Ein grimmiger Feind, ein treuer Freund – Game of Thrones Band 5 von George R. R. Martin

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „A Dance with Dragons (A Song of Ice and Fire 5)“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 1200 Seiten.ISBN 3-7645-3181-9.Übersetzung ins Deutsche von Andreas Helweg.

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In Kürze:

Der Krieg der Fünf Könige neigt sich dem Ende zu, das Schicksal der Sieben Königslande scheint entschieden zu sein. Da tritt eine neue Macht aus den Schatten hervor. Aegon Targaryen, ein totgeglaubter Erbe des alten Königsgeschlechts, greift mit der Goldenen Kompanie Greifenhorst und Sturmkap an. Er hat nur ein Ziel: die Herrschaft der Lennisters und Tyrells über den Eisernen Thron zu brechen und wieder einen rechtmäßigen König einzusetzen – einen Herrscher aus dem Haus Targaryen!

Das meint Phantastik-Couch.de: Die Prachtausgabe geht vorerst in ihre letzte Runde91

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Dem Leser oder besser und wahrscheinlicher noch dem Fernsehzuschauer die Handlung von Game of Thrones – um bei englischsprachigen Serientitel zu bleiben – nahebringen zu wollen, das hieße nun wirklich Eulen nach Athen zu tragen.

Diejenigen unter ihnen, die die Reihe vom US-Kultautor verfolgen – sei es bei Blanvalet / Penhaligon im Print oder auf den Bezahlsendern des Fernsehens – wissen, um was es geht. Alle anderen müssen zwingend am Anfang anfangen, sonst werden sie die politischen Ränkespiele, die Verwicklungen und Intrigen nicht nachvollziehen können.

Martin hat mit scheinbar leichter Hand eine zutiefst reale und auch in Einzelheiten und Details durchdachte, logische Welt gebaut. Eine archaische Welt, in der die Bewohner leiden, lieben, kämpfen und intrigieren und – nicht zuletzt – sterben.

Dabei wechselt der Autor in einem Rekordtempo Sichtweisen und Figuren, erzählt uns von Träumen und Visionen, von Machtspielen und immer wieder von Verrat.

Dass dabei das, was Fantasy-Romane sonst auszeichnet – Stichwort Zauberer mit Stock und spitzem Hut – außen vor bleibt, dass wir auf gewohnte Versatzstücke, etwa der Heldengruppe oder das magische Relikt verzichten müssen, ist eine Gnade. Statt dessen erschlägt uns der gewichtige Meister mit seinen fein gezeichneten Figuren, deren Motivation sich im Verlauf der Ereignisse immer wieder – nachvollziehbar! – ändert. Dabei scheut er sich auch nicht, immer wieder wichtige Gestalten die Bühne verlassen zu lassen, schneidet mitleidlos Zöpfe, soll heißen sympathische Figuren ab und sorgt auch so für ein gerüttelt Maß an sonst in der Fantasy nicht bekannter realistischer Überzeugungskraft.

Natürlich schreibt Martin ausufernd, doch merkt man dies seinen Werken, Dank des wunderbar flüssig zu lesenden Stils, den Andreas Helweg kongenial ins Deutsche übertragen hat, kaum an.

Nachdem der Meister zwischenzeitlich aber seine Zeit lieber auf Cons rund um die Welt verbringt – ja ich weiß, dass er auf seiner Internetseite immer wieder Textauszüge aus dem / den zu schreibenden Buch / Büchern veröffentlicht – wird bereits mehr oder minder laut gemunkelt, dass Martin selbst den nächsten Band wohl zumindest nicht alleine schreiben wird. Die Verfilmung hat mittlerweile die Bücher – sehr zum Leidwesen von Martins internationalen Verlagen – überholt wobei der Hype nach wie vor ungebrochen ist.

Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob Martin schlicht keine Lust mehr hat weiterzuschreiben, ob er vielleicht gar befürchtet, den immensen Erwartungen seiner Fans und Leser nicht gerecht werden zu können – m.E. durchaus vorstellbar – oder als Perfektionist schlicht nie mit dem Niedergeschriebenen zufrieden ist, Tatsache bleibt, dass wir weiter auf den nächsten Teil warten. Martin selbst hat zwei GoT Bücher für die nächste Zeit angekündigt, es bleibt zu hoffen, dass er sein Versprechen wahr macht.

Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, hat Random House in seinem Imprint Penhaligon, der zu Blanavlet gehört, extra eine neue Edition ins Leben gerufen. GRRM by Penhaligon nennt sich die Edition in der neben lang vergriffenen, aber nach wie vor äußerst lesbaren Frühwerken (zumeist Science Fiction) des Autors auch die Romane um „Das Lied von Eis und Feuer“ -alias Game of Thrones – in einer wahren Prachtausgabe neu aufgelegt werden.

Die großoktaven Hardcover zieren geprägte Wappen der einzelnen Häuser, sind dezent in schwarz gehalten und vereinen die bislang für die Übersetzung gesplitteten Romane wie im Original in einem Buch.

Um dieses ursprüngliche Leseerlebnis zu erhalten, mussten die Fans bislang bei FanPro die dortigen Liebhaberausgaben ordern, jetzt hat Random House nachgelegt – und ich muss sagen, die Reihe ist eine wahre Zier für jedes Bücherboard.

Selbst verglichen mit den FanPro Titeln punktet die Prachtedition; wirkt sie doch wuchtig, gediegen und edel.

Man merkt den Bänden an, dass hier nicht nur Kaufleute am Werk waren, die den Fans das Geld aus der Tasche locken wollten sondern Liebhaber bibliophiler Titel, die einem ganz besonderen Lesestoff ein adäquates Äußeres geben wollten. Auch wenn wir den Inhalt um die Drachenkönigin Daenerys Targaryen in Meereen, Jon Schnee an der Mauer, Brandon Stark jenseits der Mauer, Tyrion Lennister auf der Flucht und weiterer Figuren aus den Paperbacks kennen, kehren wir gerne in die monumental gezeichnete Welt zurück. Dabei gelingt es Martin immer noch, uns mit so nicht vorhersehbaren Wendungen zu packen und den Alltag mit und in Westeros vergessen zu lassen.

Fazit:

Mit der Prachtedition hat der Großverlag bewiesen, dass auch dort nicht nur Rechenkünstler sondern Buchliebhaber sitzen. Der Preis des außergewöhnlichen Hardcovers ist selbstverständlich durch den Inhalt, aber auch die herausragende handwerkliche Ausstattung gerechtfertigt (die zwei enthaltenen Paperbacks kosten getrennt mehr). Nicht nur für Fans der Serie ein haptisches wie optisches Erlebnis.

Ihre Meinung zu »George R. R. Martin: Ein grimmiger Feind, ein treuer Freund - Game of Thrones Band 5«

WillyR zu »George R. R. Martin: Ein grimmiger Feind, ein treuer Freund - Game of Thrones Band 5«03.11.2017
Über die herausragende Qualität der Reihe "A Song of Ice and Fire" braucht man, glaube ich, nicht viele Worte verlieren. Auch der fünfte Band reiht sich nahtlos ein, und man hofft, dass die überfällige Fortsetzung band erscheinen wird. Was mich aber wieder einmal stört, sind die deutschen Titel, die mit dem Original (hier: "A Dance with Dragons") so rein gar nichts zu tun haben, und die eingedeutschten Namen der Personen und Orte. Warum kann man nicht bei den englischen Namen bleiben und den Titel übersetzen? "Tanz mit Drachen" klingt doch auch gut.
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