Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath von H. P. Lovecraft

Buchvorstellungund Rezension

Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath von H. P. Lovecraft

deutsche Ausgabe erstmals 1995, 124 Seiten.ISBN 3518392581.Übersetzung ins Deutsche von Michael Walter.

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In Kürze:

'Krank vor Sehnsucht nach diesen im Sonnenuntergang glitzernden Straßen und den kryptischen Hügelgassen zwischen alten Ziegeldächern, beschloß Carter, dorthin zu gehen, wo noch kein Mensch zuvor gewesen war, dorthin, wo der unbekannte Kadath, wolkenverhüllt und von ungeahnten Sternen gekrönt, das Onyxschloß der Großen geheim und nocturn bewacht.

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Langweiliger Traumflug in die Hölle“;20

Fantasy-Rezension von Michael Matzer

Neben reinen Horrorgeschichten schrieb H.P. Lovecraft in den 1920er Jahren auch einige Fantasy-Erzählungen. Diese schildern Welten, deren Tore man nur im Traum durchschreiten kann. Träume waren für HPL seit seinem sechsten Lebensjahr immer sehr wichtig, als er begann, von schrecklichen Monstern, den „;night gaunts“;, zu träumen.

Als Beispiele für diese Traumphantasien, die in der Art von Lord Dunsany, Irland, verfasst sind, seien „;Das Verderben, das über Sarnath kam“;, „;Das merkwürdige hochgelegene Haus im Nebel“;, „;Die Katzen von Ulthar“; sowie „;Celephais“; genannt. Des weiteren gehören dazu die um den Helden Randolph Carter, ein Alter Ego HPLs, gruppierten Geschichten „;Der Silberschlüssel“; , „;Durch die Tore des Silberschlüssels“; (zusammen mit E. Hoffman Price).

Der Kurzroman „;Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath“; wurde in dieser Periode zwischen 1926 und 1927 niedergeschrieben, aber erst 1943 posthum veröffentlicht. Dem Romanmanuskript fehlt eindeutig eine letzte Ausarbeitung. Diese unterließ HPL, weil sein Manuskript von einem Herausgeber (Farnsworth Wright) abgelehnt worden war. Bestimmend ist in der Geschichte die Figur des Randolph Carter, eines Alter Egos des Autors, der mit den großen Alten unangenehme Bekanntschaft macht.

Flug auf dem Rücken eines pferdeköpfigen Riesenvogels

Der Roman handelt von den traumartigen Erlebnissen des Randolph Carter, der autobiographische Züge (s.o.) aufweist. Auf der Suche nach der zauberhaften Stadt seiner Sehnsucht gelangt er in eine Unterwelt, die dem griechischen Totenreich Hades ähnelt. Dies ist Lovecrafts pittoreske Darstellung einer Hölle: eine Traumwelt, bevölkert mit seltsamen Erscheinungen und Fabelwesen wie den riesenhaften Shantak-Vögeln, den scheuen, aber freundlichen Zoogs, riesigen Ungeheuern wie Gugs und Ghasts sowie einer Schar von Ghoulen. Unter diesen befindet sich der bekannte Bostoner Maler Richard Upton Pickman, den Carter von früher kennt (vgl. „;Pickmans Modell“;).

Nach zahlreichen Abenteuern begegnet Carter in der aus Onyx erbauten Burg auf dem Gipfel des „;unbekannten Kadath“; dem dämonischen Nyarlathotep, genannt das „;kriechende Chaos“; und einer der mächtigsten und gerissensten „;Großen Alten“;.

Anstatt ihm den Weg zu der gesuchten Traumstadt zu weisen, verleitet der Dämon Carter dazu, einen kosmischen Flug auf dem Rücken eines monströsen, pferdeköpfigen Shantak-Vogels zu unternehmen. Der soll ihn zu dem chaotischen Abgrund bringen, wo der formlose Erzdämon Azathoth herrscht, dessen Namen man nicht laut aussprechen darf.

Carter ahnt die Gefahr, die ihm von Azathoth droht, und es gelingt ihm, noch rechtzeitig von dem Shantak abzuspringen. Nach endlosem, schwindelerrengendem Fall durch kosmische Räume findet Carter sich schließlich in seiner Heimatstadt Boston wieder. Er ist zum Ausgangspunkt seiner geträumten Odyssee zurückgekehrt.

Eine Aneinanderreihung von bizarren Einfällen

„;Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath“; ist sehr umstritten, was die Beurteilung anbelangt. Liebhaber der heroischen Fantasy wie Lyon Sprague de Camp und der HPL-Verehrer Lin Carter äußerten sich lobend darüber. Andere hingegen wie der HPL-Herausgeber und -„;Kollaborateur“; August Derleth meinten, dass es ein wenig gelungenes Werk sei. Dem kann ich nur zustimmen.

