Ich muss schreien und habe keinen Mund von Harlan Ellison

Buchvorstellungund Rezension

Ich muss schreien und habe keinen Mund von Harlan Ellison

deutsche Ausgabe erstmals 2014, 672 Seiten.ISBN 3-453-31557-X.Übersetzung ins Deutsche von Herausgegeben und mit einem Vorwort von Sascha Mamczak.

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In Kürze:

Ich denke, also bin ich!

Der Weltuntergang liegt bereits über einhundert Jahre zurück, ausgelöst durch einen verheerenden Weltkrieg von intelligenten Supercomputern. Die Überlebenden haben sich in einen unterirdischen Komplex geflüchtet, doch sie sind nun von einem solchen Computer abhängig. Dieser hat die Menschen unsterblich gemacht – um sie einer ewigen Folter zu unterziehen …Harlan Ellison beweist mit seinen Stories, wie schonungslos spekulative Literatur die großen Fragen der Menschheit aufzudecken vermag.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ein Klassiker wird (wieder)entdeckt“100

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Eigentlich sollte der Name Harlan Ellison jedem Freund der Science Fiction ein Begriff sein. Sollte, schon diesem Konjunktiv ist zu entnehmen, dass die Realität so aussieht, dass kaum ein Leser in unseren Landen ihn kennt. Diesem beklagenswerten Umstand hat Herausgeber und Lektor Sascha Mamczak den Kampf angesagt und ist ein verlegerisches Wagnis eingegangen. Er veröffentlich ein Buch mit Kurzgeschichten, noch dazu ein Buch eines Autors, den bei uns kaum jemand kennt.

Mehr noch, statt das Werk als möglichst dünnes, billiges Taschenbuch in der Masse der Veröffentlichungen zu verstecken macht er selbstbewusst und vom Inhalt überzeugt ein dickes Paperback daraus. Wirtschaftlicher Selbstmord, so werden viele unken, ein mutiger Versuch einen Autor, der etwas zu sagen hat, der weiss was und wie er schreibt endlich dem ihn zustehenden Platz zu verschaffen halte ich dagegen.

Ein stilistisch meisterhafter, vor Ideen überquellender Autor

Harlan Ellison ist dafür bekannt, dass er ein Querdenker ist, der seine Meinung auch lautstark vertritt. Er ist ein Mann, der zu seinen Überzeugungen steht, der überpünktlich arbeitet und gerne und viel aneckt. Und er ist ein Autor, der nicht nur über unermessliche Einfallskraft verfügt, sondern auch wie Wenige mit Sprache arbeitet und umgeht. Dass er immer wieder nach Hollywood gerufen wurde, dort erfolgreich gearbeitet hat bis er dann, weil er seine Vorstellungen nicht eins zu eins umsetzen konnte lieber ging, als sich zu prostituieren passt da nur ins Bild. Als Sohn der einzigen jüdischen Familie im Viertel sah er sich schon früh Anfeindungen ausgesetzt. Viel Feind, viel Ehr könnte man treffend formulieren, prägte ihn diese Zeit doch massgebend, bevor er nach New York ging, um seiner Passion, dem Schreiben nachzugehen.

Warum aber hat Sascha Mamczak ausgerechnet eine Sammlung seiner Kurzgeschichten aufgelegt, und keinen – phantastischen – Roman? Ganz einfach, weil Ellison nie auch nur einen SF-Roman geschrieben hat.

Er ist ein Meister der kurzen Prosa, liebt das intelligente Spiel mit der Idee, will diese nicht endlos ausrollen, sondern stringent und auf den Punkt geschrieben überraschen.

Dass er damit, zumindest in seinem Heimatland, erfolgreich ist beweisen mannigfaltige Preise.
Einen von insgesamt acht Hugo-Awards erhielt er für „Jetty is Five„ – weitere für Repent, Harlequin! Said the Ticktockman / I Have no Mouth, and I must Scream / The City on the Edge of Forever / The Beast that Shouted Love at the Heart of the World / The Deathbird, Adrift Just Off the Islets of Langerhans / A Boy and his Dog sowie Paladin of the Lost Hour), dazu kamen vier Nebula Awards („Repent Harlequin“ Said the Ticktockman /, A Boy and his Dog / Jeffy is Five / How Intersting: A Tiny Man), fünf Bram Stoker Awards (Mephisto in Onyx / Chatting with Anubis / I Have No Mouth, and I must Scream), zwei Edgar Awards (The Whimper of Whipped Dogs / Soft Monkey), zwei World Fantasy Awards (Angry Candy Collection sowie Lifetime Achievement) sowie die unglaubliche Anzahl von achtzehn Locus Awards.

Die allermeisten dieser preisgekrönten Geschichten hat der Herausgeber zwischen den Buchdeckeln vereint, so dass der Leser einen sehr guten, umfassenden Überblick über das Oeuvre des Meisters erhält.

