The Burning Girl von Holly Phillips

Buchvorstellungund Rezension

The Burning Girl von Holly Phillips

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „The Burning Girl“,, 295 Seiten.ISBN 0809550652.

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Das meint phantastik-couch.de: „Genre-Springer voller Mysterien mit exzellenter Lyrik“75

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

„The Burning Girl“ ist der erste Roman der Amerikanerin Holly Phillips. Ihre erste Buchveröffentlichung „In the Palace of Repose“, eine Sammlung mit neun Kurzgeschichten aus dem  Bereich Urban-Fantasy, war ein Überraschungserfolg bei Kritikern und Lesern.

„The Burning Girl“ lässt sich, wie viele moderne Phantastik-Werke, nicht eindeutig kategorisieren. Die Autorin selbst beschreibt ihren Erstling als Dark-Fantasy, allerdings befinden sich ebenfalls einige zentrale Elemente der Science-Fiction Literatur im Aufbau der Geschichte. Daher passt  „The Burning Girl“ als moderner Genre-Springer zwischen Fantasy, Science-Fiction und Horror perfekt auf die Phantastik-Couch.

Sieben Wochen, sechs Jahre

Sieben Wochen hat die 24 jährige Ryder Coleman in der Klinik verbracht, ohne das man ihr helfen konnte. Zahlreiche halbmondförmige Narben entstellen ihren ganzen Körper, immer wieder wird sie von Fieberschüben und Halluzinationen heim gesucht. Darüber hinaus leidet sie unter einer massiven Amnesie, denn die letzten sechs Jahre ihres Lebens wurden aus ihrem Gedächtnis gelöscht. Sie erinnert sich an ihr Leben bis zu ihrem sechzehnten Lebensjahr.

Ein Sozialarbeiter besorgt Rye ein Zimmer in einem Wohnheim und einen Job. Dennoch gleicht Ryes Leben weiterhin einem Albtraum. Schließlich trifft sie Bardo und erkennt ihn sofort, als jemanden aus ihrer Vergangenheit. Sollte er erklären können, was mit ihr geschehen ist ? Doch die Geschichte, die Bardo erzählt, klingt genauso absonderlich, wie die ihrer Fieberträume. Bevor Rye ihre Situation auch nur ansatzweise begreifen kann, werden sie und Bardo in eine fremde Welt entführt.

Das Universum – ein Galaxien-Baum

Planeten, Sonnen, ganze Galaxien hängen wie Pfirsiche an einem Pfirsich-Baum. Starke Schwingungen lassen die Welten einander manchmal so nahe kommen, dass die Bewohner eines Planeten eine Verbindung zur benachbarten Welt aufbauen können. Die Tahid des Planeten Nohai erschufen eine solche Verbindung zu Scalléa und eroberten den Planeten. Die Widerstandskämpferin Cleände konnte zur Erde fliehen, lernte Bardo und Rye kennen und verschwand gemeinsam mit der jungen Frau. Niemand weiß was inzwischen geschah. Konnte Rye zur Erde zurück kehren, weil sie die magische Kraft Tahirr entwenden und Kontakt zu einem so genannten Bogenbauer aufnehmen konnte?

Ein Nebel aus unendlicher Verwirrung

Obwohl die Handlung von „The Burning Girl“ überwiegend in einer uns bekannten Umgebung spielt, wirkt die Geschichte irreal und bizarr. Der Leser erlebt das Geschehen ausschließlich aus der Perspektive der Hauptprotagonistin und teilt daher ihre nachhaltig andauernde Konfusion und Ratlosigkeit. Lange gleicht Ryes Irrfahrt durch Träume und Phänomene einem ständigen Wechselspiel zwischen Realität und Wahn, einer Art Schizophrenie.

Ganz allmählich wird sowohl der Hauptfigur, als auch dem Leser klar, dass eine ungewöhnliche, fantastische Realität stattfindet, die eine Kette von mysteriösen Ereignissen in Gang gesetzt hat. Man befindet sich schließlich in einer außergewöhnlich mitreißenden Geschichte, in der die zunächst bemitleidenswerte Hauptakteurin immer mehr agieren und bewegen kann. Trotz ihrer Leiden, wächst Rye über sich hinaus und durchschaut ein komplexes Netz aus Lügen und Manipulation. Mit ihrem Mut und ihrer schonungslos offenen Art erobert die Hauptfigur die Sympathie der Leser.

Düstere Stimmung eindrucksvoll in Worte gefasst

Holly Phillips schafft durch subtil eingesetzte Horrorelemente eine permanente, düstere Stimmung, die allerdings nie vordergründig dominant oder splatterartig wirkt.
Was sprachliche Kreativität und Ausdrucksstärke angeht, ist der Stil dieser Autorin kaum zu übertreffen. Sie zeigt in „The Burning Girl“ ein breites Spektrum lyrischer Kunstfertigkeit.

Satzkonstrukte wie:

„As if her blood burned through his veins, a tidal bore racing through narrow channels until it reached the vast chamber of her heart and crested, and broke, thunder of a heartbeat, echo of a wave: alone (alone) ((alone)) (((alone))).“

überzeugen als poetische Stilmittel und veranschaulichen die psychischen Abgründe einer gequälten Seele. Es ist nur sehr schwer vorstellbar, dass man Phillips eindrucksvolle Prosa in einer deutschen Übersetzung so effektvoll wiedergeben kann.

Ein phantastisches Multiversum öffnet sich langsam

„The Burning Girl“ verwöhnt den Leser nicht gerade mit spektakulären Aktionen. Der sehr langsame Aufbau der Geschichte erschwert zunächst den Zugang. Man hat lange das Gefühl, die wichtigsten Ereignisse verpasst zu haben und sich in einer Art Rückschau auf die eigentliche Geschichte zu befinden. Je mehr man jedoch die Hintergründe versteht, desto einnehmender entwickelt sich der psychologisch raffiniert aufgebaute Plot und desto schöner erstrahlt die sprachliche Raffinesse. Ein Science-Fiction ähnliches Thema verwandelt sich in eine tiefgründige Erzählung über Freundschaft, Loyalität und moralische Grundwerte.

Holly Phillips Dark-Fantasy-Roman „The Burning Girl“ wird die Fans klassischer, heroischer Fantasy wohl nicht begeistern können, ist aber ein Muss für Liebhaber sprachlich anspruchsvoller, tiefgründiger Phantastik-Literatur.

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