Namenlose Kulte von H. P. Lovecraft

Buchvorstellungund Rezension

Namenlose Kulte von H. P. Lovecraft

Originalausgabe erschienen 2006, 302 Seiten.ISBN 3935822847.Übersetzung ins Deutsche von Andreas Diesel und Frank Festa.

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Inhalt:

  • Der Ruf des Cthulhu
  • Die Katzen von Ulthar
  • Pickmans Modell
  • Das Grauen von Dunwich
  • Celephais
  • Aus dem Jenseits
  • Das Weiße Schiff
  • Der Tempel
  • Jenseits der Mauer des Schlafes
  • Herbert West Reanimator
  • Die Farbe aus dem All
  • Bonusmaterial:
    • Robert H. Barlow: Erinnerungen an H. P. Lovecraft
    • Zealia Bishop: H. P. Lovecraft aus der Sicht einer Schülerin
    • Marian F. Bonner: Vermischte Eindrücke von H.P.L.
    • Mary V. Dana: Ein flüchtiger Blick auf HPL

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ausgewogene Sammlung, die auch leise Töne beinhaltet“80

Horror-Rezension von Elmar Huber

„Hier ein nächtlicher Selbstmord in London, wo ein einsamer Schläfer, nachdem er einen entsetzlichen Schrei ausstößt, aus dem Fenster springt; da ein wirrer Leserbrief an eine Zeitung in Südamerika, in dem ein religiöser Fanatiker aus seinen Visionen ein grässliches Zukunftsbild heraufbeschwört. Eine Meldung aus Kalifornien beschreibt, wie die Mitglieder einer theosophischen Gemeinde weiße Gewänder anlegen für eine “glorreiche Erfüllung„, die nie kommt, während ein Artikel aus Indien zwischen den Zeilen ernsthafte Unruhen unter den Eingeborenen gegen Ende März schildert.“
(Der Ruf des Cthulhu – Der Schrecken im Lehm)
Der Ruf des Cthulhu (The Call of Cthulhu), 1928

Winter 1926/27. George Angell, Professor für semitische Sprachen und Großonkel des Erzählers stirbt unter mysteriösen Umständen. Unter dem persönlichen Nachlass des Professors findet der Erzähler ein Kästchen mit einem sonderbaren Flachrelief, Skizzen, Notizen und Zeitungsausschnitte. Die Recherchen des Erzählers enthüllen nach und nach, dass uralte Wesen auf verschiedene Weise Einfluss auf die Menscheit nehmen. Noch in Gefangenschaft erstarken diese Geschöpfe jedoch wieder und bereiten sich auf ihre Rückkehr vor.

„Der Ruf des Cthulhu“ ist für einige Fans sicherlich Lovecrafts Opus Magnum. Hier wird alles aufgefahren, was typisch ist für den Stil des Autors. Hinweise und Gerüchte unterschiedlicher Quellen, die sich innerhalb eines komplexen Handlungsaufbaus immer mehr verdichten. Jahrzenhnte und Kontinente überspannende Ereignisse, die irgendwie in Zusammenhang zu stehen scheinen. Ungeordnet werden diese dem Leser präsentiert, so dass dieser die „Fakten“ erst im Kopf sortieren muss. Andeutungen über riesenhafte, uralte Wesen von den Sternen gemacht, die die Menscheit beeinflussen und sich auf ihre erneute Herrrschaft vorbereiten. Gigantische Städte und Kontinente, die vor Urzeiten im Meer versunken sind, in denen aber immer noch schlafendes Leben herrscht. Ein weltumspannender Kult, der den großen Gott Cthulhu verehrt. Diese Paarung handwerklich ausgereifter Spannungsverdichtung einerseits und vager, unbeschreiblicher Monstrositäten andererseits macht Lovecraft heute noch zu einem nahezu unerreichten Meister der Horrorliteratur und „Der Ruf des Cthulhu“ zu einer der einflussreichsten Erzählungen des Genres.

Die Katzen von Ulthar (The Cats of Ulthar), 1920

Im Städtchen Ulthar lebt ein altes Ehepaar, das vornehmlich unbehelligt Katzen quält und tötet. Eines Tages erreicht eine Karawane Fremder die Stadt. Als die Katze eines der fremden Jungen verschwindet, ruft dieser seine Götter um Hilfe an. Nach einiger Zeit findet man nur noch die Knochen des alten Paares in deren Haus.

