Die Villa am Rande der Zeit von Goram Petrovic

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2000unter dem Titel „Sitnicarnica \\\'kod srecne ruke\\\'“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 400 Seiten.ISBN 3423248246.Übersetzung ins Deutsche von .

»Die Villa am Rande der Zeit« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Der Belgrader Student Adam erhält ein ungewöhnliches Angebot: Er soll ein Jahrzehnte zuvor erschienenes Buch umarbeiten. Ein scheinbar harmloser Auftrag. Doch bei der Lektüre macht Adam eine sonderbare Erfahrung: Unversehens findet er sich mitten in dem Roman wieder und begegnet anderen Lesern, die über dieselbe Gabe verfügen. Nicht alle haben ein unschuldiges Interesse an dem Buch. Als ein Mord geschieht, muss Adam sich entscheiden: Will er seinen Auftrag erfüllen oder verhindern, dass dieser imaginäre Zufluchtsort unwiederbringlich verloren geht?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Literarisch wertvoll und doch überlebt“75

Mystery-Rezension von Amandara M. Schulzke

Adam, ein serbischer Student, der sich seine Brötchen mit dem Lektorat einer Zeitschrift verdient, erhält von einem mysteriösen Auftraggeber einen lukrativen Auftrag. Er soll ein vor Jahrzehnten erschienenes Buch überarbeiten. Das Buch „Vermächtnis“ des Anastas Branica ohne handelnde Personen, aber mit der detaillierten Beschreibung einer Villa und deren exklusivem Inventar, mit einem wunderschönen Garten und dahinter gelegenen Park. Dort begegnet er einigen Bewohnern. Das sind Leser, die zeitgleich wie er über die Fähigkeit verfügen, an den Ort der Lektüre zu gehen, z.B. die taube Köchin Zlatana, Natalja Dimitrijevic mit ihrer lieblich duftenden Gesellschafterin Jelena, eine Familie mit Schatten, der grimmige Gärtner und ein Professor. Im Roman selbst finden wir ihre Geschichten und die des vor Jahrzehnten ertrunkenen Autors. Adam kann seine Aufgaben zur Zufriedenheit seines Auftraggebers und vor allem seiner Frau erledigen. Er bringt eine neue Inschrift an, repariert verschlissenes Inventar und bringt die zauberhafte Harfe wieder zum Klingen. Da geschieht ein Mord im Buch, und als sich Adam in Belgrad auf die Suche nach dem Ermordeten macht, muss er feststellen, dass dieser auch im realen Leben von dannen gegangen ist und Unbekannte seine gesamten Aufzeichnungen aus dem Arbeitszimmer gestohlen haben.

„Es genügt, einige Zeilen zu lesen, und man begreift, dass Goran Petrovic zu den großen Autoren der Gegenwart gehört“
(Clémence Boulouque in „Le Figaro“)

Dies finden wir auf dem Buchdeckel des serbischen Bestsellerautoren. Petrovic ist ein einzigartiger Autor, der die Leser in außergewöhnlicher Fabulierkunst in die Welt des Lesens mitnimmt. Wir tauchen ein in die Welt des magischen Realismus, in die Fähigkeit, während des Lesens mit anderen Lesern zu kommunizieren und selbständig in den beschriebenen Orten spazieren zu gehen. Sein Roman beginnt heute, jedoch lesen wir aus den Zeiten Anfang des 20. Jahrhunderts, aus den zwanziger Jahren, aus dem 2. Weltkrieg und der Zeit danach. Und mehr noch in dem Buch, dem „Vermächtnis“ des Anastas Branica, der ein Buch schrieb, wie es noch keines davor gab und das Adam überarbeitet. Während Petrovic die Charaktere und Gefühlslagen einiger Mitspieler differenziert ausleuchtet, bleiben die Motive oder Handlungen von anderen im Verschwommenen und Geheimnisvollen oder ergehen sich in Andeutungen. Der Leser ist stets animiert, sich eigene Gedanken zu machen, während er mit den Helden durch die Gefilde wandelt. Der Roman spiegelt die sozialen, familiären und politischen Verhältnisse der jeweiligen Zeiten und ihre Strukturen wider. Damit schafft Petrovic verschiedene Sittengemälde. Gibt es für die Helden kein Entrinnen aus ihrem sozialen Milieu? Es ist zugleich ein Buch über das Geschick des stark gebeutelten Serbien.

Ein stimmungsvolles Lesevergnügen aus vergangener Zeit


Das Buch erinnert an die Werke der großen Romanciers des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Es erzählt von unglücklich Liebenden, von der ungeheuren Sehnsucht nach Liebe und Romantik, von Sprachlosigkeit und Familiengeheimnissen und idealisiert die Ästhetik als Möglichkeit der Sinnfindung. Es zieht den Leser in Orte, Stimmungen und Handlungen hinein. „Die Villa am Rande der Zeit“ ist unbedingt empfehlenswert für Freunde und Interessenten der serbischen Geschichte und Kultur. Doch ansonsten wirkt es auch überlebt. Wer zum Beispiel in seiner Jugend die früheren Größen rezipiert hat wie Balzac, Zola mit seinem Naturalismus und Positivismus, Tolstoi, Dostojewski, Tschechov mit ihren großartigen Zeitgemälden oder Hesse immer auf der Suche nach dem eigenen Sinn des Lebens, der braucht heute im Jahre 2011 Petrovic nicht unbedingt. Vielleicht, um sich an die vielen Fragen der eigenen Jugend zu erinnern und um sich bewusster zu werden, woher wir kommen und was uns prägte. Denn die sozialen und politischen Verhältnisse des vergangenen Serbien sind auch unser Europa und unsere Geschichte.

Ihre Meinung zu »Goram Petrovic: Die Villa am Rande der Zeit«

Dracon zu »Goram Petrovic: Die Villa am Rande der Zeit«28.10.2011
Die Villa am Rande der Zeit ist ein Roman der in einer Ruhigen, aber fast schon magischen Sprache einlädt durch die Geschichte Serbiens, zu wandeln. Der Autor versteht es meisterhaft das Stimmungsbild einer vergangen Epoche zubeschwören. Man hat das Gefühl selber durch das alte Belgrad zu wandern und die Personen des Romans an zutreffen . Ein wundervolles Buch zum immer wieder lesen .
Ihr Kommentar zu Die Villa am Rande der Zeit

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.