Königin im Exil von George R. R. Martin & Gardner Dozois

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „Dangerous Women“,deutsche Ausgabe erstmals 2015, 1120 Seiten.ISBN 373416012X.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Gefährliche Frauen aller Art – Kriegerinnen, Königinnen, Zauberinnen und viele mehr – sind das Thema dieser spannenden Anthologie. Sie enthält 21 bislang unveröffentlichte Erzählungen von Bestsellerautoren wie Joe Abercrombie, Brandon Sanderson und Diana Gabaldon – die eine brandneue Outlander-Story beisteuert. Kernstück und Höhepunkt dieser Sammlung ist ein Kurzroman aus der Feder von George R.R. Martin über den »Tanz der Drachen«, jenen großen Bürgerkrieg, an dem der Kontinent Westeros zweihundert Jahre vor den Ereignissen in der Saga Das Lied von Eis und Feuer beinahe zerbrochen wäre.

Das meint Phantastik-Couch.de: „21 Kurzgeschichten und -romane aus verschiedenen Genres“79

Fantasy-Rezension von Petra Meyeroltmanns

Königin im Exil ist nicht, wie das prominent auf das Cover gedruckte „George R. R. Martin“ vermuten lässt, eine reine Fantasy-Anthologie. Enthalten sind 21 exklusiv geschriebene Kurzgeschichten bzw. -romane von ebenso vielen Autoren und Autorinnen aus verschiedenen Genres: Fantasy, Science Fiction, Dystopie, Mystery, Krimi und Thriller, Historisch, Western. Bei manchen Geschichten ist die Zuordnung zu einem Genre schwierig, wie z. B. der Beitrag Joe R. Lansdales, in dem zwei gealterte Wrestler im wahrsten Sinne des Wortes um eine Frau kämpfen.

„Frau“ ist ein gutes Stichwort, denn wie Gardner Dozois (neben G. R. R. Martin Herausgeber der Anthologie) in seiner Einführung schreibt, ist das Thema der Sammlung „Gefährliche Frauen“, diese können sowohl Heldinnen als auch Schurkinnen sein, die Einordnung ist nicht immer offensichtlich (nimmt man z. B. Sam Sykes „Benenne die Bestie“). Auch wirken nicht alle Protagonistinnen auf den ersten Blick gefährlich, manchmal muss man schon genauer hinsehen.

Ganz unterschiedliche Geschichten und Autoren machen die Anthologie interessant

Die enthaltenen Geschichten sollen hier nicht alle einzeln besprochen werden, ein paar davon aber exemplarisch näher betrachtet werden:

In Cecila Hollands „Noras Lied“ begleitet der Leser die Familie Eleonore von Aquitaniens während einer für sie wesentlichen Zeit. Wer allerdings die geschichtlichen Hintergründe nicht kennt, wird wohl wenig Freude an der Erzählung haben. Leider kommt nur wenig historisches Feeling auf und auch erzählerisch kann die Geschichte nicht überzeugen, sie langweilt eher. Sehr schade, denn Eleonore war eine wirklich interessante historische Persönlichkeit.

Ganz anders Jim Butchers „Bombige Muscheln“, die in der Harry-Dresden-Reihe angesiedelt ist. Molly Harrys „Zauberlehrling“, muss einen Fall ohne ihren Boss lösen. Wie vom Autor nicht anders zu erwarten, ist die Erzählung sehr lesenswert, spannend und humorvoll. Wer Jim Butcher noch nicht kennt, wird Lust auf mehr bekommen. Aber Vorsicht: Wer in der Buchreihe noch nicht allzu weit fortgeschritten ist, wird gewaltig gespoilert.

Carrie Vaughns Geschichte „Raisa Stepanowa“ erzählt von einer russischen Pilotin im 2. Weltkrieg und bietet einen guten Einblick in die Welt dieser Frauen, macht überhaupt erst aufmerksam darauf, dass es diese Frauen gab. Megan Lindholms „Nachbarn“ ist eine Geschichte über das Älterwerden und über Demenz, verknüpft mit einem guten Schuss Mystik. Sie liest sich nicht sehr spannend, macht aber nachdenklich und wirkt lange nach.