Ein ultrakurzes düsteres Märchen, das nicht mehr bietet als Andeutungen. Gleichzeitig elegant und von grauenvoller Konsequenz.

Pickmanns Modell (Pickman’s Model), 1927

Die Recherchen für eine Monographie über die unheimliche Kunst führte den Erzähler des öfteren ins Atelier des Malers Pickman. Dieser hat allerdings noch ein weiteres, geheimes Atelier, das verborgen im Labyrinth der Bostoner Altstadt liegt, wo er „den nächtlichen Geist uralten Grauens einfangen und Dinge malen kann, an die ich in der Newberry Street noch nicht einmal denken könnte“. Doch warum meidet der Erzähler seit seinem Besuch dort den Maler, den er selbst einst als „größten Maler Bostons mit profunder Einsicht in die Schöpfung“ bezeichnet hat? Und woher rührt die plötzliche Angst vor dem Benutzen der U-Bahn und dem Hinabsteigen in den Keller?

„Pickmanns Modell“ ist eine klassische Gruselgeschichte, die von der Steigerung des Schreckens (Pickmans verstecktes Atelier, die lebensechten Bilder der schrecklichen Kreaturen, die immer abstoßender werdenden Motive von Pickmans Bildern) und vom gelungenen Höhepunkt lebt. Vergleichbar etwa mit Lovecrafts „Der Außenseiter“. Dieser klassische und gelungene Aufbau dürfte neben der Eigenständigkeit der Geschichte der Grund sein, dass „Pickmanns Modell“ schon unzählige Male anthologisiert wurde.

Das Grauen von Dunwich (The Dunwich Horror), 1929

Dunwich ist ein heruntergekommenes Dorf in Massachusetts, von Fremden gemieden und gezeichnet von Verfall und Inzucht. In der Gegend um das Dorf finden sich zahlreiche Hinweise auf okkulte Praktiken. „Das Grauen von Dunwich“ beginnt, als die zurückgebliebene und entstellte Lavinia Whateley, die einsiedlerisch zusammen mit ihrem halb irrsinnigen Vater lebt, einen Sohn gebiert, der sich unnatürlich schnell entwickelt. Das außergewöhnliche Kind und immer neue Umbauten am entlegenen Haus der Whateleys locken neugierige Besucher an. Doch statt Antworten zu erhalten, stellen sich diesen immer neue Rätsel. Erst Dr. Armitage gelingt es, richtige Zusammenhänge aus allen Merkwürdigkeiten um die Familie Whateley und um die seltsame Gegend um Dunwich herzustellen.

Auch in „Das Grauen von Dunwich“ baut Lovecraft die Grundstimmung durch Legenden, Gerüchte und Aberglauben auf und zwar massiv. Die Hütte der Whateleys scheint mitten in einem mythologischen Brennpunkt zu liegen („Ein ums andere Jahr wird von Geräuschen im Bergland berichtet, die den Geologen und Geomorphologen nach wie vor Rätsel aufgeben. Andere Überlieferungen berichten von fauligen Gerüchen in der Nähe der Steinkreise auf den Berggipfeln, von dahinbrausenden Luftwesen, die zu gewissen Stunden an bestimmten Stellen in den tiefen Schluchten schwach vernehmbar seien; weitere wiederum wollen eine Erklärung für den Devil’s Hop Yard, den Tanzplatz des Teufels, liefern – einen kahlen, unfruchtbaren Berghang, wo kein Baum, kein Gestrüpp, nicht einmal ein Grashalm zu wachsen vermag.“) und die Whateleys sind nach Meinung der Dorfbewohner selbstverständlich Hexer. Mit diesem typischen Aufbau und der Verwendung von Elementen seiner eigenen Mythologie um die Großen Alten fügt sich „Das Grauen von Dunwich“ nahtlos in die Reihe von Lovecrafts Mythos-Geschichten ein.

Celephais (Celephais), 1922

Ein Londoner Schriftsteller tritt die Weltflucht an, als er beginnt, von einer fantastischen, sorgenfreien Welt zu träumen, die er aus seinen kindlichen Träumen kennt. Immer wieder versucht er dann, in seinen Träumen, die Stadt Celephais zu erreichen. Mehr und mehr sehnt er die Nacht herbei, die die Träume bringt und schließlich greift er zu Drogen, die ihm helfen sollen Celephais zu erreichen.

