Die Glasbücher der Traumfresser von Gordon Dahlquist

Buchvorstellungund Rezension

Die Glasbücher der Traumfresser von Gordon Dahlquist

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „The Glass Books of the Dream Eaters“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 864 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Bernhard Kempen.

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In Kürze:

Verpassen Sie keinesfalls den letzten Zug nach Harschmort Manor! Eine sitzen gelassene junge Lady, ein professioneller Killer und der Leibarzt eines mecklenburgischen Prinzen ziehen in einer rasanten Tour de Force durch das viktorianische England. In einem bizarren Herrenhaus entdecken sie erotische und haarsträubende Geheimnisse und riskieren ihr Leben, ihre Ehre und ihre Tugend, um die Welt vor den Gefahren einer alchemistischen Maschine und einer teuflischen Verschwörung zu retten. Gordon Dahlquist ist mit seinem Debüt ein veritabler viktorianischer Spannungsroman gelungen! Er begeistert durch seine unerschöpfliche Imaginationskraft, durch überragende Originalität und durch das Spiel mit bekannten Motiven aus der Literatur, wie dem englischen Schauerroman, „Sherlock Holmes“ und „Alice im Wunderland“. Lustvoll zitiert er Autoren wie H.G. Wells oder Filme wie „Eyes Wide Shut“ – und entzieht sich dabei selbst augenzwinkernd jeder Zuordnung. Das mysteriöseste, schauerlichste, verrückteste und faszinierendste Buch-Ereignis des Jahres!

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Hübsch, aber kaum innere Werte“59

Science-Fiction-Rezension von Verena Wolf

Die „;Glasbücher der Traumfresser“ fallen in jeder Buchhandlung sofort ins Auge: liebevoll ist jedes einzelne der zehn Bändchen gestaltet, die zusammen wie Fortsetzungshefte die Geschichte erzählen. Ganz viktorianisch sind die Bände im wunderschönen Petrolblau gehalten, die Schrift und der Klappentext, sogar das Foto des Autors Gordon Dahlquist werden stimmig viktorianisch hinreißend altmodisch in Szene gesetzt. Es macht Spaß, die Büchlein in die Hand zu nehmen und zu bewundern. Optimal mit ihren jeweils rund 100 Seiten passen die Bände handlich in jede Tasche, so kann man sie immer dabei haben: praktisch. In den Kritiken stand, dass es eine fantasievolle Mischung zwischen Gothic Novel, Actionroman, Thriller und Romance sei. Der Autor Dahlquist ist Bühnenautor und Theaterregisseur, schrieb vor diesem Debüt Drehbücher und der Titel „;Die Glasbücher der Traumfresser“ gefiel mir auch. Kurz gesagt: Ich war neugierig.

Der erste Band verspricht einiges

Die erste Geschichte „;Miss Temple“ beginnt flott, ein wenig skurril und fesselt. In einer viktorianischen Zeit, die aber nicht so ganz der britischen berühmten Epoche entspricht, lernen wir Miss Temple kennen. (Ihren Vornamen Celeste bekommt man erst – ganz viktorianisch – viel, viel später heraus.) Miss Temple hat ein Problem: Sie war zu ihrer vollsten Zufriedenheit mit Roger Bascombe, dem Assistenten des stellvertretenden Außenministers verlobt. Aber völlig unerwartet lässt er Celeste fallen und verletzt und misstrauisch, ob da vielleicht eine Neue im Spiel ist, spioniert sie ihm nach. Sie folgt ihm in einen Zug und findet heraus, dass alle Insassen auf dem Weg zu einem Maskenball in einem feudalen Herrenhaus sind, zu dem jeder mit Rang, adligen Namen oder wirtschaftlichen Erfolg geladen ist. Es gelingt Miss Temple, sich verkleidet unters Volk zu mischen. Sie verliert ihren Ex-Verlobten aus den Augen, stolpert dafür über eine Leiche und gerät durch Zufall in eine Art Operationssaal, in dem eine unheimliche Vorführung stattfindet. Einer äußerst leicht bekleideten Dame wird eine seltsame Gummibrille, die mit einer blau leuchtenden Kiste verdrahtet ist, aufgesetzt. Celeste wird fassungslos Zeuge einer Gedächtnislöschung oder Gehirnwäsche! Aber dann wird sie entdeckt und findet sich in einer Kutsche wieder, zusammen mit einem Finsterling, der sie weit weg von allem zum Schweigen bringen soll. Als er versucht sich zu vergewaltigen, tötet sie ihn in Notwehr und flieht blutüberströmt zurück in die Stadt.

