Königsfehde von George R. R. Martin

Buchvorstellungund Rezension

Königsfehde von George R. R. Martin

Originalausgabe erschienen 1999unter dem Titel „A Clash of Kings“,deutsche Ausgabe erstmals 2004, 750 Seiten.ISBN 389064533X.Übersetzung ins Deutsche von Andreas Helweg.

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In Kürze:

Wenn Könige sich bekriegen, bebt das Land! Ein feuriger Komet zieht seine blutrote Bahn über den Himmel – ein böses Omen für Westeros! Die Sieben Königlande drohen im Chaos zu versinken, denn der Kampf um den Eisenthron ist voll entbrannt. König Robert Baratheon und Eddard Stark, seine rechte Hand, sind tot; gemeuchelt von der Hand der Lannisters. Während Eddards Witwe Catelyn noch eine Allianz gegen die Verr";ter schmiedet, ziehen Roberts Brüder mit ihren Heeren gegen den jungen Tyrannen Joffrey Lannister: Sie suchen die Entscheidungsschlacht. Und wer die gewinnen will, muss den härtesten Stahl sein eigen nennen – und das kälteste Herz …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Intrigen und Kriegswirren“90

Fantasy-Rezension von Martin Teuber

Das Spiel um Throne ist im vollen Gange – mit „;A Clash of Kings“; legt George R.R.Martin den zweiten Teil der „;Lied aus Feuer und Eis”-Saga vor. In der deutschen Taschenbuchausgabe wurde das Buch durch die beiden Bände “;Der Thron der sieben Königreiche„; und “;Die Saat des goldenen Löwen„; veröffentlicht. Wer das erste Buch gelesen hat, wird nicht enttäuscht sein.

Westeros stürzt ins Chaos! König Joffrey sitzt auf dem eisernen Thron, derweil seine Mutter Cersei unter Einsatz aller ihr zur Verfügung stehenden Mittel von King’s Landing aus seine Krone zu festigen versucht. Doch auch die Brüder des ermordeten Königs Robert Baratheon, Stannis und Renly, trachten nach der Macht. Stannis leitet für sich als älterer Bruder ein höheres Recht als Nachfolger ab, ist aber im Reich unbeliebt und verfügt auch unter den Lords nicht die Unterstützung, die sein verfeindeter Bruder Renly aufweisen kann. Die  beiden sind uneinig, doch nur einer von ihnen kann nach King’s Landing ziehen, um Joffrey vom Thron zu stoßen. Währenddessen setzt der Gnom Tyrion Lannister, inzwischen die Hand des Königs, all seinen Verstand ein, um die Verteidigungsanlagen der Stadt zu stärken.

Während die Baratheons miteinander beschäftigt sind, leistet Robb Stark von Riverrun aus Widerstand gegen die Lannisters. Jedoch wird er von zwei Seiten bedrängt, denn auch Winterfell, wo sich seine jüngeren Brüder Bran und Rickon aufhalten, ist von den Iron Islands durch die Eisenmänner um Balon Greyjoy bedroht.

Seine Mutter Catelyn sieht die Chancen schwinden, ihre Kinder wieder wohlbehütet zusammen zubringen. Ihre Tochter Sansa wird als Geisel am Königshof gehalten – ihr droht die Vermählung mit Joffrey, dessen bösartiger und grausamer Charakter mehr und mehr zutage tritt. Arya, ihre andere Tochter, gilt inzwischen als verschollen – nachdem sie den Tod des eigenen Vaters miterleben musste, schaffte sie es zwar, dem Königshof zu entkommen, irrt aber inzwischen unerkannt durch die Lande Westeros in der Hoffnung, den Weg zurück nach Winterfell zu finden.

In all den Kriegswirren, die sich dadurch verstärken, dass auch die kleineren Adelshäuser ihre eigenen Absichten verfolgen und wechselseitig gegeneinander zu Felde ziehen, bleiben zwei wichtige Entwicklungen unter den hohen Häusern Westeros praktisch unbemerkt: Im Norden an der Mauer mehren sich unheimliche Vorfälle; eine Gruppe der Nachtwache bricht auf, um nach dem verschollenen Benjen Stark zu suchen und herauszufinden, was die Wildlinge jenseits der Mauer um Mance Rayder vorhaben.