„Celephais“ ist in der Hauptsache eine Aneinanderreihung fantastischer Landschaftsbeschreibungen, durch die sich der Träumer bewegt. Statt den Verfall des Träumenden in der realen Welt zu beschreiben, konzentriert sich Lovecraft auf dessen dem Höhepunkt entgegenstrebende Erlebnisse in der Traumwelt. Die erfüllende Rückkehr nach Celephais bedeutet damit das Sterben des Träumers. Interessanterweise wird am Ende von „Celephais“, das wieder in der realen Welt stattfindet, das erste Mal die Stadt Innsmouth erwähnt.

Aus dem Jenseits (From Beyond), 1934

Crawford Tillinghast ist überzeugt, dass der Mensch über mehr als fünf Sinne verfügt. Eine von ihm entwickelte Maschine soll diese schlafenden Sinne wecken. Tatsächlich ist es ihm möglich, mit Hilfe seiner Erfindung einen Blick ins Jenseits zu werfen, doch auch er kann von dort aus wahrgenommen werden.

Diese Erzählung kommt überraschend kurz daher. Das Thema hätte mehr hergegeben und auch der ansonsten gewissenhafte Spannungsaufbau Lovecrafts kommt hier zu kurz. Insgesamt wirkt „Aus dem Jenseits“ ungewöhnlich gehetzt.

Das weiße Schiff (The white Ship), 1919

Immer wieder lädt der Kapitän des weißen Schiffes den Leuchtturmwärter ein, mit ihm mitzufahren. Als dieser endlich an Bord geht und mitfährt, entdeckt er fantastische Länder, in denen er Äonen seines Lebens verbringt. Doch getrieben von Unrast will der Leutturmwärter plötzlich weiter, das sagenhafte Land der Götter zu entdecken.

Ganz ähnlich wie „Celephais“ besteht auch „Das weiße Schiff“ zum größten Teil aus fantastischen Landschfts- und Städtebeschreibungen, ohne dabei über eine wirkliche Handlung zu verfügen. „Das weiße Schiff“ kann auch als Parabel über die Unrast und über die menschliche Unfähigkeit in einem glücklichen Moment zu verweilen, gelesen werden. Das Verlangen, seine Zufriedenheit noch zu steigern, noch glücklicher zu werden, führt zum Verderben des Leutturmwärters und weiterer Menschen.

Der Tempel (The Temple), 1925

Nach der Versenkung eines britischen Frachtschiffs findet die Mannschaft des U-Bootes U29 an Deck die Leiche eines der britischen Matrosen, der ein sonderbares Elfenbeinbildnis bei sich trägt. Ein Offizier nimmt das Objekt an sich. Seitdem häufen sich die Fälle von technischem Versagen, Albträumen, Schwäche und Wahnsinn bei der Mannschaft, so dass sich die Führung gezwungen sieht, einzelne Mitglieder der Mannschaft zu töten. Schließlich sinkt die U29 mit dem letzten Überlebenden an Bord führerlos immer tiefer.

Abgesehen davon, dass die geschilderten Bestrafungen an Bord des deutschen U-Boots absolut hanebüchen sind und die Deutschen als erbarmungslose linientreue Befehlsempfänger geschildert werden, die ohne viel Federlesens auch über Leichen der eigenen Leute gehen, ist „Der Tempel“ ein Minibeitrag zu Lovecrafts Universum der Großen Alten. Zunächst wird sehr geschickt die Spannung auf dem engen Raum des U-Bootes gesteigert (naturgemäß kann hier nicht auf Gerüchte und Legenden zurückgegriffen werden) um im Finale die Entdeckung einer riesenhaften, versunkenen Stadt zu beschreiben inklusive der Erkundung des titelgebenden Tempels.