Es gibt noch zwei weitere Hauptfiguren: Da ist zum einen der Auftragskiller „;Kardinal Chang“, der seinem Namen seinen roten Mantel und einer quer über das Gesicht verlaufenden Narbe verdankt, die ihm wörtlich Schlitzaugen verliehen hat. Der dritte im Bunde ist der Leibarzt des amtierenden Prinzen Karl-Horst: Dr. Svenson. Zusammen wollen die drei das Geheimnis um die Vorgänge im Haus lüften. Sie kommen einer Verschwörung auf die Spur: Die seltsame Brille ist ein alchemistisches Instrument. Mit ihr kann man die Erinnerungen und Energie von Menschen absaugen und sie in speziellen Tafeln und Bücher aufbewahren. Diese sind aus einer bläulichen durchsichtigen Substanz, die nach Lehm riecht, aber zerbrechlich ist. Richtig geraten: das sind die Glasbücher. Die manipulierten Menschen werden zu Marionetten, die ohne Moralvorstellungen blind den Befehlen der „;Traumfresser“ gehorchen. Natürlich steht dementsprechend die Welt auf dem Spiel, hier ausgerechnet in der Form von Mecklenburg. Nun denn.

Der Zauber verfliegt schnell

Das Problem der „;Glasbücher der Traumfresser“ ist, die wunderbare Stimmung beim Einstieg hält nicht vor. Jeder der Bände ist aus dem Blickwinkel einer der drei Hauptpersonen geschrieben. Die Bändchen, die von Celeste handeln sind unterhaltsam, obwohl auch hier Band 1 „;Miss Temple“ mit Abstand das Beste ist. Darum, alle die in den ersten Band rein gelesen haben und jetzt schon empörte Protestmails verfassen wollen, erst mal viktorianischen Tee trinken und abwarten. Denn beim Lesen der Folgebändchen, besonders der über Dr. Svenson, erfasst einen allmählich Müdigkeit. Es passiert viel, keine Frage: ständig rennen die Hauptfiguren blutverschmiert durch die Gegend, betrachten sich selbst erotisiert in Seidenwäsche, jagen neuen Hinweisen auf die Glasbücher nach, finden Tote oder Glasbüchermanipulierte: aber der Funke springt nicht über. Oder besser, der Funke, der im ersten Bändchen da war, glimmt nur noch und geht irgendwann spätestens zwischen Bändchen vier und fünf vollkommen aus.

Je weiter man liest, desto größer die Monotonie

Der Autor greift immer wieder – wohl als Mittel zur Spannung – zu wilden Verfolgungsjagden, durch Hausflure, Zimmer, Straßen, Kutschen, vollkommen egal. Ständig sind unsere Helden auf der Flucht, verstecken sich, müssen dann doch kämpfen, was sie immer ohne einen Kratzer überstehen und weiter eilen. Das wiederholt sich ständig. Auch die logischen Fehler stören, durch die man sich nicht einmal die x-te Verfolgungsjagd und Rangelei wirklich vorstellen kann. Es bleibt blutleer. Die Idee der abgespeicherten Erinnerungen ist spätestens seit „;Strange Days“ und sogar „;Harry Potter“ längst nichts Neues. Es bleibt händeringend leider nichts, was Herz oder Kopf wirklich vorm Einschlafen bewahrt.

Die Idee, die Geschichte in einem fantastischen viktorianischen Zeitalter spielen zu lassen, ist charmant und bietet viele Möglichkeiten. Und ja, Dahlquist mixt wild die Genres, aber das hilft auch nicht mehr. Man kommt sich vor wie in einem schlechten Bühnenstück, bei denen halbhohe Schauspieler in nicht sitzenden Kostümen vor schlampig angemalten Requisiten hin und her laufen. Innerlich schielt man ständig auf die Uhr und hofft, dass bald der Gong zur Pause ertönt. Nur der kommt beim Lesen nicht. Da äußerte sich Langeweile anders: Auf einmal wollte ich die hübschen Bändchen gar nicht mehr mitnehmen und lesen, denn unaufgeschlagen, dekorativ leicht verstaubt auf dem Nachttisch machten sie sich so viel besser. Ich blieb tapfer, aber das Schönste an den „;die Glasbücher der Traumfresser“ war, als ich Band 10 „;Das Vermächtnis“ durch hatte und mich zufrieden zurücklehnen und denken durfte: „;Endlich geschafft“.