Dass Ellison immer wieder Kollegen protegiert hat, seine beiden Dangerous Visions Storybände, die auch auf deutsch erschienen enthielten unverkäufliche Geschichten abseits des damaligen Mainstreams von bekannten mehr noch aber unbekannten Autoren wie Robert Silverberg, Fred Pohl, Philip José Farmer, Robert Bloch, Brian W. Aldiss, Philip K. Dick, Fritz Leiber, Theodor Sturgeon, John Sladek, R. A. Lafferty, Norman Spinrad, Roger Zelazny, John Brunner, Samuel R. Delany oder J. G. Ballard. So bereitete er den Weg für unzählige Autoren der New Wave, stieß Türen auf und riss Barrieren ein – etwas, das er gerne tut. Durch seine schwere Krankheit in den letzten Jahren gehandicapt, ist sein Werk leider mehr als übersichtlich geblieben.

Inhaltlich bietet uns das Buch in seinen zwanzig Kurzgeschichten und Novellen einen unheimlichen variantenreichen Strauss an Preziosen an. Chronologisch geordnet beginnt der Band mit „Bereue Harlekin!" sagte der Ticktackmann in dem uns der Autor in einen minutiös durchgetakteten Zukunftsstaat mitnimmt – bis ein kleiner Rebell beginnt, Sand in das Getriebe zu streuen …Die Entführung von Jack the Ripper in die Zukunft, unsere Welt als Hölle, der man durch Selbstmord zu entkommen trachten könnte oder ein Spielsüchtiger, dem das Glück plötzlich hold ist verzücken ebenso, wie die meines Wissens einzige Story Ellisons, die je verfilmt wurde. Ein Junge und sein Hund, damals mit dem jungen Don Johnson in der Hauptrolle, entführt uns in die Welt nach der Katastrophe. Begleitet von seinem intelligenten,. sprechenden Hund sucht ein junger Mann zu überleben. Als er dank der Hilfe seines vierbeinigen Freundes eine Frau findet und dieser ins Erdinnere folgt, wird er gefangen genommen und soll als Zuchthengst für die holden Damen dienen …

Eine Perle reiht sich an die nächste, jedes Mal verblüfft und verzaubert uns der Autor auf ganz andere, intelligente Weise, so dass jede neue Geschichte mit Spannung und voller Erwartung aufgeschlagen wird.

So ist dies ein Lesebuch, wie intelligent, wie ergreifend, wie lustig und makaber SF sein kann, ein Buch, dem ich nur die besten Noten ausstellen kann und hoffe, dass möglichst viele Leser zugreifen – es lohnt sich!

Ihre Meinung zu »Harlan Ellison: Ich muss schreien und habe keinen Mund«

A_Mali zu »Harlan Ellison: Ich muss schreien und habe keinen Mund«13.04.2016
Ist schon sehr speziell. Teilweise genial geschrieben, teilweise verstehe ich zumindest nur Bahnhof (Der Todesvogel, Ich suche Kadak - und hab das dann auch gezielt übersprungen).
Bin jetzt bei der Hälfte und hab mir das Buch geholt weil ich unbedingt mal was von Ellison lesen wollte. Ich hatte ja gehofft den "Demon with a glass hand" drin zu finden, aber schade. Ist leider nicht.
Ich bin überhaupt kein Fan von Kurzgeschichten. Bei Philip K. Dick z.B. lese ich die einfach nicht. Ich brauche schon mindestens 300 Seiten um überhaupt warm zu werden, Deswegen ist das Buch hier, für mich zumindest eine totale Ausnahme. Die sich aber gelohnt hat!
Harlan Ellison ist ein Anarchist! Ein Virtuose unter den Science Fiction Autoren, der, wie es mir scheint, keinem gefallen will außer vielleicht noch sich selbst und der in jeder Lage sein Handwerk versteht. Ellison schaut nicht nur hinter den Spiegel, sondern in den Rahmen selbst hinein. Untersucht jede Holfaser auf ihren Wert, zerpopelt sie, breitet sie vor sich aus und reiht sie dann noch in einer sinnfreien Reihe auf - und das, einfach nur weil er es kann.
rugrat zu »Harlan Ellison: Ich muss schreien und habe keinen Mund«12.03.2015
Ein merkwürdiges Buch.
Es hat definitiv Klasse- ich finde es merkwürdig.
Erstklassige Kurzgeschichten- allerdings in einem Stil, den man lesen können muss, oder man legt das Buch gleich wieder weg.

Quer durch das gesamte Genre ( es ist nicht möglich, Ellison festzunageln) erzählen seine Geschichten vom Scheitern der Gesellschaft.
Von bizarren Wünschen und den noch bizarreren Versuchen, diese Wirklichkeit werden zu lassen.
Ihr Kommentar zu Ich muss schreien und habe keinen Mund

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