Es ist eine Aneinanderreihung von bizarren Einfällen, enthält zuweilen farbig geschilderte Episoden und reiche Symbolik, aber das Ganze enthält keine Klammer und baut keine innere Spannung auf. Wenn man wollte, könnte man die Geschichte für psychoanalytische Studien als Steinbruch benutzen, aber das liegt dem normalen Fantasyleser fern. Dem HPL-Freund fallen sicher zahlreiche Querverweise zu anderen HPL-Fantasies auf (s.o.), aber auch zum Cthulhu-Mythos, den HPL mit einer Schar eingeschworener Brieffreunde ausbaute.

Heutigen Lesern mit durchschnittlichen Ansprüchen an Fantasy und Horror werden jedoch die langen Beschreibungen und zahllosen ereignislosen Passagen langweilen. Und zumindest mir ging es so, dass ich die Lektüre kaum schaffte, ohne zuletzt völlig genervt zu sein.

Der Sprache fehlt eine Überarbeitung

Dem Kurzroman fehlt eindeutig eine Überarbeitung, also Straffung, und eine letzte Ausfeilung, insbesondere in sprachlicher Hinsicht. Hier frönt HPL noch seinem alten „;Laster“;, massenhaft beschwörende Adjektive aufzustapeln, sie mit „;unheiligen“; Verben und Substantiven zu verkuppeln, bis man kaum noch weiß, welche Struktur der Satz aufweist. Dieses Buch eignet sich nicht einmal für das Parodieren, weil es offensichtlich a) zu lang ist, b) völlig unbekümmert drauflosfantasiert und c) ihm daher eine wie auch immer geartete künstlerische Absicht nur schwer zu unterstellen ist. Eine Parodie jedoch ist eine Entgegnung auf eine solche Absicht. Man kann jedoch die sprachlichen Manierismen HPLs ohne weiteres durch den Kakao ziehen, wie Esther Friesner und andere Autoren gezeigt haben (in „;Spur der Schatten“;, hrsgg. Von Jim Turner).

Wer wirklich gute Stories von HPL lesen will, sollte zu jenen greifen, die nach „;Kadath“; erschienen, denn „;Kadath“; stellt den Höhe- und Endpunkt dieser Dunsany-Phase dar. Zu empfehlen sind „;Cthulhus Ruf“;, „;Das Grauen von Dunwich“;, „;Die Farbe aus dem All“;, „;Die Berge des Wahnsinns“; und „;Der Schatten aus der Zeit“;.

Ihre Meinung zu »H. P. Lovecraft: Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath«

Frank zu »H. P. Lovecraft: Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath«22.02.2014
Zu Lovecraft muss man gar nicht mehr viel sagen... er ist halt für den Horror in etwas das, was ein Tolkien für die Fantasy ist. Auch den mögen dann wohl nicht alle, sein Vermächtnis für sein Genre bleibt aber wohl unbestritten.
Natürlich gehört der vorliegende Roman Lovecrafts nicht zu seinen besten Werken - dennoch ist er sprachlich und auch atmosphärisch vielen Genre Veröffentlichungen der heutigen Zeit meilenweit voraus. Von daher sind die hier angegebenen 20% ..... harmlos formuliert- natürlich seeeehr subjektiv und eigentlich auch völliger Blödsinn.
Wenn jemand den Horror "fühlen" will, ihn mit Bildern im Kopf entstehen lassen will... dann führt kein Weg am Urvater des Horrors vorbei. Auch nicht an diesem Roman.
85%
Zaphod Beeblebrox zu »H. P. Lovecraft: Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath«19.02.2014
Fantastische Literatur in Bestform!