Jenseits der Mauer des Schlafes (Beyond the Wall of Sleep), 1919

Nach einem bestialischen Mord, an den er sich nicht erinnern kann, wird Joe Slater, ein degenrierter und einfältiger Bewohner der Catskill Mountains, in eine Nervenheilsanstalt eingewiesen. Im Schlaf gebärdet sich dieser Patient wie wild und spricht unerverständliche und sinnlose Dinge. Während seiner Anfälle scheint Joe Slater Visionen zu haben, die unmöglich auf gehörte oder gelesene Geschichten zurückgehen können. Mit Hilfe einer Apparatur möchte der Assistenzarzt Slaters Träume erforschen. Dessen Gedanken sollen in seinen eigenen Kopf übertragen werden. Slater stirbt bei dem Versuch, doch etwas anderes nimmt mit dem Arzt Kontakt auf.

Ein weiteres, immer wiederkehrendes Element in Lovecrafts Geschichten, sind Träume, die eben nicht nur Träume sind, sondern Blicke oder gar Reisen in andere Welten, andere Wirklichkeiten oder andere Zeiten. Dabei kann auch die Traumwirklichkeit in die Realität greifen und, wie hier Joe Slater, Menschen zu Mördern machen. Dabei stellt Lovecraft stets die Frage, welche Wirklichkeit denn nun die tatsächliche ist („ …so gibt es doch einen gewissen Rest, dessen unweltliches und ätherisches Wesen keine gewöhnliche Deutung erlaubt und dessen auf unbestimmte Weise beunruhigende Auswirkungen womöglich auf einen winzigen Blick in eine Sphäre geistigen Daseins hinweisen, die nicht weniger wichtig als das körperliche Leben und doch von diesem durch eine so gut wie undurchdringliche Barriere abgeschieden ist.“)

Herbert West – Reanimator, 1922

Herbert West ist Student an der medizinischen Fakultät der Miskatonic Universität, wo er „berüchtigt war wegen seiner abenteuerlichen Theorien über das Wesen des Todes und die Möglichkeit, ihn künstlich zu überwinden.“ Aufgrund unethischer Experimente an der Universität folgt bald der Ausschluss von der Fakultät, doch Herbert West findet Mittel und Wege, sein Ziel weiter zu verfolgen.

„Herbert West – Reanimator“ ist so etwas wie die Lovecraft-Version von Mary Shelleys „Frankenstein“, erzählt von Herbert Wests Assistenten, der zwischen Ergebenheit und Abscheu schwankt. Es finden sich zahlreiche Parallelen, wie z.B. Ausschluss aus dem Kreis der Hochschule und das dadurch bedingte Abtauchen in den Untergrund. Ebenso die Besessenheit der Hauptfiguren, die am Ende ihren wiedererweckten Geschöpfen gegenüberstehen.

Auffällig ist die episodenhafte Struktur der Geschichte. Jeder Teil ist eindeutig abgegrenzt, enthält sogar anfangs eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse (eine Art „Was bisher geschah“) und endet cliffhanger-artig jeweils mit einer abstoßenden, schwarzhumorigen und genial arrangierten Schlusszene. Ob „Herbert West – Reanimator“ tatsächlich ursprünglich in Fortsetzungen erschien ist mir leider nicht bekannt. „Herbert West – Reanimator“ verfügt auch – untypisch für Lovecraft – über einen gewissen Humor, der zugegebenermaßen etwas schwer zu entdecken ist zwischen den ansonsten ebenfalls untypisch blutigen Szenen („Zudem war der Versuch unternommen worden, ein frisches Grab auf dem Armenfriedhof zu schänden, als hätte jemand mit bloßen Händen den Boden aufscharren wollen. Das konnten wir nicht begreifen, denn wir hatten die Erde sorgfältig glatt gestrichen. Und noch siebzehn Jahre später blickte West häufig über seine Schulter und beklagte sich über eingebildetet Fußschritte hinter ihm.“)

Erwähnenswert ist noch die Verfilmung von Stuart Gordon (1985 als Re-Animator), der sich, trotz Einführung einiger neuer Elemente, doch sehr eng an die Vorlage hält und auch deren schwarzhumorigen Ton sehr gut trifft, stört man sich nicht an den sehr expliziten Splatterszenen.

