Planet der Verräter von Greg Bear

Buchvorstellung

Planet der Verräter von Greg Bear

Originalausgabe erschienen 2003unter dem Titel „Rogue Planet“,deutsche Ausgabe erstmals 2003, 351 Seiten.ISBN 3-442-35886-8.Übersetzung ins Deutsche von Ralf Schmitz.

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In Kürze:

Pures Adrenalin für die Fans von Star Wars: eine unvergessliche Reise in das Herz eines Jungen, der über das Schicksal von Milliarden Menschen entscheiden wird! „;Star Wars ist kein Film – es ist Kult, Religion und Abenteuerspielplatz zugleich – es ist eine eigene Kultur!“; Cinema Drei Jahre sind vergangen, seit Anakin Skywalker der Schüler Obi-Wan Kenobis wurde. Seine Ausbildung zum Jedi macht große Fortschritte. Da werden die beiden mit einer Mission betraut, die sie zum Planeten Zonama Sekot führt – eine Welt voller Rätsel und tödlicher Verlockungen. Schon bald droht die Erforschung der Geheimnisse das Band zwischen Obi-Wan und Anakin zu zerreißen und konfrontiert den jungen Schüler mit seinen tiefsten Ängsten – und seinem finsteren Schicksal…

Ihre Meinung zu »Greg Bear: Planet der Verräter«

Stefan83 zu »Greg Bear: Planet der Verräter«12.10.2010
Eine gute Werbung kann manchmal das A und O für einen Roman sein, eine schlechte allerdings auch dafür sorgen, dass sich Erwartungen einstellen, die sich dann am Ende gar nicht erfüllen können. So passiert bei Greg Bears erstem Star Wars Roman „Planet der Verräter“. Von den verantwortlichen Machern beim Verlag Del Rey als Brückenschlag zwischen Episode I und II angepriesen, wird das Buch seiner Rolle in keinster Weise gerecht. Weder gibt es größere Entwicklungen der Charaktere, noch können die galaxisweiten Ereignisse zwischen der Blockade von Naboo und dem Beginn der Klonkriege ausreichend abgedeckt bzw. abgebildet werden. Stattdessen überrascht Bear den Leser mit einer sehr spezifischen Handlung, welche in erster Linie als inhaltliche Vorgeschichte für die fast 55 Jahre später spielende Reihe „Das Erbe der Jedi-Ritter“ dient und Näheres über die Hintergründe des mysteriösen Verschwindens von Zonama Sekot und der Jedi Vergere verrät. Wer also gerade im Begriff ist sich dem Finale dieser Serie bzw. den letzten vier Bänden zu nähern, sollte gleich nochmal „Planet der Verräter“ zur Hand nehmen, da nach der Lektüre einige der Hintergründe in einem völlig anderen Licht erscheinen werden. Alle anderen erwartet ein Star Wars Buch, das leider nur streckenweise den alten Charme der Saga versprüht und mit mehr Längen als Spannungsmomenten aufwartet. Zur Geschichte:

Seit der Blockade von Naboo und dem darauf folgenden Tod Qui-Gon Jinns durch die Hände des Sith-Lords Darth Maul sind knapp drei Jahre vergangen. Obi-Wan Kenobi hat sein Versprechen gehalten. Anakin Skywalker ist nun der Padawan des jungen Jedi-Ritters. Ein Schüler, auf den der gesamte Jedi-Orden große Hoffnungen setzt, der aber immer wieder die Anweisungen seines Meisters missachtet und sich selbst in Schwierigkeiten bringt. Anstatt im Tempel auf Coruscant zu meditieren, bastelt er lieber an Droiden. Illegale Rennveranstaltungen sucht er öfters auf als die mit Wissen gefüllten Jedi-Archive. Allmählich sieht sich der Rat der Jedi gezwungen dem Treiben Einhalt zu gebieten. Anakin wird zur Rede gestellt, eine Bestrafung vorbereitet. Doch bevor es dazu kommen kann, interveniert die Jedi-Heilerin Thracia Cho Leem. Bekannt für ihren guten Draht zu den jungen Schülern des Tempels, schlägt sie vor Obi-Wan und Anakin auf eine Mission zu entsenden. Gemeinsam sollen sie das Verschwinden ihrer ehemaligen Padawan Vergere untersuchen, welche für den Kauf eines exklusiven, lebendigen (!) Raumschiffes auf den mysteriösen Planeten Zonama Sekot geschickt wurde und sich bereits seit längerer Zeit nicht gemeldet hat.