Und die im Exil lebenden Daenerys Targaryen träumt weiter von der Rückeroberung des Thrones, den einst ihr Vater innehatte. Und während sie auf der Suche nach einer dafür geeigneten Armee ist, wachsen ihre drei Drachen…

Aufgefächerte Handlung, starke Frauen

George R.R.Martin bleibt dem Stil und dem Rhythmus, mit dem er die Saga begonnen hat, im zweiten Buch treu. Dem Leser wird die Geschichte aus der Sicht verschiedener Protagonisten erzählt, wobei im Vergleich zum ersten Buch, als vornehmlich die Perspektive der Familie Stark eingenommen wurde, mit Theon Greyjoy und dem Zwiebelritter Davos Seaworth nun auch Geschehnisse auf den Iron Islands und in Storm’s End näher betrachtet werden. Zur Handlung gehören weiterhin überraschende Wendungen und harte Beschreibungen über das Leben und Sterben in Westeros.

Zur mit Abstand schillerndsten, vielleicht sogar sympathischsten Figur hat sich dabei der zwergwüchsige Tyrion entwickelt, der zwar zum Hause Lannister gehört, dort aber sowohl aufgrund seiner Gestalt als auch seines Charakters misstraurig beäugt und ausgegrenzt wird. Scharfzüngig und -sinnig begleitet er das Geschehen, einerseits gefangen in seiner Rolle als Mitglied der Familie Lannisters und damit dem Erhalt ihrer Macht verpflichtet, andererseits bemüht, in all dem Gräuel und Elend seine Mitmenschlichkeit zu bewahren – obgleich ihm dies noch von niemandem gedankt wurde. Seine Schlagfertigkeit sorgt für eine gehörige Portion Humor, und ironischerweise beschreibt der Autor die eindrucksvollsten Schlachtsequenzen dieses Buches ausgerechnet aus der Sicht dieses Gnoms.

Und auch dies lässt sich spätestens mit dem zweiten Band sagen – insbesondere Frauen sind es immer wieder, denen Martin psychische Stärke und Willenskraft mit auf den Weg gibt. Da ist Cersei, die als Löwenmutter alle Register zieht, um Joffreys Stellung zu stärken, während Catelyn in all ihrem Unglück dennoch immer wieder die Kraft zu einem Versuch findet, mit eigener Initiative ihre Familie wieder zusammenzuführen. Bei Daenerys hat man längst vergessen, dass es sich um ein junges, ehedem schüchternes Mädchen handelt, wobei ihre Entwicklung hin zur Drachenkönigin (in spe) in allen Stufen plausibel beschrieben wird. Auch Arya Stark macht eine bemerkenswerte Wandlung mit, während sie sich tagtäglich ums nackte Überleben in den bürgerkriegsähnlichen Wirrungen Westeros kämpft. Ob Asha Greyjoy, die rote Priesterin Melisandre oder Brienne, die Jungfrau von Tarth – an starken Frauen mangelt es nicht in dieser archaischen Welt von George R.R.Martin, und sie scheinen den Gang der Dinge weit stärker zu beeinflussen als in Schlachten ziehende Könige dieser Welt!

Von vielen nicht als das stärkste der bisher 4 Bücher angesehen, fächert es die Handlung ebenso auseinander wie sie vorangetrieben wird. Der Autor leistet nicht nur viel Vorarbeit für den weiteren Verlauf der Geschichte und führt neue zentrale Protagonisten ein, sondern nimmt sich auch die Zeit, die meisten der im ersten Buch bereits eingeführten Charaktere schärfer zu zeichnen, die Motivation ihres Handelns genauer zu beleuchten. Manchem Leser wird es daher in der ersten Hälfte an “;Action"; mangeln, andere werden es umgekehrt gerade begrüßen, auch jenseits von Dramatik mehr von den Figuren zu erfahren. Unverwechselbar und faszinierend bleibt dieses Lied ohnehin!

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