Against Gravity von Gary Gibson

Buchvorstellungund Rezension

Against Gravity von Gary Gibson

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „Against Gravity“,, 378 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Das meint phantastik-couch.de: „Technik und Religion“70

Science-Fiction-Rezension von Frank A. Dudley

Amerikaner bezeichnen ihr Land gerne als „God’s own country“. Eine Einschätzung, die auch Präsident George Bush teilt, denn so lassen sich alle politischen Entscheidungen im wahrsten Sinne des Wortes absegnen lassen. In der Konsequenz sind alle Feinde der USA auch Feinde Gottes und müssen erst recht ausgeschaltet werden. Gary Gibson nutzt diesen religiösen Fanatismus für den Plot seines aktuellen Romans: In „Against Gravity“ suchen Künstliche Intelligenzen vom Orbit aus nach Gott, während auf der Erde Todesschwadronen der ehemaligen US-Armee mit Nanotech verstärkte Exil-Amerikaner verfolgen.

„Against Gravity“ (etwa: Gegen die Schwerkraft) ist ein SF-Thriller, der am Anfang viel verspricht und das meiste auch hält. Der Einstiegssatz „It began the day Kendrick Gallmon’s heart stopped beating forever“ und die darauf folgende Beschreibung von Gallmons Reaktion auf dieses beunruhigende Phänomen lassen nichts Gutes ahnen. Schnell wird klar, dass der ehemalige US-Journalist mit hochaggressiver Nanotechnologie voll gestopft ist und dass diese ihn trotz der finalen Fehlfunktion seines Herzens am Leben erhält. Später in der Handlung setzt sogar sein Atemreflex aus und er lebt weiter.

Gallmon, der sein Exil im Edinburgh des Jahres 2096 gefunden hat, lebt in ständiger Angst vor Entdeckung, denn die Behörden gehen nicht zimperlich mit Leuten wie ihm um. Eingeschobene Flashbacks, die glücklicherweise nicht zu Info-Dumps ausarten, bringen Licht in das Dunkel seiner Vergangenheit: Knapp zehn Jahre vor dem Einsetzen der Handlung ist Los Angeles unter einer Atompilzwolke verschwunden. Die Regierung des erzkonservativen und religiös fanatischen Präsidenten Wilber nutzt die Gunst der Stunde, um alle unliebsamen Bürger zu internieren, unter ihnen Gallmon. Mit vielen anderen wird er in einen geheimen unterirdischen Forschungskomplex der US Army im venezolanischen Dschungel verfrachtet. Dort setzen skrupellose Wissenschaftler ihm und seinen Zellengenossen von Station 17 Nano-Körperverstärkungen ein. Wer nicht sofort stirbt, wird in einer Art Kampfarena namens „The Maze“ (das Labyrinth) auf seine Überlebensfähigkeit getestet.

Während hier also mit angeblichen Staatsfeinden lebensverachtende wissenschaftliche Experimente unternommen werden, lässt Präsident Wilber von dem milliardenschweren Industrieboss Draeger die Raumstation „Archimedes“ bauen. Auf ihr sollen sich selbst weiterentwickelnde Nano-KIs nach Gott suchen. Doch das Regime des religiösen Fanatikers findet während eines Bürgerkriegs sein Ende, Reste der US-Army setzen sich in den südamerikanischen Dschungel ab. Dort verfolgen sie als „Los Muertos“ weiter die Ziele ihres ehemaligen Oberbefehlshabers und verbreiten als Todesschwadronen unter den ehemaligen Insassen von „The Maze“ Angst und Schrecken.

Für Gallmon und einige seiner Leidensgenossen ist klar, dass sie auf die Raumstation gelangen müssen, um eine Überlebenschance zu haben. Ihre Nano-Implantate mutieren immer stärker, und von den KIs der Archimedes heißt es, dass sie den ehemaligen Versuchskaninchen helfen könnten. Gallmon sucht aber noch etwas anderes im Orbit: Den Beweis, dass Draeger auch für die grausamen Menschenversuche auf Station 17 verantwortlich war.

Starker Protagonist, schwache Dialoge

„Against Gravity“ hat einen Plot auf Speed und eine Hauptfigur, die ihren Charakter im Laufe der wohlabgemessenen Handlung beinahe völlig ändert. Zu Beginn des technokalten Romans ruft Gallmon beinahe Mitleid hervor, wie die mutierten Nano-Einsätze ihm auf der Flucht vor seinen Häschern übel mitspielen. Doch er entwickelt sich zum verblendeten Eiferer, während er mit Gewalt versucht, Draeger zu überführen. Die komplette Geschichte ist aus Gallmons Sicht erzählt, seine Erinnerungs-Flashbacks erfolgen stets an der passenden Stelle, um die Neugier des Lesers zu steigern. Einen beklemmenden Zwischenhöhepunkt findet die Handlung, als Gallmon mit einem Freund in das Versuchslabor-Labyrinth zurückkehrt, Gibson spielt hier geschickt mit Horrorelementen.

Während die Spannung sich also auf hohem Niveau bewegt, sind die Qualität der Dialoge und die Charakterzeichnungen von Nebendarstellern etwas niedriger anzusiedeln: Gespräche zwischen handelnden Figuren erschöpfen sich bisweilen in Phrasendrescherei, während die Darsteller der zweiten Reihe neben Gallmons starker Persönlichkeit teilweise blass und eindimensional wirken. Für das furiose Finale jedoch hat Gary Gibson alle Thriller-Register gezogen.

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