Während sich Obi-Wan und Anakin an Bord der „Star Sea Flower“ auf den langen Weg in den Tingel Arm der Galaxis machen, kommt es an anderer Stelle zu einem Treffen von Commander Tarkin und dessen alten Freund, dem Schiffsbauer Raith Sienar. Tarkin, der bereits bei den Ereignissen um die Korruptionsvorwürfe gegen den vorigen Kanzler Valorum seine Hände im Spiel hatte (nachzulesen in „Star Wars: Cloak of Deception“), berichtet von seinen ambitionierten Plänen, im Verlauf der nächsten Jahre zu großem Reichtum und Macht zu kommen. Sienar soll davon profitieren, sofern er Tarkins Befehlen gehorcht. Unter Druck gesetzt entscheidet sich der Inhaber von Santhe/Sienar Techologies zur Zusammenarbeit. Die Zukunft wird von Kanzler Palpatines Willen beeinflusst werden. Und Tarkins Beziehungen sind zu gut, um dessen hingehaltene Hand abzuweisen. Zusammen mit einem zwielichtigen Attaché und einer zusammengewürfelten Flotte, welche man der Handelsföderation abgenommen hat, fliegt Sienar ebenfalls nach Zonama Sekot, um seinerseits ein Schiff in Besitz zu bringen und es dann auf die Geheimnisse seiner Herstellung überprüfen zu können. Als beide, die zwei Jedi wie Sienar, über dem Planeten eintreffen, müssen sie feststellen, dass jemand ihnen zuvor gekommen ist. Auf mehreren Kontinenten zeigen sich Spuren des Kampfes. Und auch das seltsame Verhalten der auf Zonama Sekot lebenden Ferroaner lässt darauf schließen, dass der Planet kurz zuvor „ungebetenen Besuch“ bekommen hat …

Was hier in einer schnellen Zusammenfassung durchaus spannend und gefällig klingt, braucht auf dem Papier dann leider ziemlich und letztlich zu lange, um in Fahrt zu kommen. „Planet der Verräter“ präsentiert sich dem Leser weniger als Unterhaltungsroman, denn vielmehr als Informationsquelle, welche besonders Anhängern des Erweiterten Universums neue Einblicke in die Geschichte der Alten Republik gewährt. Greg Bear wirft einen Blick in die Zeit kurz nach der Blockade von Naboo und berichtet von der ersten Mission des Meister-Padawan-Gespanns Anakin und Obi-Wan, die sich noch vor den Geschichten aus Jude Watson „Jedi-Quest“-Reihe zugetragen hat. Und dies ist dann auch einer der großen Pluspunkte dieses Romans, denn „Planet der Verräter“ bietet die rare Gelegenheit, den jungen Jedi-Schüler Anakin Skywalker außerhalb der sehr kindlich konzipierten Jugendbuchreihe zu erleben. Während es Watson in ihren Büchern bis auf wenige Ausnahmen nicht gelingt, die turbulenten Zeiten zwischen Episode I und II auch nur annähernd authentisch zum Leben zu erwecken, deutet Bear an, wie qualitativ hochwertig, umfangreich und glaubhaft eine Gruppe talentierter Schreiber diese Epoche hätte füllen können.

