kuhn.

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In Kürze:

Sturz in die Dunkelheit ist der Beginn einer neuen Fantasy Reihe aus dem Hause Lucas – den Schöpfer des faszinierenden Star Wars Universums. Gewaltige Kreaturen, mystische Geistschatten und geheimnisvolle Magie begleiten den jungen Helden Tal auf seiner abenteuerlichen Reise. Er verbrachte sein bisheriges Leben in der Finsternis. Noch nie hat er sein Zuhause verlassen – ein mysteriöses Schloss mit sieben Türmen. Er ahnt nichts von der Bedrohung, die seine Familie und seine Welt auseinanderreißen wird. Als er sich der Bedrohung stellen muss, klettert er in seiner Verzweiflung auf den Roten Turm, um dort ein Licht und Leben spendendes Artefakt zu stehlen. Er erreicht die Spitze… und stürzt in eine Welt voller Gefahren.

Das meint phantastik-couch.de: „;Schatten in der Nacht“;79

Fantasy-Rezension von Frank A. Dudley

Garth Nix ist hierzulande in erster Linie durch seine düstere Abhorsen-Trilogie bekannt geworden. Zwischen den ersten beiden Teilen „;Sabriel“; und „;Lirael“;, die im Abstand von sechs Jahren erschienen, hat der australische Autor die sechsbändige und völlig eigenständige Reihe „;Der Siebte Turm“; als Auftragsarbeit für den Buchverlag des Star Wars-Machers George Lucas geschrieben.

In „;Der Siebte Turm“; erzählt Nix die Geschichte einer Welt, die unter einem dauernden Schleier von Dunkelheit lebt. In einem gigantischen Schloss mit sieben Türmen lebt ein kulturell gesellschaftlich weit entwickeltes Volk. Familien sind einem bestimmten Turm zugeordnet, der wiederum für eine Gesellschaftsschicht steht. Diese sogenannten Orden der Erwählten sind farblich differenziert und dadurch in ihrer Stellung definiert: In absteigender Folge stehen Violett, Indigo, Blau, Grün, Gelb, Orange und Rot für die Wichtigkeit des Ordens.

Jeder erwachsene Mensch im Schloss besitzt einen Schattengeist, Kinder nur einen Schattenwächter. Sie müssen an ihrem 13. Geburtstag eine Reise in das magische Aenir unternehmen und dort ein Lebewesen an sich binden, um es für den Rest ihres Lebens im Schloss zu ihrem Schattengeist zu machen.

Actionreicher Einstieg

Schon auf den ersten Seiten wird der Leser mitten in die Handlung gezogen: Nix beginnt „;Sturz in die Dunkelheit“; mit der Beschreibung desselben. Tal, ein junger Erwählter, klettert auf einen der sieben Türme des Schlosses, um einen Sonnenstein zu stehlen. Die Sonnensteine spenden im ewigen Dunkel nicht nur lebenswichtiges Licht, sondern besitzen auch magische Kräfte. Auf der Spitze des Turmes angekommen, hört Tal seinen kleinen Bruder schreien und wird selbst vom monströsen Turmwächter angegriffen. Er verliert den Halt – und stürzt in die Dunkelheit außerhalb des Schlosses.

Dem vorausgegangen ist eine Exposition von Tals Lebensumständen im Schloss. Kurz vor seiner Reise nach Aenir, wird sein Vater als vermisst gemeldet. Seinen Sonnenstein hatte er mit auf eine Expedition im Auftrag der Imperatorin genommen, deshalb kann Tal seine Reise nach Aenir nicht antreten und auch nicht seine Mutter von einer geheimnisvollen Krankheit heilen. Der soziale Abstieg der Familie in einen rangniedrigeren Orden droht.

Tal bittet seine Tanten um Hilfe und auch den Schattenmeister Sushin, die ihn jedoch zurückweisen. Sushin scheint jedoch nicht nur gleichgültig zu sein, sondern den Jungen und seine Familie regelrecht zu hassen, wie Tal bei mehreren Gelegenheiten verwirrt feststellen muss. In seiner Not wendet er sich direkt an die Imperatorin, wird von ihren Wachen aber beinahe in den Kerker geworfen. Bleibt noch sein als verrückt geltender Onkel Ebbitt, der wegen eines Ungehorsamkeitsvergehens in den untersten Orden degradiert wurde.

Der Rat von Onkel Ebbitt, einen Sonnenstein vom roten Turm zu stehlen, bringt Tal allerdings in noch größere Schwierigkeiten: Er fällt vom Turm und landet weit weg vom Schloss in der eisigen Außenwelt. Hier leben die Icecarls, ein wehrhaftes Jägervolk, und Tals erste Bekanntschaft mit ihnen heißt Milla und will ihn direkt aufspießen wie eine Robbe. Schlimm genug, aber Tal ist noch überraschter, als er feststellt, dass die Icecarls normale Schatten haben und sich vor seinem Schattenwächter fürchten.

Weltenschöpfer Nix

Es muss ein besonders heißer und sonniger Tag in Sydney gewesen sein, als sich Garth Nix die Icecarls und ihre frostige Welt ausgedacht hat. Man spürt beinahe das Prickeln der Eiskristalle, die aufstieben, wenn Milla und Tal mit ihrem Eisschlitten über die gefrorenen Schollen flitzen – derart plastisch sind die Beschreibungen. Und es kann nur ein schwüler Tag gewesen sein, an dem Nix die Idee zur feuchtwarmen Unterwelt des siebentürmigen Schlosses kam, die hohe Luftfeuchtigkeit kondensierte an jeder glatten Oberfläche und das Atmen fiel schwer.

Scheinbar mühelos entwirft er auch das Bild einer von Intrigen und Machtspielen durchsetzten Klassengesellschaft, in der nur Leistung und Anpassung zum sozialen Aufstieg verhelfen. Geschrieben für ein jüngeres Publikum, stehen die beiden Helden am Beginn der Adoleszenz und hadern oftmals mit den Winkelzügen und Motivationen der Erwachsenen. So begreift Tal nicht, warum jemand seine Familie so hassen kann, dass er sie vernichten will. Und Milla sieht nicht ein, warum ihre Stammesschamanin nicht das Leben des Eindringlings schützen, sondern ihm auch noch helfen will.

Nix versteht es, sowohl den Charakteren der Hauptfiguren als auch denen der Nebenakteure ausreichend Tiefe und Breite zu geben. Milla und Tal sind von ihren bisherigen Lebensumständen so stark geprägt, dass sie voller Vorurteile stecken. Doch sie haben auch Zweifel, ob alles, was sie tun, immer richtig ist. Sie lernen zwangsläufig, einander zu vertrauen, werden aber in den folgenden Bänden sicherlich noch den einen oder anderen Strauß miteinander ausfechten.

Alles in allem ist „;Sturz in die Dunkelheit“; ein spannender, actionreicher und flüssig erzählter Serienauftakt, gespickt mit vielen Rätseln und angesiedelt in einer durchdachten Fantasy-Welt voller Magie und Monster. Die Geschichte erreicht zwar nicht die epische Breite, die Harry Potter oder Artemis Fowl. Sie kann sich, wenn man an das Alter der angesprochenen Leser denkt, aber in punkto Fantasie und Identifikationspotenzial durchaus mit ihnen messen.

 

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