Die Farbe aus dem All (The Colour of of Space), 1927

Ein Landvermesser, der das Gelände westlich von Arkham für den Bau eines Stausees vermessen soll, stößt dort auf ein merkwürdig lebloses Gebiet, das die Ortsansässigen nur „die verfluchte Heide“ nennen. Ein Einsiedler erzählt ihm, was dort geschehen ist. Meteoriteneinschläge sollen für die Veränderung der Landschaft verantwortlich sein. Die Pflanzen auf der ehemals ertragreichen Gardner-Farm begannen sich zu verändern. Zuerst wurden die Früchte ungenießbar und schließlich nahmen die Pflanzen eine unirdische Farbe an. Das Wasser nahm das Gift aus den Meteoriten auf und damit auch die Menschen und die Tiere, die in der Folge wahnsinnig wurden und verendeten, während die Wissenschaftler ratlos sind.

Es ist phänomenal, wie Lovecraft es schafft, aus einer solch abstrakten Situation ein derartiges Grauen zu arrangieren. Die Bedrohung ist körperlos und offenbar auf die nähere Umgebung beschränkt. Doch der Autor steigert die Ereignisse und damit die Spannung derart, dass die Frage, warum die Familie Gardner ihr Anwesen nicht verlässt, gar nicht erst aufkommt. Könnte man die Ereignisse zu Anfang noch auf eine Art zersetzender Strahlung schieben (durchaus realistisch bei einem Objekt aus dem Weltall), deutet Lovecraft in einigen Zeilen einen größeren Kontext und sogar ein Bewusstsein der körperlosen Gefahr an. („Es war furchtbar, wie sie sich durch die verschlossenen Türen hindurch Dinge zuschrien; besonders der kleine Merwin litt darunter, weil er glaubte, dass sie in einer schrecklichen Sprache miteinander redeten, die nicht von dieser Welt sei.“)

Mit „Die Farbe aus der Zeit“ von Michael Shea ist übrigens ebenfalls bei Festa eine eigenständige Fortsetzung der Geschichte erschienen.

Nicht nur Blockbuster

„Namenlose Kulte“ ist der zweite von insgesamt sechs Bänden aus „Lovecrafts Bibliothek des Schreckens“ im Festa-Verlag, der Geschichten von Lovecraft himself präsentiert. Eine bestimmte (Zu-)Ordnung der Stories auf die Bände ist dabei nicht zu erkennen.
Auch wenn der Titel „Namenlose Kulte“ nicht für alle Geschichten passt, ist doch positiv anzumerken, dass hier nicht nur Lovecraft-Blockbuster enthalten sind. Neben dem Pflichtprogramm („Der Ruf des Cthulhu“, „Das Grauen von Dunwich“, „Die Farbe aus dem All“, „Pickmanns Modell“) wurden hier auch Beispiele für leise Töne („Die Katzen von Ulthar“, „Celephais“, „Das weiße Schiff“), der untypische „Herbert West – Reanimator“ und einige weitere Stories aufgenommen, die es unter Lovecraft-Fans nie in die A-Liga geschafft haben („Der Tempel“, „Aus dem Jenseits“, „Jenseits der Mauer des Schlafes“).

Neben den Geschichten sind noch einige Aufsätze von Lovecrafts Weggenossen und Freunden (Robert H. Barlow, Zealia Bishop, Marian F. Bonner, Mary V. Dana) enthalten, die ein Bild des Menschen Lovecraft zeichnen, das dem allseits verbreiteten Image des menschenscheuen Einsiedlers entgegensteht.

Wie bereits beim Vorgängerband aus „Lovecrafts Bibliothek des Schreckens“ zeichnen auch hier Andreas Diesel und Frank Festa selbst für die Neuübersetzungen der Geschichten und des Bonusmaterial verantwortlich. Diese sind duch die Bank gut gelungen, flüssig und können durchaus Leser ansprechen, denen Lovecrafts Stil bisher zu gestelzt war.

Das Buch ist qualitativ hochwertig, mit Lesebändchen und Schutzumschlag und rechtfertigt so den Preis von 24,- EURO. Doch etwas Neues bekommt man unterm Strich nicht geboten. Schade ist allerdings, dass „Lovecrafts Bibliothek des Schreckens“ inzwischen ohne Covergrafiken auskommen muss.

„Was war dies für eine tiefsinnige und mehr als natürliche Verkettung von Daten, die den verschiedenen, von meinem Onkel so sorgfältig aufgezeichneten Begebenheiten eine so unheilvolle und mittlerweile unbestreitbare Bedeutsamkeit verlieh?“
(Der Ruf des Cthulhu)

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