H.P. Lovecraft ist ja bekannt für seine subtile und zurückhaltende Art der Beschreibung des Grauenhaften - der wahre Horror findet nicht im Buch, sondern im Kopf des Lesers statt. In Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath führt Lovecraft allerdings alles ins Feld, was er sich an absurden Ideen und eckligen Gestalten jemals erdacht zu haben scheint. Das Buch enthält die mannigfaltigste Ansammlung lovecraftscher Wesenheiten und Mythen, die ich je gelesen habe. Trotzdem bleibt es doch ein typischer Lovecraft, denn die Beschreibung der Begebenheiten innerhalb der Traumlande sind dermaßen exakt, kühl und erschreckend, wie man es eben vom Meister des Horrors gewohnt ist. Lovecraft kreiert hier eine surreale Suche nach Heimat, die bis hin zur Unendlichkeit des Kosmos führt, und streift dabei, wenn man es großzügig betrachtet, fast das Genre des Fantasy.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Beverly zu »H. P. Lovecraft: Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath«15.06.2012
"Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath" gehört zu den nicht allzu vielen Fantasy-Erzählungen, die mir zugesagt haben. Sie ist weder besonders actionreich noch gruselig und hat auch keine tiefere philosophische oder gar gesellschaftskritische Aussage. Die Geschichte lebt von den Stimmungen, die Lovecraft in ihr erzeugt, von seiner Sprache und den Bildern, die er mit ihr malt. Zudem hat sie einen zugleich überraschenden und poetischen Schluss.
Anonym zu »H. P. Lovecraft: Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath«26.01.2012
Naja, wenn man so wahllos wie in der Rezension oben mit Kritik ansetzt, können wir ja quasi gleich Werke wie Tolkiens "Der Herr der Ringe" in die Tonne kloppen. Ich meine, da finden wir ja nun jedes Grashalm bis ins genauste Detail beschrieben. Und ich denke, dass es, unabhängig von der Meinung des Verfassers der Rezension, wohl unbestreitbar ist, dass es sich bei Tolkiens Werk um ein einmaliges Meisterwerk handelt.

Und irgendwie macht doch gerade die außergewöhnliche Sprache Lovecrafts Werke zu etwas sehr Besonderem. Eben diese detaillierte und ausgeschmückte Darstellung der Geschichte schafft ein ganz besonderes Gefühl beim Lesen. Aber auf jede etwas längere Phase der Beschreibungen, die es einem ermöglichen, sich in die Situationen hineinzuversetzen und somit fast ein Teil der Erzählung zu werden, folgen auch immer wieder höchst spannende Szenen, die den Leser dadurch nur noch mehr mitreißen. Zudem schuf die Sprache auch immer genau die richtige Atmosphäre für eine Traumwelt.
Jason Zinthala zu »H. P. Lovecraft: Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath«26.12.2009
Sicher nichts für jemanden den "lange Beschreibungen langweilen" und der "die Lektüre kaum schafft, ohne zuletzt völlig genervt zu sein"
(Das Buch hat übrigens keine 120 Seiten... ).

Für mich Lovecrafts bestes Werk, gerade da es keinerlei "künstlerische Absicht" erkennen lässt und "unbekümmert drauflosfantasiert" wird.

Mit anderen Worten eine Vision, die die Frage aufwirft, wie viele Werke HPLs von der nachträglichen Anpassung an das Fassungsvermögen kleinerer Geister verstümmelt wurden.
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bianca Flier zu »H. P. Lovecraft: Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath«22.07.2009
Die "Traumsuche" ist eine virtuos geschriebene Novelle.

Dass Lovecrafts Mythos nichts für den "durchschnittlichen" Fantasy-Konsumenten ist, sollte nicht verwundern. Schließlich war Lovecraft selbst alles andere als ein '"durchschnittlicher" Autor.

Wie sagte Goethe?
"Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen"

Bianca Flier :-)
cariamecha zu »H. P. Lovecraft: Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath«15.07.2008
Dieses Werk gehört zum Besten, das Lovecraft je ersonnen hat. Es ist von seinen anderen Schriften zu differenzieren und spricht sicher nur literarisch gebildete und geübte Leser an. Der herkömmliche Fantasy-Leser sollte die von der Red. ausgegebene Meinung beherzigen. Jene aber, die mit der phantastischen Literatur und ihren postmodernen Vertretern Borges, Robert Coover, Felisberto Hernandez, Cortàzar usw. vertraut sind, finden hier ihr Elysium.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Daniel zu »H. P. Lovecraft: Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath«18.11.2006
Es mag sein, dass "Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath" (kurz: DTNDUK) nicht so ausgereift ist wie die späteren Werke Lovecrafts. Dennoch ist gerade dieses Werk mein liebstes. Selbst nach Mehrmaligem Lesen nämlich kann ich mich immer noch an der Bildgewalt dieser Geschichte erfreuen. DTNDUK birgt zahlreiche Elemente in sich, die meiner bescheidenen Meinung nach dem Glanz Tolkienscher Schöpfungen in nichts nachstehen.

Und wenn die einzelnen Episoden DTNDUKs auch in keinem besonderen Zusammenhang zu stehen scheinen, so ist dies letztlich nur sinnhaft, denn Träume (und das ist doch das Wesen dieser TRAUMsuche) entbehren doch oft jeden (offensichtlichen) Sinns. Dafür sind sie um so reicher an Symbolen, und so auch dieses Werk. Ich für meinen Teil aber überlasse es den Pychologen, diese Symbole zu deuten und damit womöglich weiteren Einblick in Lovecrafts zerrütteten Geist zu erhalten. Mir genügt es mich an ihrer schieren Pracht zu erfreuen.
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