Ihre Meinung zu »Gordon Dahlquist: Die Glasbücher der Traumfresser«

Rita zu »Gordon Dahlquist: Die Glasbücher der Traumfresser«23.05.2014
Eine Kritik für diese Art von Erzählung zu schreiben ist glaube ich schwer, es gefällt einem entweder oder nicht. Der Inhalt ist zum Schluss sicherlich manchmal etwas fragwürdig, denn irgendwann,hat man kapiert, dass die Hauptdarsteller aus jeder noch so kritischen, gefährlichen Situation frei kommen, was die Spannung ein wenig nimmt. wobei es nach dem vierten mal das Gefühl weckte: 'war doch klar', nach dem achten mal musste ich dann schon schmunzeln, was sich der Autor wieder hat einfallen lassen. Es ist sicherlich keine allzu anspruchsvolle Literatur, aber unterhaltsam und die alertümliche Ausdrucksweise fand ich sehr interessant und eine tolle Abwechslung zu modernen
Büchern. Auch wenn diese erstmal sehr Gewöhnungsbedürftig ist.
Gwedair zu »Gordon Dahlquist: Die Glasbücher der Traumfresser«01.09.2011
Im Gegensatz zu einigen Leuten die vor mir Kritiken zu "Die Glasbücher der Traumfresser" verfasst haben, empfand ich das Buch geradezu als erfrischend. Da ich sonst eher in der Fantasywelt mit Zwergen, Elfen und Drachen unterwegs war und mir aus Interesse das Buch gekauft habe war es für mich etwas komplett anderes. Doch gefiel mir der Roman nicht nur weil ich einfach ein gewissermaßen anderes Genre gewöhnt bin sondern einfach deshalb, weil die Charaktere liebenswürdig gestaltet sind und mir die Idee der Geschichte mit den Glasbüchern sehr gut gefallen hat. Am liebsten war ich in Form des Auftragsmörders Chang unterwegs, da er meiner Meinung nach die Interessanteste der drei Hauptpersonen darstellt. Auch Miss Temples denkweisen und Reaktionen sind zumeist erheiternd und erfrischend. Kurz zusammengefasst: Ich mochte das Buch sehr. Was mich allerdings teilweise gestört hat war, dass die einzelnen Charaktergeschichten in jedem "Einzelbuch" nochmal komplett erzählt bekommt und sich so das Erzählte teilweise überschneidet (so zum Beispiel Miss Temples rettung durch Mr. Svenson und dem Brand).
Da dies wohl dadurch verursacht wird, dass das Buch ursprünglich in mehrere einzelne Heftchen unterteilt ist, war dies für mich zu verkraften. Alles in allem hat mir "Die Glasbücher der Traumfresser" gefallen und ich würde es auch weiterempfehlen.
Lina Meier zu »Gordon Dahlquist: Die Glasbücher der Traumfresser«07.05.2010
Ich stimme Herrn Machmeier vollauf zu, wenn er sagt, dass der Stil des Buches ermüdend ist.
Die letzten hundert Seiten habe ich ohne Bedauern überflogen, weil ich nach so langem Lesen endlich das Ende erfahren wollte.
Weiterhin möchte ich anmerken, dass ich vieles ein wenig unrealistisch fand; man kann seine Protagonisten nicht von einer lebensgefährlichen Situation schreiben, ohne das auch nur etwas Negatives geschieht.
Und ich will ja nicht prüde klingen, denn das bin ich ganz und gar nicht, aber man sollte das Buch nicht an Kinder verkaufen, denn ich finde, dass Zitat des NEONs "ein sexuell aufgeladenes Alice im Wunderland" beschreibt das Buch sehr gut.

Man kann es lesen, aber ich bin mir ziemlich sicher "Das Dunkelbuch" werde ich mir nicht mehr kaufen.
Philipp Machmeier zu »Gordon Dahlquist: Die Glasbücher der Traumfresser«06.05.2010
So, oder so ähnlich kann ich diese Kritik unterschreiben.
Mir wurden schon beim ersten Band die Zweifel laut. Die Geschichte zieht zwar in einen schaulustigen Bann, doch ist der Stil so ermüdend...
Vor lauter geschwollenem Detailieren und blumiger Sachlichkeit - neben haufenweisen Einschüben und Schachtelsätzen (mit Anmerkungen in Klammern) - verliere ich den Inhalt aus den Augen.
Würde man eine Buchseite nehmen und den Namen des Protagonisten anstreichen, könnte man feststellen, daß Dahlquist in 70% der Sätze darauf zurückgreifen muß, als wisse er nicht wie man Sätze baut: "Miss Temple tat dies und Miss Temple tat das, sie dachte nun, dann ging sie, sie schaute, Miss Temple fühlte, ..." ebenso "Chang, Chang, Chang, Chang...".
Leider halte ich den dritten Band nicht durch und breche ohne Bedauern ab.
Es sieht hübsch aus - wie schon erwähnt. Bleibt nur noch die zwar eigenwillige, jedoch nicht weniger professionelle Bewerbung und Vermarktung zu loben.
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