Herr-der-Ringe-Fans pilgern nach Potsdam

Filmpark Babelsberg zeigt einmalige Ausstellung zum Film

Von Jörg Kijanski

Einige seltsam gekleidete Personen, mitunter mit auffälligen Ohren, lassen erahnen, dass hier etwas Besonderes passiert. Tatsächlich finden sich täglich hunderte Fans des Filmepos zu Tolkiens „Herr der Ringe“ ein, um eine einzigartige Ausstellung mit rund 500 originalen Filmrequisiten zu bewundern. Eine Zusammenarbeit von Filmpark Babelsberg, der Produktionsgesellschaft New Line Cinema und dem neuseeländischen Nationalmuseum Te Papa Tongarewa macht es möglich. Wer die einmaligen Exponate noch sehen will, muss sich beeilen , denn die Ausstellung endet bereits am 29. April und verschwindet anschließend wohl auf nimmer Wiedersehen in ihre Heimat – nach Neuseeland.

Betritt man den Vorraum der eigentlichen Ausstellung, glaubt man zunächst an einen schlechten Scherz, denn ein überdimensionaler Fuchur, jener Glücksdrache aus der „;Unendlichen Geschichte“, grüßt einen von der Decke hängend. Diesen Fauxpas übersehend drängt es den Fan aber ohnehin unaufhaltsam weiter, und nachdem die Argonath passiert sind, empfängt ein düster gehaltener Raum den Besucher mit (fast) allem was das HdR-Fanherz begehrt.

Viele Werke von John Howe, Alan Lee, Gus Hunter, Paul Lasaine und Jeremy Bennett

Während im „;inneren Kreis“ verschiedene Themenblöcke errichtet wurden (z. B. über die „Freundschaft“ zwischen Legolas und Gimli), findet man an der Peripherie zahlreiche Aquarelle, digitale Grafiken, Bleistiftzeichnungen und Skizzen. John Howe, Alan Lee, Gus Hunter, Paul Lasaine und Jeremy Bennett rechtfertigen dabei allein mit ihren ausgestellten Werken den Eintrittspreis von 12 Euro. Auch überzeugen die Themenblöcke mit ihrer Aufmachung. Vitrinen mit Kostümen, Ausrüstungen, Waffen und Schmuck. Fotos mit erläuternden Texttafeln, dazu Monitore mit Making-of-Sequenzen runden den positiven Gesamteindruck ab.

Zu jeder Hauptfigur zeigt man mindestens ein Kostüm, wie beispielsweise das „Reisekostüm“ von Gandalf dem Weißen. Highlight für weibliche Fans dürfte das Hochzeitskleid von Arwen sein, männliche Besucher erfreuen sich zum Ausgleich an Anduril, Aragorns sagenhaftem Schwert. Für die Schwerter haben sich die Aussteller übrigens eine kleine besonderheit einfallen lassen: Drei Schwerter – je eines aus Stahl, Aluminium und Urethan – sollen ausdrücklich angefasst werden, um Unterschiede in der Herstellung und der Textur des Material erfühlen zu können.

Eine zerstörte Mühle im Auenland

Zurück zur Peripherie der Ausstellung. Hier warten Höhepunkte wie das Elbenteleskop, eine Modellfigur eines Mumak-Maquette und das Modell der zerstörten Mühle im Auenland auf die Besucher. Eben jene Mühle – im Modell zwei Meter hoch und fünf Meter breit – die Frodo im ersten Teil in Galadriels Spiegel sieht. Im Film dauert die Szene nur gute zwei (!) Sekunden, die Bauzeit für das Modell betrug hingegen satte drei Monate. Ein eindrucksvoller Beleg für die unglaubliche Detailversessenheit von Peter Jackson.

Bestaunenswert sind weiterhin eine rund vier Meter große Figur von Baumbart, ein ungefähr sechs Meter hohes Modell von Orthanc, dem Hauptsitz Sarumans, und ein Boot, das den toten Boromir im Film davon trägt. Hier kommt es dann zur Mittagszeit zu kleineren Wartezeiten, denn es drängen weit mehr Besucher in die Halle hinein als aus dieser hinaus. Dies führt leider dazu, dass die Luft zunehmend drückender wird mit der Folge, dass die Dachfenster leicht geöffnet werden. So lässt es sich zwar wieder besser atmen, aber durch die einfallenden, teilweise blendend grellen Lichtkegel, wird die anfangs vorhandene düstere Stimmung nachhaltig beeinträchtigt. Ansonsten fallen die Gänge erfreulich breit aus, so dass es nur marginal zu Engpässen kommt.

Der Merchandisingbereich ist ernüchternd für die Besucher

Sehr enttäuschend für die meisten Besucher dürfte sicher der Merchandising-Bereich sein, wo es nahezu ausschließlich teure Pseudo-Fanartikel zu erstehen gibt. Keine Bücher, keine CDs, keine DVDs, keine preiswerten Souvenirs! Stattdessen gibt es ein HdR-Backgammonspiel für 599 Euro oder aus der Sideshow Weta Collection eine Gandalf/Schattenfell-Figur für 379 Euro. Echte Schnäppchen sind das nicht. Galadriel gibt es übrigens „;schon“ für 149 Euro. Dann lieber doch ein alkoholfreies Getränk für 2,50 Euro oder einen Kaffee für zwei Euro.

Gibt es weitere negative Aspekte? Ja, denn es fehlt an Einrichtungsgegenständen und ähnlichem. Eine kleine Sitzecke, stilecht aus einer Hobbithöhle gestaltet, hätte man eigentlich schon erwarten dürfen. So dominieren die Kostüme und Ausrüstungsgegenstände von Three Foot Six Costume Department, Three Foot Six Design Department und natürlich von Weta Workshop. Wer diese live bestaunen möchte, muss sich beeilen und zwei bis drei Stunden für den Besuch einplanen.

Info:

Filmpark Babelsberg
Hotline 0331 / 721 2800