Die Fürsten des Nordens von Guy Gavriel Kay

Buchvorstellungund Rezension

Die Fürsten des Nordens von Guy Gavriel Kay

Originalausgabe erschienen 2004unter dem Titel „The Last Light of the Sun“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 560 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Irene Holicki.

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In Kürze:

Mordend und plündernd ziehen die Erlinger über die Meere. Kein Hafen, keine Siedlung sind vor den dunklen Kriegern sicher. Wo immer ihre Drachenboote auftauchen, verbreiten sie Feuer und Tod. Bis König Aeldred die Dämonen in seiner Seele bezwingt und ein Heer gegen die grausamen Beutejäger aufstellt. Doch bevor es zum entscheidenden Zweikampf kommt, gerät sein Sohn in die Tiefen des Geisterwalds, wo schauerliche Geschöpfe der Zwischenwelt auf ihre Opfer lauern …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die Magie der Geschichte“94

Fantasy-Rezension von Frank A. Dudley

Geschichte wird dann für uns greifbar, wenn sie die Schicksale einzelner beschreibt, die vom Tidenhub verbürgter historischer Ereignisse hin- und her geworfen werden. Und historische Fantasy funktioniert ausschließlich dann, wenn sie hervorragend recherchiert ist und ihre phantastischen Elemente nur dazu einsetzt, den Verlauf geschichtlicher Begebenheiten mit den klaren Akzenten zu versehen, die für eine Romanhandlung notwendig sind. Guy Gavriel Kay gelingt mit „Die Fürsten des Nordens“ beides.

Hauptakteure und Handlung des einzigen Buches, das von Kay derzeit auf Deutsch erhältlich ist, sind der Zeit Alfreds des Großen entlehnt. Dieser lebte in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts und gilt als erster Vereiniger Englands, er stoppte die Wikingerüberfälle, trieb die Christianisierung voran, war hochgebildet und errichtete ein System von Festungen an der Küste. Obwohl nicht heilig gesprochen, wurde Alfred nach seinem Tod als Heiliger verehrt, seine Figur bewegt sich also zwischen Mythos und Realität. Das benutzt Kay als Sprungbrett für eine phantastisch-historische Geschichte, die kein richtig oder falsch kennt, nur unterschiedliche Standpunkte.

Der kanadische Autor entwirft ein faszinierendes Mosaik einer Zeit im Umbruch, sein Alfred heißt „Aeldred“ und er ist König der „Anglcyn“, klar erkennbar als Angelsachsen. Die „Cyngael“ (Kelten bzw. Waliser) schicken Prinz Alun, während Thorkell Einarson und Bern Thorkellson für die „Erlinger“ (Wikinger) in die Zeitläufte eingreifen. In einem epischen Angang bevölkern Krieger, Könige, Kuhdiebe und Hexen die dramatis personae, deren Schicksale auf einem englischen Schlachtfeld zusammenlaufen. Ihre Leben finden im Exil statt, sie kämpfen als Frauen um Anerkennung in einer Männerwelt, sie wollen an den neuen Sonnengott glauben, aber die alten Götter sind noch immer aktiv.

Die Handlung ist schnell umrissen: Während Aeldred mitten in seinen Bemühungen um die Einheit Anglcyns steckt und die Cyngael einbinden will, setzt eine Bande von Erlingern zu einem Rache-Feldzug. Angetrieben vom einzig wirklich bösen Darsteller, arbeitet sich der Nordmann-Söldnertrupp tief ins Landesinnere vor. Doch sie rechnen nicht mit der Schnelligkeit und Organisation ihrer vermeintlichen Opfer, die zudem noch Unterstützung aus dem Feenreich erhalten. Schließlich kulminiert die Geschichte in einem Duell Mann gegen Mann, dass die Eindringlinge zwar gewinnen, doch den Krieg haben sie verloren. Ihre große Zeit ist vorbei.

Märchenhafte Melancholie und sprachliche Effizienz

Geschichten über Wikinger und historische Romane über das frühe Mittelalter gibt es viele, „Die Fürsten des Nordens“ würde auch ohne die sanfte Magie der keltischen Feenwelt ein hervorragend recherchiertes und glänzend aufbereitetes Buch sein. Doch Kay enthält sich jeder Wertung, er beschreibt vielmehr, was seine Protagonisten antreibt und in welchen Welten sie leben. Er folgt ihren Lebensläufen durch Krieg, Sturm, Kälte, Gicht, er zeigt, wie vergangene Ereignisse und allgegenwärtige Stammesrivalitäten ihre Schicksale bestimmen.

Doch was diesen Roman zu einem Stück wunderschöner Prosa macht, ist die Art und Weise, wie Kay die Welt der Feen und ihre Magie an die Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft setzt. Genauso wie die Vorherrschaft der Erlinger/Wikinger über Europa schwindet, so verblasst das zaubrische Reich und verklingen die Hörner der Wilden Jagd mit dem Erstarken des neuen Glaubens. Mit derart märchenhafter Melancholie erzählt Kay von den letzten Begegnungen zwischen Menschen und Feenwesen, dass man an ihre wundersame Existenz glauben will, nur damit die Geschichte weitergeht.

„Die Fürsten des Nordens“ ist ein Buch von epischem Inhalt, jedoch ausgesprochener Ökonomie. Auf weniger als 600 Seiten erzählt der zurückhaltende Kanadier seine Geschichte mit wirklich sprachlicher Effizienz, nichts bleibt liegen oder unaufgelöst, die mehrsträngige Handlung ist dennoch kompakt und die Charaktertiefe der Hauptfiguren weist über den Handlungsrahmen hinaus. Autoren wie Guy Gavriel Kay ändern das Image von Fantasy.

Ihre Meinung zu »Guy Gavriel Kay: Die Fürsten des Nordens«

Kitty zu »Guy Gavriel Kay: Die Fürsten des Nordens«17.07.2010
Ein absolut geniales Buch! Total anders als alles andere was ich je gelesen habe. Anfangs fragt man sich noch, ob es rentiert weiterzulesen, denn irgendwie ist die Geschichte zwar interessant, aber noch nicht fesselnd genug. Doch weiterlesen bringt es allemal!

Der Autor versteht es, verschiedenste Charaktere vorzustellen, von der Tochter eines berühmten Mannes, die sich nichts mehr wünscht, als dass Frauen mehr Wert haben, über einen Prinzen, der seinen Bruder verloren hat und zu einem alten Wesen, einer Fee, eine engere Verbindung eingeht, einen Priester, der sich dem neuen Gott verschworen hat aber immer noch an die alten Götter und Wesen glaubt und so mit sich selbst nicht im Reinen ist, einen verschmähten Enkel einer Legende, der einfach nur abartig ist und nur töten will, bis hin zu der Tochter eines Königs, die Visionen hat, die sie sich nicht erklären kann und sich so als ketzerische Hexe fühlt.

Man fühlt mit den Charakteren mit, die Geschichte nimmt seinen Lauf, alles kommt zusammen, nichts bleibt ungeklärt am Schluss.

Wirklich empfehlenswert!!!!
Stefan lackner zu »Guy Gavriel Kay: Die Fürsten des Nordens«30.04.2008
ich muss kritik an diesem artikel üben, da über das volk der wikinger überhaupt nicht gut recherchiert wurde.

Denn die blutrünstigen stereotypen, die darin vorkommen, sind einfach lächerlich.
Zwar waren die wikinger piraten und räuber, doch auch friedliebend.
dies wird in diesem ansonsten gutem werk einfach zu wenig beachtet.
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