Wer jedoch deshalb nun einen Roman wie „Schatten des Imperiums“, „Labyrinth des Bösen“ oder „Cloak of Deception“ erwartet, muss zwangsläufig enttäuscht werden, denn der Ausflug an den Rand der Galaxis, bietet Bear zu viele Möglichkeiten um vom üblichen Schemata der Star Wars Bücher abzuweichen. Lebendige Raumschiffe, intelligente Planeten, denkende Bäume. Das lässt sich mit den üblichen Vorstellungen von Star Wars nur schwer in Einklang bringen und kompliziert Bears Versuch, die schwierige Beziehung zwischen Meister Kenobi und Padawan Skywalker beschreiben zu wollen. Auf die Probe gestellt, wie im Klappentext prophezeit, wird diese keinesfalls. Dafür gewährt der Autor jedoch Einsichten in die Probleme Obi-Wans, der es schlicht und ergreifend nicht schafft mit Anakin fertig zu werden und trotz einem ähnlichen Verhalten in der eigenen Jugend, keinen Zugang zu seinem Padawan findet. Auch Qui-Gon Jinns Tod ist nicht überwunden, was man auch daran erkennt, dass Obi-Wan immer noch dessen Lichtschwert am Gürtel trägt. Die Rolle seines alten Meisters, der Ruhepol für den ungestümen und unkonventionellen Padawan, ist ihm schlicht und ergreifend zu groß, die Verantwortung auf den Schultern zu schwer.

Bear greift also dieselbe Thematik auf wie Watson, kann diese jedoch mit wesentlich wissenswerteren Details unterfüttern. Das zeigt sich auch im Falle des Handlungsstrangs um Raith Sienar, den späteren Entwickler des TIE-Fighters, dessen Vita hier mit der Vorgeschichte des Todessterns verknüpft wird. Drei Jahre nach Naboo ist diese ultimative Waffe noch ein sehr vager, aber schon gut durchdachter Plan, den sich Wilhuff Tarkin, der spätere Grand Moff, Gouverneur und Herr über den Todesstern, zu Nutzen machen will. Er feiert, wie auch Sienar, in „Planet der Verräter“ sein Romandebüt. Ein Debüt, das der Autor gekonnt in Szene gesetzt hat, da bereits hier schon angedeutet wird, welchen Verlauf die Karrieren der zur ehrenwerten Oberschicht der Alten Republik gehörigen Männer in nicht allzu ferner Zukunft nehmen werden. So hat Commander Tarkin bereits mehrere Stufen im Machtzentrum erklommen und im Auftrag des Senats die ehemaligen Streitkräfte der Handelsföderation übernommen. Diese sollen nun in die Sicherheitskräfte der Republik integriert werden. Eine Republik, die in einer von Tarkin ersehnten „Neuen Ordnung“ von Menschen kontrolliert werden wird. Es sind düstere Vorzeichen, die zwischen den Zeilen durchschimmern und uns auch das Treffen von Anakin und Tarkin aus einem völlig anderen Blickwinkel betrachten lassen. Wer genauer hinschaut, stolpert immer wieder über diese zarten Wurzeln des späteren Imperiums.

Hätte Bear sich noch intensiver mit diesem Handlungsstrang beschäftigt, „Planet der Verräter“ wäre um einiges lesenswerter geworden. Stattdessen zerren langatmige, philosophische Passagen über das „Potenzium“, Saatkugeln und den Bau lebendiger Raumschiffe den Plot auf eine inhaltlich nicht genauso abgebildete Breite und verhindern die Entwicklung jeglicher Spannung. So wichtig das letztlich für die Ereignisse in der „Das Erbe der Jedi-Ritter“-Reihe ist: Weniger wäre hier mehr gewesen und hätte auf dem Gelegenheitsleser eher Grund gegeben, sich für den Kauf zu entscheiden.

Insgesamt ist „Planet der Verräter“ ein informatives Buch aus der Prequel-Ära, das der EU-Enthusiast allein aufgrund der Verbindung zu späteren Ereignissen auf jeden Fall im Schrank stehen haben sollte, alle anderen SW-Fans aber getrost meiden können. Literarisch durchschnittliche Kost, die leider nicht lange im Gedächtnis haften bleibt.
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