„Schatten für Stille in den Waldungen der Hölle“ von Brandon Sanderson ist eine der besten Geschichten des Buches, sie ist recht gruselig, spannend erzählt und hat eine der eindrucksvollsten Protagonistinnen der Anthologie zu bieten. Diese Geschichte macht wirklich Lust, mehr von dem Autor zu lesen. Sharon K. Penman steuert die titelgebende Geschichte „Königin im Exil“ bei und erzählt von einer weiteren interessanten historischen Frauengestalt: Konstanze de Hauteville, Ehefrau Heinrichs von Hohenstaufen, einem Sohn Kaiser Barbarossas, muss Einiges einsetzen, um ihr Erbe, das Königreich Sizilien, zu bewahren.

Nancy Kress führt den Leser mit „Arabesque“ sehr langsam in ein zerstörtes zukünftiges Amerika, ihr gelingt es, eine interessante, aber auch grausame dystopische Welt zu schaffen und diese auf einzigartige Weise mit der Welt des Ballett zu verknüpfen, das Resultat ist eine ganz besondere Geschichte. „Unschuldsengel“ von Diana Gabaldon ist eine Vorgeschichte zu deren Outlander-Saga. Jamie Fraser ist, kurz nach seiner ersten Verhaftung und Auspeitschung, als junger schottischer Söldner in Frankreich, wo er einer „gefährlichen Frau“ begegnet. Neben Jamie spielt auch sein späterer Schwager Ian eine Rolle, jedoch könnte das Geschehen auch jedem anderen Charakter passiert sein, typisch Jamie ist sie nicht. Vorkenntnisse werden übrigens nicht benötigt, man kann diese Erzählung gut lesen, ohne die Buchreihe zu kennen.

Caroline Spector führt den Leser mit „Lügen, die meine Mutter mir erzählt hat“ in das Wild-Cards-Universum. Hier nimmt Bubbles die Hauptrolle ein und muss sich gegen einen Gegner mit einer besonders gefährlichen Fähigkeit wehren. Wer das Wild-Cards-Universum bereits kennt, wird an der Geschichte Freude haben, andere könnten zunächst leicht verwirrt sein, sollten sich aber auf die Geschichte einlassen, denn sie ist spannend geschrieben.

Die letzte Geschichte der Sammlung trägt George R. R. Martin selbst, bei „Die Prinzessin und die Königin oder die Schwarzen und die Grünen“ spielt in Westeros lange vor der „Das Lied aus Eis und Feuer“-Reihe und erzählt von einem Erbfolgekrieg zwischen verschiedenen Mitgliedern des Hauses Targaryen. Auch hier gilt, wer die Buchreihe kennt, wird die Geschichte mit Vergnügen lesen, alle anderen könnten überfordert sein, schon wegen der vielen Namen. Auch diese Geschichte ist spannend erzählt und entwickelt einen ganz ähnlichen Sog wie Martins oben genannte Buchreihe.

Weitere Beiträge stammen von Joe Abercrombie, Megan Abbott, Melinda Snodgrass, Lawrence Block, Lev Grossman, Diana Rowland, Sherrilyn Kenyon, S. M. Stirling und Pat Cadigan. Die Geschichten der Anthologie sind unterschiedlich lang, manche relativ kurz mit weniger als 30 Seiten, andere recht lang mit mehr als 100 Seiten. Jede Geschichte wird mit ein paar Worten zum jeweiligen Autor/zur jeweiligen Autorin eingeleitet, teilweise wird auch schon auf die Handlung eingegangen, aber nie zu viel verraten. Schade nur, dass nicht alle Autoren und Autorinnen der Sammlung bereits ins Deutsche übersetzt wurden.

Der Vorteil von Anthologien liegt auf der Hand: Man kann Autoren kennen lernen, von denen man noch nichts gelesen hat und sich Anregungen holen, welche Romane einen genaueren Blick wert sein könnten. Man kann aber auch zusätzliche Geschichten zu Serien und Universen, in denen man sich bereits wohlfühlt, vorfinden, neue Perspektiven und Hintergründe entdecken.

„Königin im Exil“ ist eine lesenswerte Anthologie mit sehr unterschiedlichen Geschichten, nicht jede wird jedem gefallen, aber es ist für jeden etwas dabei. Der Genremix bietet die Chance, auch einmal über den Tellerrand des bevorzugten Genres zu blicken. Wer gerne neue Autoren kennen lernt, wer beteiligte Autoren kennt und deren Werke mag, wer gerne Kurzgeschichten oder -romane liest, kann getrost zugreifen.

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